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Eine Abendsitzung bei Frau L.

Full text: Moderne Geisterbeschwörer und Wahrheitssucher / Freimark, Hans

58 Großstadt-Dokumente Bd. 36. Moderne Geisterbeschwörer.

das Medium setzt sich, es ist wach. Mit Augen, die etwas blind und blöde aussehen, schaut es benommen um sich. Doch das gibt sich bald. Auch bemüht sich jeder der Anwesenden, ihm über diesen Moment schnell hinwegzuhelfen. Man erzählt von dem Gesehenen, sagt sonst ein paar freundliche Worte und empfiehlt sich langsam. Die Sitzung ist zu Ende.

Während Frau L. in die Küche geht, sich eine Tasse Kaffee zu bereiten, sie ist redlich hungrig, da sie stundenlang vor der Sitzung nichts genießt, treten die Herren und Damen der Gesellschaft den Heimweg an. Einige mit dem Gedanken an die Sensationen, die sie von dem kommenden Tage erwarten. Die Generalmajorswitwe schwankt, halb betäubt von dem Gesehenen, neben dem Professor einher, der ihr Aufschluß gibt über die physikalischen Vorgänge bei der Materialisation. Der Hauptmann und seine Gattin disputierte mit dem einen Arzte über die von diesem aufgeworfene Möglichkeit betrügerischer Erzeugung der Phänomene. Während auf diesen ein Kreuzfeuer von Entgegnung und Widerlegung herniederprasselt, muß sich sein verbindlich lächelnder Kollege von der Hausagrarierin erzählen lassen, was Kaiser Friedrich ihr sagte, als er ihr erschien, wie sie mit ihrem Manne in ihrer Gartenlaube saß, und wie er ihr einen Veilchenstrauß als Zeichen seines Erscheinens zurückließ. „And wir waren ganz alleine, Herr Doktor, ganz alleine."
        
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