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Kapitel III.: Der Gelegenheitsverkehr (Kuppelei, Zuhälterei, sonstiges Protektionswesen)

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

Der Gelegenheitsverkehr.

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niemals an derartige strafrechtliche Verfolgungen. Es ist damit auch jede diesbezügliche Ausbeutung aufgehoben, jede Erpressung und alle die üblen Begleiterscheinungen, die sich in der Großstadt zahlreich in der Tat im Anschluß an diese Wohnungskuppelei vorfinden, die jetzt doch, wenn mich als etwas Unbeaufsichtigtes, Heimliches vor sich geht.

Wohlgemerkt, wir wollen hier nicht etwa die Frage erörtern, inwiefern das Treiben in jedem Falle zu mißbilligen ist. und ob nicht das Tun der Betreffenden selbst durch Verbesserung der wirtschaftlichen Lage zu einer fortgesetzten Einschränkung gebracht werden mutz, sondern wir wollen vom Standpunkt der Großstadt aus erörtern, wie mit den jetzt vorhandenen Faktoren am sachlichsten und gerechtesten auszukommen ist.

Die Folge des jetzigen Zustandes ist das absolute wirtschaftliche Elend derjenigen weiblichen Personen, welche Opfer der männlichen Nachfrage sind und die wirtschaftlich höheren Einnahmen derjenigen Persönlichkeiten, welche in dieser Weise ihre Räume vermieten gegenüber denen, die es in anständiger Weise tun.

Die öffentliche Meinung läuft seit Jahren Sturm gegen die betreffende Iudikatur, wohl mit Unrecht; es wird nur durch Abänderung der Gesetzgebung möglich sein, diesen sogenannten einfachen Kuppeleitatbestand, dessen Verletzung meist nicht aus bösem Willen, sondern wirtschaftlichem Zwange beruht, der Bestrafung zu entziehen.

Er folgen jedoch aus diesen Zuständen noch schlimmere Konsequenzen, die für den, der sie aufmerksam betrachtet, geradezu einen grauenhaften Einblick in menschliche Schwäche und Schlechtigkeit gewähren.

Vermieterinnen und Mieterinnen halten sich dauernd durch Drohung und Erpressung in Schach; die eine ist der andern verfallen, da diese wegen Gewerbsunzucht ohne polizeiliche Kontrolle die Mieterin denunzieren kann.
        
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