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Full text: Qualität im Arbeitsumfeld / Ruland, Gisa

Stadtpunkte
Gisa Ruland

Qualität im arbeitsumfeld
Standortfaktor Zufriedenheit

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GerechtiGkeit muss sein

Gisa Ruland

Qualität im Arbeitsumfeld
Standortfaktor Zufriedenheit

Bearbeitung:

Technisches Büro für Landschafts- und Freiraumplanung, in in Dipl. Ing. Dr. Gisa Ruland Dara Fischer, Isabella Grandl, BA Bakk.techn.

Bearbeitungsteam:

Wir bedanken uns bei allen Personen und Institutionen und insbesondere bei den InterviewpartnerInnen, die die Arbeit des Teams unterstützten und wertvolle Anregungen und Ideen eingebrachten.

Der direkte Weg zu unseren Publikationen: E-Mail: stadt@akwien.at Bestelltelefon: +43-1-50165 3047 Impressum Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien 1041 Wien, Prinz-Eugen-Straße 20-22 Hersteller: Arbeiterkammer Wien Verlags- und Herstellungsort Wien © 2012 bei AK-Wien ISBN 978-3-7063-0441-2

Bei Verwendung von Textteilen wird um Quellenangabe und Zusendung eines Belegexemplares an die AK Wien, Abteilung Kommunalpolitik, ersucht.

Vorwort
Arbeit ist ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens. Sie beeinflusst die Lebenswelt der Beschäftigten räumlich-funktional und zeitlich. Da ArbeitnehmerInnen einen großen Teil des Tages an ihrem Arbeitsplatz oder in der näheren Umgebung verbringen, spielt die Qualität der direkten Arbeitsumgebung, die Erreichbarkeit der Arbeit und das Vorhandensein von ergänzender Infrastruktur (Einkaufs- und Erholungsmöglichkeiten, Kindergärten…) eine besondere Bedeutung. Neben den sogenannten harten Standortfaktoren, die als meist nicht veränderliche Rahmenbedingungen und Ausgangslagen betriebliche Entscheidungen immer schon beeinflusst haben, rücken weiche Standortfaktoren – sogenannte qualitative Standortfaktoren – erst in den letzten Jahren zunehmend in das Blickfeld betrieblicher und kommunaler Entscheidungen. Die AK Wien hat sich bereits in verschiedenen Untersuchungen mit dem Themenkomplex Arbeiten/Stadtplanung beschäftigt. So zB in der Studie: “Wiener Betriebsgebiete aus Sicht der Beschäftigten“, deren Ergebnisse die Basis für diese Arbeit bilden. Die Zielsetzung des vorliegenden Projekts ist die Darstellung qualitativ bedeutsamer Aspekte und Anforderungen aus Sicht der Beschäftigten in vier exemplarischen, überwiegend betrieblich genutzten Stadtgebieten. Darauf aufbauend sollen Strategien entwickelt werden, die zur Optimierung des Arbeitsumfeldes und des Wohlbefindens der ArbeitnehmerInnen beitragen.

Christian Pichler Abteilung Kommunalpolitik

Inhaltsverzeichnis
1. 2. 2.1 2.2 3. Kurzfassung .....................................................................................................................7 Aufgabenstellung und Methodik ..................................................................................10 Aufgabenstellung und Zielsetzung ..............................................................................10 Methodik ......................................................................................................................11 Berücksichtigung von Freiraumplanung in Gewerbe- und Betriebsgebieten in ausgewählten europäischen und österreichischen Städten .....................................13 3.1 3.1.1 3.1.2 3.2 3.2.1 3.2.2 4. Deutschland .................................................................................................................13 Region Hannover: Wettbewerb „FirmenGärten“ ....................................................13 München ................................................................................................................15 Österreich ....................................................................................................................16 Oberösterreich, Linz ..............................................................................................16 Steiermark, Graz....................................................................................................19

Freiraumplanerische Vorgabe zu Gewerbe- und Betriebsgebietsplanungen in Wien.................................................................................................................................21

5. 5.1 5.2 5.3 5.4 5.5 5.6 6.

Öffentliche und private Freiräume aus Sicht der VertreterInnen der Institutionen 23 Standortqualität im Allgemeinen ..................................................................................23 Grünflächen – schön, aber problematisch ...................................................................24 Betriebssicherheit ........................................................................................................25 MitarbeiterInnenzufriedenheit und Produktivitätssteigerung .......................................26 MitarbeiterInnen und Freiräume ..................................................................................27 Einflussmöglichkeit der Institutionen und der Verwaltung ...........................................29 Qualitätsaspekte im öffentlichen und privaten Freiraum: Wünsche und Anregungen der ArbeitnehmerInnen ...........................................................................32

6.1 6.1.1 6.1.2 6.2 6.2.1 6.2.2

Allgemeine Aspekte .....................................................................................................34 Kriterien für die Standortwahl ................................................................................34 Kommunikation und Networking ............................................................................34 Öffentliche und private Außenbereiche .......................................................................35 Arbeitsumfeld und Freiraum – wenig beachtete Aspekte ......................................35 Öffentlicher Raum in der weiteren Umgebung der Betriebe bzw. im gesamten Betriebsgebiet ........................................................................................................37

6.2.3 6.3 6.3.1 6.3.2 6.3.3 6.4 6.5 6.5.1 6.5.2 6.5.3 6.5.4 7. 8. 9.

Freiflächen auf den einzelnen Betriebsgeländen .................................................. 39 Infrastruktureinrichtungen ........................................................................................... 41 Arbeitswege: öffentlicher Verkehr, Fußverkehr, Radverkehr ................................ 41 Arbeitswege: motorisierter Individualverkehr, Parkplätze ..................................... 44 Soziale Infrastruktur .............................................................................................. 44 Work-Life-Balance ....................................................................................................... 46 Innenbereich von Betrieben ........................................................................................ 48 Großraumbüros ..................................................................................................... 48 Trennung von Arbeits-, Besprechungs- und Freizeitbereich ................................ 49 Gestaltung des Arbeitsplatzes .............................................................................. 49 Mittagspause: Kommunikation .............................................................................. 50

Qualitätsaspekte im öffentlichen und privaten Freiraum – Handlungsfelder ........ 51 Literaturverzeichnis ...................................................................................................... 54 Abbildungsverzeichnis ................................................................................................. 56

10. Anhang ........................................................................................................................... 57 10.1 10.2 10.3 Liste der InterviewpartnerInnen bzw. der interviewten Firmen ................................... 57 Kurze Beschreibung der untersuchten Gebiete .......................................................... 59 Gesprächsleitfaden ..................................................................................................... 62

Qualität im Arbeitsumfeld

1. Kurzfassung
Industrie-, Gewerbe- und Betriebsgebiet sind heute eher Sammelbegriffe für Areale mit unterschiedlichsten städtebaulichen und freiraumplanerischen Ausprägungen. Die Gebiete sind meist durch die verschiedensten Betriebe und Branchen und deren Anforderungen an die Umgebung geprägt. Arbeitsumgebung, Infrastruktur und Erreichbarkeit spielen für die ArbeitnehmerInnen in diesen Gebieten eine wesentliche Rolle. Sie halten sich den überwiegenden Teil des Tages direkt in der jeweiligen Arbeitsstätte oder in der Umgebung dieser auf und möchten hier, sofern dies möglich ist und angeboten wird, viele Alltagsanforderungen erledigen. Zielsetzung des Projektes ist die Darstellung qualitativ bedeutsamer Aspekte im Außenraum von Betriebsgebieten und die Entwicklung von Strategien, die zur Optimierung des Arbeitsumfeldes und des Wohlbefindens der ArbeitnehmerInnen beitragen. Hierzu wurden:  Die Industrie- und Betriebsgebietsplanung sowie die Organisation und Gestaltung der öffentlichen und privaten Freiräume in ausgewählten europäischen und österreichischen Städten mit dem Fokus auf die Bedürfnisse der ArbeitnehmerInnen und wesentliche Vorgaben zu Industrie- und Betriebsgebietsplanungen in Wien analysiert, mit Hilfe von 25 MultiplikatorInneninterviews Einblicke in die Situation von ArbeitnehmerInnen in Industrie- und Betriebsgebieten und zu Problemen mit ihrer bzw. Wünschen an ihre Arbeitsumgebung, insbesondere den Außenraum, herausgearbeitet, Qualitätsaspekte im öffentlichen und privaten Freiraum von Gewerbe- und Betriebsgebieten, die für die ArbeitnehmerInnen eine besondere Bedeutung haben, dargestellt und Handlungsfelder für die Arbeiterkammer zur Optimierung des Arbeitsumfeldes auf den privaten bzw. öffentlichen Freiräumen in den Betriebsgebieten formuliert.

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Mit Unterstützung eines Wettbewerbs zum Thema „FirmenGärten“ machen deutsche Städte wie Hannover, Bremen oder Osnabrück seit 2002 auf das Thema Grün in Betriebsgebieten speziell auf privaten Betriebsgeländen aufmerksam. Dieser Wettbewerb wurde inzwischen von der deutschen bundesweit tätigen Stiftung „Die grüne Stadt“ für alle Städte, die bereit sind, ihn umzusetzen, auf- und vorbereitet, damit er ohne hohen Mitteleinsatz umgesetzt werden kann. Eine ähnliche Initiative wurde in Oberösterreich vom Naturschutzbund und der oberösterreichischen Naturschutzabteilung zur naturnahem Gestaltung von Gewerbe- und Industrieflächen in Oberösterreich gestartet. Städte wie Linz, München oder Graz verankern die Grünflächenplanung in begleitenden Planwerken, mit einzelnen im Bebauungsplan verordnungsbaren grünen Aspekten oder mit einer ergänzenden Verordnung zu „freiraumplanerischen Standards für die Baulandgestaltung“ in ihren Rechtsinstrumenten zur Stadtentwicklung. Diese Vorgaben gelten jeweils auch für Industrie- und Betriebsgebiete und haben damit positive Auswirkungen auf das Alltagsumfeld der ArbeitnehmerInnen. In Wien gibt es derzeit nur wenige rechtlich Möglichkeiten bei der Industrie- und Betriebsgebietsentwicklung

entsprechende grünplanerische Vorgaben in den Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen zu verankern.
Insgesamt wurden 8 Interviews mit VertreterInnen verschiedener Institutionen und 17 Interviews mit VertreterInnen von MitarbeiterInnen oder BetriebsrätInnen geführt.

ARBEITERKAMMER WIEN

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Qualität im Arbeitsumfeld Für die InteressenvertreterInnen der Betriebe spielt die „grüne“ Arbeitsumgebung als weicher Standortfaktor derzeit nur eine nachrangige Rolle. Naturschutzbestimmungen werden als Hemmnis für die Betriebsentwicklung angesehen und die Betriebssicherheit spielt bei betriebsübergreifenden Überlegungen wie z.B. bei der Wegevernetzung eine wichtige Rolle. Wesentlich ist, dass der Betrieb funktioniert, Außenräume werden überwiegend zu Repräsentationszwecken entwickelt. Die Aufenthaltsqualität für MitarbeiterInnen spielt dabei eine eher geringe Rolle, wird aber im Zusammenhang mit der betrieblichen Bindung qualifizierter MitarbeiterInnen thematisiert. Die Interessen der ArbeitnehmerInnen werden bei Entwicklung neuer Standorte von den verantwortlichen Stellen (Stadt, InvestorInnen, BetriebseigentümerInnen) zwar teilweise erkannt, die Realisierung geschieht jedoch ohne Einbindung der MitarbeiterInnen und teilweise selbst ohne Mitwirkung der Betriebe. Infrastrukturelle Angebote wie ÖV-Anbindung oder Freizeit- und Naherholungsangebote spielen bei der Entwicklung nur eine geringe Rolle. Die befragten MitarbeiterInnen und BetriebsrätInnen waren mehrheitlich der Ansicht, dass dem Aspekt des Arbeitsumfelds und seiner Auswirkung auf die Arbeitszufriedenheit zu wenig Beachtung geschenkt wird. Dieser „weiche“ Standortfaktor scheint für ArbeitnehmerInnen von größerer Bedeutung zu sein als für ArbeitgeberInnen. Für die meisten ArbeitnehmerInnen ist der Arbeitsplatz an sich der wichtigste Aspekt, das „Drumherum“ wird jedoch im Sinne einer „lebenswerten Umwelt“, in der man den größten Teil des Tages verbringt, sehr wohl intensiv wahrgenommen. Zu den Wünschen, die formuliert werden, gehören u.a.:  Parkanlagen in der näheren Umgebung zur Erholung in der Mittagspause, freundlich gestaltete Außenanlagen mit Bänken, Bäumen und Schattenplätzen in der Umgebung des jeweiligen Betriebsgeländes. Angenehm gestaltete Straßenräume, die mehr Aufenthaltsqualität bieten. Gut nutzbare Erholungsflächen und Entspannungsangebote im Außenraum des Betriebsgeländes (u.a. auch Dachterrassen, Terrassen oder Innenhöfe), die mit Bänken, Sesseln, Tischen, Mistkübeln und Aschenbechern ausgestattet sind. Verbesserung der Infrastruktur wie ÖV-Anbindung, Einrichtung von Radverleihstationen, Einkaufsmöglichkeiten, ausreichende Versorgung mit Gaststätten, Bankfilialen, Apotheken etc.

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Aus den Wünschen und Anregungen der ArbeitnehmerInnen lassen sich u.a. folgende Handlungsfelder für die Arbeiterkammer ableiten:  Vertiefende Überzeugungsarbeit bei Betrieben und den InteressensvertreterInnen von Betrieben betreffend weicher Standortfaktoren insbesondere der Qualitäten von betriebseigenen Freiräumen bzw. Freiräumen im öffentlichen Raum. Initiierung eines Wettbewerbs zum Thema „FirmenGärten“ gemeinsam mit anderen Organisationen. Anregungen zur Weiterentwicklung der Wiener Bauordnung in Hinblick auf eine Verankerung von Grünplanung für Industrie- und Betriebsgebiete. Information und Unterstützung für BetriebsrätInnen und MitarbeiterInnen, die in ihren Betrieben Freiräume auf dem Betriebsgelände entwickeln möchten (Informationsmaterial, Informationsveranstaltungen, Weiterbildung von BetriebsrätInnen).

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ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld Abb. 1: Arbeitsumgebung Industriegebiet Liesing, Betriebsgebiet Siemens-Allissen und Leberstraße-Geiselbergstraße

Sitzgelegenheiten für MitarbeiterInnen, Industriegebiet Liesing

Vorplatz, eventuell als Aufenthaltsraum geeignet, Industriegebiet Leberstraße-Geiselbergstr.

Infrastrukturangebot, Industriegebiet Siemens-Allissen

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Qualität im Arbeitsumfeld

2. Aufgabenstellung und Methodik

2.1 Aufgabenstellung und Zielsetzung
Industrie-, Gewerbe- und Betriebsgebiet sind heute in erster Linie Sammelbegriffe für Areale mit unterschiedlichsten städtebaulichen und freiraumplanerischen Ausprägungen. Diese Gebiete sind meist durch verschiedenste Betriebe und Branchen und deren Anforderungen an die Umgebung gekennzeichnet. Vorzufinden ist häufig eine bunte Mischung von Strukturen, Gebäuden und Flächen, die oft von ständigen Veränderungen Standortwechsel, Betriebsschließungen, Neueröffnungen, Erweiterungen etc. geprägt sind. Das Gemeinsame dieser Standorte ist, dass die MitarbeiterInnen den größten Teil ihres Tages dort vor Ort verbringen, indem sie ihrer Erwerbstätigkeiten nachgehen. Meist ist von der Straße aus kaum zur erkennen, welche Tätigkeiten im Inneren der Gebäude ausgeübt werden und nur in wenigen Fällen zeigen sich Gebäude gemeinsam mit den Außenanlagen als Einheit und vermitteln sich als Teil einer Corporate Identity (vgl. Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2007: 7).

Zu den Zielsetzungen des Projektes gehören:  Analyse von Industrie- und Betriebsgebietsplanung und der Organisation und Gestaltung der öffentlichen und privaten Freiräume in ausgewählten europäischen und österreichischen Städten mit dem Fokus auf die Bedürfnisse der ArbeitnehmerInnen. Aufzeigen von guten Beispielen und prüfen ob die Qualitätsaspekte auch für Wien nutzbar sind. Analyse wesentlicher Vorgaben zu Industrie- und Betriebsgebietsplanungen in Wien. Aufzeigen der Vorgaben zum öffentlichen und privaten Freiraum. Vermittlung eines Eindrucks zur Situation von ArbeitnehmerInnen in Industrie- und Betriebsgebieten und zu Problemen mit bzw. Wünschen an ihre Arbeitsumgebung, insbesondere den Außenraum. Formulierung von Qualitätsaspekten im öffentlichen und privaten Freiraum von Gewerbe- und Betriebsgebieten, die für die ArbeitnehmerInnen eine besondere Bedeutung haben. Aufzeigen von Handlungsfeldern für die Arbeiterkammer zur Optimierung des Arbeitsumfeldes auf den privaten/betriebseigenen bzw. öffentlichen Freiräumen in den Betriebsgebieten.

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Qualität im Arbeitsumfeld

2.2 Methodik
Das vorliegende Projekt umfasst folgende methodischen Vorgehensweisen: Literaturanalyse, Telefonate und Gespräche mit MitarbeiterInnen verschiedener Städte und Gemeinden und VertreterInnen einzelner Betriebe in Österreich und Deutschland sowie qualitative Interviews mit ArbeitnehmerInnen und MultiplikatorInnen. In Wien wurden vier Betriebsgebiete ausgewählte, in denen MitarbeiterInnen bzw. MultiplikatorInnen, im Wesentlichen Betriebsräte, interviewt wurden. MultiplikatorInnen wurden ausgewählt, damit Sichtweisen von Personengruppen, mit denen die MultiplikatorInnen häufig zu tun haben bzw. die sie vertreten, in die Untersuchung einfließen und somit deren Wünsche und Meinungen Berücksichtigung finden können. Im Wesentlichen handelt es sich bei dem vorliegenden Projekt um MitarbeiterInnen von verschiedenen Organisationen, die Betriebe und Betriebsentwicklungen in Wien vertreten bzw. die für die städtebauliche Entwicklung der Areale, in denen Betriebsgebiete liegen, zuständig sind. Weiters wurden Betriebsräte interviewt, die Kenntnisse vor allem der ArbeitnehmerInnen-, aber auch der ArbeitgeberInnenseite und der gesamten Betriebsstrukturen haben. Untersuchungsgebiete Zur vertieften Darstellung der Situation wurden vier Betriebsstandorte in Wien ausgewählt:     Industriegebiet Liesing im 23. Bezirk, Betriebsgebiet Siemens-Allissen im 21. Bezirk, Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße im 11. Bezirk und VIERTEL ZWEI im 2. Bezirk. (für die Kurzbeschreibung der Betriebsgebiete vgl. Anhang)

Qualitative Interviews mit ArbeitnehmerInnen und MultiplikatorInnen Einerseits wurden qualitative Interviews mit VertreterInnen einzelner Firmen in den vier o.g. Gebieten geführt, andererseits wurde mit VertreterInnen verschiedener Organisationen bzw. der Stadt Wien gesprochen, die mit der Entwicklung von Betriebsgebieten bzw. mit der Betreuung der Firmen zu tun haben.

Zu den Firmen, deren MitarbeiterInnen befragt wurden, gehören:     Industriegebiet Liesing, 23. Bezirk: Bank Austria- Firmenkundenbetreuung, MAN, ÖGUSSA, Vaillant, Verla - pharmazeutische Entwicklung und Laboranalytik Betriebsgebiet Siemens-Allissen, 21. Bezirk: Autobusgarage Leopoldau, Siemens Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße, 11. Bezirk: Bosch, ERSTE Bank – ITSolution, Siemens – Transport Systems VIERTEL ZWEI, 2. Bezirk: Novartis, OMV, Schenker

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Qualität im Arbeitsumfeld Abb. 2: Übersicht der untersuchten Betriebsgebiete

Zu den interviewten Organisationen bzw. sonstigen Personen gehören (detaillierte Liste vgl. Anhang):      Stadtverwaltung Wien, Dienststellen, Bebauungsplanung verantwortlich sind Wirtschaftskammer Wien Wirtschaftsagentur Wien Quartiermanagement Liesing MitautorIn des Masterplans Industriegebiet Liesing die für die Flächenwidmungsund

Für die Gespräche mit den MultiplikatorInnen wurde ein Leitfaden erstellt, auf dessen Grundlage die Interviews stattfanden. (Leitfaden vgl. Anhang) Insgesamt wurden 25 Interviews geführt. Die Interviews fanden in einer ungestörten Umgebung statt und dauerten im Durchschnitt 45 bis 60 Minuten. Die Anzahl der Interviews lässt keine Quantifizierung zu, Zusammenhänge können nicht quantitativ festgemacht werden. Die Befragungsergebnisse bilden allerdings eine Tendenz der Aussagen ab und sind als wichtige Schlaglichter in qualitativer Hinsicht zu bewerten.

