Path:
Kapitel III.: Der Gelegenheitsverkehr (Kuppelei, Zuhälterei, sonstiges Protektionswesen)

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

34 Großstadt-Dokumente Bd. 40. Sittlichkettsdelikte b. Großstadt. 
treffende, wesentlich gemeinte Krankheit, ebenso wie andere 
Krankheiten, einem auf Jahrhunderte verteilten An¬ 
wachsen und Verschwinden unterliege. Sie sei vielleicht 
vor vier Jahrhunderten hier ausgetreten und jetzt bereits 
im Absterben begriffen, weil die zivilisierte Menschheit in 
den betreffender! Ländern durch ihr jahrhundertelanges 
Vorhalten bereits immun sei, und weil auch die Krank¬ 
heit ihr Leben, ihr Entstehen und Untergehen habe. Auch 
hieraus ergibt sich, daß eine Besserung nur in der hygieni¬ 
schen Bekämpfung der Krankheit, nicht in der Verhütung 
des Einzelfalles durch polizeiliche oder gerichtliche Ma߬ 
nahmen, möglich ist. 
Gin wesentlicher Adelstand, der mit dem Gelegen¬ 
heitsverkehr eng verbunden ist und durch einschlägige 
Rechtsbestimmungen betroffen wird, ist die sogenannte 
Kuppelei. 
Nach unserer herrschenden, strafrechtlichen Iudikatur 
ist das Vermieten eines Zinlmers an eine Frauensperson, 
auch zu dem üblichen Mietspreis, wenn sie Gelegenheits¬ 
verkehr in demselben treibt, strafbar. 
Angesichts der ungeheuer großen Verbreitung des 
Verkehrs wird dieser sich stets ÜrtlrchKeiten zu seiner 
Ausübung verschaffen; da aber die Duldung für jeden 
Vermieter, sei er Hotelwirt, sei er ein gewerbsmäßiger 
Vermieter, sei er Inhaber eines Weinlokals oder irgend 
dergleichen, mit der Gefahr der Bestrafung wegen Kuppelei 
verbunden ist, so ist die mathematische Folge, daß solange 
Notlage zum Vermieten nötigt, der Vermieter diese Gefahr 
sich durch eine Risikoprämie vergüten läßt, mit anderen 
Worten, daß die Mietpreise für die weiblichen betreffenden 
Persönlichkeiten höhere sind. 
Die einfachste Form der Kuppelei ist 
1. die des sogenannten Absteigequartiers Gewöhn-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.