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Die Apostel

Full text: Moderne Geisterbeschwörer und Wahrheitssucher / Freimark, Hans

Die Apostel.

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die irdische Persönlichkeit, der Körper ist. „Hieraus folgt/' sagt Guido v. List in der Illustrierten Zeitung vom 16. August 1906, „daß jedes Ich eine unzählbare Reihe von Toten hinter sich und eine ebenso große von Wiedergeburten oder Reinkarnationen vor sich hat, daß also jedes „Ich" sein eigener Nachkomme, wie sein eigener Vorfahr ist." Die Reinkarnationslehre, welche eine nicht abzuleugnende Wahrscheinlichkeit besitzt, kann zweifellos manchem Betrübten und Bedrückten Trost gewähren, aber ebenso zweifellos verführt sie oft die, welche jetzt in den Fleischtöpfen Ägyptens schwelgen, zu einem unseligen Quietismus gegenüber fremdem Leid.

Das sollten nur zu bald Härtens erfahren. — Nachdem der Oberamtmann sich geärgert zurückgezogen hatte, blieb ihnen fast als einziger Freund der Major v. D. Durch ihre Ablehnung jedes Staubgeschäftes gerieten die Härtens in immer schwierigere materielle Situationen. Die prophezeite Ankunft klingender Hilfsmittel blieb aus. Man vertröstete auf einen späteren Termin. Einstweilen hals der Major. Dieser Termin kam. Wieder nichts als neue Vertröstung. Major v. D. half abermals. So ging es in lieblicher Abwechslung ein ganzes Iahr hindurch. Schließlich war es auch D. nicht mehr möglich zu geben. Alle Versuche, anderweit Geld zu verschaffen, Harten wollte in der sicheren Hoffnung auf die endliche Erfüllung der Vorhersage sich sogar zu dem reichlich „staubigen Geschäft" einer Wechselausstellung verstehen, schlugen fehl. Das Ehepaar wurde mit seinen Kindern aus einer Wohnung in die andere exmittiert. Immer noch trösteten, ermähnten, verhießen und dichteten die „Meister". Die gesammelten Werke, unter ihnen wirklich hervorragende Leistungen, z. B. das Fragment einer geistvollen satirischen Zeitkomödie, deren jenseitiger Verfasser sich Aristophanes nannte, waren bald das einzige Eigentum der unrettbar dem bürgerlichen Untergänge Verfallenen.

Sie hatten ihre Entschließungen in der guten Zeit zu sehr von den Wünschen und Befehlen der „Meister" abhängig gemacht, als daß sie jetzt in der Not sich aus diesem Banne hätten lösen können. Vertrauensvoll wie Kinder warteten sie Tag um Tag und Monat um Monat der Be-wahrheitung der Prophezeiungen. Es kam wie Trotz über
        
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