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Qualität im Arbeitsumfeld

3. Berücksichtigung von Freiraumplanung in Gewerbe- und Betriebsgebieten in ausgewählten europäischen und österreichischen Städten
Im Folgenden werden einige Aspekte von Planungen und Anregungen für die Entwicklung und Bedeutung von Freiraumplanung in Betriebsgebieten im internationalen und nationalen Zusammenhang punktuell hervorgearbeitet. „Freiraum- und Freizeitqualitäten einer Stadt oder Region sind wichtige ‚weiche’ Standortfaktoren. Das Image der Städte generell und im Speziellen das der Wirtschaftsbetriebe steigert sich mit der Berücksichtigung und Entwicklung von mitarbeiterInnenfreundlichen, gartenarchitektonisch und umweltfreundlich gestalteten Außenbereichen.“ (vgl. http://die-gruene-stadt.de/firmengaertenwettbewerb/ Stand: 03.04.2012) Im Rahmen der vorliegenden Studie werden einige ausgewählte Initiativen und Vorgangsweisen einzelner Städte und Gemeinden zur Gewerbeund Betriebsgebietsplanungen u.a. aus Hannover, München, Linz und Graz dargestellt. Ziel dieser Darstellung ist die Prüfung, ob und inwieweit Qualitätsaspekte und Herangehensweisen von Betrieben anderer, vergleichbarer Städte für Wien nutzbar sind.

3.1 Deutschland
3.1.1 Region Hannover: Wettbewerb „FirmenGärten“ Das Thema „FirmenGärten“ wurde von der Landeshauptstadt Hannover erstmals im Jahr 2002 aufgegriffen. Mit Hilfe eines Wettbewerbs sollten Impulse zu Verbesserung der Gartenkultur in der Umgebung von Firmengebäuden gesetzt werden. Die Firmen lassen sich die gärtnerische Gestaltung teilweise durchaus etwas kosten und haben erkannt, dass eine gute Gestaltung der Umgebung sowohl Betriebsklima als auch Kundschaft positiv beeinflussen kann. Dieser Trend sollte mit Hilfe besagten Wettbewerbs gefördert werden. In den Jahren 2004 und 2009 wurde der Wettbewerb wegen des großen Erfolges wiederholt. Er wurde in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK), dem Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA), dem Verband der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbauer Niedersachsen-Bremen (VGL) und dem Norddeutschen Rundfunk durchgeführt und die teilnehmenden bzw. die Gewinnerfirmen wurden entsprechend in der Presse gewürdigt. „Die teilnehmenden Firmen haben ebenfalls großes Interesse – auch im Nachgang – gezeigt und waren stolz auf ihre Teilnahme oder ihren Rang. Zu Beginn war es jedoch immer schwierig Betriebe für die Teilnahme zu gewinnen. Das mag auch am mangelnden Bewusstsein für das positive Image und die positive Wirkung des ‚Firmengrüns’ gelegen haben. Es bedurfte teilweise einer wiederholten Nachfrage bei grundsätzlich interessierten Unternehmen. Vor allem größere Unternehmen sind schwerer zur Teilnahme zu gewinnen“ (Claudia Wollkopf, mündl. 2012) Insbesondere bei kleineren Unternehmen bis circa 20 MitarbeiterInnen fand eine Beteiligung der MitarbeiterInnen an den Gestaltungsprojekten statt. In einem Fall wurde darüber hinaus ARBEITERKAMMER WIEN 13

Qualität im Arbeitsumfeld gemeinschaftlich an der baulichen Umsetzung gearbeitet. Größere Firmen beauftragen im Regelfall Architekturbüros, die in einem nächsten Schritt die Planung und Bauleitung übernehmen. Die Nutzungsintensität der Flächen ist laut Beobachtung der AusloberInnen bei kleineren Firmen höher. „Großfirmen setzen Grünflächen eher zur Imagepflege (Erscheinungsbild nach außen/ Repräsentation) ein. Die Flächen sind hier größer und etwas anonymer. Es gibt weniger Rückzugsmöglichkeiten vor den Augen der Mitbeschäftigten und mehr ‚Grün für’s Auge’. Aber auch dieses wurde stets als besonders positiv hervorgehoben, wobei Frauen dies häufiger zu bestätigen scheinen als Männer“ (Claudia Wollkopf, mündl. 2012) Der Wettbewerb der Stadt Hannover dient inzwischen einigen Regionen und Städten als Vorbild, um die städtebauliche Situation und auch die Naherholungsfunktionen in Gewerbeund Betriebsgebieten, insbesondere auch für die MitarbeiterInnen der Betriebe, zu verbessern. 2006 fand ein Wettbewerb nach dem Vorbild Hannover in Bremen und 2009 in Osnabrück statt. 2010 hat die bundesweite Stiftung „Die grüne Stadt“ die Ideen des Wettbewerbs „FirmenGärten“ für ganz Deutschland entsprechend weiterentwickelt, sodass in Zukunft jede Stadt, Gemeinde oder Region den Wettbewerb mit überschaubarem Aufwand und geringen Mitteln durchführen kann (vgl. www.die-gruene-stadt.de). Bei den Kriterien, die von der Stiftung für die Beurteilung der Wettbewerbsbeiträge entwickelt wurden, spielt u.a. die Nutzungsfunktion für die MitarbeiterInnen der Firmen eine besondere Rolle. Insbesondere im Kriterium 2 wird auf diesen Aspekt eingegangen. „Kriterium 2: Soziale Bedeutung: Grünzonen und gestaltete Freiräume in und um Firmengebäude sind als soziale Treffpunkte für Beschäftigte von großer Bedeutung und können das Betriebsklima positiv begünstigen. Sie ermöglichen Begegnungen und fördern Austausch, Kommunikation und Gemeinsamkeiten unter den Beschäftigten. Sie bieten Erholung und Entspannung, stellen kurzfristige Rückzugsmöglichkeiten dar und fördern dadurch den Abbau von Stress. Sie geben durch die Möglichkeit der Naturwahrnehmung und -beobachtung Anregungen und neue Motivation und tragen zur Leistungssteigerung bei.“ (www.die-gruene-stadt.de) Weitere Kriterien berücksichtigen die ökologischen Wirkungen und generell die Gestaltung und Nutzung. Das gesamte Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung unterstützt und gefördert, da auch von dieser Seite erkannt wird, dass die Investition in die Außenanlagen der Firmen positive Auswirkungen auf die MitarbeiterInnen und die Kunden hat und insgesamt einen wichtigen städtebaulichen Beitrag leistet. Ein Beispiel für einen Wettbewerbssieger in der Kategorie „soziale Bedeutung“ im Jahr 2009 ist der Freiraum der Bürogemeinschaft Kap Horn: In dem Gebäude gibt es 5 Büros, alle aus dem kreativen Bereich (DesignerInnen, StadtplanerInnen, ArchitektInnen). Die Gartengestaltung des firmeneigenen Freiraums vor den Bürogebäuden gewann den 1. Preis für die besondere soziale Qualität. Die Gestaltung der Anlage wurde von den EigentümerInnen (4 Hochbauarchitekten und 2 LandschaftsarchitektInnen) unter Federführung der LandschaftsarchitektInnen (Büro grün plan) gemeinsam entwickelt. „Die Rasentheke vor der Tür: ab und zu (wenn's was zu Feiern gibt oder freitags bei schönem Wetter) trinken wir dort zu Feierabend Campari oder Martini. Im Sommer ist für die Hochbauarchitekten pünktlich um 15.00 Uhr Cappuccino Time, die sie möglichst auf der langen Bank vor der Sonnenwand verbringen. Wir hatten schon viele schöne Abende mit Public viewing, mit Fußball oder Filmen. Mittagessen findet im Sommer immer am großen Tisch statt. Es ist so, dass es allein wegen der äußerlichen Rahmenbedingungen Spaß macht, ins Büro zu kommen!“ (MitarbeiterIn und BüroleiterIn einer der Firmen, mündl. Januar 2012) 14 ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld

Abb. 3: Freiräume der Bürogemeinschaft Kap Horn-Hannover vor und nach dem Umbau vorher

nachher

Fotos: Gudrun Baingo

Aspekte, die für die ArbeitnehmerInnen in Wien bedeutsam sind:  Ein Wettbewerb FirmenGärten kann das Thema bei den Wiener Betrieben bekannt machen und die Diskussion anregen. Die ArbeitnehmerInnen können direkt in die Optimierung ihrer Arbeitsumgebung eingebunden werden.

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3.1.2

München

Gewerbegebiet München Riem In München wurde von Seiten der Stadtentwicklung generell auf die Einbindung der Industrie- und Gewerbegebiete in das Stadtgefüge und in das gesamte Entwicklungsgebiet München Riem geachtet. Grüne Achsen, großzügige Straßenräume, grüne Stadtkanten, Plätze als Aufenthaltsorte und Raumverbindungen gehören zum städtischen Gestaltungskonzept. Auf dem Gelände

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Qualität im Arbeitsumfeld der einzelnen Betriebe gibt es unterschiedlich Aufenthaltsbereiche für die MitarbeiterInnen. ausgeführte Erholungsund

2005 wurde für den gesamten Raum München Riem (Wohn- und Arbeitsorte) der Bauherrenpreis ausgelobt, bei dem nach den Kriterien Ökologie und Energie, Gestaltung und Nutzung und Wirtschaftlichkeit die innovativsten Gesamtkonzepte gewürdigt wurden. Im Rahmen der Vergabe des Bauherrenpreises wurde festgestellt, dass das vorhandene gute Wohn- und Arbeitsklima maßgebend zum Wohlbefinden der in der Messestadt wohnenden und arbeitenden Bevölkerung beiträgt. „Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit der Gebäude und Freiräume haben einen hohen Stellenwert. Durch die optimal gewählte Ausrichtung der Gebäude kann die natürliche Belichtung und Belüftung maximal ausgenutzt werden. Dies trägt nicht nur zum Wohlbefinden der Nutzer bei, sondern ist auch ein Beitrag zur Reduzierung der Unterhaltskosten. Eine ausreichende Beschattung der Gebäude schützt vor Überwärmung der Räume. Eine natürliche Lüftung der Räume hat Priorität. Schadstofffreie Materialien garantieren eine hohe Luftqualität. [...] Durch eine hohe bauliche Dichte und einem gleichzeitig großen Angebot an Grün- und Freiflächen werden die unterschiedlichen Ansprüche der Nutzer in den Wohn- und Gewerbegebieten sowie Freiräumen erfüllt. Das Gesamtkonzept sieht Räume für Begegnung und Erholung, Freizeitaktivitäten, Arbeit und persönliche Rückzugsmöglichkeiten vor.“ (Landeshauptstadt München 2005: 17f.) „Das Arbeitsklima würde ich durchaus als angenehm bezeichnen. Gerade für unser Gewerbe ist es außergewöhnlich, solch eine Büroausstattung und solche sozialen Räumlichkeiten unseren Mitarbeitern bieten zu können.” Günther Schneider, Schneider GmbH, Bauherrenpreis 2001 Gewerbe (Landeshauptstadt München 2005: 26f.). Die intensive Berücksichtigung u.a. eines geeigneten Grün- und Freiraumangebotes in der Arbeits- und Wohnumgebung im Rahmen des gesamten Planungsprozesses und die qualitativ hochwertige Umsetzung führen in diesem Industrie- und Wohngebiet zu der oben beschriebenen Zufriedenheit der NutzerInnen.

Aspekte, die für die ArbeitnehmerInnen in Wien bedeutsam sind:  Von Seiten der Stadtplanung erscheint es sinnvoll bei Gewerbe- und Betriebsgebietsplanungen bereits von Beginn an auf die Einbindung in das Stadtgefüge zu achten und Raum für die Bedürfnisse der ArbeitnehmerInnen vorzusehen. Der Bauherrenpreis ähnelt dem Österreichischen Staatspreis für Architektur. Hier erscheint es sinnvoll, dass bei der Jurierung der Aspekt der Qualität der Arbeitsumgebung auch im Hinblick auf das Angebot für die MitarbeiterInnen in den betriebs- und firmeneigenen Außenräumen verstärkt Berücksichtigung findet.

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3.2 Österreich
3.2.1 Oberösterreich, Linz Das Land Oberösterreich startete 2006 mit Hilfe der Wirtschaftskammer Oberösterreich, des Naturschutzbundes Oberösterreich und der Naturschutzabteilung des Landes 16 ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld Oberösterreich eine Initiative zur naturnahen Gestaltung von Gewerbe- und Industrieflächen. Neben dem ökologischen Wert dieser Initiative, die auf ein sehr hohes ökologisches Potential in der Umgebung von Industriebetrieben zurückzuführen ist, wurde hierbei auch insbesondere auf den Erholungswert für die MitarbeiterInnen geachtet. Mit dieser Initiative konnte dargestellt werden, dass oft bereits mit geringfügigen Maßnahmen Grünflächen in der Umgebung von Gewerbebetrieben auf eine Art und Weise entwickelt werden können, dass sie das Arbeitsklima und die Erholung im Betriebsumfeld deutlich verbessern. „Der Kontakt zur Natur gibt Kraft, erhöht die Konzentrationsfähigkeit und steigert die Lust am Arbeiten.“ (Land Oberösterreich 2006: 18) Mit einer Broschüre, die als Gemeinschaftsinitiative der Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreich und der Wirtschaftskammer Oberösterreich entwickelt und an die Betriebe versandt wurde, konnten alle Betriebe des Landes Oberösterreich eine Beratung zur Optimierung der Freiflächengestaltung in Anspruch nehmen. Die Initiative stieß auf großes Interesse, es gab verschiedenste Firmeninhaber, die das Umfeld ihres Betriebes für ihre MitarbeiterInnen optimieren wollten. Einerseits ging es darum, die Nahbereiche der Gebäude mit Sitzgelegenheiten und kleinen Terrassen auszustatten, andererseits um die Betrachtung des gesamten Firmengeländes. Bei Letzterem wurden die Themen Gehen, Bewegung und Erholung durch Naturbetrachtung berücksichtigt. Die Themen reichten insgesamt von der naturnahen Entwicklung einzelner PKW-Abstellplätze bis hin zur Entwicklung auf größeren Industriearealen. Für die Beratungsleistungen und für einzelne Maßnahmen gab es einen Fördertopf beim Land. Zunächst wurde mit fünf Pilotbetrieben begonnen, in Folge wurde daraus ein Förderprogramm mit Beratungs- und teilweise mit Umsetzungsförderung entwickelt. Die MitarbeiterInnen nutzen die neuen Außenräume sehr unterschiedlich. Einige gehen nur zum Rauchen hinaus, andere, um dort die gesamte Mittagspause zu verbringen und wieder andere, um eine kurze Runde zu drehen bzw. „frische Luft“ zu schnappen. Eine intensivere Nutzung wird teilweise aufgrund der kurzen Mittagspause, teilweise aber auch durch das soziale Controlling („Hat der/die nichts zu tun?“) verhindert. Hier ist laut Aussagen eines Landschaftsarchitekten, der an der Umsetzung beteiligt waren, noch sehr viel Kommunikationsarbeit notwendig. Wichtig ist seiner Ansicht nach die Bewusstseinsarbeit:   Linz In Linz ist der Außenanlageplan seit 1987 Teil des Bebauungsplans, er stellt die Begrünungsmaßnahmen planlich dar (Lage der Grünflächen, Baumpflanzungen, Oberflächenausführung etc.) und ist rechtlich verankert. Dieser Plan wird auch für Industrieund Gewerbegebiete erstellt. Der Durchgrünungsgrad der nicht Grün gewidmeten Flächen im Bauland hat hier ein zusätzliche Bedeutung für den Grünanteil. Durchgrünungsgrad im Bauland „Der Durchgrünungsgrad im Bauland spiegelt als Maßzahl für die Grünausstattung nicht nur die kleinräumigen stadtklimatischen, stadtökologischen oder stadtgestalterischen Gegebenheiten wider, sondern ist auch ein genereller Hinweis ARBEITERKAMMER WIEN 17 „Bewegung im Freiraum ist wichtig für die Gesundheit der MitarbeiterInnen und eine Burnout-Prävention. Ein guter Freiraum steigert das Image der Betriebe.“ (Markus Kumpfmüller 2012)

Qualität im Arbeitsumfeld darauf, in wieweit eine Versorgung mit wohnungsbezogenen Grünflächen gegeben ist. [...] Der Durchgrünungsgrad im Bauland ist eine fachtechnische Bewertung und somit eine der Grundlagen für die Beurteilung von Projekten. Zur Berechnung des Durchgrünungsgrades werden die Kriterien Grundflächenzahl, Geschoßflächenzahl, Geschoßanzahl, Grünflächenanteil und Grünflächenqualität herangezogen. Die Bewertung des Durchgrünungsgrades erfolgt in den drei Stufen gut, ausreichend und mangelhaft und wird danach festgelegt, in welche Abstufung die Mehrzahl der Kriterien fällt.“ (Stadtplanung Linz 2001: 10) „Die Erzielung des geforderten Durchgrünungsgrades im Sinne des Grünflächenplans ist eine Zielsetzung des Örtlichen Entwicklungskonzeptes – Gesamtteil. Mit der Festlegung von Begrünungsmaßnahmen im Sinne des Grünflächenplans in der Verordnung des Bebauungsplans werden diese rechtlich verbindlich und können anlässlich einer Bauführung vorgeschrieben werden.“ (ebd.: 23) Integration in den Bebauungsplan Die Aussagen werden über standardisierte Textbausteine in die jeweiligen Bebauungspläne integriert. Dieser wird dann per Verordnung erlassen und ist rechtskräftig und für die jeweiligen InvestorInnen bzw. BauwerberInnen bindend.

Beispiel für einen Textbaustein einer Bebauungsvorgabe für ein Siedlungsgebiet: „Pro 500m vollendeter Bauplatzfläche ist zumindest ein großkroniger Baum über durchgehend gewachsenem Boden zu pflanzen bzw. zu erhalten.“ (Stadtplanung Linz 2007) Zu Begrünen sind generell folgende Dachflächen: „Neu- und Zubauten von Hauptgebäuden im Wohngebiet und im Betriebsbaugebiet 2 mit einer verbauten Fläche von mehr als 500 (250/100) m , Neu- und Zubauten von Nebengebäuden mit mehr als 100 m² verbauter Fläche“ (Maurer 2007: Folie 10). Zur Unterstützung für die Betriebe gab es in den ersten Jahren von Seiten der Stadt Linz eine Förderung für Dachbegrünung. Insbesondere auch in den Betriebsgebieten konnten mit diesen rechtlichen Vorgaben gute Ergebnisse für die allgemeine Durchgrünung und die qualitative Verbesserung der Außenräume der einzelnen Betriebe erzielt werden. Die in den Bebauungsplänen geforderte Begrünung der Dachflächen und der Stellplätze wurde nach Aussagen von VertreterInnen der Stadtverwaltung Linz insbesondere auch von den ArbeitnehmerInnen positiv aufgenommen. „Es ist wesentlich positiver in so einem grünen Umfeld zu arbeiten.“ (Edmund Maurer 2012). Die grünen Dachflächen in den Gewerbe- und Betriebsgebieten gehören inzwischen zum Standard. Die Förderung der Gründächer aus den ersten Jahren ist zwar inzwischen, aus verschiedenen Gründen, geringer geworden, trotzdem wird die Dach- und 18 ARBEITERKAMMER WIEN
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Qualität im Arbeitsumfeld Parkplatzbegrünung von den Firmen fortgesetzt, da sich die Betriebe generell besser präsentieren wollen.

