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Kapitel VIII.: Vermeintliche Sittlichkeitsvergehen

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

Kapitel VIII. Vermeintliche Sittlichkeitsvergehen

Eine Trübung aller statistischen Erwägungen und Berechnungen erleidet auch die Betrachtung des hier behandelten Spezialgebietes durch die Verschiebungen, welche sich dadurch ergeben, daß auch falsche Beschuldigungen nach sittlicher Richtung hin gegen andere erhoben werden.

a) In erster Linie kommt in dieser Beziehung der Verleumdung ein weites Feld zu. Was die Großstadt in dieser Beziehung dem aufmerksamen Beobachter bietet, spottet jeder Beschreibung. Ein liebeseifriger Sportsmann, der Widerstand gefunden und glatt abgewiesen worden ist, macht seinem Arger dadurch Lust, daß er von der betreffenden Dame behauptet, er habe Erfolge erzielt. Dieses Gerücht wird weiter gesprengt und gelangt schließlich zu den Ohren der Familie der Dame, die dieser-halb Beleidigungsklage anstrengt. And nun setzt der widrige Karnpf ein, der in der Regel die Begleiterscheinung jeder kontradiktorischen Strafprozeßverhandlung ist. Das Volk, sowohl der gebildete als der ungebildete Teil desselben, weiß immer noch nicht vollständig, daß jedes Strafverfahren in Wirklichkeit ein Strafprozeß ist, der von Personen — Denunziant, Verletzter und Angeklagter —, die sich als Prozeßparteien fühlen, geführt wird, wenn es sich um streitige Sachen handelt, ein Kampf, in dem oft alle Mittel recht zu sein scheinen und bei dem sich, be-
        
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