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Kapitel II.: Ehesurrogate (Eifersuchtsdelikte, Erpressungen)

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

Ghesurrogate.

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Die Verletzung der unehelichen Treue, welcher Ausdruck einem Redner vor Gericht einmal echappierte und welcher als absolut treffend deshalb hier gebraucht sein mag, wird bei der eheähnlichen Verbindung ebenso streng geahndet, wie bei der Ehe selbst, ja, man kann sagen, noch viel schlimmer.

Die deutsche Geliebte insbesondere fühlt sich ihres Besitzes doch weniger sicher, sie ist deshalb doppelt eifersüchtig; die Eifersuchtsszenen unter Geliebten, die dauernd zusammenleben, sind gewöhnlich viel häufiger und viel schlimmer, als zwischen wirklichen Eheleuten.

Wenn aber gar seitens des Pseudoehemannes die Absicht der Pseudoscheidung mit dem Hintergründe einer einzugehenden anderen wirklichen Ehe mit einer anderen Person geargwöhnt wird, so setzen alle jene Widerwärtigkeiten, auch strafbaren Handlungen, ein, die auf der Grundlage beruhen, daß das ganze bisherige Verhältnis doch nur als ein Durchgangsstadium zur Ehe von dem weiblichen Teil insbesondere erachtet wurde, daß jede Fürsorgeverpflichtung fehlt, daß oft das ganze Leben geopfert ist, wofür die Trauung als einziges Äquivalent erwartet wurde.

Tagtäglich bringen die Zeitungen Berichte über Totschläge und Totschlagsversuche von Geliebten, deren Pseudomann die Pseudoscheidung vornehmen wollte, viel häufiger als bei Eheleuten, obwohl doch die Zahl der Ehen bedeutend größer ist.

Alle Register strafbarer Handlungen werden aufgezogen, um die Pseudoscheidung zu hintertreiben und die Trauung zu erzielen. Die beliebteste Form der Erpressung in diesem Falle sind fingierte Behauptungen über angebliche Tatbestände der Vergangenheit. Das Labyrinth von Lügen und Unwahrheiten, das sich bei derartigem Vorbringen die gewöhnlich mit falscher
        
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