Abb. 4: Betriebsgebiete ohne und mit Bebauungsplanvorschriften in Linz vor bzw. nach 1985 (vgl. gelbe Linie)

vorher

nachher

Quelle: Maurer (2007) Folie 12, Luftbild: H. Pertiwieser

3.2.2

Steiermark, Graz

In Graz gibt es im Rahmen des Steiermärkischen Baugesetzes die Möglichkeit einer Verordnungsermächtigung im Zusammenhang mit Bebauungsplänen u.a. für Bepflanzungen. In einer entsprechenden Verordnung der Stadt Graz ist festgehalten, dass Auflagen in Hinblick auf Begrünung der Flächen bzw. Gebäude in den Bebauungsplänen gemacht werden können. Als Erläuterung zu dieser Verordnung wurden von der Stadt Graz „Freiraumplanerische Standards für die Baulandgestaltung“ entwickelt. Überall dort, wo in Graz Bebauungspläne vorgeschrieben sind, werden diese Standards „automatisch“ angewendet und in entsprechenden Bebauungsplänen festgeschrieben. Sie müssen von den jeweiligen Bauwerbern berücksichtigt werden, auch in Industrie- und Gewerbegebieten. Die Standards beziehen sich in den Betriebsgebieten hauptsächlich auf die Begrünung von Parkplätzen, die Dachbegrünung oder Lärmschutzeinrichtungen. Dadurch konnten in einigen Industrie- und Gewerbegebieten für diese konkreten Aspekte gewisse Begrünungen umgesetzt werden. Generelle grünplanerische Konzepte, die auch auf eine Nutzungsqualität für die ArbeitnehmerInnen Rücksicht nehmen, sind derzeit nicht vorgesehen. Gegenwärtig sind in Graz Bebauungspläne nicht flächendeckend vorgeschrieben, daher hat die Stadt bei einigen Bauverfahren nur eine Gutachterverpflichtung. Hier kann daher die vorliegende Verordnung nicht entsprechend zum Tragen kommen. Aspekte, die für die ArbeitnehmerInnen in Wien bedeutsam sind:  Die Initiative des Landes Oberösterreich, über den Aspekt „Mehr Natur in die Betriebe“ die Qualität der Arbeitsumgebung der MitarbeiterInnen zu verbessern und damit das Wohlfühlen am Arbeitsplatz zu unterstützen, ist eine Initiative, die in sehr geringen Ansätzen bereits von der MA 22 in Wien mit der Idee des Handbuchs Stadtnatur bzw. dem Konzept Netzwerk Natur gestartet wurde. Erfolge für die Optimierung der 19

ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld Außenräume von Betrieben konnten in Wien bisher noch nicht erreicht werden. Eine neue Initiative von Seiten des Naturschutzes im Zusammenhang mit anderen Institutionen mit einem kleinen Fördertopf wäre ein Anstoß für die Betriebe in Wien und in Folge eine Bereicherung für das Arbeitsumfeld in Betriebsgebieten.  Eine Kombination dieser Initiative mit einer intensiveren Nutzung der Möglichkeiten im Wiener Flächenwidmungsplan Dachbegrünungen für Dachflächen z.B. ab einer gewissen Größe, vor zuschreiben, erscheint sinnvoll. (vgl. Stadt Linz) Indirekt lässt sich dadurch die Arbeitsumfeldqualität (Luftqualität, eventuelle Nutzung der Dachflächen) für die MitarbeiterInnen verbessern. Im Rahmen der Vorschreibung einer Dachbegrünung ab einer bestimmten Dachflächengröße erscheint es sinnvoll auch eine Vorsorge für eine zumindest Teilnutzbarkeit der Dachflächen u.a. für die MitarbeiterInnen vorzusehen. Diese Vorgaben können z.B. in den Festsetzungen zum Flächenwidmungsplan entsprechend ausgeführt werden. Denkbar ist auch eine Initiative nach Vorbild der „Freiraumplanerischen Standards für die Baulandgestaltung“ der Stadt Graz. Hier lassen sich Standards für Industrie- und Betriebsgebiete formulieren, die positive Auswirkungen für die ArbeitnehmerInnen haben.

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ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld

4. Freiraumplanerische Vorgabe zu Gewerbe- und Betriebsgebietsplanungen in Wien
Zu den Zielsetzungen im Baugesetzbuch von Wien gehören u.a. die „Erhaltung beziehungsweise Herbeiführung von Umweltbedingungen, die gesunde Lebensgrundlagen, insbesondere für Wohnen, Arbeit und Freizeit sichern, und die Schaffung von Voraussetzungen für einen möglichst sparsamen und ökologisch verträglichen Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen sowie dem Grund und Boden“ (Magistrat der Stadt Wien 1998, 1 Art. 2 lit. 4). Begleitend zu den einzelnen Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen gibt es den Motivenbericht, in dem die Aussagen der Pläne näher erläutert werden. In Betriebsgebieten werden derzeit in den Flächenwidmungsplänen im Wesentlichen die Höhe der Bebauung und der Abstand zu angrenzenden Bebauungen geregelt. Ein genereller oder detaillierter Grünplan bzw. ein Gestaltungskonzept für Industrie- bzw. Gewerbegebiete ist nicht vorgesehen. Zu weiteren Aspekten, die im Flächenwidmungs- und Bebauungsplan geregelt werden, gehören:  die Widmung BB (Besondere Bestimmungen): Mit dieser Widmung lassen sich verschiedene Vorgaben u.a. die spezielle Ausgestaltung verschiedener Areale in den Flächenwidmungsplan einbringen. die Widmungskategorie G (gärtnerisch auszugestaltende Flächen) dient zur Präzisierung der Nutzbarkeit eines Baugebietes und hat derzeit eine wichtige Bedeutung für die Entwicklung von wohnbezogenen Grünflächen. Von städtischer Seite kann hier mit der Festsetzung der gärtnerisch auszugestaltenden Flächen Einfluss auf die bauliche Ausnutzung des Baugebietes genommen werden. Diese Widmungskategorie könnte auch für Betriebsgebiete genutzt werden. die Möglichkeit Dachbegrünung festzulegen bzw. die Dachflächenwasserversickerung auf dem Gelände vorzusehen. Eine ähnliche Nutzung dieser Möglichkeit wie in der Stadt Linz mit verpflichtender Dachbegrünung auf fast allen neuen Industriebauten ist in Wien derzeit nicht vorgesehen. die Versiegelung des Baugebietes festzulegen: „Mindestens 10 v.H. der Fläche des 2 Bauplatzes, die 500 m übersteigt, sollen von ober- und unterirdischen Bebauungen frei bleiben und dürfen darüber hinaus aus auch nicht versiegelt werden.“ (Magistrat der Stadt Wien 1998, §76 Abs. 10a) Bei dieser Vorgabe besteht jedoch die Gefahr, dass die freizuhaltenden Flächen in winzige Splitterflächen unterteilt werden, da keine zusammenhängenden unversiegelten Flächen gefordert werden.

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Bei neu zu entwickelnden Gewerbe- und Betriebsgebietsflächen ist die Berücksichtigung der Durchwegung von besonderer Bedeutung, um große Umwege für MitarbeiterInnen, Gäste und AnrainerInnen zu vermeiden. Für bereits bestehende Betriebsgebiete ist es sehr schwierig, nachträglich weitere Festsetzungen ohne Zustimmung der GrundeigentümerInnen umzusetzen. Dies ist sehr deutlich im Industriegebiet Liesing zu sehen. Dort wurden im Rahmen einer Flächenwidmungsplanänderung Widmungen wie z.B. ein „öffentlicher Durchgang“ auf privatem, betriebseigenem Grund festgelegt, die Besitzer konnten jedoch weder zu einer

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Qualität im Arbeitsumfeld Öffnung bzw. zum Verkauf von Teilen ihrer Grundstücke für einen öffentlichen Durchgang veranlasst werden. Generell lassen sich im Rahmen des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans in Wien derzeit wenige Aspekte zu einer qualitativen Ausgestaltung der Flächen festlegen. Mit Hilfe eines Quartiersmanagements – initiiert von der MA 21, der Wirtschaftskammer und der Wirtschaftsagentur – und der Entwicklung eines Masterplans wird im Industriegebiet Liesing beispielhaft versucht, eine Diskussion über neue Technologien und die Aufwertung der Umgebung der Betriebe und des öffentlichen Raumes zu entwickeln. Mit den Betrieben werden Gespräche geführt, um dadurch die Gesamtqualität dieses Standortes auch für die MitarbeiterInnen zu steigern.

Aspekte, die für die ArbeitnehmerInnen in Wien bedeutsam sind:  Im Rahmen der Flächenwidmung von Betriebsgebieten können die Möglichkeiten der Wiener Bauordnung u.a. zu Themen wie Dachbegrünung, Versickerung von Regenwasser auf dem Betriebsgelände oder Durchwegung noch besser im Sinne der Interessen der ArbeitnehmerInnen genutzt werden. Ein Gestaltungskonzept bzw. ein Grünflächenplan für Industrie- und Betriebsgebiete als Ergänzung zum Flächenwidmungs- und Bebauungsplan kann auf die Bedürfnisse der ArbeitnehmerInnen eingehen. Mit der Erweiterung der bestehenden Spielplatzverordnung zu einer Freiflächenverordnung können minimale qualitative Anforderung an die öffentlichen und privaten Freiräume auch in Betriebsgebieten formuliert werden. Sinnvoll erscheint es, dass in einem Quartiersmanagement für Industrie- bzw. Betriebsgebiete auch eine Vertretung der ArbeitnehmerInnen beteiligt wird, damit ihre Interessen gleichberechtigt mitberücksichtigt werden.

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ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld

5. Öffentliche und private Freiräume aus Sicht der VertreterInnen der Institutionen
Insgesamt wurden 8 Interviews mit VertreterInnen von nachfolgend genannten Institutionen geführt:     MA 21B, Stadtteilplanung und Flächenwidmungsplanung Quartiersmanagement Industriegebiet Liesing Wirtschaftsagentur Wirtschaftskammer Wien, Abt. Stadtplanung und Verkehrspolitik, Referat Stadtplanung

5.1 Standortqualität im Allgemeinen
Die Betriebe in Wien sind laut Wirtschaftsagentur und Wirtschaftskammer überwiegend mit ihren Standorten zufrieden. Bei der Bewertung der Standortqualität der Betriebsstandorte in Wien spielen vor allem wirtschaftliche Aspekte eine Rolle, weitere Aspekte sind betriebsorganisatorischer Natur bzw. Aspekte der Verkehrsanbindung (hauptsächlich für MIV, die Anbindung zum ÖV spielt nur teilweise eine Rolle). Der private Freiraum der Betriebe und der öffentliche Freiraum in der Umgebung spielen bei der Bewertung der Standortqualität keine sehr große Rolle – sie werden kaum als Standortfaktoren gesehen. Vorrangig werden bei der Bewertung der Standortqualität die „klassischen“ Themen wie Erreichbarkeit, Erweiterungsflächen und Umstrukturierungen im Konzern behandelt. Erst wenn die „harten“ Standortvorteile zufriedenstellend sind, werden in einem nächsten Entscheidungsschritt die „weichen“ Standortvorteile betrachtet. Hier überwiegt von Seiten der Wirtschaftsagentur jedoch die Einschätzung, dass ein Betrieb eher nicht bereit ist für eine „gute Umgebung“ Geld zu investieren. Die Umgebungssituation hat dann das Potential für eine Standortwahl ausschlaggebend zu sein, wenn die o.g. vorrangig betrachteten Aspekte bei der Suche nach einem neuen Areal für mehrere zur Auswahl stehender Standorte zutreffen. In diesem Fall wird dann auch ein ansprechendes Freiraumkonzept für das gesamte Gewerbe- bzw. Industrieareal als Standortvorteil betrachtet. Ein weiteres Kriterium zur Bewertung der Standortqualität sind die derzeitigen Grundstückspreise. Die Wiener Standorte können im Vergleich zum preisgünstigeren Umland kaum mithalten, daher müssen andere Standortvorteile diesen Aspekt aufwiegen. Themen wie Dachbegrünungen bzw. -nutzung werden dann vermehrt zu positiven Bewertungsfaktoren. Dachterrassen als Freiräume für MitarbeiterInnen werden bei Standortbegehungen z.B. besonders hervorgehoben. Die Verkehrsanbindungsqualität, sprich Annäherungsqualität der Betriebe (ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖV) ist ein weiterer wichtiger Aspekt für die Beurteilung der Betriebsgebiete durch die Institutionen, insbesondere wurde in diesem Zusammenhang das Industriegebiet Liesing als derzeit überwiegend negatives Beispiel genannt. Weite und unattraktive Wege von den ÖV-Stationen zum Arbeitsplatz sind nach Meinung der ARBEITERKAMMER WIEN 23

Qualität im Arbeitsumfeld VertreterInnen der Institutionen auch aus MitarbeiterInnensicht unerfreulich. In den Gesprächen und Besprechungen der InstitutionsvertreterInnen mit den Betriebsleitungen wird von den Beteiligten immer wieder hervorgehoben, dass sich die Annäherungsqualität auf die MitarbeiterInnen und die BesucherInnen positiv auswirken kann. Generell wird, u.a. für das Industriegebiet Liesing, befürchtet, dass die Attraktivierung des Standortes zu höheren Grundstückspreisen führt. Das wiederum würde weitere Ansiedlungen von Betrieben in diesem Areal verhindern. Weiters wird angenommen, dass durch den zusätzlichen Druck auf die Wohnbauträger neue Wohnquartiere zu schaffen, der Druck auf die gut erschlossenen Betriebsgebiete (u.a. gute Anbindung an den ÖV) und ihre freien Flächen zunimmt und die dadurch zu erwartenden Grundstückspreise von den Betrieben nicht mehr finanziert werden können.

Aspekte, die für die ArbeitnehmerInnen bedeutsam sind:  Standortwahl generell und wirtschaftliche Situation der Betriebe: Die „grüne“ Arbeitsumgebung spielt als „weicher“ Standortfaktor eine nachgeordnete Rolle. Sie wird von Seiten der Institutionen und der ArbeitgeberInnen aber teilweise trotzdem als wichtig erachtet, insbesondere um eine Standortqualität in Wien im Vergleich zum Umland hervorzuheben. Wichtig erscheint den InstitutionenvertreterInnen die Annäherungsqualität hin zu einem Betrieb. Der Arbeitsweg, bzw. die Wegeverbindungen innerhalb der Betriebsgebiete sollten bereits eine bestimmte Qualität auch für FußgängerInnen und RadfahrerInnen aufweisen.

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5.2 Grünflächen – schön, aber problematisch
Betriebe haben zwar gerne öffentliche Grünflächen in ihrer Umgebung, möchten dafür aber nicht zahlen und nach Einschätzung der Wirtschaftsagentur und der Wirtschaftskammer sollte die öffentliche Grünentwicklung auch nicht auf dem Rücken der Unternehmen ausgetragen werden. Wenn auf einem Grundstück selbst eine Grünwidmung liegt, ist das laut Wirtschaftsagentur nach Meinung vieler UnternehmerInnen in Wien eher ein Nachteil und wertet das Grundstück als Betriebsgrundstück ab. Viele Firmen, die Erweiterungsflächen besitzen, möchten diese nicht mit Freiraumgestaltungen, Biotopflächen oder/und Bäumen verplanen. Das Wiener Baumschutzgesetz behindert hier, laut Wirtschaftsagentur und Wirtschaftskammer, die Betriebe in ihrer ungehinderten Entwicklung, da bei entsprechendem Stammumfang der Bäume bei einer Fällung oft umfangreiche Ersatzpflanzungen vorgeschrieben sind. Wenn eine Fläche auf Grund z.B. eines Biotopstatus geschützt wird, ist sie für den Betrieb wertlos, da er nicht mehr die Möglichkeit hat seinen Betrieb zu erweitern und/oder nach eigenen Bedürfnissen umzustrukturieren. Die Wirtschaftskammer tut sich als InteressenvertreterIn schwer, eine grüne Flächengestaltung auf betriebseigenen Flächen als positiv zu bewerten. Betriebe und Wirtschaftskammer bevorzugen die prozentualen Bestimmungen oder Zusatzkommentare

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ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld bei den Baubestimmungen gegenüber Bestimmungen, die besondere Örtlichkeiten auf ihrem privaten Gelände determinieren, an denen die Betriebe nicht mehr rütteln können. Auch die MA 21B, Stadtteilplanung und Flächenwidmungsplanung, ist der Ansicht, dass einige Festsetzungen im Flächenwidmungsplan eher kontraproduktiv in Hinblick auf die Entwicklung von bestehenden bzw. neu zu entwickelnden Betriebsgebieten wirken können, wie z.B. bei der nachträglichen Festlegung von Durchgängen im Flächenwidmungsplan in Liesing festgestellt wurde. „Wenn die BesitzerInnen ihre Betriebe erweitern wollen und sie einen gewidmeten Durchgang auf ihrer Fläche haben, wird das schwierig für sie, dann überlegen sie eher weg zu ziehen und das wird in Liesing von keiner Seite gewünscht.“ (VertreterIn MA 21B 2012) Laut Wirtschaftskammer wäre es eine Alternative, die freien Flächen auf den Betriebsgeländen für die MitarbeiterInnen zu gestalten – diese Flächen würden dann entsprechend gepflegt und ein Zuwachsen mit Bäumen wäre eher unwahrscheinlich. „Die Mitarbeiter freuen sich wahrscheinlich auch, wenn sie einen schönen Raum im Freien haben, wo sie ihre Mittagspausen verbringen können – das ist sicherlich ein Mehrwert.“ (VertreterIn Wirtschaftskammer) Die dafür notwendige Einstellung des einzelnen Betriebs hängt aber davon ab, ob ein entsprechendes Bewusstsein überhaupt im Unternehmen vorhanden ist – und ob sich die Betriebe eine solche Gestaltung leisten können.

Aspekte, die für die ArbeitnehmerInnen bedeutsam sind:  Möglichkeiten zu Gestaltung des Betriebsgeländes in einer für die ArbeitnehmerInnen und für den Betrieb attraktiven Weise, ohne auf Probleme mit den Naturschutzbestimmungen zu stoßen sind derzeit bei den Institutionen und den Betrieben nicht oder wenig bekannt. Eine Aufklärungsinitiative (vgl. Oberösterreich in Zusammenarbeit mit der Naturschutzabteilung der Stadt Wien) wäre eine Möglichkeit, diese Situation zu verbessern. Die derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen wie z.B. eine frühzeitige Festsetzung von Vorgaben im Flächenwidmungsplan werden eher als Hemmnis für eine Ansiedlung angesehen. Eine Möglichkeit, in Kombination mit den naturschutzrechtlichen Anforderungen die Flächen für MitarbeiterInnen zu optimieren erscheint für einige InstitutionenvertreterInnen denkbar. Denkbar ist auch bei Neuplanung die Entwicklung eines flexiblen Wegesystems, indem z.B. ein Korridor dargestellt wird in dem der Weg dann im Rahmen der konkreten Entwicklung der Betriebsgebiete in Zusammenarbeit mit den Betriebsbesitzern, den Anrainern, der Stadtverwaltung bzw. weiteren Beteiligten verortet wird.

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5.3 Betriebssicherheit
Die Sicherheit ihres Standortes ist für die Betriebe sehr wichtig, insbesondere für Produktionsbetriebe – hier haben Zäune und Sicherungsanlagen an Gebäuden eine besondere Bedeutung, damit keine Unbefugten das Gelände betreten. Die Gebäude sind meist intensiv gesichert. Wirtschaftskammer und Wirtschaftsagentur weisen auf die Frage

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Qualität im Arbeitsumfeld der Haftung hin. Wenn Betriebsgelände für die Öffentlichkeit geöffnet werden und durchlässig gemacht werden sollen, ist diese Frage neu zu klären. Eine Durchgängigkeit nachträglich in bestehenden Betriebsgebieten zu realisieren ist rechtlich ein kompliziertes Thema, selbst wenn auf den Gründen der Firmen Durchgänge gewidmet sind. Hier sollten nach Vorschlägen der MA 21B konstruktive Lösungen zwischen den EigentümerInnen (BetriebsbesitzerInnen) und den Interessen an öffentlicher Durchgängigkeit gefunden werden. In Betriebsgebieten, die umstrukturiert oder neu geplant werden, z.B. in den Zielgebieten Siemens- Allissen und Donaufeld wurde die Durchgängigkeit durch die Betriebsareale so weit wie möglich berücksichtigt. Wichtig sind die vorhandenen Wege- und Straßenverbindungen – nur über diese lassen sich in der Realität die Verbindungen in bzw. durch das Gebiet entwickeln. „Die MA 21 ist immer in der Zwickmühle: Wo gibt es öffentlichen Raum und wo stoße ich an die Grundgrenze von Privaten. Dort ist dann die Vernetzung meist beendet. Da kann man zwar auf den Plänen schöne Linien machen, wenn der private Grundstücksbetreiber aber uninteressiert ist, hat man überhaupt keine Möglichkeit die Vernetzungsideen umzusetzen.“ (VertreterIn MA 21B 2012) Eine weitere Betonung von Seiten der MA 21 ist, dass neue Verbindungsstrecken für die BenutzerInnen sicher ausgestaltet werden müssen (Wegebefestigung, Beleuchtung etc.). Hier wurde von Seiten der Stadt Wien die Kosten-Nutzenrechnung solcher Wegeverbindungen angesprochen.

