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Kapitel VII.: Die Stellung der einzelnen Gesellschaftsschichten mit Bezug auf Sittlichkeitsdelikte

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

Die Stellung der einzelnen Gesellschaftsschichten. 75

die Großstadt, aber nicht, weil das Milieu derselben dazu Anlaß bietet, sondern weil im Gegenteil die Übeltäter sich dorthin begeben, woselbst sie dort leichter unterzutauchen hoffen.

g) Übertretungen der sobenannte göttliche Ge- und Verbote haben mit dem Milieu der Großstadt überhaupt nichts zu tun. Sie werden daselbst im wesentlichen durch zu enges Zusammenwohnen verursacht, während aus dem platten Lande und in der Kleinstadt sie auf wirklich verbrecherischem Willen und mangelnder sittlicher Erziehung beruhen.

h) Vergehen gegen die durch die Natur gesetzten Grenzen kommen in der Großstadt häufiger vor, vermöge der infolge intensiverer Arbeit gesteigerten Entnervung und der mangelhaften Aufsicht und Kontrolle durch Nachbarn und Bekannte.

i) Der Gelegenheitsverkehr ist in der Großstadt in unverhältnismäßig viel höherem Maße entwickelt, wesentlich infolge derselben Gründe wie die vorstehend zu h erwähnten. Gr ist aber keineswegs etwa übermäßig vorhanden, da die in der Großstadt auf sittlichem, moralischem, wissenschaftlichem, industriellem und künstlerischem Gebiete geleistete Arbeit noch in ungleich viel höherer Weise gesteigert ist, als entsprechend in der Kleinstadt und auf dem Lande. Überall da aber, wo menschliche Tätigkeit in besonderer Intensität sich zeigt, werden auch Steigerungen der Abarten derselben nicht ausbleiben.

k) Die Wertschätzung der Ehe seitens der Großstadt-bewohner ist dieselbe, wie die in der Kleinstadt geübte. Die Verletzung der Ehe ist eure größere als in der Kleinstadt, aber nicht infolge mangelnden sittlichen Willens, sondern infolge zahlreicherer Gelegenheit. Sie ist verbunden und gemildert durch richtigere Erkenntnis mit Bezug auf natürliche Vorgänge. Eheähnliche Verhältnisse sind
        
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