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Kapitel III.: Der Gelegenheitsverkehr (Kuppelei, Zuhälterei, sonstiges Protektionswesen)

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

Der Gelegenheitsverkehr.

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Wirtin von ihrem Treiben etwas gewußt habe, unter bedeutungsvollem Lächeln: Na ob. Trotz allen Zuredens gestand die Wirtin nicht und wegen ihres hartnäckigen Leugnens bekam sie 8 Tage Gefängnis, während sie bei einem etwaigen Geständnis vielleicht mit drei Tagen davon gekommen wäre.

3. Wo waren denn aber nun die beiden Damen, als sie die Nächte gar nicht nach Hause kamen, also auch in den gemieteten Zimmern nichts Böses taten? Aus diese Frage des Kandidaten Iobses könnte jeder Nachtportier die geeignete Auskunft geben. Kleine Hotels, chambres separäes gibt es in der Großstadt in Masse. Alle Anstrengungen der Justiz, in dieser Beziehung den Tatbestand festzustellen, scheitern gewöhnlich. Man verlangt vom Portier, daß er die Leute frage, ob sie verheiratet seien; der Portier aber antwortet aus die Frage, daß selbstverständlich alle diese Leute Herr Müller und Frau seien; einen Trauschein aber führen verheiratete Leute doch auch nicht gerade bei sich. Da soll es denn noch Kennzeichen geben, wie der Altersunterschied; aber wer hat denn noch nicht gehört, daß ein alter Seladon sich in ein junges Mädchen verliebt und daß er sie zum Altar geführt hätte? Auffallende Kleidung, insbesondere Balltoilette, soll verdächtig sein? Aber wer weiß denn nicht, daß die Vorortbewohner, wenn sie aus einer Gesellschaft in Berlin waren und den letzten Nachtzug versäumt haben, sich in einem Hotelzimmer aufhalten müssen, falls sie es nicht vorziehen, in einem Wiener Caf6 bei umgedrehten Stühlen die Nacht über zu sitzen. Und in den Vororten ist man sogar meistens verheiratet, wenn man zusammen ohne weitere Begleitung zur Gesellschaft geht. Aber Gepäck sollen die Reisenden doch haben? Wieso, meint der kundige Portier? Die meisten Reisenden, die hier auf einem Bahnhof ankommen und nach einigen
        
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