Aspekte, die für die ArbeitnehmerInnen bedeutsam sind:  Verbindungen innerhalb der einzelnen Betriebsgebiete und die Durchgängigkeit bzw. Anbindung an die Umgebung sind teilweise aus Sicherheitsaspekten von Seiten der Firmen ein Problem, teilweise wird ihr Bedarf bezweifelt. Im Rahmen der Analysen für den Masterplan werden derzeit z.B. für das Industriegebiet Liesing die Wegeverbindungen mituntersucht und ihr Bedarf geprüft.

5.4 MitarbeiterInnenzufriedenheit und Produktivitätssteigerung
„Im Betriebsgebiet geht es in erster Linie darum, dass der Betrieb funktioniert, alles was rund herum oder zwischen den Bäumen passiert, ist den Firmenleitungen ziemlich egal.“ (VertreterIn Quartiersmanagement Liesing 2012) Einige Unternehmen haben jedoch erkannt, dass die Kurzzeiterholung ein wichtiger Faktor für die Produktivitätssteigerung sein kann. Dieser Aspekt ist allerdings kein Schwerpunkt in der Diskussion der Unternehmensleitungen. Während die Outdoor-Qualitäten eines Betriebs noch eher vernachlässigt werden, ist das Bewusstsein bezüglich der Rolle der IndoorArbeitsplatzqualität für die Produktivitätssteigerung sehr wohl vorhanden. Es besteht ein grundsätzliches Interesse daran, dass sich die MitarbeiterInnen wohlfühlen. Angemerkt wurde u.a., dass eine gute Raumqualität zur Gesundheit der ArbeitnehmerInnen beiträgt. Die meisten Beteiligten und EntscheidungsträgerInnen denken bei Erholung nicht an Aufenthaltsflächen im Außenraum – zum Beispiel, ob und wie man als MitarbeiterIn die Mittagspause draußen angenehm verbringen kann. Oftmals bleiben Vorstellungen zum 26 ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld Außenraum vage und knüpfen an Gesundheitsthemen an. Insbesondere bei Betrieben, die keinen Kundenverkehr haben, hat der Freiraum für die Vermarktung keine Bedeutung und wird daher weniger beachtet. Z.B. sind bei den reinen Produktionsbetrieben Aufenthaltsbereiche im Freien für die Pausen der MitarbeiterInnen kaum zu finden oder auf kleinen Restflächen untergebracht. Betriebe, die eine Verwaltungseinheit haben, sind eher bereit, in Aufenthaltsbereiche für MitarbeiterInnen im Außenraum zu investieren. MitarbeiterInnenzufriedenheit und Produktivitätssteigerung sind in Betrieben ein eher sporadisch untersuchtes Feld, systematische Erhebungen sind nicht vorhanden. Die befragten VertreterInnen von Institutionen kennen vor allem die strukturellen und wirtschaftlichen Beweggründe, weshalb Firmen z.B. ihre Standorte wechseln. Die Themen MitarbeiterInnenzufriedenheit oder gar Freiraumqualität sind diesbezüglich kein Faktor. Andererseits wissen sie von der Sorge der UnternehmerInnen, dass eine Änderung (resp. Verminderung) der Arbeitsplatzqualität dazu führen kann, dass MitarbeiterInnen den Betrieb verlassen – wenn ein Betrieb beispielsweise nach Niederösterreich übersiedelt und die Anfahrtswege verlängert oder ungünstiger werden.

Aspekte, die für die ArbeitnehmerInnen bedeutsam sind: Hier gibt es sehr unterschiedliche und zum Teil durchaus widersprüchliche Ansichten der VertreterInnen von Institutionen:   „Das Funktionieren“ des Betriebs ist ein wesentlicher Aspekt. Die Projekte zu Gesundheit und Arbeitszufriedenheit der MitarbeiterInnen finden häufig Indoor statt. Je nach Betriebsstruktur sind die Außenanlagen für die Repräsentation wichtig oder weniger wichtig und werden dann entsprechend gestaltet. Die Aufenthaltsqualität für die MitarbeiterInnen im Außenraum spielt eine geringe Rolle. Eine Verminderung bzw. Veränderung der Standortqualität (Verlagerung der Betriebe, Anbindung an den ÖV, Infrastrukturausstattung) kann zur Abwanderung von „wichtigen“ MitarbeiterInnen führen.

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5.5 MitarbeiterInnen und Freiräume
Alle befragten VertreterInnen von Institutionen haben nur minimalen bis keinen Kontakt zu den ArbeitnehmerInnen. Bei Angaben zu Wünschen der BetriebsmitarbeiterInnen handelt es sich also mehr um indirekte Informationen (über ArbeitgeberInnen, tlw. Betriebsräte und Umfragedaten) und persönliche Einschätzungen als um im direkten Kontakt mit betroffenen MitarbeiterInnen erworbene Informationen. Kontakte im Rahmen der Flächenwidmung gibt es von Seiten der Stadtverwaltung primär zu den für die Entwicklung zuständigen EntscheidungsträgerInnen bzw. den ArbeitgeberInnen/Betrieben. Oftmals besteht allerdings im Rahmen der Widmungsphase noch kein Kontakt zu den Betrieben. Während der Widmungsphasen deponieren die betroffenen Betriebe ihre Wünsche zumeist schriftlich, wobei es primär um die Nutzbarkeit der Grundstücke geht. Die Nutzbarkeit des öffentlichen Raumes in der Umgebung der

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Qualität im Arbeitsumfeld Betriebsareale spielt hier keine Rolle. Die vorgebrachten Wünsche werden, soweit möglich, berücksichtigt. Bei neuen Betriebsgebieten geht es überwiegend um die Erschließung möglicher Betriebsflächen im Sinne der Ausnutzbarkeit der Grundstücke und im Sinne der Verkehrsanbindung (Straßen, Transportwege etc.). Infrastrukturelle Einrichtungen (Einkaufsmöglichkeiten, Freiräume etc.) für die MitarbeiterInnen der Betriebe werden in diesem Prozess kaum berücksichtigt. Die Themen Infrastruktur, Freiräume, öffentlicher Raum für MitarbeiterInnen bzw. BewohnerInnen der Umgebung spielen bei der Diskussion um die Entwicklung von Betriebsgebieten eine untergeordnete Rolle. Über die Flächenwidmung ist es möglich die Begrünung von Flachdächern vorzuschreiben, dies wird inzwischen in einigen Fällen gemacht, eine generelle Vorschreibung zur Begrünung von Dachflächen ab einer bestimmten Größe gibt es derzeit nicht. Von Seiten der BetriebsbesitzerInnen bestehen mitunter nach wie vor Vorbehalte gegen eine Begrünung, da sie für pflege- und kostenintensiv und schadensanfällig gehalten werden. Eine Begrünung bereits vorhandener Flachdächer erscheint aus Sicht der InsitutionenvertreterInnen extrem schwierig (aus Gründen der Finanzierung, Statik etc.) Initiativen in Richtung Gestaltung von Freiräumen, die von den MitarbeiterInnen ausgehen, sind nach Aussagen der InstitutionenvertreterInnen selten. Sie verorten einen Mangel an der prinzipiellen Vorstellung, wofür ein Freiraum überhaupt genutzt werden kann, und stellen Hemmungen der MitarbeiterInnen fest, falls Ideen vorhanden wären, den Vorgesetzten entsprechende Vorschläge zu unterbreiten. Als Beispiel wurde der Fall eines Betriebs genannt, in dem MitarbeiterInnen sich einen begrünten Freiraum wünschten, wo sie etwas selber tun könnten wie z.B. ein Hochbeet betreuen, Cocktailtomaten ziehen o.ä., es aber nicht wagten, diesen Vorschlag ihrer Firmenleitung zu unterbreiten. Oft wird in der Argumentation betont, dass ein Freiraumangebot, gäbe es eines, auf jeden Fall genutzt werden würde. Von den MitarbeiterInnen wird nach Ansicht der InstitutionenvertreterInnen also eher eine entsprechende Initiative von den Firmenleitungen erwartet. Ein Beispiel hierzu ist, dass eine Firma einen Tisch, Bänke und einen Sonnenschirm aufstellte und dieses Angebot in kürzester Zeit angenommen und mittlerer Weile intensiv genutzt wird. Solche Initiativen gehen teilweise dann doch wieder indirekt auf die MitarbeiterInnen zurück. Von den Firmenleitungen gibt es selten Gesamtkonzepte für die Freiraumnutzung ihres Firmengeländes, sie stehen aber Initiativen der MitarbeiterInnen nicht unbedingt ablehnend gegenüber. Im Industriegebiet Liesing kommt es z.B. sehr häufig vor, dass RaucherInnen auf der Straße, dem Gehsteig bzw. im Hof stehen, alles private bzw. öffentliche Freiräume ohne Aufenthaltsqualität – „Arme Raucher stehen in der städtischen Wüste.“ (VertreterIn MA 21B 2012). In besagtem Industriegebiet gibt es derzeit nur wenige Angebote von nutzbaren öffentlichen oder/und privaten Freiräumen für die MitarbeiterInnen. Einzelne Betriebe wiederum haben sehr gute Angebote im Außenraum für ihre Gäste, die Gestaltung der MitarbeiterInnenfreiräume wurde in vielen Fällen jedoch nicht mitbedacht. Großbetriebe, z.B. Siemens haben teilweise ein umfassenderes Angebot an Infrastruktur auf bzw. in der direkten Umgebung (Restaurant, Bank, Kindergarten, Sport etc.). Diese Angebote sind dann überwiegend den eigenen MitarbeiterInnen zugänglich, die Nutzbarkeit für Personen, die nicht in den Betrieb eingebunden sind, ist meist nur bedingt oder gar nicht möglich.

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ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld Aspekte, die für die ArbeitnehmerInnen bedeutsam sind:  Die Entwicklung neuer Standorte geschieht überwiegend ohne Mitwirkung der ArbeitnehmerInnen, teilweise selbst ohne Einbindung der Betriebe. Die für ArbeitnehmerInnen bedeutsamen Aspekte Infrastruktur-Angebot, ÖVAnbindung, Freizeit oder/und Naherholungsangebot spielen bei der Entwicklung der Standorte nur eine geringe Rolle. Je nach Betriebsgröße und -struktur gibt es von Seiten der Betriebe unterschiedliche Angebote für die ArbeitnehmerInnen.

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5.6 Einflussmöglichkeit der Institutionen und der Verwaltung
„Die Wirtschaftsagentur ist auch an der Weiterentwicklung vom Industriegebiet Liesing beteiligt, sie kann aber den Betrieben keine Vorschriften machen. Sie kann nur eine Beratung anbieten und hier darauf hinweisen, dass die MitarbeiterInnenzufriedenheit gut ist für die Produktivität in einem Betrieb“ (VertreterIn Wirtschaftsagentur 2012). Die Wirtschaftsagentur betreut die UnternehmerInnen in Wien, bereitet die Standorte vor und verkauft Standorte an Unternehmen. Laut eigenen Angaben ist sie nicht für die Grünplanung der einzelnen Unternehmen und auch nicht für die Grünplanung im öffentlichen Raum zuständig. Sie greifen auch nicht in infrastrukturelle Entwicklungen der Gebiete ein, wiewohl ihnen die große Bedeutung von Infrastruktureinrichtungen in der Umgebung von Betriebsstandorten bewusst ist – z.B. die Versorgung mit Apotheken, Einkaufsmöglichkeiten o.ä. „Die Wirtschaftsagentur kann diese Einrichtungen nicht mit planen und auch nur teilweise anregen bzw. umsetzen.[...] Hier ist der freie Markt zuständig, der sich in Betriebsstandorten an dem Prinzip Nachfrage und Angebot ausrichtet.“ (VertreterIn Wirtschaftsagentur 2012) Die Wirtschaftskammer vertritt hier eine konträre Meinung. Sie kritisiert, „dass man Grundstücke nach Bedarf parzelliert und zu bestmöglichen Preisen weitergibt und für das drum herum zu wenig getan wird“ (VertreterIn Wirtschaftskammer 2012). Für die Widmung der Standorte ist die MA 21 zuständig, die Wirtschaftsagentur hat Stellungnahmerecht. Das Gesamtkonzept wird meist von der MA 21 betreut.

Beispiele für die Einflussmöglichkeiten:  Im Industriegebiet Liesing wird derzeit beispielhaft die Entwicklung eines nachhaltigen Wirtschaftskonzeptes mit Hilfe eines Quartiersmanagements und der Entwicklung eines entsprechenden Masterplans erprobt. Ziel ist es, einem in die Jahre gekommenen Betriebsgebiet neuen Schwung und ein verbessertes Image zu verschaffen. Hier werden auch neue Aspekte wie Nachhaltigkeit beim Bau bzw. Umbau der Betriebe, Energieeffizienz, Urban-Farming bzw. die Kombination von Einzelhandelsbetrieben und Wohnungen in unmittelbarer Nachbarschaft des Betriebsstandortes ausprobiert. Die Zielgebietsdiskussionen um das Entwicklungsgebiet Siemens-Allissen wurde von Seiten der Stadt abgeschlossen. Die Diskussion hatte das Ziel Potentiale aufzuzeigen, u.a. für die betriebliche Entwicklung, den Verkehr und die Grünflächenentwicklung. Das Grünkonzept berücksichtigt die Vernetzung mit den angrenzenden Grünflächen. 29

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Qualität im Arbeitsumfeld Insgesamt wurden Rahmenbedingungen für eine betriebliche Entwicklung in diesem Gebiet formuliert. Auf dem alten Areal des Gaswerks sind noch Reste früherer sozialer Angebote für die MitarbeiterInnen zu finden: Ein Wohlfahrtsgebäude mit einem Theatersaal ist vorhanden. Früher gab es in den heute unter Schutz stehenden historischen Gebäuden einen Gastronomiebetrieb und Duschen für die MitarbeiterInnen. Falls ein Investor gefunden wird, können diese Gebäude als soziales Potential für die MitarbeiterInnen dieses im Umbruch befindlichen Betriebsgebietes dienen und entsprechend aufgewertet werden.  Im Zusammenhang mit der Planung des neuen Hauptbahnhofes werden verschiedene städtebauliche Aspekte diskutiert, u.a. der neue Stadtteil südlich des Bahnhofs und die weitere Entwicklung des Arsenals. Eine verstärkte Anbindung des Betriebsgebietes Leberstraße- Geiselbergstraße im 11. Bezirk wurde im Rahmen dieser Planung bisher nicht diskutiert. Eine Verbreiterung der Unterführung bei der Gudrunstraße mit erweiterten Verkehrsflächen für RadfahrerInnen und FußgängerInnen ist jedoch vorgesehen. Auch der öffentliche Raum in der Umgebung des Betriebsgebiets Leberstraße-Geiselbergstraße ist derzeit in der Stadtplanung kein Thema. „Im VIERTEL ZWEI wurde [im Laufe des Planungsprozesses Anm. des Verf. ] vom Grünland in Betriebsgebiet umgewidmet und daher hat man bei der Ausführung auf eine gewisse Gestaltungsqualität geachtet. Die Aufenthaltsqualität ist dort sehr, sehr gut, der Grünraum ist eher zu wenig. Falls es zu einer Umwidmung der Krieau kommen sollte, wird die Standortqualität dort stark reduziert.“ (VertreterIn Wirtschaftsagentur 2012). Insgesamt wurde bei der Entwicklung auf eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr und die angrenzenden Freiräume geachtet.

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Ein generelles Ziel der MA 21 ist es, mit Flächen pfleglich und sparsam umzugehen und Gebäude auch in Betriebsgebieten bzw. bei Einkaufsmärkten übereinander zu lagern bzw. vorhandene Dachflächen als zweite Ebene zu nutzen. Einzelne Beispielprojekte, bei denen Baumärkte versuchen, ihre Gebäude in zwei Ebenen zu organisieren, sind bereits in Ausarbeitung. Die MA 21 kann auf die konkrete Flächennutzung und Vermarktung nur wenig Einfluss nehmen. Zwar wird die Flächenwidmung festgelegt, der Einfluss auf die Umsetzung der konkreten Nutzung ist aber gering.

Aspekte, die für die ArbeitnehmerInnen bedeutsam sind:  Die Interessen der ArbeitnehmerInnen werden bei der Förderung von Betriebsansiedlungen von der Wirtschaftsagentur zwar teilweise erkannt, spielen bei der Realisierung der Standorte aber nur bedingt eine Rolle. Die Verwaltung widmet die Standorte meist auf Basis abgestimmter Vorschläge mit den FlächenbesitzerInnen bzw. -entwicklerInnen. Für die Realisierung ist sie jedoch nicht mehr zuständig und kann sie auch nur wenig bis gar nicht beeinflussen. Die Interessen der ArbeitnehmerInnen spielen in diesem Prozess eine geringe Rolle. Wünsche und Anforderungen von ArbeitnehmerInnen werden bei der Entwicklung und Umstrukturierung von Betriebsgebieten von Seiten der befragten Institutionen kaum wahrgenommen bzw. berücksichtigt.

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Qualität im Arbeitsumfeld Abb. 5: Freiräume im Betriebsgebiet VIERTEL ZWEI, Industriegebiet Liesing und im Betriebsgebiet Siemens-Allissen

Angebot an Grünstrukturen, Viertel 2

Privates Grünpotential auf dem Firmengelände, Industriegebiet Liesing

Private Initiative auf einem ungenutzten Grundstück, Industriegebiet Siemens-Allissen

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Qualität im Arbeitsumfeld

6. Qualitätsaspekte im öffentlichen und privaten Freiraum: Wünsche und Anregungen der ArbeitnehmerInnen
Insgesamt wurden 17 Interviews mit VertreterInnen von ArbeitnehmerInnen und BetriebsrätInnen aus verschiedenen Betrieben an den unterschiedlichen Betriebsstandorten geführt.

MitarbeiterInnen und BetriebsrätInnen der folgenden dankenswerterweise als InterviewpartnerInnen zur Verfügung: Autobusgarage Leopoldau, 21. Bezirk Bank Austria – Firmenkundenbetreuung, 23. Bezirk Bosch, 11. Bezirk ERSTE Bank – IT-Solution, 11. Bezirk MAN, 23. Bezirk, Novartis, 2. Bezirk ÖGUSSA, 23. Bezirk OMV, 2. Bezirk Schenker, 2. Bezirk Siemens – Transport Systems, 11. Bezirk Siemens, 21. Bezirk Vaillant, 23. Bezirk Vela pharmazeutische Entwicklung und Laboranalytik, 23. Bezirk

Firmen

stellten

sich

Im Folgenden werden Wünsche und Anregungen Wünsche der interviewten Betriebsräte und MitarbeiterInnen der einzelnen Betriebe zusammenfassend dargestellt.

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Qualität im Arbeitsumfeld Abb. 6: MitarbeiterInnen unterwegs im Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselberstraße, Industriegebiet Liesing und im Betriebsgebiet VIERTEL ZWEI

Auf dem Weg in die Mittagspause, Viertel 2

Entspannungsspaziergang, Industriegebiet Liesing

Jause auf dem Vorplatz, Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße

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Qualität im Arbeitsumfeld

6.1 Allgemeine Aspekte
6.1.1 Kriterien für die Standortwahl Im Falle eines geplanten Umzugs eines Betriebs und der damit verbundenen oft herausfordernden Standortwahl wurden im Zuge der Interviews von den MitarbeiterInnen Kriterien formuliert, die ein neuer Standort erfüllen sollte:       Mehrwert für den Betrieb und für die MitarbeiterInnen am neuen Standort Kein Verlust von MitarbeiterInnen durch den Standortwechsel Gute öffentliche Anbindung Kostenfreie Stellplätze Aufenthaltszonen im Freien Gestaltung der privaten, betriebseigenen Außenflächen

6.1.2

Kommunikation und Networking

Als ausgesprochen wichtig werden Kommunikationsorte hervorgehoben – Betriebskantinen, explizit ausgewiesene und gestaltete „Kommunikationsinseln“ oder „communication-lines“, Terrassen, Höfe, Gärten und Dachterrassen, Umgebung der Kaffeeautomaten o.ä. Die Möglichkeit sich auszutauschen, auch über Abteilungsgrenzen hinaus wird als sehr positiv und belebend bewertet. Manche MitarbeiterInnen haben den Eindruck, dass die kommunikativen Aktivitäten von der ArbeitgeberInnen-Seite nicht gerne gesehen werden. Im Rahmen der Interviews wurde der Eindruck gewonnen, als wäre das Kommunikationsbedürfnis bei den ArbeitnehmerInnen zuweilen von einem schlechten Gewissen gegenüber den ArbeitgeberInnen begleitet. Angemerkt wird, dass die Mehrheit der Gespräche an diesem Kommunikationsorten Arbeitsgespräche sind bzw. zum Zweck der Abstimmungen untereinander. Einzelne Betriebe haben die Bedeutung dieser Orte erkannt und richten ihren MitarbeiterInnen Sitzecken, Stehtreffpunkte etc. für Kurzbesprechungen beim Kaffee ein.

