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Kapitel III.: Der Gelegenheitsverkehr (Kuppelei, Zuhälterei, sonstiges Protektionswesen)

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

Der Gelegenheitsverkehr.	41

der Großstadt, in welcher schon die Kinder selbst als gewitzigte Großstadtkinder vor Gefahren sich objektiv hüten. Was in solchen Quartieren überhaupt den Lüsternen zugeführt wird, ist zum größten Teil betrüglich offeriertes Material, bei dem der Tor nicht nur seine Ehre, sondern auch noch sein Geld los wird. Wirklich bösartige, verbrecherische Kupplerinnen, so wie sie in den Ländern des Orients üppig gedeihen sollen, sind in Berlin äußerst selten, vielleicht überhaupt nicht vorhanden. Wirkliche Fälle, die ganz zweifelsfrei nachgewiesen wären, sind nicht bekannt.

5. Dagegen ist, soweit es sich um erwachsene Personen handelt, wie man auch aus der Tagespresse entnehmen kann, die Veranstaltung von den Sittengesetzen zuwiderlaufenden Gesellschaftsabenden, Tees und dergleichen durch ehemalige Dirnen, die sich irgend einen hochtrabenden Salonnamen zugelegt haben, in der Großstadt, auch in Berlin, häufig. Hin und wieder hört man dann, daß ein derartiges Nest ausgehoben sei, aber die Klientel geht in ein anderes über, das in irgend einer feinen Straße des Westens, gewöhnlich sogar des WW., wieder aufgetan wird. Aus dem großen Staub, der dann von dieser Sache in den Gesprächen aufgewirbelt wird, kommt gewöhnlich eine kleine Maus heraus, bestehend in einer Strafe von weiteren Monaten Gefängnis gegenüber einer Person, die drei- oder viermal wegen Kuppelei schon vorbestraft ist, und die, aus den Pforten des Gefängnisses herauskommend, sofort mit Bedacht die neue Wohnung mietet, in welcher der jour fix und Gesellschaftscercle unter Duldung eines nachsichtigen Portiers ungehindert wieder vor sich gehen kann.

Mit dem Gelegenheitsverkehr hängt das Zuhältertum

eng zusammen.
        
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