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Kapitel III.: Der Gelegenheitsverkehr (Kuppelei, Zuhälterei, sonstiges Protektionswesen)

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

Der Gelegenheitsverkehr.

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lich sind es alt gewordene Dirnen oder in Not geratene anständige Vermieterinnen, welche ihre Räume zu diesem Treiben hergeben. Irgend eine anständige Beamtenwitwe hat eine Wohnung von fünf Zimmern genommen und ist nach Berlin mit dem Hausrat gezogen, um hier zu vermieten. Sie hat das Glück gehabt, im Oktober an Studenten zu vermieten, die am 1. April in die Ferien gehen. Erst am 1. Mai kommen sie wieder. Den Monatmietsaussall muß sie zulegen. Am 1. August aber beginnen die großen Ferien für ihre Mieter, die zirka drei Monate währen. Die Räume stehen leer, Miete kommt nicht ein, sie selbst aber hat dem Wirt pünktlich jeden Monat den Mietszins zu zahlen. Die Frau kommt in Verlegenheit. Da naht sich eine Nachbarin und sagt, Geld könne sie ihr nicht borgen, aber sie gebe ihr doch den Rat, ruhig aus kurze Zeit absteigen zu lassen. Nach anfänglichem Zögern zwingt die wirtschaftliche Notwendigkeit dazu und die Vorstrafe wegen Kuppelei ist fertig.

2. Line andere Vermieterin, die sonst energisch jede weibliche Person zurückweist, hat schließlich doch einige aufgenommen, von denen sich die eine als Kontoristin, die andere als Vüffetdame bezeichnet. Die Gefahr derartiger unrichtiger Angaben liegt in Berlin auf der Hand. Um sich vor diesen Gefahren zu schützen, sind notgedrungen viele Vermieterinnen in das andere Extrem verfallen, daß sie lieber überhaupt nicht an weibliche Personen vermieten. Dadurch können auch anständige weibliche Personen oft schwer Unterkommen finden und müssen infolgedessen, wenn sie solches finden, mehr bezahlen als männliche Personen. Da der Lohn der weiblichen Arbeitskräfte geringer ist als der der männlichen, so ist klar, daß hier ein schreiendes Mißverhältnis vorliegt. Eine Abhilfe dagegen kann wiederum nur dadurch erzielt werden, daß man das einfache Wohnungsvermieten, welches nicht mit

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