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Das gefällige Medium

Full text: Moderne Geisterbeschwörer und Wahrheitssucher / Freimark, Hans

Das gefällige Medium.

Es war ein Er, kein Sie, auch war es kein Medium im Sinne des Spiritismus, das war seine Frau. Er war, was man gewöhnlich einen Vermittler nennt, aber seine Vermittlungen waren etwas merkwürdiger Art, und trotzdem sie gar nicht spiritistisch waren, standen sie dennoch mit dem Spiritismus im Zusammenhang. Er vermittelte Bücherkäufe.

Er hatte an einer der Hauptstraßen ein Antiquariat. Obwohl man nur selten einen Käufer traf, wurde dennoch der Laden von Kunden nicht leer. Nur selten ging jemand fort, ohne das Gewünschte gefunden zu haben. Es war reiche Auswahl vorhanden: schöne Literatur, pikante Lek-türe, Erzählungen für höhere Töchter, selbst Iugendschriften, auch für Liebhaber derberer kost war gesorgt durch Matrosengeschichten, Fuhrmannsanekdoten, Schülertagebücher, Studentenalmanache und Abhandlungen über physiologische Freundschaft. Der besseren Kundschaft, die meist aus Durchreisenden bestand, wurden die Bände sogar ins Hotel geschickt, jeder Band einzeln, im Geschmack des Liebhabers gebunden. Es gab unter den Lesern einige sehr eifrige, die im Tage zwei bis drei Bände verschlangen. Das waren vielfach die bequemsten, sie gaben der Quantität vor der Qualität den Vorzug. Andere waren wählerisch. Dies behagte ihnen nicht und jenes mißfiel ihnen. Dann gab es zuweilen Streit, das war dem Antiquar peinlich, denn es hätte zu einer Beeinträchtigung seines schwunghaften Handels führen können. Am meisten fürchtete er die Unersättlichen, die zugleich Feinschmecker in bezug auf literarische Kost waren, oder die, welche eine gar zu spe-
        
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