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Eine Abendsitzung bei Frau L.

Full text: Moderne Geisterbeschwörer und Wahrheitssucher / Freimark, Hans

Eine Abendsitzung bei Frau L.

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ist, einen wirklich stichhaltigen Identitätsnachweis zu führen, so wird man zugeben, daß Gleiches von feiten der „Intelligenzen" infolge des Ungenügenden der Kommunikation und des Fehlens jeglicher Möglichkeit der Kontrolle nahezu nicht geleistet werden kann.

Endlich ist auch diese Phase vorüber.

Nun erscheint „Wilhelm Hauff." Er ist der Leiter der Materialisationssitzungen, und zwecks einer solchen ist man heute versammelt. Aus welchen Gründen gerade „Hauff" sich dieses Amt erwählt hat, oder wieso man gerade aus ihn als Schutzpatron verfallen ist, darüber wird strengste Verschwiegenheit bewahrt. Iedenfalls macht „er" den Eindruck einer gefesteten Persönlichkeit, auch spricht „er" stets gutes Deutsch. Nie verfällt das Medium, wenn „Hauff" durch es spricht, in seine sonstigen sprachlichen Unarten, eine Erscheinung die zu denken geben sollte.

„Hauff" hält ebenfalls eine Ansprache an die Geladenen. Er bittet durch Kraftabgabe dem Bemühen bei-zustehen, die Materialisation geistiger Freunde zu ermöglichen. Auch trifft er eine andere Anordnung in der Verteilung der Plätze. Er setzt keineswegs die Damen in die erste Reihe, wie höfliche aber skeptische Leute vermuten könnten. Weit eher bekommen diejenigen diese Plätze angewiesen, von denen man annehmen muß, daß das Medium ihrer nicht sicher ist. — Ehe „Hauff" scheidet, erlaubt er sich noch die kleine Bosheit, den Ehemann an sein Handwerk zu erinnern, was diesen in tätliche Verlegenheit stürzt. Wütend krampst er die Hände. Aber er mutz still halten und lächeln und antworten, und möchte doch vielleicht lieber aufspringen und diesen Mund zudrücken, fest zudrücken, bis ihm kein Wort mehr entschlüpfen Kann, über eine Vergangenheit, deren er sich jetzt in seiner Großmannssucht und Eitelkeit schämt.

Das Medium sitzt wieder in seinem Lehnstuhl. Die vor der Ecke angebrachten Vorhänge werden geschlossen, das bis jetzt helle Licht gelöscht. Nur zwei Kerzen brennen hinter blauem und rotem Schirme und erfüllen den Raum mit unsicherem Därnrnerschein. Einige! Zeitlang ist alles still. Dann stimmt L. ein geistliches Volkslied an, in das einzelne einfallen. Ist das Lied zu Ende, so setzt er eine
        
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