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Kapitel III.: Der Gelegenheitsverkehr (Kuppelei, Zuhälterei, sonstiges Protektionswesen)

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

38 Großstadt-Dokumente Bd. 40. Sittlichkeitsdelikte d. Großstadt.

Stunden von einem anderen Bahnhof aus Weiterreisen, lassen doch ihr Gepäck durch die amtliche Zwischenbahn-hossgepäckerpedition befördern, zudem sind fast alle Züge so eingerichtet, daß sie ihren Anfangs- oder Endpunkt in Berlin haben. Aber die Dame ist doch mit verschiedenen Herren in derselben Nacht mehrmals gekommen? , Aber sie war meistens verschleiert und hübsch war sie auch, und so genau habe ich sie mir doch nicht angesehen, meint der Portier. Was würde wohl der Ehemann denken, wenn ich seine Frau so anstiere? Aber der Ehemann ist doch früher weggegangen und die Frau ist allein noch zurückgeblieben und war am anderen Morgen da und bezahlte, nachdem der Ehemann schon beim Weggehen das Zimmer bezahlt hatte. Aber wie häufig Kommt das vor, daß auch Eheleute nicht zusammen weggehen?

Dieses ergötzliche qui proquo findet sich nicht ohne allgemeine Heiterkeit in Verhandlungen, die zum Gegenstand derartige Kuppeleidelikte haben.

Es wäre nach unserer Ansicht an der Zeit, die gesetzlichen Bestimmungen aufzuheben. Sie nützen nach unserer Überzeugung nicht viel; in Fällen, in denen sie zur Verurteilung führen, kann sehr oft ein Irrtum zu Lasten wirklich Unschuldiger unterlaufen. Wenn die Betreffenden nicht in ein Hotel gehen, gehen sie eben in ein anderes, denn es sind erwachsene Personen, die wissen, was sie wollen, und an denen in der Regel auch nichts zu verderben ist. Die übelste Wirkung der Bestimmung selbst aber ist eine absolute Degeneration der betreffenden Charaktere, die, wissend, daß sie Verpöntes tun, dadurch zu einer Gesetzwidrigkeit kommen, die mit der Zeit gewohnheitsmäßig wird und auch mit Bezug auf andere gesetzliche Vorschriften abstumpfend wirkt. Andere, mindestens ebenso zivilisierte Staaten denken
        
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