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Die Apostel

Full text: Moderne Geisterbeschwörer und Wahrheitssucher / Freimark, Hans

74 Großstadt-Dokumente Bd.36. Moderne Geisterbeschwörer. 
sie. Sie wollten ihren eigenen, zuweilen sich regenden 
Zweifeln sowie der jetzt schmälenden christlich-theosophischen 
Gruppe beweisen, daß man nur auszuharren, nur in Ge¬ 
duld zu hoffen und fest zu glauben brauche, um die Er¬ 
füllung zu erzwingen. Es ist der gleiche Gedankengang, 
wie ihn in Grillparzers „Weh' dem, der lügt" Leon, der 
Küchenjunge hat, als er in höchster Not schreit: „Als ich 
von deinem frommen Diener schied, da leuchtete ein Blitz 
in meinem Innern, von Wundern sprach's, ein Wunder 
soll geschehen, und so begehr' ich denn — ich fordre 
Wunder. . ." Ihm geschieht es. Aber Härtens Wollen 
war durch den ständigen Streit, in dem sie in dieser kri¬ 
tischen Epoche mit der Umgebung, mit den mahnenden Haus¬ 
leuten und Krämern lagen, zu geschwächt, als daß sie vorn 
Schicksal mit bewußtem Trotz hätten verlangen können, 
was dieses ihrem blinden Glauben verweigerte. Eines 
Tages versagte die zu hochgespannte Kraft den Dienst. 
Während die Frau noch aus ihrer Eigenschaft als Mutter 
sich ein Restchen Elastizität rettete, erlag der Mann den 
erlittenen Enttäuschungen. 
Mit Hilfe des alten Majors gelang es Frau Hedwig, 
ihrem Dasein einen neuen Grund zu geben. Franz Harten 
starb. Vielleicht empfing er drüben von seinen „Meistern" 
den Lohn für seine ihnen erwiesene Treue, den sie ihm 
hier so lange und so konsequent verweigert hatten.
        
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