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Die Mystik in der Moderne

Full text: Moderne Geisterbeschwörer und Wahrheitssucher / Freimark, Hans

12 Großstadt-Dokumente 23b. 36. Moderne Geisterbeschwörer. 
und die unbewußte Unterstützung beginnt. Es ist nicht 
angebracht, in diesen Fällen von Betrug zu sprechen, dessen 
sich das Medium schuldig mache. Die Schuld liegt 
vielmehr einzig und allein bei den sensations¬ 
lüsternen Phänomenensportern, welche unvernünftige 
Ansprüche an den Mittler stellen und ihn in Leib und 
Seele zerrüttende Kämpfe hetzen. 
Aufs Schärfste sind daher jene Experimente zu ver¬ 
urteilen, welche Zirkel von Kenntnislosen Leuten mit irgend 
einem Medium vornehmen. Leider aber besteht keine Aus¬ 
sicht, diesem unsinnigen Treiben ein Ende zu machen, solange 
die deutsche Wissenschaft sich von der Erforschung der ok¬ 
kulten Phänomene durch die spiritistische Hypothese zurück¬ 
schrecken läßt. 
Solange es denn mancherlei Zirkeln nur darum zu 
tun ist, mit ein paar wöchentlichen „Wippelsitzungen" ihr 
Gemütsbedürfnis zu befriedigen und sich von fragwürdigen 
„Geistern" Offenbarungen über ein zweifelhaftes Jenseits 
zusammenbuchstabieren zu lassen, kann man darüber, als 
über eine Privatangelegenheit hinweggehen. Wenn aber 
diese selben Zirkel anfangen, sich „wissenschaftlich" zu ge¬ 
bärden, ohne auch nur die geringste wissenschaftliche Vor¬ 
bildung zu besitzen, in ihrem „wissenschaftlichen" Experi- 
mentiereifer zu Vivisektoren der Seele ausarten und ihre 
Medien dem Irrsinn in die Arme hetzen, dann werden 
sie gemeingefährlich. Aus einem derartigen Milieu stammen 
die wahnsinnigen Spiritisten der Irrenhäuser. Sie wurden 
aber nicht irre, weil sie Spiritisten waren, sondern weil 
sie zu denen gehörten, die über dem Suchen und Befragen 
der Geister den Geist verloren. 
Es kommt stets daraus an, wie eine Sache geübt 
wird. Jeder Fanatiker setzt sich der Gefahr aus, in der 
hartnäckigen und verbissenen Verfolgung seines Zieles 
eines Tages den Verstand zu verlieren. Die vielen zum 
Teil lächerlichen, zum Teil bedauernswerten Figuren, welchen 
man so häufig in spiritistischen und theosophischen Kreisen 
begegnet, sind stets einseitige Verfechter ihrer Theorien. 
Auch sie haben einst die tatsächlichen Erlebnisse gehabt, 
auf Grund deren sie ihre Theorie aufbauten oder die von 
anderen begründete, ihnen entsprechende annahmen, aber sie
        
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