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Kapitel III.: Der Gelegenheitsverkehr (Kuppelei, Zuhälterei, sonstiges Protektionswesen)

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

Der Gelegenheitsverkehr.

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Beziehungen regeln kann, auch ohne den sobenannten Schutz des Zivil- und Strafrechtes.

Dieser metallische, jeder höheren Anteilnahme entbehrende Beigeschmack ist zugleich Begriffsmerkmal des hier behandelten Gelegenheitsverkehrs, auf diesem Merkmal aber baut sich die juristische Definition auf, die den Deliktsbegriff aus den natürlichen Vorgängen herauszuschälen hat. Nach der herrschenden Iudikatur des Kammergerichts hat die Polizeiverwaltung das Recht, diejenigen Individuen weiblichen Geschlechts, welche gegen Entgelt dem Gelegenheitsverkehr nachgehen, in ihren Individualfreiheiten zu beschränken. Nach anderer Ansicht ist die Iudikatur des Kammergerichts unrichtig, da nach der herrschenden Gesetzgebung der Polizeibehörde dieses Recht nicht zustehe; es ist aber trotz Gegenvorstellung das Kammergericht auf seinem entgegengesetzten und somit als herrschend zu bezeichnenden Grundsatz stehen geblieben.

Diese Iudikatur führt dazu, daß eine Reihe von Frauenspersonen der sogenannten polizeilichen Kontrolle unterstellt werden.

Der Zweck ist ein sanitärer. Die Mittel, durch die er erreicht wird, sind für die betreffenden Individuen äußerst schwierige, für die Staatsverwaltung sehr kostspielige.

Die Erfolge sind sehr bestritten.

Namhafte Bestrebungen wünschen die Aufhebung jeder derartigen Vorsorge, schon weil aus sittlichen Grundsätzen eine derartige sanitäre Vorsicht staatlicher Organe nicht wünschenswert sei.

Alle Meinungen sind darin einig, daß, wo keine Nachfrage, auch kein Angebot sei und einer vorhandenen Nachfrage gegenüber jede Eindämmung wirkungslos ist, die nicht sich zum Endziel die Bekämpfung der Nachfrage selbst macht.
        
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