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Kapitel III.: Der Gelegenheitsverkehr (Kuppelei, Zuhälterei, sonstiges Protektionswesen)

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

42 Großstadt-Dokumente Bd. 40. Sittlichkeitsdelikte d. Großstadt. 
Wir deuteten schon cm, daß mit diesem Verkehr das 
Zuhältertum an sich meist verknüpft ist, es sind jedoch 
beide keineswegs, namentlich nicht in ihren gemeingefähr¬ 
lichen Nuancen, begrifflich füreinander notwendig. 
Zuhälter ist gemeinhin der, welcher aus dem Er¬ 
trage sittlich unerlaubter Hingabe ganz oder teilweise sei¬ 
nen Unterhalt zieht. Dieser Begriffstatbestand aber er¬ 
füllt sich ganz unabhängig von den Tiefen des Gelegenheits¬ 
verkehrs auch bis in die höchsten Schichten der sanktio¬ 
nierten Ehe hinein, insbesondere in der Großstadt. 
Der Vorgesetzte, welcher ein Verhältnis mit der Frau 
seines Untergebenen unterhält, macht deren Ehemann zum 
Zuhälter, wenn dieser deshalb ein Auge zudrückt, weil 
er auf Beförderung hofft. 
Der Kaufmann ist Zuhälter, welcher seine Frau an¬ 
stiftet, sich im Laden oder Restaurant unsittliche Hand¬ 
griffe und Zutraulichkeiten gefallen zu lassen, damit sein 
Geschäft besser floriere. 
Der Chef ist Zuhälter, welcher seine jungen Leute 
animiert, die kaufenden Dienstmädchen zu poussieren 
und zu mnsassen, damit er bessere Kundschaft habe. 
Neben diesen Formen findet sich jedoch auch in der 
besseren Gesellschaft eigentliche Zuhälterei. 
Die Annoncen von entgleisten Adligen, welche sich 
den in den öffentlichen Lokalen verkehrenden Dirnen als 
Ehemänner anbieten, um ihnen einen adligen Namen zu 
verkaufen und von dem erhaltenen Entgelt ein Jahr zu 
leben, bis sie wieder geschieden sind, und dann das 
Manöver wiederholen, zeigen eine energischere Stufe des 
Zuhälters. 
Was ferner in dieser Beziehung an Protektions¬ 
wesen geleistet wird, entzieht sich naturgemäß der statisti¬ 
schen Beurteilung. Wer aber die Verhältnisse kennt, der 
weiß, wie das ewig Weibliche gar manchen „hinanzieht".
        
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