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Kapitel IV.: Vergehen gegen Sittlichkeitsvorschriften, welche als allgemein menschliche oder göttliche Gebote bezeichnet werden

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

56 Großstadt-Dokumente 93b. 40. Sittlichkeitsdelikte d. Großstadt.

besser weiß, was sie will, wem sie zustrebt, und was ihr nötig ist, als der Mensch, der mit seinem Eingriff ihr helfen will, um sie vor einem Absturz zu bewahren. Die Natur ist so unendlich vielseitig in der Erhaltung der Art und der Individuen, in der Kraft, neue Individuen zu schaffen, daß sie sich ersichtlich derartige Degenerationserscheinungen, als welche sie bezeichnet werden mögen, in nicht unerheblichem Umfange gestatten darf. Von den Blüten des Baumes gehen taufende unter, ehe eine zur Frucht reist; der Prozentsatz der anormal veranlagten Personen ist ein äußerst geringer. Der Wegfall derselben für die Forterhaltung der Nation ergibt sich sogar von selbst als wünschenswert, da sie eben anormal und als degeneriert zu betrachten sind. Jeder Eingriff der Menschen in das Naturspiel ist deshalb absolut überflüssig.

Die absolute Erhaltung eines Volkes auf Ewigkeit ist den Naturgesetzen nach unmöglich. Jeder Baum, und wenn er noch so gesund ist und in zahllosen Verästelungen sich ausdehnt, trägt das Gesetz des Todes in sich; er muß nach Ablauf feiner Standdauer fallen, weil durch Verbrauch feiner Zellkraft das Pumpwerk, welches das lebenserhaltende Wasser emporschafft, erlahmt. Er wird fallen, mögen zahlreiche Blüten desselben sich nicht fortpflanzen oder mag jede einzelne Blüte sich regelmäßig zu neuer Frucht entwickeln. Der Untergang der Nationen beruht nur anf dem Naturgesetz, daß alles, was entsteht, wieder vergehen muß. Es ist unbewiesene Sage, daß Entartung aus sittlichem Gebiet den Untergang einer Nation verursacht oder beschleunigt hätte. Im Gegenteil, die an sich untergehende Nation wird als Folge dieser ihrer Bestimmung auch aus sittlichem Gebiete größeren Abirrungen ausgesetzt sein. Die Aufhebung jeder diesbezüglichen Beschränkung, aus Grund der Einsicht, die
        
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