Generelle Wünschen und Anregungen zum Thema Kommunikation und Networking (Auswahl):  Kommunikationsort im Betrieb und auf dem Betriebsgelände (Terrassen, Höfe, Gärten, Kaffeeautomaten, Restaurants etc.

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ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld

6.2 Öffentliche und private Außenbereiche
6.2.1 Arbeitsumfeld und Freiraum – wenig beachtete Aspekte Die befragten MitarbeiterInnen und BetriebsrätInnen waren mehrheitlich der Ansicht, dass dem Aspekt des Arbeitsumfelds und seinen Auswirkung auf die Arbeitszufriedenheit zu wenig Beachtung geschenkt wird. Dieser „weiche“ Standortfaktor Arbeitsumfeld scheint für ArbeitnehmerInnen von größerer Bedeutung zu sein als für ArbeitgeberInnen. Diejenigen Betriebe, die für dieses Thema sensibilisiert sind, haben bereits Maßnahmen gesetzt und diskutieren intensiv über weitere Verbesserungen. Diese Betriebe erwecken den Anschein, in vielen Bereichen insgesamt sehr um ihre MitarbeiterInnen bemüht zu sein. „[…] ganz in dem Sinne, wenn man viel Zeit, den größten Teil des Tages, an diesem Ort verbringen soll, 1 soll man es auch angenehm haben.“ (Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße) Andere Betriebe wiederum haben aus unterschiedlichen Gründen weniger Zugang zu dem Thema Arbeitsumfeld – sei es, dass Sicherheitsbestimmungen die Nutzung eines Außenraums erschweren, sei es, dass eine Freiraumnutzung bei der bestehenden Betriebs-, Dienstleistungs- oder Produktionsstruktur nur eine minimale Rolle spielt oder dass die Beziehung zwischen Wohlbefinden der MitarbeiterInnen und Produktivitätssteigerung nicht erkannt wird. Betriebsgebiete werden generell nicht mit einer „schönen Umgebung“ assoziiert. Die Konzeption und Entwicklung dieser Gebiete ist der Nutzung als Industrie- bzw. Gewerbestandort untergeordnet und an die organisatorischen Anforderungen der einzelnen Betriebe insbesondere einer guten verkehrlichen Organisation (LKW- und PKW-Verkehr) orientiert. Die Freiraumgestaltung, die Einbindung in die Umgebung, und ökologische Aspekte spielen eine sehr untergeordnete Rolle. Diejenigen, die in diesen Gebieten arbeiten, würden eine Attraktivierung und Aufwertung der betriebseigenen Freiräume allerdings begrüßen. Die Beachtung der Aspekte Arbeitsumfeld, Freiraum und Zufriedenheit der MitarbeiterInnen werden vonseiten der BetriebsrätInnen stark forciert, unterstützt und an die Geschäftsleitungen herangetragen (vgl. Kap. Work-LifeBalance). Die BetriebsrätInnen spielen eine wichtige Rolle in der Vermittlung dieser „weichen“ Themen. „Es kann ganz positiv sein, wenn man einen netten Arbeitsplatz hat. Das ist etwas anderes, wenn ich wo hineingehe und mich schon wohl fühle, da geht das Arbeiten gleich besser.“ (Industriegebiet Liesing). Die Zufriedenheit mit der Umgebung wird von den ArbeitnehmerInnen als ein derzeit noch fast unbekannter Faktor angesehen, der jedoch durchaus mit der Arbeitszufriedenheit zusammenhängen könnte. Einerseits stellten die MitarbeiterInnen fest: „Das Drum herum ist in der Gesamtbetrachtung eher nachrangig. Wichtig ist ein Arbeitsplatz, wo die MitarbeiterInnen Anerkennung, gerechte Arbeitsbedingungen und attraktive Arbeitszeitmodelle finden. […] Sicher spielt das Umfeld auch eine Rolle, aber es gehört nicht ins erste Drittel bei Befragungen nach der Zufriedenheit.“ (Betriebsgebiet VIERTEL ZWEI)

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Im Folgenden werden Aussagen von MitarbeiterInnen und/oder BetriebsrätInnen mit den Namen der jeweiligen Betriebsgebiete zitiert ARBEITERKAMMER WIEN 35

Qualität im Arbeitsumfeld Andererseits wird dem Umfeld eine hohe Bedeutung beigemessen: „Es gehört nicht nur der Arbeitsplatz dazu, sondern auch ein bisschen ein lebenswertes Umfeld. Wenn ich ins Büro hineinkomme und nur ‚legebatteriemäßig’ da drinnen sitze und nicht einmal die Möglichkeit habe zu Mittag draußen zu sitzen oder mal einen Spaziergang […] zu machen – ich glaube das wäre nicht so gut.“ (Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselberstraße) Obwohl Ideen für den Außenbereich des Arbeitsplatzes nicht unmittelbar formuliert werden, werden, wenn es um die Arbeitsplatzqualität geht (vorrangig wird Arbeitsplatzqualität mit Aufenthaltsqualität im Innenbereich gleichgesetzt), im längeren Gespräch dann doch viele Wünsche bezüglich der Außenraumgestaltung thematisiert. In erster Linie geht es den MitarbeiterInnen um Erholungsplätze im Freien, wobei hier an das Gelände in der direkten Umgebung des Betriebs gedacht wird. Weiters werden auch potentielle Freiflächen auf Flachdächern oder Terrassen in Erwägung gezogen. Dort, wo die Betriebsumgebung wenig ansprechend ist, gibt es entsprechend mehr Wünsche an die Freiraumnutzung. „Es gibt nur LKWs rundherum, das Gefühl von Frischluft schnappen hat man nicht.“ (Industriegebiet Liesing) Vorhandene Angebote wie z.B. Sitzgelegenheiten, Schattenplätze im Freien und gestaltete Aufenthaltsbereiche werden sehr gerne genutzt und fallen den MitarbeiterInnen positiv auf. Nicht vorhandene Angebote bzw. ein ungestalteter Status-quo erwecken allerdings nur selten die Phantasie oder Vorstellungen darüber, was machbar wäre. „Es gibt vor dem Gebäude keine Schattenplätze oder einen Baum. Diese Orte sind eben nicht vorhanden und darum ist es auch erst mal nicht relevant.“ (Standort Industriegebiet Liesing) Die Nutzung des Freiraums ist auch abhängig von der Betriebsatmosphäre: Entscheidend ist dabei die Wahrnehmung der MitarbeiterInnen, ob sie Freiräume so nutzen können, ohne den Eindruck zu erwecken, sie würden, indem sie sich im Außenraum aufhalten, faulenzen. Manche Betriebe unternehmen keine größeren Anstrengungen, die Aufenthaltsräume und Freiräume zu gestalten (ein Hauptargument sind hierbei die Investitionskosten), andere wiederum sind vergleichsweise engagiert. Einflüsse auf den Stellenwert von Arbeitsumfeld und Freiräumen sind u.a.:  Während (wirtschaftlicher) Krisenzeiten werden Arbeitsumfeldes und des Freiraums zurückgestellt. Maßnahmen im Bereich des

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Insbesondere im Innenbereich findet bei Raummangel und Bedarf für Besprechungen oder Sitzungen die Raumorganisation immer auf Kosten von Pausenräumen, Teeküchen und sogar Speisesälen statt.

Neben der Qualität der Freiräume auf dem Betriebsgelände bzw. in der Umgebung spielt die Arbeitsorganisation im Hinblick auf die Nutzungsmöglichkeiten der Freiflächen eine wesentliche Rolle. Die Mittagspause ist mit überwiegend 30 Minuten sehr knapp bemessen, außer Essen geht sich oft nicht viel mehr aus. Die Erledigung von Besorgungen oder ein kleiner Spaziergang müssen schon sehr rasch absolviert werden. Nicht jede Geschäftsleitung betrachtet eine Verlängerung der Mittagspause als positiv, in einigen Betrieben ist dies aber möglich und wird von den MitarbeiterInnen auch angenommen.

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Qualität im Arbeitsumfeld Generelle Wünschen und Anregungen zum Thema Arbeitsumfeld und Freiraum (Auswahl):  Angenehme Gestaltung der Arbeitsorte soweit es die Betriebsstruktur und –organisation zulässt. Generell Angebote im Freien auf dem Betriebsgelände oder/und in der Umgebung.

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6.2.2

Öffentlicher Raum in der weiteren Umgebung der Betriebe bzw. im gesamten Betriebsgebiet

Situation an den untersuchten Standorten: 23. Bezirk, Industriegebiet Liesing Zu den Grün- bzw. Erholungsflächen in der weiteren Umgebung gehören der Liesingbach im Nordwesten und Westen und der Petersbach im Süden. Insgesamt wird das Gebiet laut einer Befragung von ca. 13 MitarbeiterInnen im Rahmen der Grundlagenuntersuchung für den Masterplan Industriegebiet Liesing als optisch eher unattraktiv angesehen, es fehlt eine ästhetische einheitliche Linie. Es sind zwar ausreichend Gehwege vorhanden, die Gestaltung könnte allerdings schöner sein – Spazierengehen ist möglich, allerdings nicht unbedingt attraktiv. Die generelle Notwendigkeit von Freiräumen im Industriegebiet Liesing wird in Frage gestellt, da die Entfernungen zu groß sind und sich die betroffenen Personen in den Betrieben in den Gebäuden aufhalten. Die Verkehrsflächen begleitenden Grünstreifen, die als Potential für eine Außenraumnutzung erkannt werden, sind ungepflegt (vgl. Emrich 2011 und 2012). Die weitere Umgebung des Betriebsgebietes wird durchwegs positiv bewertet: „Es ist eigentlich ein wunderbarer Bezirk für „nach der Arbeit“. Man hat das Liesinger Bad, das Höpflerbad, die Perchtoldsdorfer Heide, kann an die Liesing fahren und dort entlang Radeln in beide Richtungen. Es gibt sehr viele Radwege, die von hier weggehen, insgesamt eine sehr gute Anbindungen.“ (Industriegebiet Liesing) Im direkten Nahbereich der Betriebe fehlt allerdings ein Angebot: „Es wäre durchaus angenehm, wenn es einen Park geben würde, wo man sich in der Mittagspause in die Sonne setzen könnte, um zu entspannen.“ (Industriegebiet Liesing)

21. Bezirk, Betriebsgebiet Siemens-Allissen Am östlichen Rand des Betriebsgebietes finden sich Grün- und Erholungsflächen als Teil des geplanten „Grünkeils Rendezvousberg – Alte Donau“. Diese Flächen haben neben der Erholungsfunktion für das Gebiet eine wichtige Bedeutung für eine Gebietsgliederung zu den angrenzenden Siedlungsteilen. Die nördlich liegenden Ackerflächen werden von einigen MitarbeiterInnen für kurze Spaziergänge oder Joggingrunden genutzt. Weitere öffentlich nutzbare Flächen oder Parkanlagen sind nicht vorhanden.

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Qualität im Arbeitsumfeld 11. Bezirk, Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße Das Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße hat aufgrund seiner Lage und der bereits dichten Verbauung kaum Expansionsmöglichkeiten. Öffentlich nutzbare Freiflächen sind nur wenige vorhanden. In der näheren Umgebung liegt der Friedhof St. Marx nördlich der S23 an der Leberstraße, ein Kleingartengebiet an der Schlechtastraße und südlich etwas weiter weg der Böhmische Prater und das Erholungsgebiet Laaer Wald. MitarbeiterInnen treffen sich im Böhmischen Prater zu Laufrunden, teilweise auch in der verlängerten Mittagspause. Für kleinere Spaziergänge in der Mittagszeit werden die Straßenräume in der Umgebung der Betriebe und die Freiflächen der angrenzenden Wohnhausanlagen genutzt. Tagsüber ist die Gegend recht belebt, da viele Menschen hier arbeiten, nach 20:00 Uhr wird es nach Aussagen der befragten MitarbeiterInnen unbehaglich. Insbesondere bei der Unterführung unter der Autobahn zur Brehmstraße ist die Situation vor allem für Frauen nicht angenehm (u.a. zu dunkel).

2. Bezirk, VIERTEL ZWEI Betreffend den Außenraum ist der Standort durch seine Lage beim Grünen Prater und der architektonisch interessanten Gestaltung der Gebäude und der Außenräume mit einem kleinen See in der Mitte privilegiert. Die an diesem Standort arbeiteten Personen sind sich dessen sehr bewusst und nutzen den Grünraum für die kurze Erholung zwischendurch (Pausen), aber auch nach der Arbeit (Lauftreffs etc.). Viele ArbeitnehmerInnen in diesem Betriebsgebiet nutzen das Fahrrad für den Weg zur Arbeit. Im Sommer sitzen die MitarbeiterInnen gerne am See und lassen die Füße ins Wasser baumeln – „das ist angenehm, das ist kurz wie Urlaub, sehr angenehm“ (VIERTEL ZWEI).

Generelle Wünschen und Anregungen für den öffentlichen Raum in der weiteren Umgebung der Betriebe (Auswahl):  Parkanlagen in der näheren Umgebung zur Erholung in der Mittagspause. Die teilweise etwas weiter entfernt liegenden Freiflächen werden, so vorhanden, von einigen MitarbeiterInnen nach Arbeitsschluss z.B. für Lauftreffs genutzt. Attraktiv gestaltete Straßenräume, die mehr Aufenthaltsqualität bieten und die, falls es keine Parkanlagen in der Umgebung gibt, die Möglichkeit bieten, in der Mittagspause eine kleine Entspannungsrunde in der Nähe des Betriebs zu drehen. „Die Straßenräume im Betriebsgebiet sind [derzeit] nicht geeignet um sich aufzuhalten.“ (Industriegebiet Liesing) Freundlich gestaltete öffentliche Freiräume mit Bänken, Bäumen, Schattenplätzen rund um das Betriebsgelände würde die Aufenthaltsqualität für MitarbeiterInnen erhöhen. „Es gehört nicht nur der Arbeitsplatz dazu, sondern auch ein bisschen lebenswertes Umfeld.“ (Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße). „Wenn es eine kleine Grünanlage geben könnte, wäre das ganz gut.“ (Industriegebiet Liesing) Nutzung auch kleinerer öffentlicher Freiräume als Naherholungsorte für die MitarbeiterInnen (vgl. Programm „Neuinterpretation Öffentlicher Raum“, MA 19 – Architektur und Stadtgestaltung, bei dem auch kleine Freiräume als Entwicklungspotentiale für die Naherholung erfasst werden). ARBEITERKAMMER WIEN

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Qualität im Arbeitsumfeld 6.2.3 Freiflächen auf den einzelnen Betriebsgeländen

Situation an den untersuchten Standorten: 23. Bezirk, Industriegebiet Liesing Die Freiflächensituation der einzelnen Betriebsstandorte ist sehr unterschiedlich. Einige Betriebe haben große eher ungestaltete Grünflächen, die meisten Betriebe jedoch nur sehr kleine grüne Restflächen und einige wenige Betriebe haben Dachterrassen, Terrassen, grüne Innenhöfe o.ä.. Im Industriegebiet Liesing ist die Windanfälligkeit problematisch was u.a. die Nutzung von Balkonen und Dachterrassen erschwert. Die direkte Umgebung des Betriebsgebietes inklusive der Arbeitswege von den ÖVStationen wird von den MitarbeiterInnen als nicht besonders attraktiv beschrieben. Besonders die MitarbeiterInnen derjenigen Betriebe, die wenig betriebseigene nutzbare Freiräume haben, bedauern das. Laut einer Befragung von ca. 13 MitarbeiterInnen im Rahmen der Grundlagenuntersuchung für den Masterplan Industriegebiet Liesing sind derzeit keine privaten Freiflächen für MitarbeiterInnen vorgesehen. Aufenthaltszonen im Freien würden aber eine große Zustimmung finden. In manchen Betrieben werden im Sommer Bänke im Freien aufgestellt und (nutzbare) Dachterrassen wohnlich gemacht. Wenn Sommerfeste stattfinden, werden ebenfalls die Außenflächen genutzt. Ein Betrieb bietet im Winter eine Eisstockbahn an. Brach liegende Dachflächen werden als Potential für eine Freiraumnutzung erkannt, wenn sie begrünt und entsprechend gestaltet werden. Bei Betrieben, die aus Sicherheitsgründen den MitarbeiterInnen kein häufiges Ein- und Ausgehen gestatten können, werden die Innenhöfe und Terrassen stark genutzt. Bei diesen Betrieben ist die Nutzung von Freiflächen außerhalb des Betriebs kein Thema (vgl. Emrich 2011 und 2012).

21. Bezirk, Betriebsgebiet Siemens-Allissen, Bei der Entwicklung der Siemens City gab es ein eigenes Grünkonzept für die Umgebung dieses neuen Bauteils. „Auf den Prospekten war eigentlich alles Grün – in Realität ist im Eingangsbereich nur ‚Sand’ umgesetz.t“ (Betriebsgebiet Siemens-Allissen) Durch den Neubau hat sich die Windsituation verschärft und der „Staub“ weht vor dem Gebäude herum. Bei den übrigen neuen und älteren Betriebsflächen im Betriebsgebiet Siemens-Allissen sind keine speziellen Grünkonzepte für den Außenraum erkennbar. Bei dem neu entstandenen Gebäude von Energy-base gibt es verschiedene begrünte Terrassenflächen am Gebäude und auf dem Dach.

11. Bezirk, Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße Viele MitarbeiterInnen in diesem Betriebsgebiet haben eine sitzende Tätigkeit und möchten sich gerne in der Pause ein wenig bewegen. Dabei wird das Gelände rund um die Betriebe genutzt, um zumeist in kleineren Gruppen frische Luft zu schnappen und die Füße zu vertreten. Bei den Wohnhausanlagen in der Brehmstraße gibt es Parkbänke, zu denen man spazieren kann. „Es hätte durchaus einen Charme, wenn man die Umgebung um die Firma landschaftsarchitektonisch verschönern könnte, sodass man in der Mittagspause eine etwas ARBEITERKAMMER WIEN 39

Qualität im Arbeitsumfeld angenehmere Runde drehen und man irgendwo eine grüne Insel finden könnte, wo man irgendwo auch ein paar Bänke und Tische aufstellt.“ (Betriebsgebiet LeberstraßeGeiselbergstraße) Betriebseigene Freiflächen – in einem Betrieb gibt es eigens für Rauchpausen eingerichtete „Treffpunkte“ – werden gerne genutzt und haben teilweise Sitzgelegenheiten und Tische. Nutzbare Dachflächen sind nur in einem Betrieb vorhanden. Die MitarbeiterInnen haben zum Teil Ideen für Veränderungen und Optimierungen, die auch von den einzelnen Betriebsleitungen durchaus unterstützt werden.

2. Bezirk, VIERTEL ZWEI Im VIERTEL ZWEI gab es ein eigenes Grünkonzept mit gemeinschaftlich nutzbaren Freiräumen. private Freiräume der einzelnen Firmen gibt es nur auf einigen Dachflächen. Die Flächen in der direkten Umgebung der einzelnen Gebäude sind entweder gepflasterte Zugangsbereiche oder kleine Abstandsgrünflächen. Die Grünflächen direkt um die Betriebe werden teilweise noch nicht genutzt, die Gebäudeverwaltung hat Schilder mit „Achtung, wir wachsen noch“ aufgestellt. Außerdem soll vermieden werden, dass Trampelpfade in den Grünflächen entstehen. Somit sind diese Grünflächen zwar schön anzusehen, derzeit aber noch sehr exklusiv und nicht benutzbar. Einzelne Betriebe haben Terrassen auf ihren Dachflächen, die meisten jedoch nutzen die Dachflächen nicht. Die MitarbeiterInnen stehen zum Rauchen in kleinen Gruppen oft direkt im oder in der Umgebung der Eingangsbereiche der Gebäude, hier gibt es kein besonderes Angebot wie Bänke oder dergleichen. Die Windanfälligkeit des Gebiets ist durch die Gebäudehöhe und Konstellation recht hoch – das wird von vielen als gewöhnungsbedürftig empfunden.

