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Kapitel IV.: Vergehen gegen Sittlichkeitsvorschriften, welche als allgemein menschliche oder göttliche Gebote bezeichnet werden

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

Vergehen gegen Sittltchkeitsvorschristen.	47

Vorschriften zum großen Teil übernommen, jedoch durchweg mit dem ersichtlichen Bestreben, dieselben möglichst einzuengen.

Hierzu gehört das früher ägyptische Gebot, daß der Bruder seine Schwester heiraten muß, wenn er aus dem Throne sitzt, das testamentliche Gebot, daß der Bruder seines Bruders Witwe heiraten muß, wenn jener verstorben, und zahlreiche ähnliche Vorschriften, die derartig miteinander wechseln und dem, was unsere anerzogene Empfindung für richtig hält, ins Gesicht schlagen, daß, wer die von jenen Völkern doch auch für heilig gehaltenen Gebote nicht kennt, deren Existenz nicht für glaubhaft ansehen würde. Derartige Gebote sind in unsere Gesetzgebung natürlich nicht ausgenommen.

Aufmerksame Forscher der Natur haben gefunden, daß durch das gesamte Liebesleben der Natur, wie Wilhelm Bölsche sich so prägnant ausdrückt, ein Abneigungszug verwandter Individuen gegen die Vereinigung der Fortzeugung sich wahrnehmen läßt; ähnlich finden sich fast in allen Religionen eine Reihe bis zu Verboten kristallisierter Vorschriften, nach welchen die Ehe bzw. die eheähnliche Verbindung blutsverwandter Personen untersagt wird.

Dies sind die als sogenannte Ehehindernisse auch in die moderne Gesetzgebung, aber natürlich in ganz verschwindendem Umfange, übergegangenen Eheverbote. Durch das Strafrecht wird der Kreis erweitert auf die bloße Geschlechtsverbindung ohne Ehesanktion und durch die herrschende Zudikatur auf strafrechtlichem Gebiet wird diese Ausdehnung in äußerst weitem Umfange ausrecht erhalten. Zn der Praxis ist durch die von Jugend auf eingeimpfte Kenntnis dieser Verbote eine derartige Angewöhnung an dieselben erfolgt, daß man Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften als selten bezeichnen kann,
        
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