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Der Fall Rothe

Full text: Moderne Geisterbeschwörer und Wahrheitssucher / Freimark, Hans

42 Großstadt-Dokumente Bd.36. Moderne Geisterbeschwörer.

gingen hin. Das Resultat war, wie zu erwarten, nichts Halbes und nichts Ganzes. Es war keine Entlarvung, denn unecht waren die Phänomene nicht, aber sie kamen in einer Weise zustande, die Dr. Bohn zweifelhaft erschien. Da Frau Rothe und vor allem Ientsch nicht zu bewegen waren, die öffentliche Tätigkeit einzustellen, sie waren ja noch immer von dem Bekehrungswahn besessen, so fühlte Dr. Bohn sich veranlaßt, die „Flucht in die Öffentlichkeit" mit einem Aufsatz über Frau Rothes Mediumität in der Breslauer Zeitschrift „Nord und Süd" anzutreten und die Polizei auf Frau Rothe aufmerksam zu machen. Nicht etwa, daß er sie für eine ausgemachte Schwindlerin erklärt hätte, er wollte nur ihrem Treiben, welches er im Interesse des Spiritismus für schädlich hielt, steuern. Er sagte sich, daß das Zustandekommen der Phänomene mit dem Nachlassen der Kraft immer schwieriger werden und eines Tages vielleicht doch durch bewußte betrügerische Manipulationen ersetzt werden würde. Dann war der Eklat da. Er bedachte nicht, daß, indem er diesem vorbeugen wollte, er ihn möglicherweise.beschleunigte.

Ientsch antwortete auf die Veröffentlichungen Dr. Bohns mit der Ausgabe von Sitzungsprotokollen, die so gut wie wertlos waren, da jede Kontrolle darüber fehlte, ob Ientsch auch über ungünstige Sitzungen Protokolle aufnehmen ließ. — Auch heute noch finden Blumenapportsitzungen statt, Frau Rothe hat Schule gemacht, und auch jetzt noch nimmt man Protokolle auf. Man geht „wissenschaftlich" vor. Als Beispiel möge der nachstehende Bericht von Rudolf Baumann jun., Beuthen, dienen, den wir dem Juni-Heft der Spiritistischen Rundschau, Ehemnitz, entnehmen:

„Mit folgendem gestatte ich mir, in kurzen Umrissen über eine interessante, am 17. Juli 1906 in der Privat-wohnung meines Freundes, Herrn Zivilingenieur Hans Kinne, hier stattgefundene Sitzung zu berichten, wobei zum ersten Male außer den bisherigen Trancereden das ziemlich seltene Phänomen eines Blumenapportes sich ereignete.

Schon in der vorangegangenen Sitzung waren die Personen zur Kettebildung namentlich bestimmt und ferner darauf hingewiesen worden, daß die gegenwärtige eine
        
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