Generelle Wünsche und Betriebsgelände (Auswahl): 

Anregungen für die Freiflächen auf dem eigenen

Gut und freundlich gestaltete Eingangsbereiche sind nicht nur für KundInnen, sondern auch für MitarbeiterInnen attraktiv. „Die Parkmöglichkeiten für die Kunden sind direkt vor der Tür, dadurch ist der Flair sich rauszusetzen eher nicht gegeben“ (Industriegebiet Liesing). Gut nutzbare Erholungsflächen im Freien auf dem Betriebsgelände, die mit Bänken, Sesseln, Tischen, Mistkübeln und Aschenbechern ausgestattet sind. Somit wäre eine Nutzbarkeit für die Mittagspause (Entspannung und Regeneration) und ggf. auch für ein Arbeiten im Freien gegeben. Freiräume, die weiter weg vom Betriebsgelände zum Aufenthalt einladen würden, sind eher schlecht geeignet, da die Mittagspause großteils zeitlich begrenzt ist.

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Ästhetisch ansprechend und freundlich gestaltete Freiräume in der direkten Betriebsumgebung: Hier wurden von den MitarbeiterInnen als Negativbeispiele der Firmenparkplatz, auf dem zwischen den parkenden Autos in den Pausen geraucht und kommuniziert wird,

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ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld oder ein Abstandsgrün als einziges Grün, das überwiegend von Hunden genutzt wird, erwähnt.  Gut gepflegte Außenanlagen, die aber auch „Betreten Verboten“-Schilder sind hinsichtlich der betriebseigenen Außenräumen äußerst kontraproduktiv. genutzt werden dürfen: qualitativen Nutzung von

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Verbesserte Nutzung der Dachflächen mit entsprechender Gestaltung: Einerseits generelle Entwicklung dieser Flächen, andererseits Optimierung der Flächen, damit sie auch bei extremen Wind- und Sonnenverhältnissen genutzt werden können. Um solche Flächen optimal zu entwickeln, erscheint eine Beteiligung der Firmen (bei gemieteten Objekten) und wenn möglich auch der MitarbeiterInnen an der Entwicklung sinnvoll. Dort, wo Betreibergesellschaften die Firmengebäude entwickeln und verwalten, ist es schwieriger, die Wünsche der MitarbeiterInnen einzubinden. Dort, wo sich mehrere Firmen ein Gebäude teilen, wurde auch die gemeinsame Nutzung von Dachflächen vorgeschlagen. Möblierung vorhandener Terrassen und Balkone, damit sie auch entsprechend in den Pausen genutzt werden können. Angedacht wird in Einzelfällen auch die Nutzung von Gartenflächen durch MitarbeiterInnen (Anpflanzen von Kräutern, Tomaten etc.) als lustvolle Regenerationstätigkeit für Interessierte.

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

Immer wieder werden wirtschaftliche Argumente in die Diskussion eingebracht – in Krisenzeiten werden neue Investitionen in nicht unmittelbar „benötigtes Mobiliar“ auf Eis gelegt, auch wenn eine prinzipielle Bereitschaft der Geschäftsführung zur Erfüllung dieser Wünsche besteht. Darüber hinaus gibt es hin und wieder auch betriebsübergreifende Initiativen für die Nutzung und Gestaltung der gemeinsamen und öffentlich zugänglichen Areale, um die Kommunikation und das Kennenlernen zu fördern – wie etwa die gemeinsame Gestaltung des Gesamtareals oder die Initiierung von gemeinsamen Veranstaltungen.

6.3 Infrastruktureinrichtungen
6.3.1 Arbeitswege: öffentlicher Verkehr, Fußverkehr, Radverkehr Die Anbindung an den Öffentlichen Verkehr ist je nach Standort gut bis weniger gut, entsprechend unterschiedlich sind die Wünsche und Bedürfnisse an den Öffentlichen Verkehr. Sie werden daher im Folgenden beispielhaft für die vier untersuchten Standorte dargestellt. 23. Bezirk, Industriegebiet Liesing Die U-Bahnanbindung mit der U6 ist gut, die Busverbindungen in das Gebiet sind jedoch wenig attraktiv. Sie sind zudem eher schlecht mit der U-Bahn abgestimmt. „Wenn man mit der U-Bahn kommt und unten der Bus wegfährt, dann verzweifelt man manchmal, man erspart sich schon Zeit damit, wenn man mit dem Bus fahren kann. Natürlich kann man es auch als eine sportliche Übung ansehen, den Weg von der U-Bahn zur Arbeit.“

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Qualität im Arbeitsumfeld (Industriegebiet Liesing). Die S-Bahnanbindung (S-Bahnstationen Liesing oder Atzgersdorf Mauer) wird von den Interviewten nicht erwähnt. Der Weg von der U-Bahnstation zu den Arbeitsstätten im Betriebsgebiet ist unattraktiv gestaltet. Eine attraktivere Gestaltung z.B. durch Kunstinstallationen wurde als eine gute Idee gesehen und würde die Wegestrecke optisch verbessern und gleichzeitig kurzweiliger gestalten. Auf der Strecke entlang der Perfektastraße stehen bereits Rollingboards, diese könnten durch Kunst-Rollingboards bzw. künstlerische Inhalte ergänzt werden. Als eine gute Lösung für den Standort Liesing wurden City-Bike Stationen, die im Betriebsgebiet sinnvoll verteilt werden, vorgeschlagen. Das wäre für alle MitarbeiterInnen in diesem Gebiet von Vorteil – mit den City-Bikes können dann auch in der Mittagspause schneller Erledigungen gemacht werden (Supermarkt, Apotheke, Bank). Eine Firma hat Zubringerbusse, die MitarbeiterInnen aus Niederösterreich abholt und heimbringt. Die Arbeitszeiten werden entsprechend der Fahrzeiten des Öffentlichen Verkehrs organisiert – das ist besonders in den Abendstunden vorteilhaft für die MitarbeiterInnen, da dann der ÖV nicht mehr so häufig fährt. Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch eine Befragung von ca. 13 MitarbeiterInnen, die 2011 und 2012 im Rahmen der Grundlagenerhebung für den Masterplan Industriegebiet Liesing durchgeführt wurde: Die Anbindung zum Öffentlichen Verkehr wird hier als sehr gut eingestuft – vor allem die U-Bahn-Verbindung wird herausgehoben. Die Anbindung von der U-Bahnhaltestelle ins Betriebsgebiet ist für manche nicht ganz so günstig. Hier werden Intervallverdichtungen der Buslinie 64A v.a. während der Stoßzeiten gewünscht. Außerdem wäre es vorteilhaft, wenn die Busse bereits ab 5:00 den Betrieb aufnehmen und mit der Fahrtroute das Gebiet besser abgedeckt würde, etwa durch eine Art „Rund-Bus“. Die Radweganbindung sollte verbessert werden; eine Versorgung mit Leihfahrrädern wäre gut (vgl. Emrich 2011 und 2012). 21. Bezirk, Betriebsgebiet Siemens-Allissen, Die Anbindung zum Öffentlichen Verkehr wird als unbefriedigend eingestuft. Die MitarbeiterInnen am Standort Siemens-Allissen wünschen sich ganz allgemein ein besseres ÖV-Angebot. Der Schnellbahntakt wurde verlängert, als Querverbindung durch das Gebiet fungiert ein Bus, ebenfalls mit sehr langen Intervallen. Der Standort ist mit zwei SBahnstationen (Station Siemensstraße und Station Leopoldau, die am Rande des Betriebsgebiets liegt) an das ÖV-Netz angebunden, von hier aus fahren zusätzlich Busse durch das Gebiet (in Leopoldau liegt eine U1-Station). Ein Betrieb hat für die MitarbeiterInnen einen Shuttelbusdienst von der Station Leopoldau eingerichtet. 11. Bezirk, Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße Der Standort im Simmering ist nach Ansicht der MitarbeiterInnnen relativ schlecht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Ein Betrieb des Standorts Simmering arbeitet beim Arbeitswegeforum der Arbeiterkammer mit, u.a. um die Verbesserungswünsche für die ÖVAnbindung umzusetzen. Sehr viele MitarbeiterInnen der befragten Betriebe nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel für ihren Arbeitsweg, zum Teil wird der Kauf der Jahreskarte für die Wiener Linien vom Betriebsrat bzw. Betrieb finanziell unterstützt. Es bestehen Befürchtungen, dass nach der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofes die Verbindungen in Richtung 11. Bezirk noch schlechter werden, da der Autobus 69A dann durch das neue Wohngebiet Sonnwendviertel fährt und der Weg für die MitarbeiterInnen, die vom neuen Bahnhof kommen, noch länger wird. Von Seiten der MA 21 wurde diese 42 ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld Befürchtung relativiert, da der Bus in Zukunft insgesamt eine andere Strecke fahren und ungefähr gleich lang unterwegs sein wird. Gemeinsame Bemühungen der Betriebe (insgesamt rund 4.000 bis 5.000 Beschäftigte: Bosch, Siemens – Transport Systems, ERSTE Bank – IT-Solution, Zollamt und weitere) um eine S-Bahnstation Gudrunstraße auf der Ostbahnstrecke (S60) bleiben bisher ohne Erfolg. „Die MitarbeiterInnen müssen erst bis zum Bahnhof Wien (ehemals) Ostbahnhof fahren und dann umständlich mit dem Bus wieder zurück.“ (Betriebsgebiet LeberstraßeGeiselbergstraße) Die fehlende Direktanbindung mit einer U-Bahn bzw. S-Bahn bedeutet für die MitarbeiterInnen ein Umsteigen in den Bus oder ein zu Fuß Gehen von 10 Minuten. Viele MitarbeiterInnen nutzen deshalb ihren PKW. Weitere Wünsche:   Intervallverdichtung der S7 und der Straßenbahnlinie 6 Verlängerung der Straßenbahnlinie D bis zum Gräßlplatz und Verknüpfung mit der Linie 6 E-Bike Station am neuen Bahnhof Wien Mitte: In der schönen Jahreszeit wäre das EBike der ideale Lückenschließer für die Wegestrecke (etwa 2 km) vom Bahnhof zum Standort Simmering.

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Ein weiteres Problem im Straßenraum besteht bei der Fußwegeverbindung Brehmstraße unter der Tangente: Sie ist sehr schlecht organisiert und gestaltet, schlecht beleuchtet und entrisch. Weiters gibt es Konflikte zwischen RadfahrerInnen und FußgängerInnen. Während der Abend- und Nachtstunden ist diese Gegend für die ArbeitnehmerInnen, die länger arbeiten müssen, eher unangenehm, insbesondere für Frauen, da es hier einschlägige Etablissements mit entsprechendem Publikum gibt. Vorschläge:   Unterführung unter der Autobahnbrücke gestalterisch und organisatorisch verbessern Beleuchtung verbessern

2. Bezirk, VIERTEL ZWEI Dieser Standort ist gut an den öffentlichen Verkehr angebunden. Die MitarbeiterInnen würden sich aber kürzere Intervallzeiten der S-Bahn ab dem Praterstern zu den Tagesrandzeiten und eine ebenfalls kürzere Intervalle der U2 zu den Spitzenzeiten wünschen. Generelle Wünsche und Anregungen für die Optimierung der Arbeitswege (ÖV, Radund Fußverkehr) (Auswahl):  Generell kürzere Intervalle aller ÖV-Angebote in den Betriebsgebieten, insbesondere der Busverbindungen und, wo möglich, auch zu den Tagesrandzeiten. Verbesserung der Straßenbahnlinien Koordination zwischen Uoder S-Bahn und Busoder

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In einigen Betriebsgebieten insgesamt eine Verbesserung der ÖV-Anbindung, um den Umstieg der MitarbeiterInnen auf den PKW zu vermeiden.

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Qualität im Arbeitsumfeld  Attraktivierung der Fußwegestrecken, teilweise Verbesserung der Sicherheit der Wegstrecken Ausbau und Optimierung der Radverbindungen Einrichtung von Elektrobike- bzw. Citybike-Stationen an den ÖV-Stationen bzw. innerhalb der Betriebsstandorte

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6.3.2

Arbeitswege: motorisierter Individualverkehr, Parkplätze

Diejenigen, die mit dem eigenen PKW in die Arbeit fahren (müssen), klagen häufig über eine Parkplatzknappheit in der Umgebung der Betriebe bzw. auf dem Betriebsgelände. Auch sind die vorhandenen Park&Ride-Anlagen, die von PendlerInnen genutzt werden könnten, extrem ausgelastet. Entsprechend werden an einigen Standorten mehr Parkplätze für MitarbeiterInnen (auch Tiefgaragenplätze) gewünscht. Freie, unentgeltliche Parkplätze werden insofern als wichtig empfunden, als es in einem Reallohnverlust resultiert, wenn für Parkplätze gezahlt werden muss (im Gegensatz zu denjenigen MitarbeiterInnen, die Dienstfahrzeuge benutzen). In den Gegenden, die am Abend „unangenehm“ sind (dunkel, entrisch, wenn „seltsame Gestalten“ anwesend sind), wünschen sich MitarbeiterInnen ebenerdige Parkplätze auf dem Betriebsgelände, insbesondere dann, wenn sie länger arbeiten müssen. Generelle Wünsche und Anregungen für die Optimierung der Arbeitswege (MIV, parken) (Auswahl):  Sichere Parkplätze auf dem Betriebsgelände für Abend- und NachtarbeiterInnen, die mit dem PKW kommen. Ausreichend kostenfreie Parkplätze in Betriebsnähe für alle MitarbeiterInnen, die mit dem eigenen PKW unterwegs sein müssen.

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6.3.3

Soziale Infrastruktur

Die soziale Aspekte betreffenden infrastrukturellen Gegebenheiten (Einkaufen, Besorgungen, Behörden etc.) sind von Standort zu Standort unterschiedlich. Charakteristisch sind jedoch die im Vergleich zu innerstädtischen Lagen langen Versorgungswege der Betriebsgebiete am Stadtrand. Gasthäuser in der Umgebung der Betriebe werden dann als besonders notwendig angesehen, wenn es keine Betriebskantinen gibt. Genauso verhält es sich mit Einkaufsmöglichkeiten für das „kleine“ Mittagessen. Einkäufe für den eigenen Haushalt werden in der Arbeitsumgebung dann erledigt, wenn dies mit den Verkehrsmitteln gut zu erledigen ist. Vielfach sind hierbei die ArbeitnehmerInnen bevorzugt, die über einen eigenen PKW verfügen. Ist die Versorgungssituation in der Arbeitsumgebung nicht günstig, so erledigen die MitarbeiterInnen ihre Einkäufe eher in der Wohnumgebung. Häufig sind Lebensmitteleinkäufe noch recht gut zu erledigen, Wege zu Apotheken, Bankfilialen, Postfilialen und ärztlicher Versorgung etc. sind in den Betriebsgebieten zumeist eher länger und für die MitarbeiterInnen nicht mehr gut zu erledigen.

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ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld Betriebskindergärten werden, dort, wo sie vorhanden sind (v.a. bei Großbetrieben), gerne genutzt und positiv angenommen. Betriebsübergreifende Kindergärten sind in den untersuchten Gebieten kaum entstanden. Ein Betrieb nutzt die Dienste der „Flying Nannies“ des Uni-Wien-Kinderbüros für Fenstertage, schulautonome Tage o.ä. – die MitarbeiterInnen nehmen im Bedarfsfall ihre Kinder mit, die von den Nannies in einem vom Betrieb zur Verfügung gestellten Raum betreut werden. Die Situation der sozialen Infrastruktur aus Sicht der ArbeitnehmerInnen wird im Folgenden beispielhaft für die untersuchten Standorte dargestellt: 23. Bezirk, Industriegebiet Liesing In der Umgebung des Betriebsstandortes ist es insgesamt eher schwierig Erledigungen zu machen. Der schnelle Einkauf lässt sich am Standort Liesing nicht in der näheren Umgebung erledigen, lediglich mit dem (eigenen) PKW sind Supermarkt, Drogerie, Apotheke und Tankstelle gut erreichbar. Der Einkauf für ÖV-NutzerInnen auf dem Nachhauseweg gestaltet sich schwierig – der Supermarkt liegt für einige Betriebsangehörige in gegenläufiger Richtung zur U-Bahn – die Besorgungen werden dann eher in der jeweiligen Wohnumgebung erledigt. „Die KollegInnen mit dem PKW machen das dann eher auf dem Heimweg. Die KollegInnen ohne PKW machen ihre Erledigungen eher an ihrem Wohnort. In der Umgebung des Betriebsstandortes ist es insgesamt eher schwierig, Erledigungen zu machen.“ (Zitat Standort Industriegebiet Liesing) Konkrete Wünsche an die Infrastruktur sind eine Bankfiliale, eine Postfiliale, eine Apotheke in der Nähe und ein besseres Angebot an Lokalen. Die Bäckerei „Mann“ bietet zwar ein angenehmes Ambiente und wird auch gerne genutzt. Sie liegt aber direkt an der Hauptdurchzugsstraße, wodurch es im Gastgartenbereich sehr laut ist. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Befragung von ca. 13 MitarbeiterInnen, die 2011 und 2012 im Rahmen der Grundlagenerhebung für den Masterplan Industriegebiet Liesing durchgeführt wurde: Während die Möglichkeiten, Einkäufe zu erledigen als gut und ausreichend bewertet werden, wird das gastronomische Angebot als schlecht bzw. fehlend angesehen. Die Einschätzung geht in die Richtung, dass Gastronomie in diesem Areal aufgrund der Nachfrage durchaus Potential hätte (vgl. Emrich 2011 und 2012). 21. Bezirk, Betriebsgebiet Siemens-Allissen, Ein Kritikpunkt beim Standort Siemens-Allissen ist die allgemeine städtebauliche Organisation: Einkaufsmöglichkeiten sollten nach Meinung der MitarbeiterInnen eher in der Nähe von öffentlichen Verkehrsmitteln angesiedelt werden, z.B. neben Schnellbahnstation, sonst sind und bleiben sie nur Angebote für PKW-FahrerInnen. Insgesamt gibt es einzelne Supermärkte, eine Bankfiliale und einzelne gastronomische Angebote. Die größeren Betriebe bieten Betriebsrestaurants bzw. wie Siemens auch eigene nur für die MitarbeiterInnen nutzbare Bank- und Reisebürofilialen. Gewünscht wird eine bessere Koordination der Entwicklung des Gebietes mit anderen (Bau) Projekten in der Umgebung, insbesondere mit großen Projekten wie etwa dem Krankenhaus Wien Nord – so könnten Infrastruktur und öffentliche Verkehrsmittel besser gemeinsam genutzt werden. 11. Bezirk, Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße ARBEITERKAMMER WIEN 45

Qualität im Arbeitsumfeld Am Standort in Simmering wird die Infrastruktur als schlecht bewertet. Die nächstgelegenen Einkaufsmöglichkeiten an der Geiselbergstraße sind eine Apotheke und zwei Supermärkte, die nächste Bankfiliale ist weiter weg (Absberggasse, Simmeringer Hauptstraße). Etwas weiter entfernt und kaum in der Mittagspause erreichbar liegen der Simmeringer Markt, die Simmeringer Hauptstraße und das EKZ Simmering. Alle befragten Betriebe haben Betriebsrestaurants mit sehr guter Qualität und Auswahl. Die umliegenden Gasthäuser werden ebenfalls frequentiert, gerne nach der Arbeit auch das Schutzhaus in der Kleingartensiedlung. Der Bedarf fürs kalte Mittagessen ist nicht sehr groß, in den Supermärkten in der Umgebung können MitarbeiterInnen auch ihre privaten Einkäufe erledigen. In manchen Betrieben haben sich Einkaufsverbände gebildet. 2. Bezirk, VIERTEL ZWEI Im VIERTEL ZWEI wird die Infrastruktur als sehr umfassend erachtet. Es gibt einen Supermarkt, eine Bäckerei, eine Trafik am Rand des Betriebsgebiets VIERTEL ZWEI und das Stadioncenter bei der nächsten U2-Station Prater. Dieses bietet neben Bekleidung, Lebensmittel, Elektrotechnik auch Gastronomie. Im und um das Viertel gibt es außerdem noch weitere gastronomische Angebote. Die meisten MitarbeiterInnen empfinden die Situation als ausreichend für den alltäglichen Bedarf. „Wenn man in der Mittagspause z.B. ein frisches Hemd kaufen möchte, weil man seines am Vormittag mit Kaffee bekleckert hat, so ist das im EKZ möglich.“ (VIERTEL ZWEI). Den Alltag im Zusammenhang mit der Arbeit zu managen ist hier gut möglich. Einige MitarbeiterInnen wünschen sich ein verbessertes Angebot, um auch mal richtig Shoppen gehen zu können. An diesem eher jungen Standort erinnern sich noch viele MitarbeiterInnen an ihre früheren Betriebsstandorte u.a. in der Stadtmitte, da war Shoppen in der Mittagspause möglich. Generelle Wünsche und Anregungen für die Optimierung der sozialen Infrastruktur (Auswahl):  MitarbeiterInnen von Betrieben ohne Betriebsrestaurant wünschen sich ein gutes Restaurantangebot in der Umgebung. Einkaufsmöglichkeiten, Apotheken, Bankfilialen etc. sollten in den Betriebsgebieten bzw. in der nahen Umgebung vorhanden sein

