Path:
Der Fall Rothe

Full text: Moderne Geisterbeschwörer und Wahrheitssucher / Freimark, Hans

Der Fall Nöthe.

45

und dort abgehaltener Sitzungen entlarvt worden sein sollte. Auch über diese Entlarvung sind die Meinungen geteilt. Ein Kenntnisloser ist schnell mit der Entlarvung bei der Hand, meist bleibt ihm dabei in dieser nur die Maske, das Wesenhafte verschwindet und bewiesen ist nichts.

Bevor wir zum Schluß der Tragikomödie kommen, für das gequälte und gehetzte Medium war es eine Tragödie, ihre Gläubigen hatten diese zur Kömödie gemacht, müssen wir noch der Züricher Vorgänge Erwähnung tun.

Frau Rothe war einer Einladung der französischen Spiritisten nach Paris gefolgt, wohin sie auch Professor Sellin begleitet hatte. Von diesem wurde ein Besuch in London bei Professor ErooKes angeregt, doch kam es, obwohl der große Gelehrte sich einer Untersuchung und Prüfung der bei Frau Rothe statthabenden Phänomene geneigt zeigte, nicht dazu. Dafür ging man nach Zürich.

Dort kam es dann zu einem peinlichen und nie ganz aufgeklärten Vorkommnis. Man hatte schon Sitzungen abgehalten, denen auch der ehrwürdige Präsident des dortigen Kassationsgerichtshofes Sulzer, beiwohnte, der im Prozeß der Frau Rothe mutig und feine eigene Stellung gefährdend, für deren Ehrlichkeit eintrat, als man Frau Rothe beim Einkauf von Blumen beobachtete. Am Nachmittag des Tages, an welchem diese Beobachtung stattfand, sollte wiederum eine Sitzung gehalten werden. Der Beobachter besaß leider das Ungeschick, Frau Rothe nicht anzusprechen und sie so ev. direkt zu überführen, sondern er machte von seinem Erlebnis den andern Teilnehmern Mitteilung. Professor Sellin suchte darauf Frau Rothe und Herrn Ientsch in ihrem Hotel auf, welche beide behaupteten, daß Frau Rothe das Haus nicht verlassen habe. Ientsch fügte hinzu, ob dies spontan oder erst auf ausdrückliches Befragen von Professor Sellin geschah, erfuhr man nicht, daß Frau Rothe vor einigen Stunden in einen längeren Starrkrampf verfallen sei. Professor Sellin interpellierte auch die Blumenverkäuferin, und als diese das Kleid, welches Frau Rothe getragen haben sollte, nach Farbe und Schnitt so beschrieb, wie wohl ein in Berlin
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.