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Der Fall Rothe

Full text: Moderne Geisterbeschwörer und Wahrheitssucher / Freimark, Hans

40 Großstadt-Dokumente Vd. 36. Moderne Geisterbeschwörer.

Doch dürfte es wohl auf eine Veränderung zurückzuführen sein des molekularen Bewegungsstatus der Dinge bis zu einer Schwingungshöhe, welche sie unsern Augen unsichtbar werden läßt und dann auf eine eintretende Rückleitung aus den gewöhnlichen Stand. Welche Kräfte diese Um- und Rück-wandlung bewirken, darauf antworten die Spiritisten: die lieben Verstorbenen; die Theosophen behaupten: Elementargeister; die Okkultisten meinen: das magische Ich des Mediums, und wir möchten sagen: unbekannte, aber anscheinend intelligente Kräfte.

Frau Rothe reiste also im Vogtland umher, reiste nach Dresden zu ihren „lieben Brüdern und Schwestern", weilte in Ehemnitz und hielt überall Sitzungen ab. Es hätte sich wohl niemand um diese Frau gekümmert, wenn es nicht einem betriebsamen Kognakreisenden a. D. und jetzigen Spiritisten, Larl Ientsch, eingefallen wäre, Frau Rothe zum Volksmedium zu stempeln und mit ihr gewaltsam Propaganda und Proselyten für den Spiritismus zu machen.

Frau Rothe war zweifellos ein echtes und ein starkes Medium. Sie hatte ihre Sitzungen aus herzlicher Überzeugung heraus gegeben und dürfte von den etwaigen Erträgnissen nicht mehr gehabt haben als gerade die jeweiligen Reisespesen. Geschäftssinn hatte sie sicher weder zum Spiritismus noch zur Mediumschaft getrieben. Auch Ientsch war es nicht um das Geschäft zu tun, wenigstens anfangs nicht. Er war enragierter Spiritist wie Frau Rothe und der Kreis um sie, wohl noch um einige Grade fanatischer als dieser. Er glaubte es genüge, Frau Rothe der Welt vorzuführen — und der Blumenregen müßte die ärgsten Skeptiker bekehren. Der Triumph des Spiritismus! — Er überzeugte Frau Rothe von ihrer hohen Mission. Die „geistigen Freunde", das liebe „Friedchen" und „Paul Flemming" werden kräftigst nachgeholfen haben, denn mit Missionen sind die „Jenseitigen" immer gleich bei der Hand, und so brachte Frau Rothe ihrer Sache auch dieses Opfer. Gs war ein Opfer für die Frau. Sie verließ die Kreise, welche ihr lieb und vertraut waren, um sich in fremde Städte zu begeben, zwischen unbekannten Menschen zu sitzen, die nichts für sie fühlten, um denen in ihrer Weise ihr Heiliges zu übermitteln. Wie hat man ihr das
        
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