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Kapitel VIII.: Vermeintliche Sittlichkeitsvergehen

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

Vermeintliche Sittlichkeitsvergehen.	85

da sie ihr nicht folgen; sie veranlaßt aber dieselbe große Zahl direkt aus das Verbrechen und dunkle Handlungen ausgehender Persönlichkeiten, sich unangemeldet, heimlich hier aufzuhalten, so daß bezüglich ihrer die Polizeibehörde der wirksamen Kontrolle gerade entbehrt, well dieselben sich wegen der drohenden oder vollzogenen Ausweisung besonders geschickt der polizeilichen Beobachtung entziehen müssen.

Die Großstadt hat nicht nur berechtigte Vorzüge unendlicher Art durch Zusammentreffen aller wissenschaftlichen Bestrebungen, durch Konzentratton staatlicher Institute und Einrichtungen, sie hat auch ungeheure Pflichten vermöge dieser erhöhten Intelligenz, und diese Pflichten legen ihr auf, durch geeignete Hygiene, durch immer wieder bereites Invorschlagbringen geeigneter menschlicher Maßnahmen fertig zu werden nicht nur mit den natürlichen und widernatürlichen Äußerungen des Geschlechtstriebes der Großstadt selbst, sondern auch derjenigen Regungen, die vermöge des Großstadttums Personen über das ganze Land hin von ihr abstoßen oder anziehen. Wenn sie sich dieser Pflicht immer mehr unterwirft, wird sie auch mit dieser: kranken Elementen leicht fertig werden.

Die Großstadt selbst ist der natürliche Brennpunkt gesteigerter Individualität, der Geschlechtstrieb aber ist der ewig sich erneuernde Nerv allen Wesens auf Erden. Ihn zu hindern und zu zügeln, wo es nötig, ihn aber auch frei auszugestalten, ist deshalb Pflicht und vornehme Aufgabe der Großstadtleitung und ihrer Bewohner.
        
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