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Kapitel II.: Ehesurrogate (Eifersuchtsdelikte, Erpressungen)

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

Ehesurrogate.

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gesellschaftlicher kompromittierung ober naheliegendem zu fürchtendem Irrtum des Strasrichters bei der Urteilsfällung. Gs dürfte nicht zu kühn sein, zu glauben, daß die Millionenumsätze der Großstadt aus diesem Gebiete an den Etat manches Kleinstaates heranreichen, wenn sie ihn nicht überschreiten.

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Es ist endlich noch die Frage auszuwerfen, ob eine wesentlich relative Verschiedenheit innerhalb der einzelnen Bevölkerungsklassen der Großstadt sich mit Bezug auf Ehe und eheähnliche Einrichtungen konstatieren läßt. Nach diesseitiger Ansicht ist die Frage zu verneinen.

Die Million, welche der Hochstehende für erforderlich hält, bis er eine Ehe eingehen zu können glaubt, ist qualitativ identisch mit den 1000 Nl., die der einfache Arbeiter noch glaubt, sich beschaffen zu müssen, ehe er zum Standesamt eilen kann. Die wirtschaftliche Lage ist für beide der Grund, die Ehe noch hinauszuschieben und sich mit dem Ehesurrogat eventuell zu behelfen.

In der größten Mehrzahl der Fülle erfolgt ferner in allen Bevölkerungsschichten der Eheschluß, sobald wirtschaftlich derselbe für möglich erachtet wird.

Die Verletzung der Ehe oder des eheähnlichen Verhältnisses aber, soweit sie aus innerlichen Umständen beruht, ist gleich häufig und, soweit der Naturtrieb selbst zu irgendwelchen Exzessen drängt, von analogen Vorgängen abhängig.

Eine, wenn auch kleine, Ausnahme läßt sich vielleicht auf Grund des Satzes „Müßiggang ist aller Laster Ansang" Konstruieren. Der Besitz großer Kapitalrenten und sonstiger derartiger Einkünfte produziert die Klasse des Rentiers, die häufig, höherer Bestrebungen bar, sportmäßig sich in der Großstadt in erotischer Beziehung zu
        
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