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Der Mystiker mit J.

Full text: Moderne Geisterbeschwörer und Wahrheitssucher / Freimark, Hans

Der Mystiker mit 3.

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wohl den Spiritismus im geheimen, läßt sich auch vom Äberschwange der Gefühle verleiten, mit einem gottbegna-deten Medium eine Duzfreundschaft einzugehen, die diesem eine Ehre ist, während Ihre Exzellenz oder Se. Durchlaucht glaubt, sich dadurch die Anwartschaft auf ein gutes Plätzchen im Himmel zu sichern, man erwartet von den Jenseitigen Hilfe für leibliche und seelische Gebreste, aber sich mit Namen in den Kampf zu wagen, das, 0, das ... Apage, Satanas, das verlange man nicht. Doch selbstverständlich ist man gern bereit, auf andere Weise das gute Vorhaben zu unterstützen. Es ist nicht nötig, daß das Erbteil der Kinder angegriffen werde, nein, davon rate man Herrn S. entschieden ab, man werde die Mittel beisteuern und er könne ja den Namen leihen.

Es geht hin und her mit Liebenswürdigkeit und Hochachtungsbeteuerungen, gerade wie bei den Söhnen des Reiches der Mitte. Endlich läßt sich S. bereit finden, die angebotene nicht unbeträchtliche Summe zu nehmen. Indem er Gottes ganze Segenssülle auf Haus und Haupt des Spenders herabruft, scheidet er, zufrieden mit der Ernte des ersten Tages und in der Hoffnung, morgen einen ebenfoguten Schnitt tun zu können, denn die gütige Patronesse hat ihm die Adressen anderer interessierter Persönlichkeiten gegeben.

S. war bald heimisch im adligen Kreise derer, die, wie Harden spottet, so fromm sind, daß sie „vom Gebet mehr Heilswirkung erhoffen, als von dem weisesten Arzte". Es ist übel, die Miene zu verziehen über einen Gebrauch, von dem man sich bei ruhigem Nachdenken sagen muß, daß seine Handhabung mit einigem Rechte erfolgt. Die Heilkraft des Gebets liegt in seiner suggestiven Wirkung, in nichts anderem. Ja, das Gebet ist vielleicht der Hypnose vorzuziehen, da es keine Bewußtseinsberaubung notwendig macht. Es kommt also der Wachsuggestion gleich, ja kann sie in manchen Fällen, wo in dem Leidenden ein stark religiöses Gefühl schlummert, gleichviel ob dieses als vorhanden zugegeben oder abgestritten wird, an günstigem Einfluß übertreffen. Heilen wird es selbstverständlich in erster Linie nervöse Leiden, dennoch läßt sich hier durchaus keine Grenze ziehen, da schließlich jeder Krankheitsherd
        
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