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6.4 Work-Life-Balance
„Nur das Gehalt alleine macht es auch nicht aus, warum man qualitativ hochwertige MitarbeiterInnen an einem Standort halten kann. [… Wichtig ist auch das soziale Umfeld und die Begleitprogramme wie z.B. Gratisimpfungen oder eine gute Küche und dergleichen.“ (Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße) Unter dem Titel „MitarbeiterInnenbindungsprogramm“ stellen manche Betriebe Überlegungen zur Arbeitszufriedenheit ihrer MitarbeiterInnen an. Die Work-Life Balance wird bewusst miteinbezogen. Allgemein wird in diesem Zusammenhang erkannt, dass die MitarbeiterInnen Entspannungsmöglichkeiten und -momente benötigen. In vielen Betrieben werden Gesundheits- und Fitnessangebote sehr gerne und intensiv genutzt. In anderen Betrieben wiederum können sich die Sport- und Gesundheitsangebote 46 ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld nicht halten. Die Gründe dafür könnten einerseits an fehlenden Ausstattungen liegen (unattraktives Umfeld zum Joggen/Laufen, keine oder ungeeignete Turnsäle/Sportsäle, fehlende Duschen, unattraktiv gestaltete Einrichtungen), andererseits scheint (neben dem persönlichen Lebensstil) die Betriebskultur hier eine große Rolle zu spielen: Wie gerne halte ich mich nach Dienstschluss noch in der Firma auf, wie gerne verbringe ich meine Freizeit mit KollegInnen und v.a. – wie einladend sind diese Angebote gestaltet. „Was die Kollegen schätzen ist, dass die Angebote direkt in der Firma sind und sie nicht erst wieder wo anders hinfahren müssen.“ (Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße) Manche Betriebsräte bearbeiten, im Idealfall gemeinsam mit den Geschäftsleitungen, das Thema „Work-Life-Balance“. In diesen Fällen ist dem Betriebsrat das Bewusstmachen der Tatsache ein Anliegen, dass die MitarbeiterInnen im Betrieb während der Arbeit sehr intensiv in Anspruch genommen werden – sowohl körperlich als auch psychisch. Hier braucht es dringend Mechanismen, um mit diesen Anspannungen umzugehen. „Am Besten wären natürlich mehr Arbeitsplätze, damit die Arbeit besser verteilt ist, aber das ist nicht möglich, daher müssen die hier Arbeitenden mehr leisten und brauchen aber auch mehr Entspannungsmomente.“ (Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße) Gesundheitliche Präventivmaßnahmen in Form von „aktiven“ Gesundheits- und Fitnessangeboten, sowie in Form von „passiven“ Vorträgen sollen helfen, die Burn-out Gefahr zu erkennen und ihr gegenzusteuern. Während einige Betriebsleitungen für Entspannungsaspekte sensibilisiert sind und auf Wohlfühlaspekte in der Arbeitswelt positiv reagieren, gibt es auch Betriebe, die an diesen Aspekten weniger Interesse zeigen. Das äußert sich unter anderem in einem Desinteresse am Aufenthalt der MitarbeiterInnen im Freien und an einem Misstrauen gegenüber dem Kommunikations- und Interaktionsbedürfnis der MitarbeiterInnen. In diesen Fällen wird das als Verschwendung von Arbeitszeit angesehen. Von den MitarbeiterInnen wird jedoch eine Anerkennung der Wünsche nach Kommunikationsorten durch die jeweilige Betriebsführung gefordert, zumal vielfach auch in den Pausen kommunikativ weitergearbeitet wird. Größere Betriebe, die bereits seit Jahrzehnten verschiedenste Sportsektionen und Sportvereine haben, verzeichnen tendenziell eine Abnahme der Vereinstätigkeiten. Wiewohl einige Sparten nach wie vor sehr beliebt sind und es auch Nachwuchs gibt, haben sich andere Sparten ausgedünnt und aufgelöst. Dafür sind in den letzten Jahren neue kollektive sportliche Betätigungen aufgekommen (vor allem Lauftreffs, aber auch Yoga). Abseits der gemeinsamen sportlichen Aktivitäten nutzen etliche MitarbeiterInnen gerne Vergünstigungen bei Fitnesscentern, Tennisplätzen etc. – die Betriebe bzw. Betriebsräte haben ihre Unterstützungen an das veränderte Freizeitverhalten angepasst und bieten Zuschüsse oder Vergünstigungen für individuelle Sportangebote an. Betriebsausflüge oder Firmenfeiern fördern ebenfalls die Kommunikation und das Kennenlernen über Abteilungsgrenzen hinweg. Sie werden als sehr positiv für das Arbeitsklima insgesamt angesehen und explizit gewünscht. Parallel dazu gibt es an manchen Standorten Überlegungen zu gemeinsamen Festen mit anderen Betrieben des Standorts. Je nach Betrieb, Betriebsstruktur oder MitarbeiterInnenstruktur besteht bei einigen Betrieben das Bedürfnis der MitarbeiterInnen nach der Arbeit rasch nach Hause zu kommen und nicht länger als notwendig am Betriebsstandort zu bleiben. Erholungsaktivitäten werden in diesen Fällen eher in der Wohnumgebung wahrgenommen. „Was festgestellt wurde, ist, dass es zwar eine sehr gute Kollegialität gibt, dass viele MitarbeiterInnen aber nach einem langen Arbeitstag eher weg wollen von der Firma, eher weg wollen nach Hause.“ (Betriebsgebiet ARBEITERKAMMER WIEN 47

Qualität im Arbeitsumfeld Leberstraße-Geiselbergstraße) „Arbeit ist Arbeit und irgendwann möchte man auch mal etwas anderes sehen.“ (Industriegebiet Liesing). Generelle Wünsche und Anregungen zum Thema Work-Life-Balance (Auswahl):   Nachhaltige Implementierung von Gesundheits- und Fitnessprogrammen. Entspannungsangebote in der Umgebung der Betriebe (Laufen, Spazierengehen etc.) insbesondere auch für kurze Mittagspausen.

6.5 Innenbereich von Betrieben
In den Gesprächen gab es neben Vorschlägen zu den Außenräumen auch einige Anmerkungen zu den Innenbereichen und den direkten Arbeitsplätzen. Themen, die insbesondere immer wieder angesprochen wurden, waren Großraumbüros und die Organisation von Arbeits-, Besprechungs- und Erholungsbereichen innerhalb der Gebäude.

6.5.1

Großraumbüros

Einige der Betriebe haben im Zuge ihrer Umsiedelungen oder Neubautätigkeiten von ehemals Einzelbüros zu Großraumbüros gewechselt. Das ist für die meisten MitarbeiterInnen eine gravierende Umstellung. Bei der Frage nach der Arbeitsplatzqualität werden bei den Betrieben, die Großraumbüros eingeführt haben, diese stark thematisiert: Die ArbeitnehmerInnen, die aus Einzelzimmern in Großraumbüros umgesiedelt sind, sind besonders von den veränderten Arbeitsbedingungen betroffen. Jüngere ArbeitnehmerInnen bzw. diejenigen, die nur Großraumbüros kennen, sind zwar eher an diese Arbeitssituation gewöhnt, jedoch direkt oder indirekt ebenfalls mit den negativen Seiten konfrontiert. Zusammengefasst sind die Hauptkritikpunkte:  hoher Lärmpegel abzuschirmen) (manche MitarbeiterInnen benutzen Kopfhörer, um sich

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kaum private Rückzugsmöglichkeit verminderte Konzentrationsfähigkeit schwierige Temperaturregulierung MitarbeiterInnen) Belastung mit Mikropartikeln Geruchsbelästigung problematische Lüftung schnellere Ansteckungsrate in Grippezeiten (aufgrund unterschiedlicher Bedürfnisse der

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Als Argument für Großraumbüros werden von Geschäftsleitungsseite einerseits die verstärkte Kommunikation genannt und andererseits die bessere Überwachbarkeit der 48 ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld MitarbeiterInnen. Beide Argumente werden von Betriebsratsseite entkräftet:  die Kommunikation wird durch Großraumbüros nicht erhöht oder/und verbessert. Mangelnde Kommunikation liegt überwiegend nicht an der räumlichen Ausgestaltung des direkten Arbeitsplatzes. Motivation ist besser als Überwachung.

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„Der Nutzen des Großraumbüros ist eigentlich nur, dass man mehr Menschen unterbringen kann. Die Idee, dass man, wenn man zusammensitzt, direkter kommuniziert, stimmt so nicht, da man, wenn man mit jemanden etwas zu besprechen hat, so wieso auf ihn zugeht.“ (VIERTEL ZWEI) Generelle Wünsche und Anregungen zum Thema Großraumbüros (Auswahl):  Klar abgetrennte Arbeitsbereiche, die ein ruhiges konzentriertes Arbeiten ermöglichen und eine gewisse Privatsphäre der einzelnen MitarbeiterInnen zulassen.

6.5.2

Trennung von Arbeits-, Besprechungs- und Freizeitbereich

Ein weiterer Problempunkt wird von den MitarbeiterInnen angeführt, in deren Betrieben die Aufenthalts- und Arbeits- bzw. Besprechungsräumlichkeiten unzulänglich getrennt sind: Wenn Teeküchen, Essensnischen o.ä. von den Arbeitsbereichen nicht oder nicht gut getrennt sind, wird das sowohl für die Ruhesuchenden bzw. Pausierenden, wie auch für die Arbeitenden meist als sehr störend empfunden. Die Beschwerden reichen dann von Geruchsbelästigung (Pizza-, Knoblauchduft etc.) bis Lärmbelästigung (lebhafte Kommunikation) von Seiten der arbeitenden MitarbeiterInnen bzw. der Betriebsleitung. Aus diesen Gründen werden z.B. die MitarbeiterInnen in manchen Betrieben gebeten, in den Teeküchen nicht zu kochen. Den gerade pausierenden MitarbeiterInnen ist diese Situation ebenfalls bewusst – und die Entspannungsphase ist eher gehemmt. Eine klare räumliche Trennung des Bereichs Arbeiten und des Bereichs Erholen wird als produktiver für beide Tätigkeiten angesehen. Mancherorts sind die Raumressourcen derart knapp bemessen, dass Aufenthaltsräume zu Besprechungsräumen umfunktioniert werden (müssen), insbesondere dann, wenn es sich um abgeschlossene Räumlichkeiten handelt. Auch Räumlichkeiten für andere Aktivitäten werden gewünscht: Für Indoor-Fitness (Turnen), Yoga o.ä. Vorhandenen Initiativen fehlen häufig geeignete (größere) Räume. Generelle Wünsche und Anregungen zum Thema Trennung Arbeits-, Besprechungsund Freizeitbereiche (Auswahl):   Separate abgeschlossene Teeküchen bzw. sonstige Kommunikationsorte Trennung von Betriebsrestauranträumen und Sporträumlichkeiten

6.5.3

Gestaltung des Arbeitsplatzes

Die Möglichkeit der selbstständigen Gestaltung des Arbeitsplatzes wird als sehr positiv angesehen. Sie ist in den verschiedenen Betrieben aufgrund der Betriebsstrukturen bzw. anderer Aspekte sehr unterschiedlich gegeben. In einigen Betrieben können die MitarbeiterInnen bis hin zur Wandfarbe bzw. zur Ausgestaltung der Pausenbereiche mit ARBEITERKAMMER WIEN 49

Qualität im Arbeitsumfeld Pflanzen etc. selber mitgestalten, in anderen Betrieben ist dies nicht möglich und es wird bis hin zu Mietpflanzen, die von externen Firmen gepflegt werden, alles vorgegeben. Eine persönliche Beziehung zum Arbeitsplatz ist in diesen Fällen nur schwierig zu entwickeln. Generelle Wünsche und Anregungen zum Thema Gestaltung des Arbeitsplatzes (Auswahl):  Persönliche Gestaltungsmöglichkeiten des Arbeitsplatzes u.a. mit Pflanzen

6.5.4

Mittagspause: Kommunikation

In den Betrieben, die über kein Betriebsrestaurant oder Kantine (mehr) verfügen, hat sich das Essensverhalten und auch die Kommunikation teilweise in eine ungünstige Richtung verändert: Es wird am Arbeitsplatz vor dem PC gegessen und gleichzeitig gearbeitet. Das vermindert einerseits den Erholungswert und andererseits auch die Kommunikationen mit den KollegInnen. In Betriebskantinen wird viel mehr auch über Abteilungsgrenzen hinweg kommuniziert, was gleichzeitig die Betriebszugehörigkeit und den Zusammenhalt im Betrieb positiv beeinflussen kann. Ganz allgemein werden Kommunikationsräume als sehr wichtig angesehen, da sie Austausch und soziale Netzwerke fördern – wo diese im Betrieb eingerichtet werden, ist eher sekundär (Kaffeeautomat, Kantine, Pausenhof/im Freien etc.). Generelle Wünsche und Anregungen zum Thema Mittagspause/ Kommunikation (Auswahl):  Kommunikationsorte im Betrieb bzw. auf dem Betriebsgelände für die kurzen Pausen (Rauchen, Kaffeetrinken, Informationsaustausch etc.)

Abb. 7: Hinweistafel im Betriebsgebiet VIERTEL ZWEI

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ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld

7. Qualitätsaspekte im öffentlichen und privaten Freiraum – Handlungsfelder
Die Qualität des Arbeitsumfeldes der MitarbeiterInnen wird von zahlreichen Aspekten, die bei der Entwicklung von Betriebsgebieten eine Rolle spielen, bestimmt. Je nach Betrachtungsstandpunkt InvestorInnen, ArbeitgeberInnen, Verwaltung, ArbeitnehmerInnen, KundInnen oder AnrainerInnen haben die verschiedenen Standortfaktoren eine unterschiedliche Bedeutung. „Allgemeine Standortfaktoren: Transportbedingungen, Verkehrsanbindung, Flächen und Gebäude, Verfügbarkeit der Arbeitskräfte, Infrastruktur, Verfügbarkeit von Absatzmärkten, Höhe von Steuern und Abgaben etc. Harte Standortfaktoren: Nähe zu Kunden, Lieferanten, Unternehmen der gleichen Branche, Verkehrs- und Kommunikationsmöglichkeiten, Angebot an Betriebsflächen, Grundstücksreserven, Lohnkosten, Entsorgungseinrichtungen, kommunale Wirtschaftsförderung, Gewerbesteuer etc. Weiche Standortfaktoren: Wohnqualität, kulturelles Angebot und Freizeitangebot, Freizeitwert, Umweltqualität, Zugang zu Naherholungsgebieten, gastronomisches Angebot, Kriminalitätsrate, Weiterbildungsmöglichkeiten, soziale Einrichtungen etc.“ (http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/5808/standortfaktoren-v6.html) Für die ArbeitnehmerInnen kommen die Aspekte wie Arbeitsplatzqualität innerhalb und außerhalb der Gebäude bzw. in der Umgebung und Arbeitszufriedenheit als zusätzliche Standortfaktoren hinzu. Die Betrachtung der Arbeitszufriedenheit im Zusammenhang mit den weichen Standortfaktoren, insbesondere mit der Qualität der öffentlichen und privaten Freiräume, ist Schwerpunkt dieser Studie. Der Begriff Arbeitszufriedenheit ist schwer eindeutig zu definieren, da (zu) viele Faktoren eine Rolle spielen. Neben individuellen (psychischen) Faktoren sind für eine hohe Arbeitszufriedenheit unter anderem folgende Faktoren bedeutend, die einen multivariaten Zusammenhang bilden:  eine geistig fordernde Arbeitssituation, die den Bedürfnissen der MitarbeiterInnen physisch und psychisch entspricht Erfolgsgefühl Anwendung und Erweiterung von eigenen Fähigkeiten und Interessen Möglichkeit der Eigenentwicklung Achtung und Wertschätzung durch Leistung Angemessene Entlohnung Förderung von Selbstinitiative und Eigenverantwortung

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Die Komplexität des Konstrukts Arbeitszufriedenheit lässt eine eindeutige Messung von Arbeitszufriedenheit nicht zu. (vgl. Roedenbeck 2008).

ARBEITERKAMMER WIEN

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Qualität im Arbeitsumfeld Im Rahmen der vorliegenden Studie konnten von den MultiplikatorInnen, den MitarbeiterInnen und den VertreterInnen der Institution jedoch einige Aspekte herausgearbeitet werden, die insgesamt bei der Arbeitszufriedenheit im Zusammenhang mit den Freiräumen in der direkten und der weiteren Umgebung der Betriebe eine Rolle spielen. Zu Handlungsfeldern, die von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Zusammenhang mit der Förderung der Gesundheit in Betrieben herausgearbeitet wurden, gehören unter anderem:  Verschönerungsmaßnahmen (Farben, Beleuchtung, neue Farben, Umgestalten von Aufenthaltsräumen etc.) Fitness- und Gesundheitsangebote (Lauftreffs, Rückenschule, Yoga etc.) Zuschüsse zu Betriebssportvereinen oder individuelle Förderungen für sportliche Betätigungen (Fitnessstudios, Tennisplätze etc.) Vorträge: Bewusstseinsbildende Maßnahmen zu den Themen Gesundheit, Vorsorge, Stressbewältigung, Work-Life-Balance gesundes Essen im Betriebsrestaurant

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Die deutsche Arbeitsministerin Ursula von der Leyen beschrieb den Zusammenhang folgendermaßen: „Es ist nicht der Stress, der krank macht, sondern das Fehlen der Auszeit nach dem Stress“. Von der Leyen nahm die ArbeitgeberInnen in die Pflicht, ihren Angestellten nicht zu viel und das vor allem nicht rund um die Uhr abzuverlangen, „ihre Maschinen warten sie schließlich auch regelmäßig“ (Ursula von der Leyen, 25.03.2012). Generell ist festzustellen, dass bei den befragten ArbeitnehmerInnen bzw. MultiplikatorInnen und bei Teilen der InteressenvertreterInnen dieser Zusammenhang sehr wohl bekannt ist und dass in vielen Betrieben auf verschiedenen Ebenen versucht wird, die Gesundheit der MitarbeiterInnen und ihre Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz und dem Betrieb zu erhalten bzw. zu fördern. Aus den Wünschen und Anregungen der ArbeitnehmerInnen lassen sich u.a. folgende Handlungsfelder ableiten:  Generell erscheint eine vertiefende Überzeugungsarbeit bei Betrieben und den InteressensvertreterInnen von Betrieben betreffend weicher Standortfaktoren insbesondere der Qualitäten von betriebseigenen Freiräumen bzw. Freiräumen im öffentlichen Raum in und in der direkten Umgebung von den Betriebsgebieten sinnvoll und notwendig (Informationsmaterial, Informationsveranstaltungen). Die Idee eines Wettbewerbs (vgl. Oberösterreich oder Deutschland: Hannover, Bremen etc.) zum Thema Firmengärten, mit einem speziellen Schwerpunkt u.a. für die MitarbeiterInnen lässt sich auch in Wien verwirklichen. Ein Wettbewerb nach dem Vorbild der „FirmenGärten“ könnte von Seiten der Arbeiterkammer z.B. in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien, der Wirtschaftskammer, der Wirtschaftsagentur, dem ÖGLA und eventuell mit SponsorInnen etc. umgesetzt werden. Das Kriterium „Nutzbarkeit von Firmenarealen für die MitarbeiterInnen“ kann im Rahmen der Vergabe des Österreichischen Staatspreises für Architektur bei der Bewertung von Industriebauten als wichtiger Aspekt eingearbeitet werden. Eine aktive Teilnahme der Arbeiterkammer am Quartiersmanagement Betriebsstandorte z.B. im Industriegebiet Liesing erscheint sinnvoll. für

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Qualität im Arbeitsumfeld  Eine Anregung von Seiten der Arbeiterkammer das Thema Grün in Betriebsgebieten verstärkt in die aktuelle Diskussion über die Weiterentwicklung der Wiener Bauordnung aufzunehmen erscheint sinnvoll. Möglich ist dies u.a. mit Hilfe der Forderung nach einer Ausweitung des Gestaltungskonzeptes nach §63(5) Wiener Bauordnung bei allen Bauvorhaben auch in Industrie- und Betriebsgebieten und der Schaffung einer rechtlichen Verbindlichkeit mit der Integration des Gestaltungskonzeptes in den Baukonsens (vgl. u.a. Beitrag der Freiraumplanung zum Masterplan Industriegebiet Liesing, Bebauungsplanvorschriften in Linz mit verschiedensten grünen Bausteinen, Grünordnungsplan als verpflichtender Teil des Bebauungsplans in München, Freiraumplanerische Standards für die Baulandgestaltung in Graz etc.). Wichtige Detailaspekte sind u.a. öffentliche Grünflächen für die Naherholung vorzusehen, die Durchgängigkeit zu erhalten, die Vernetzung mit der Umgebung zu verbessern und die Dachflächen zu begrünen. Betriebsgebiete benötigen allgemeine Infrastruktureinrichtungen (Einkaufen, Restaurants, Bank, eventuell Behörden, Post, Kindergärten, Behörden etc.) – insbesondere bei der Planung neuer Gebiete sollte darauf geachtet werden (z.B. beim neuen Betriebsgebiet im 11. Bezirk südlich des Zentralfriedhofs). Denkbar ist die Nutzung der magistratsinternen Infrastrukturkommission, in der derzeit allgemeine Infrastruktureinrichtungen im Zusammenhang mit Wohngebieten abgestimmt werden. Zu den Infrastruktureinrichtungen gehören auch Orte für die Erholungsphasen der MitarbeiterInnen in der Mittagspause, in den Rauchpausen und/oder für nach der Arbeit (kleine Parks oder Plätze). Eine Anregung dieser Aspekte durch die Arbeiterkammer ist auch im Rahmen der Beteiligung an den Flächenwidmungsverfahren denkbar.  Information und Unterstützung für BetriebsrätInnen und MitarbeiterInnen, die in ihren Betrieben Freiräume auf dem Betriebsgelände entwickeln möchten (Informationsmaterial, Informationsveranstaltungen, Weiterbildung von BetriebsrätInnen), eventuell im Zusammenhang mit einem Wettbewerb zum Thema Firmengärten, u.a. Anregung um Dachflächen zu nutzen und zu begrünen. Information und Unterstützung für Betriebsräte und MitarbeiterInnen, damit die Nutzung von Freiräumen nicht als „Faulenzen“ gesehen, sondern vielmehr als wichtig für die Kurzzeiterholung und -entspannung anerkannt wird (Stressabbau, Kopf frei machen, etc. und insgesamt eine Verbesserung der Produktivität). Hilfreich sind z.B. Informationsmaterial, Informationsveranstaltungen, Weiterbildung von BetriebsrätInnen etc. Weitere Studien zum Thema Qualitätsaspekte im öffentlichen und betriebseigenen Freiraum.

