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Kapitel I.: Das Geschlechtsleben mit Bezug auf die Ehe

Full text: Sittlichkeitsdelikte der Großstadt / Werthauer, Johannes

8 Großstadt-DokumenteBd. 40. Sittlichkeitsdelikte b. Großstadt.

Hand, die morganatische Ehe, eine Institution, die noch das Allgemeine Landrecht kannte, und deren praktische Geltung noch nicht weit hinter uns liegt. Aber auch die Ehe, welche zwei Personen desselben Geschlechts miteinander schließen, ist noch begrifflich Ehe, und wenn irgend eine lesbische Insel sich findet, auf welcher diese Einrichtung Kraft Majorität der Volksgenossen sanktioniert würde, so würde Grimms Wörterbuch nicht umhin können, auch diesen Tatbestand unter das Stichwort Ehe begrifflich zu subsummieren.

Daß der Geschlechtsverkehr nicht etwa Voraussetzung oder notwendiger Zweck der Eheeingehung sein mutz, hat das preußische Landrecht in dürren Worten ausgedrückt, indem es hervorhebt, daß auch zur gegenseitigen Unterstützung, insbesondere im Alter, die Ehe eingegangen werden könne, immer nur muß der Wille zu dauernder Verbindung aus Lebenszeit vorhanden sein.

Aber auch die Lebenslänglichkeit ist nicht notwendiger Bestandteil des Ehebegriffs; auf der einen Seite wird dies Erfordernis auch von unserem Rechte fortgesetzt erschüttert durch die in immer weiterem Maße sich andrängende Zulassung der Ehescheidung, auf der anderen Seite aber gibt es andere Völker, bei denen von vornherein die Ehe auf bestimmte Zeitepochen, der Wechsel des Ehemannes oder der Ehefrau, vorgesehen ist, ohne daß deshalb für diese die Wichtigkeit ihrer Ehe dadurch Abbruch litte.

Wir fragen nun, wie wird heute in der Großstadt der Ehebegriff tatsächlich aufgefaßt.

Einem unbefangenen Beobachter kann nicht verborgen bleiben, daß den Anstrengungen, die seit Jahrhunderten Kirche und Staat gleichmäßig machen, es gelungen ist, bis zum letzten der Bewohner den Begriff der lebenslänglichen Einehe zweier Personen verschiedenen
        
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