Path:
Kapitel IV.: Vergehen gegen Sittlichkeitsvorschriften, welche als allgemein menschliche oder göttliche Gebote bezeichnet werden

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

____________Vergehen	gegen	Sittlichkeitsvorschriften.	49

man lagt, daß daraus das aus dem Gefühl der Kraft sich ergebende häufige sadistische Verhalten des Engländers, das von klassischer Verehrung und Liebe zur Frau erfüllte Leben des Franzosen resultiere. Die vielleicht minderwertigere Kartoffelnahrung des Deutschen, insbesondere auch vielleicht die diesbezügliche oft sehr traurige Ernährung der Großstadt scheinen nicht ganz ohne Einfluß zu sein auf die Schwäche des Geschlechtstriebes überhaupt und deshalb auch des vollendet ausgebildeten Triebes zu dem anderen Geschlecht.

Zweifellos wird auch, wie jedes Äbel ansteckend wirkt, hier manche Perversion sich durch Verleitung ergeben.

Das Ergebnis ist, daß wir in Berlin eine sehr große Zahl ausgesprochen und anerkannt pervers veranlagter Personen haben, zu deren Verfügung eine wirkliche männliche Prostitution steht. Soweit diese Personen von Natur cw* so veranlagt sind, sind sie zu Anrecht mit Verachtung überschüttet worden, um sie zu ändern. Auch gegen dieses Übermaß blieb die natürliche Reaktion sogar nicht aus, die zu Unrecht Verachteten suchten ihre Lage zu verbessern.

?li!r wahrer Edelmut kann einen Forscher, welcher dies erkannt hat, dazu bringen, sich an die Spitze dieser Bestrebungen zu stellen, die das jenen gegenüber angeblich durch die Gesellschaft getane Unrecht wieder gutmachen will, wie es der berühmte Spezialarzt Dr. Magnus Hirschfeld für die Großstadt Berlin mit Erfolg durchgeführt hat, indem er aufklärend wirkte. Aufklärung ist ja auch hier identisch mit Besserung.

Die Beschimpfung und Verachtung ist ebenso unnütz, wie andererseits etwa eine übertriebene Lobeserhebung. Es handelt sich um natürliche Reaktion gegen ein getanes Anrecht. Beim Wegfall des letzteren wird auch die erstere zessieren.

Grotzstadt-Dokumente Bd. 40.	4
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.