Path:
Kapitel III.: Der Gelegenheitsverkehr (Kuppelei, Zuhälterei, sonstiges Protektionswesen)

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

Der Gelegenheitsverkehr.

43

Unrichtig ist dagegen die weitverbreitete Ansicht, daß die Dirne sich den Zuhälter kaufe, weil sie sich häufiger rechtlos fühle und Verfolgungen ausgesetzt wähne. In unserer heutigen Großstadt kann der Zuhälter die Dirne absolut vor angeblicher Rechtlosigkeit oder sonstiger Gefahr nicht schützen.

Er sitzt in einem Restaurant, während jene vielleicht eine Viertel- oder halbe Stunde entfernt ihrem Gewerbe nachgeht. Er sitzt da, um, wenn jene fertig ist, das Geld ihr abzunehmen.

Wenn deshalb die Abschaffung des polizeilichen Kon-trollsystems damit begründet werden soll, daß es ursächlich aus die Vermehrung der Zuhälter wirke, so muß trotz der Sympathie für jene Bestrebungen dieser Begründung entgegengetreten werden.

Das Halten des Zuhälters hat mit der Furcht vor Gefahr in Wirklichkeit nichts zu tun. Der Zuhälter ist auch gewöhnlich ein entnervter, meist arbeitsunfähiger, seiger Mensch, der, insoweit man gewöhnlich den Zuhälter sieht, nur unter der Wirkung des Alkohols, wenn er die Partie verloren hat, zu Gelegenheitsexzessen gegenüber den Personen, die ihn verhaften wollen, kommt. Der Grund, warum sich eine Frauensperson einen Zuhälter hält, ist vielmehr ein rein psychologischer, älter als jede Polizeiverordnung und unabhängig von ihr.

Die betreffende Frauensperson findet naturgemäß in ihrem Gelegenheitsverkehr nichts für ihr Gemüt. Gs gibt aber keinen unserer Mitmenschen, der nicht in der verborgensten Zelle seines Herzens sich so viel Menschlichkeit bewahrt hätte, daß er den gemütvollen Geselligkeitstrieb verleugnen könnte, der dem Menschen innewohnt. Auch diese unglücklichen Mitmenschen weiblichen Geschlechts wollen deshalb jemanden haben, denn sie lieben können, der ihnen möglichst wenig Schwierigkeiten und
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.