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Gemeinschaften und Freistätten

Full text: Moderne Geisterbeschwörer und Wahrheitssucher / Freimark, Hans

Gemeinschaften und Freistätten.

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lösungssehnsucht und das Verantwortlichkeitsgefühl auch denen dunkle Kunde gibt, die niemals die Stimme ihres Genius vernahmen. Das ist es allein, was erst aus den vegetierenden Lebewesen der ,Zweihänder' Menschen macht. Darum werden wir aber auch nur dann erst in unserm persönlichen wie allgemeinen Dasein auf die Höhe wirklicher Menschen gelangen, wenn dieser eigentliche Wesenskern in uns zur Entfaltung und schöpferischen Auswirkung kommt."

Und über die Gemeinschaft in Mainberg äußert er sich im zehnten Bande der von ihm herausgegebenen „Blätter zur Pflege persönlichen Lebens":

„— Was Schloß Mainberg ist, läßt sich nicht sagen. Das muß man erleben. Und was wir wollen, war vor seiner Gründung leichter zu sagen, wo sich die Wünsche zu Zukunftsbildern verdichteten, als jetzt, wo mehr das Wollen aus dem Werden als das Werden aus dem Wollen wächst.

„Darum ist es mir auch unmöglich, einen Prospekt abzufassen, der ein Programm aufstellte oder das Main-berger Leben schilderte. Was sich beschreiben läßt, ist nicht das Wesentliche, sondern nur die Hülle, welche es denen verbirgt, die keine unmittelbare Fühlung damit gewinnen.

„Aber auch die Erscheinung ist wandelbar, schon durch die wechselnde Verschiedenheit der Gäste, mehr noch durch die innere Entwicklung des Schlosses. So ist der herden-artige Charakter des Lebens im ersten Sommer ganz geschwunden. Die Einzelnen und die Verschiedenheit ihrer Art und Herkunft kommen viel mehr zur Geltung. Das Reden tritt mehr hinter dem Erleben, der Gedankenaustausch mehr hinter dem gegenseitigen Genießen und dem Kreislauf des gemeinschaftlichen Lebens zurück. Manchem wird das Leben auf dem Schloß oberflächlicher erscheinen, weil es tiefer geworden ist.

„Man kann nicht sagen und verständlich machen, was hier eigentlich los ist. Das erfahren und bezeugen alle, die hier waren und dann daheim darüber ausgefragt wurden. Darum müssen wir es darauf ankommen lassen, daß Menschen, die Spürsinn haben, durch Befangenheiten und Vorurteile, durch gute und böse Gerüchte, durch Spott und Aberschwenglichkeit, durch Unverstand, Mißverstand und
        
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