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Kapitel VIII.: Vermeintliche Sittlichkeitsvergehen

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

78 Großstadt-Dokumente Bd. 40. Sittlichkeitsoelikte d. Großstadt.

sonders die gutgläubig streitenden Persönlichkeiten gewöhnlich nach dem Grundsatz richten, daß ihr „lobenswerter Zweck" auch unlautere Mittel heilige.

Es finden sich zunächst die guten Freunde des Beklagten, welche nicht nur allerlei Verdächtiges gesehen haben, sondern auch andeuten, daß ihnen selbst glücklicher Erfolg bei energischeren Versuchen gewinkt hätte. Dann kommt aber die Gegenpartei und bringt Sachverständige (Arzte usw.) zum angeblichen Nachweis der Verleumdung. Alsdann entspinnt sich ein neuer Kamps aus sachverständigem Gebiet. Endlich führt die Gegenpartei den Hauptschlag.

Es findet sich der falsche Zeuge, der Positives bekundet. Zu spät, oft nach Jahren, stellt sich heraus, daß dieser falsche Zeuge vielleicht geisteskrank war. So verläuft sehr häufig solche Verleumdungsklage. Und welche schreckliche Rolle spielt dabei das arme Opfer, das Sühne sucht?

An solche Velerdigungsprozesse setzen sich dann regelmäßig die üblichen Meineidsanzeigen, die von beiden Parteien jedesmal gegeneinander getreulich erstattet werden.

In richtiger Erkenntnis, daß es sich um gegenseitig verfeindete Parteien handelt, stellt fast durchweg nach eingeleiteten Ermittelungen die Königliche Staatsanwaltschaft das bezügliche Verfahren ein.

Ein derartiger Prozeß mag auch in der Kleinstadt hin und wieder vorkommen, aber dort kennt man doch eher die Persönlichkeiten. In der Großstadt taucht plötzlich jeder Beteiligte aus und unter; es ist der geeignete Boden für solche Kämpfe bereit.

b) Einem sehr aufmerksamen Beobachter entgeht nicht, daß die großstädtische Bevölkerung sich zum Teil in regelmäßiger Reihenfolge bestimmter Strafvorstellungen bemächtigt, die sie zu irgendwelchen Beschuldigungen
        
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