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Full text: Dokumentation der Tagung "Wer ist fremd?" am 6. Juli 2000

Sondernummer 3

Berliner Forum Gewaltprävention

Thomas Härtel

Vorwort

Binationale und bikulturelle Lebensformen sind ein wachsender Teil unserer Gesellschaft.
1996 hatte jedes sechste ehelich geborene Kind in Berlin Eltern aus zwei Nationen. 1999 war es bereits annähernd jedes vierte Kind. Kinder und Jugendliche aus binationalen Ehen mit deutschem Pass und mit oft fremdländischem Aussehen sind einem größeren Risiko von persönlicher Belästigung, Ausgrenzung bis hin zu offener Gewaltanwendung ausgesetzt. Dies hat die Landeskommission veranlasst, sich mit der Thematik eingehender zu beschäftigen. In enger Zusammenarbeit mit dem Verband binationaler Familien und Partnerschaften e. V. (iaf) haben wir die Herausgabe eines Buches1 unterstützt, das sich Fragen interkulturellen Zusammenlebens aus unterschiedlichen Perspektiven widmet. Neuere Forschungsergebnisse aus Deutschland, England, Frankreich und den USA geben die Erfahrungen junger Menschen wider, die sich aufgrund ihrer familiären Herkunft mit mehr als einem Land und einer Kultur verbunden fühlen. Im Rahmen einer Fachtagung unter gleichnamigem Buchtitel haben vornehmlich die Berliner Autorinnen ihre Beiträge einer breiten Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt. Es ist deutlich geworden, dass der Grad an Normalität, den diese Lebensform mittlerweile erreicht hat, ein anderes Verständnis von „uns“ als Teil der deutschen Mehrheitsgesellschaft und den „anderen“ erfordert, die aufgrund eines unterschiedlichen Äußeren oder Namens nicht in dieses Bild passen. Und wir brauchen ein anderes Verhalten gegenüber den Menschen, die uns als fremd erscheinen, um die widersprüchlichen Tendenzen in unserer Gesellschaft - einerseits die besorgniserregenden Vorfälle fremdenfeindlich motivierter Übergriffe und andererseits die Zunahme binationaler Familien- so aufzulösen, dass das Grundrecht auf Unversehrtheit gewahrt bleibt und ein angstfreies Zusammenleben möglich ist. Die vorliegende Dokumentation will einen Beitrag zur gesellschaftspolitischen Debatte über Multikulturalität und Integrationspolitik, Zuwanderungsregularien und interkultureller Kompetenz leisten. Sie informiert über ein zukunftsrevelantes Thema, sensibilisiert für unterschiedliche Sichtweisen und entwickelt neue Perspektiven in der Auseinandersetzung mit einer sich wandelnden Gesellschaft in Zeiten der Globalisierung und dem Zusammenwachsen Europas. Ich bin überzeugt, dass die Verbesserung eines gesellschaftlichen Klimas gegenüber Menschen nicht- deutscher Herkunft eine wesentliche Voraussetzung für die Verringerung von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt ist. Berlin, Juli 2001

Thomas Härtel Thomas Härtel ist Staatssekretär für Schule, Jugend und Sport und Vorsitzender der Landeskommission Berlin gegen Gewalt

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Frieben-Blum Ellen, Jacobs Klaudia, Wießmeier Brigitte (Hrsg.) (2000): Wer ist fremd? Ethnische Herkunft, Familie und Gesellschaft, Opladen

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