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Kapitel VII.: Die Stellung der einzelnen Gesellschaftsschichten mit Bezug auf Sittlichkeitsdelikte

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

74 Großstadt-Dokumente Bd. 40. Stttlichkettsdelikte d. Großstadt. 
mäßig viel seltener zu sein als auf dem Lande, weil die 
Gelegenheit zum Gelegenheitsverkehr dort bedeutend 
näher liegt. 
c) Gewaltsames Einschreiten gegen andere Personen 
aus erotischen Gründen ist in der Großstadt so gut wie 
ausgeschlossen, soweit die Stadt selbst in Frage kommt. 
Die Dichtigkeit der Bevölkerung, die Übersichtlichkeit der 
örtlichkett, tritt ohne weiteres dem entgegen; derartige 
Delikte gehören in abgelegene Anlagen aus weithin ent¬ 
legene Exerzierselder, aus unübersichtlich geordnete Land¬ 
wege und Straßen. 
Es ist dies zugleich ein glänzender Beweis dafür, 
daß durch fortschreitende Zivilisation, durch geeignete 
Vorbeugung jedes Delikt zur Einschränkung gebracht 
werden kann, indem die Schutzvorrichtung, an die sich 
jeder wenden kann, die Beaufsichtigung von Weg und 
Steg tausendmal besser wirkt, als eine Strasbestimmung, 
die nach geschehener Tat einsetzen soll. 
d) Verletzungen der im öffentlichen Interesse ge¬ 
gebenen Vorschriften, Verbote und Anordnungen kommen 
in der Großstadt äußerst selten vor. Jeder einzelne ist 
durch die Erfahrungen des Lebens wohl diszipliniert; 
gerade das, was doch vorkommt, ist fast durchweg Er¬ 
gebnis krankhafter Veranlagung. Beteiligt hierbei sind 
alle Bevölkerungsschichten ganz gleich, weil es sich um 
eine krankhafte Veranlagung handelt, die in allen Men¬ 
schen auftreten kann. 
e) Übertretungen polizeilicher Vorschriften, betreffend 
das Zensurverbot und Anwendungen desselben, sind 
naturgemäß in der Großstadt häufiger, weil die neuen 
Sachen dort zuerst herauskommen und dadurch zum 
Prüfstein für das Land werden. 
f) Übertretungen staatlicher Vorschriften, betreffend 
Doppelehe u. dgl., konzentrieren sich im wesentlichen auf
        
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