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Kapitel IV.: Vergehen gegen Sittlichkeitsvorschriften, welche als allgemein menschliche oder göttliche Gebote bezeichnet werden

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

54 Großstadt-Dokumente 23b. 40. Sittlichkeitsdelikte d. Großstadt.

Handlungen ergeben sind. Auch diese Perversität hat einen eminenten Einfluß aus sonstige Umstände, an die der Nichtkenner wohl nicht denkt, insbesondere auch auf die Rechtspflege. Diese Persönlichkeiten geben vermöge der Streitigkeiten, in die sie fortgesetzt gezogen werden, ständig Gastrollen als Zeugen vor Gericht; ihre Zeugenaussage wird in der Regel absolut identisch mit der Bekundung der von ihr geliebten Person sein, wodurch Irrtümern der Rechtspflege Tür und Tor geöffnet ist.

Auch dies ist eins der zahllosen Gebrechen, an denen die Beweisaufnahme vor dem Strafgericht in natur-notwendiger Weise leiden mutz.

Es ist hervorzuheben, daß die von Natur anormal veranlagten Personen mit Rücksicht auf Anfeindungen, denen sie fortgesetzt ausgesetzt sind. ihrerseits gleichsam in ein Ghetto sich zusammengedrängt fühlen und dadurch eine gewisse Überspannung des sonst wohl weniger hervortretenden Anormalen, ein gewisses Solidaritätsgefühl künstlich erzeugt wird. Diese Persönlichkeiten, die sonst in ihrem Auftreten häufig äußerlich sehr wohl erkennbar sind und dadurch sich verachtet glauben, meiden oft wissenschaftliche, familiäre, unterhaltende Zusammenkünfte der sonstigen Menschen und schließen sich untereinander ab zu besonderen diesbezüglichen Veranstaltungen, die ihnen einen schwachen Ersatz der Anrechte an das Leben gewähren sollen.

Es werden regelmäßig in Berlin Versammlungen zur Belehrung, zur Unterhaltung abgehalten, in denen, seien es männlich, seien es weiblich anormal Veranlagte oder sich Fühlende, zusammentreffen.

Es werden große Bälle abgehalten, bei denen oft Hunderte Gleichgesinnter sich treffen und neben dem Höchst-gestellten auch der letzte kleine Handwerker sich wohl fühlt, weil er der allgemeinen Verachtung entrückt ist.
        
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