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Qualität im Arbeitsumfeld

8. Literaturverzeichnis
ARGE Büro Jauschneg & Büro Kutzenberger (2011): Expertise Freiraum – Zwischenbericht zum SWOT-Projekt ressourcenschonendes Industriegebiet Liesing. Wien Biffl, Gudrun (2006): Betriebliche Mitbestimmung und Arbeitszufriedenheit: Analyse der Beziehung zwischen der von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern tatsächlich wahrgenommenen betrieblichen Mitbestimmung und der subjektiv empfundenen Arbeitszufriedenheit. Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien, Abteilung Wirtschaftswissenschaft und Statistik. Wien Die Grüne Stadt (Hg.) (2010): Einfach grün und gut – Der Wettbewerb „FirmenGärten“. Düsseldorf Emrich, Hans et.al. (2011): SWOT-Analyse Ressourcenschonendes Industriegebiet Liesing. i.A. der MA 21B, Wirtschaftsagentur und Wirtschaftskammer Wien. Wien Land Oberösterreich (Hg.) (2006): „Natur in Betrieb – Artenvielfalt auf Gewerbeflächen – Eine Initiative von Naturschutz und Wirtschaft. Naturschutzbund Oberösterreich. Wirtschaftskammer Oberösterreich“. In: Informativ. Magazin des Naturschutzbundes Oberösterreich. Sondernummer s5/11 2006. Linz Landeshauptstadt Hannover. Fachbereich Umwelt und Stadtgrün (Hg.) (2003): Firmengärten – Dokumentation der Wettbewerbsergebnisse 2002. Hannover Landeshauptstadt Hannover. Fachbereich Umwelt und Stadtgrün (Hg.) (2010): Firmengärten – Dokumentation der Wettbewerbsergebnisse 2009. Hannover Landeshauptstadt München Referat für Stadtplanung und Bauordnung Projektgruppe Messestadt-Riem (Hg.) (2005): Messestadt Riem – Bauherrenpreis für Wohn- und Gewerbebauten. München Landesinitiative StadtBauKultur NRW (Hg.) (2007): „Orte der Arbeit. Die gestalterische Aufwertung von Gewerbegebieten“. in: Werkstattbericht Nr. 5. Gelsenkirchen Magistrat der Stadt Wien (Hg.) (1998): Wiener Stadtentwicklungs-, Stadtplanungs- und Baugesetzbuch (Bauordnung für Wien – BO für Wien) Stand 29.12.1998. Wien. Maurer, Edmund. Magistrat der Stadt Linz. Stadtplanung. Abt. Stadtentwicklung (2007) „Dachbegrünung in Linz.“ Vortrag Symposium Dachbegrünung in Wien. Linz Nerdinger, Friedemann W. (2008): „Organisationsklima und Organisationskultur“. In: Nerdinger, Friedemann W.; Blickle, Gerhard; Schaper, Niclas: Arbeits- und Organisationspsychologie. Berlin. Heidelberg. Seite 137f. Pichler, Gerd; Blaas, Wolfgang (2009): „Wiener Betriebsstättenanalyse 2008“. In: Werkstattberichte Nr. 97. Hg. Stadtentwicklung Wien. Magistratsabteilung 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung. Wien Puchinger, Kurt; Zuckerstätter-Semela, Renate (2003): Wiener Betriebsgebiete aus Sicht der Beschäftigten. In: Standpunkte. Arbeiterkammer Wien (Hg.). Wien Quartiersmanagement Industriegebiet Liesing (Hg.) Industriegebiet Liesing – Kurzbeschreibung. Wien (2011): Ressourcenschonendes

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ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld Roedenbeck, Marc R. H. (2008): „Theoretische Grundlagen eines komplexen Modells der Arbeitszufriedenheit (KMA) – Eine theoretische Meta-Analyse“. In: Journal für Psychologie 16 (2008). http://www.journal-fuer-psychologie.de/jfp-1-2008-8.html Ruland, Gisa (2002): „Freiraumqualität im Geschosswohnungsbau. Diskussion über die Qualität von Freiraumplanung im mehrgeschossigen Wohnbau der 90er Jahre am Beispiel von Wien“. In: Stadtentwicklung Wien. Werkstattberichte Nr. 55. Wien Ruland, Gisa (2011) Öffentlicher Raum – Neuinterpretation, Bearbeitung 12. Bezirk, Meidling, Magistrat der Stadt Wien, MA 19 Architektur und Stadtgestaltung, Gestaltung Öffentlicher Raum, Mitarbeit: Büro Grandl, Isabella; Vasold Barbara gemeinsam mit: Büro Rennhofer, Gerhard, Ivcovic, Srdan. Wien Stadtplanung Linz (Hg.) (2001): Grünflächenplan der Stadt Linz. Linz Stadtplanung Linz (Hg.) (2007): Bebauungsplan Stadt Linz. Nr. 31 09 01 00. Am Teich. Linz Zuckerstätter-Semala, Renate; Karl, Julia (2006): „Stadtteilbüro Flugfeld Aspern. Positionspapier der Arbeiterkammer Wien.“ In: Standpunkte. Arbeiterkammer Wien (Hg.). Wien

Internet http://die-gruene-stadt.de/firmengaertenwettbewerb/ (Stand: 03.04.2012) http://www.obermayr.at/ (Stand: 06.05.2012) http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/5808/standortfaktoren-v6.html (Stand: 27.04.2012) http://www.viertel-zwei.at/index1.php?lang=1 (Stand: 04.04.2012) http://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/zielgebiete/siemensallissen/ausgangslage.html (Stand: 03.04.2012)

Mündliche Auskünfte: Dipl. Ing. Claudia Wollkopf, Stadt Hannover, Fachbereich Umwelt und Stadtgrün, Mail 02.03.2012 Dipl. Ing. Eva Maria Benedikt, Stadtplanungsamt Graz, Telefonat 14.03.2012 Dipl. Ing. Markus Kumpfmüller, Technisches Büro für Landschaftsplanung, Steyr, Oberösterreich, Telefonat 06.04.2012 Dipl. Ing. Renate Zuckerstätter Semela, Stadtumlandmanagement – Nord, Telefonat 16.12.2011 Dr. Martin Seidl, Voest-Alpine-Linz, Betriebsrat, Telefonat 06.12.2012 Dr. Ursula von der Leyen, deutsche Arbeitsministerin, bei Günther Jauch, ARD, Thema der Woche: Burnout, 25.03.2012 Ing. Edmund Maurer, Magistrat der Landeshauptstadt Linz, Stadtplanung, Abteilung Stadtentwicklung, Telefonat 16.03.2012

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Qualität im Arbeitsumfeld

9. Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Arbeitsumgebung Industriegebiet Liesing, Betriebsgebiet Siemens-Allissen und Leberstraße-Geiselbergstraße ................................................................................................. 9 Abb. 2: Übersicht der untersuchten Betriebsgebiete .............................................................. 12 Abb. 3: Freiräume der Bürogemeinschaft Kap Horn-Hannover vor und nach dem Umbau .. 15 Abb. 4: Betriebsgebiete ohne und mit Bebauungsplanvorschriften in Linz vor bzw. nach 1985 (vgl. gelbe Linie) ........................................................................................................ 19 Abb. 5: Freiräume im Betriebsgebiet VIERTEL ZWEI, Industriegebiet Liesing und im Betriebsgebiet Siemens-Allissen ............................................................................................ 31 Abb. 6: MitarbeiterInnen unterwegs im Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselberstraße, Industriegebiet Liesing und im Betriebsgebiet VIERTEL ZWEI ............................................. 33 Abb. 7: Hinweistafel im Betriebsgebiet VIERTEL ZWEI......................................................... 50 Abb. 8: Übersicht der befragten Betriebe ............................................................................... 57

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ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld

10. Anhang

10.1 Liste der InterviewpartnerInnen bzw. der interviewten Firmen
Insgesamt wurden 25 Interviews durchgeführt. Abb. 8: Übersicht der befragten Betriebe und Institutionen Betrieb Autobusgara ge Leopoldau Bank AustriaFirmenkunde n-betreuung Bosch ERSTE Bank IT-Solution MAN Novartis ÖGUSSA OMV Schenker Siemens – Transport Systems Siemens Vaillant Vela pharm. Entwicklung und Laboranalytik Bezirk InterviewpartnerIn Branche Anzahl der MitarbeiterInne n ca. 15 – 20

21

MitarbeiterIn

Verkehrsunternehmen Bank Firmenkundenbetreuung Maschinenbau, Elektroindustrie, Kraftfahrzeugzulieferer IT- Dienstleistung Fahrzeugbau Chemiegroßhandel Edelmetallverarbeitung Mineralölproduktion und –verarbeitung Verwaltung Spedition Transportsysteme Mischkonzern Eisenwarengroßhande l Pharmazeutische Entwicklung und Laboranalytik

23

MitarbeiterIn

ca. 20 450 + 250 AußendienstmitarbeiterInnen 2.000 800 500 130 1.800 160 1.600 – 1.700 6.000 80 + 400 AußendienstmitarbeiterInnen 20

11

BetriebrätIn

11 23 2 23 2 2 11 21 23

BetriebrätIn 2 BetriebrätInnen BetriebsrätIn BetriebrätIn BetriebrätIn 2 MitarbeiterInnen 2 BetriebrätInnen BetriebrätIn 2 MitarbeiterInnen

23

MitarbeiterIn

Institution

InterviewpartnerIn

Stadtverwaltung Wien Wirtschaftskammer Wien Wirtschaftsagentur
ARBEITERKAMMER WIEN

Flächenwidmungs- und Bebauungs planung verantwortliche Dienststellen

4 MitarbeiterInnen MitarbeiterIn MitarbeiterIn
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Qualität im Arbeitsumfeld

Wien Quartiermanagement Liesing Planungsbüro Masterplans Industriegebiet Liesing MitarbeiterIn MitautorIn

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ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld

10.2 Kurze Beschreibung der untersuchten Gebiete
Industriegebiet Liesing, 23. Bezirk Vgl. i.F. Emrich, Hans et.al. (2011), ARGE Büro Jauschneg & Büro Kutzenberger (2011) und Quartiersmanagement Liesing (Hg.) (2011) Das Industriegebiet Liesing befindet sich im 23. Wiener Gemeindebezirk zwischen Carlbergergasse – Canevalestraße – Perfektastraße – Akaziengasse – Karl-Tornay-Gasse – Lemböckgasse – Ketzergasse – Pellmanngasse – Franz-Heider-Gasse – Mellergasse – Seybelgasse – Liesingbach. Größe: Anzahl der Betriebe: Ein-Personen-Unternehmen: Kleinstunternehmen: Kleinunternehmen: Mittlere Unternehmen: Großunternehmen: gesamt: Anzahl der Beschäftigten: ca. 240ha

189 174 130 52 18 563 ca. 4.500 (- 7.000)

Zu den aktuellen Branchen gehören: Bankwesen, Baugewerbe, Energieversorger, Erzeugung, Forschung & Entwicklung, Gastgewerbe, Handel, Handwerk, Industrieerzeugung, Informationsund Kommunikationstechnologien, Marketing, sonstige Dienstleistungen & Gewerbe, technische Büros, Logistik & Spedition, Verarbeitung. Neben Großunternehmen wie MAN, Der Mann oder Porsche gibt es auch zahlreiche EPUs (Ein-Personen-Unternehmen). Die erste Betriebsansiedlung am Standort fand 1828 statt. Das Betriebsgebiet ist bereits überwiegend bebaut, es gibt derzeit nur wenige kleine Expansionsflächen. Einige Flächen befinden sich in Umnutzung. Mit Hilfe eines Quartiersmanagements soll für das Industriegebiet Liesing in einem mehrjährigen Prozess eine nachhaltige, strukturelle und organisatorische Aufwertung erzielt werden. Dazu arbeiten die Wirtschaftskammer Wien (WKW), die Wirtschaftsagentur Wien (WAW) und die Magistratsabteilung 21B – Stadtteilplanung und Flächennutzung SüdNordost (MA21B) zusammen. Der Standort verfügt über eine gute Anbindung an Bahn, Süd- und Westautobahn sowie zu den öffentlichen Verkehrsmitteln U-Bahnlinie U6 und Busanbindungen. Zu den Grün- bzw. Erholungsflächen in der weiteren Umgebung gehören der Liesingbach im Nordwesten und Westen und der Petersbach im Süden.

ARBEITERKAMMER WIEN

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Qualität im Arbeitsumfeld

Siemens-Allissen Floridsdorf, 21. Bezirk vgl. i.F. http://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/projekte/zielgebiete/siemensallissen/ausgangslage.ht ml Das Betriebsgebiet Siemens-Allissen befindet sich in Floridsdorf (21. Wiener Gemeindebezirk) ca. 3 km Luftlinie nordöstlich des Bezirkszentrums. Es ist Teil der „Betriebszone Floridsdorf“ und wurde im STEP 2005 als Zielgebiet Siemens-Allissen ausgewiesen. Der Standort insgesamt ist bereits über 100 Jahre alt. Er umfasst überwiegend großflächige zusammenhängende Betriebsgebiete ehemaliger Floridsdorfer Traditionsbetriebe: zum Beispiel das Kabelwerk und die Maschinenfabrik Siemens & Halske, die Simmering-GrazPauker-Werk und das Gaswerk Leopoldau. Der Gesamtbereich dieser inzwischen nicht mehr existierenden Betriebe umfasst eine Fläche von circa 280 Hektar. Zum größten Betrieb in diesem Umfeld gehört der Betriebsstandort der Firma Siemens südlich der Siemensstraße, der sich mit der neuen Siemens-City als Kristallisationspunkt aller Wiener Siemensstandorte entwickelt hat. Weitere ältere Betriebe sind Anker oder MANTruck-Service. Zu den weiteren Firmen, die sich auf den ehemaligen Industrieflächen inzwischen angesiedelt haben gehören: Techbase Vienna, Energybase, der Klimawindkanal und die Autobusgararge Leopoldau Das gesamte Areal gehört zum städtebaulichen Zielgebiet Siemens-Allissen. Zwischen 2005 und 2010 wurde als zentrale Zielsetzung für das Zielgebiet die Positionierung und Weiterentwicklung als Spitzenstandort für Forschung, Technologie und Innovation (FTI) in den Bereichen Verkehr und Energie entwickelt. Mit Hilfe der Leitbetriebe wie Siemens bietet sich derzeit eine günstige Situation für diese Zielsetzung. Der Standort verfügt über eine gute Anbindung an die A22, die Bahn und an die öffentlichen Verkehrsmittel mit der Station Siemensstraße an die S-Bahn. Verschiedene Buslinien erschließen das Gebiet. Am östlichen Rand des Gebietes finden sich Grün- und Erholungsflächen als Teil des geplanten „Grünkeils Rendezvousberg – Alte Donau“. Diese Flächen haben neben der Erholungsfunktion für das Gebiet eine wichtige Bedeutung für eine Gebietsgliederung zu den angrenzenden Siedlungsteilen.

VIERTEL ZWEI, 2. Bezirk vgl. i.F. http://www.viertel-zwei.at (Stand 04.04.2012) Das VIERTEL ZWEI liegt im 2. Bezirk an der U2 zwischen Messe und Praterstadion. Es entstand zwischen 2007 und 2010. Es wird überwiegend als Bürostandort genutzt. Gesamtgrundstück: 40.000 m 2 Vermietete Fläche: 92.000 m 2 Büronutzung: 80.000 m Für die Bebauung gab es ein einheitliches Konzept das Leben und
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ARBEITERKAMMER WIEN

Qualität im Arbeitsumfeld Arbeiten verbinden soll. Es entstanden verschiedene Büro- und Wohngebäude, die um einen See gruppiert wurden. Bürohochhaus: Hoch Zwei Bürogebäude: Plus Zwei, Rund Vier, Biz Zwei Hotel: Hotel Zwei Wohngebäude: Stella Zwei Zu den Betrieben, die dort ihren Standort haben gehören u.a.: OMV, Novartis, Schenker oder Unilever Die Freiräume im VIERTEL ZWEI werden als Visitenkarte des Quartiers angesehen, sie korrespondieren mit den unterschiedlichen Nutzungen. Der wichtigste Raum, aus Sicht der 2 Entwickler, ist der zentrale Park mit dem See (5.000 m ), dieser macht den Standort unverwechselbar. Wesentlich für den Entwickler ist das Wohlbefinden der MieterInnen und die Balance zwischen Arbeitsleben und Freizeit, wichtig ist „ein Arbeitsumfeld, in dem man einfach gerne arbeitet. Jeden Tag. Wer Freude am Arbeiten hat ist motivierter. Das Ergebnis: mehr Effizienz. Zufriedene Mitarbeiter. Zufriedene Unternehmer. – Die Menschen stehen im Vordergrund.“ (http://www.viertel-zwei.at/index1.php?lang=1 (Stand: 04.04.2012) Das Gebiet verfügt über eine gute Anbindung an die Flughafenautobahn und die A23. Eine U-2 Station liegt direkt neben dem Quartier. In der direkten Umgebung des VIERTEL ZWEI liegen die Trabrennbahn und der Prater als grüner Erholungsraum für die MitarbeiterInnen.

Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße, 11. Bezirk Das Betriebsgebiet Leberstraße-Geiselbergstraße im 11. Bezirk erstreckt sich von der Leberstraße entlang der Geiselberstraße bis zur Schlechtastraße und entlang der A23. Es ist ein älteres, im 11. Bezirk verankertes, Betriebsgebiet mit Firmen wie: SiemensTransport Systems, Bosch, die ERSTE-Bank IT-Solution oder dem Zollamt Wien. Insgesamt arbeiten ca. 4.000 – 5.000 Menschen in diesem Quartier. Derzeit gibt es keine Entwicklungsüberlegungen von Seiten der Stadt für dies Areal. Neue Impulse in der Umgebung sind die Entwicklungen um den Bahnhof Wien Mitte und das Arsenal. Das Betriebsgebiet hat eine gute Anbindung an die A23 und die Bahn. Die Erschließung mit dem öffentlichen Verkehr besteht über die S-Bahn-Station Geiselbergstraße (S-7), die Straßenbahnlinie 6, die Buslinie 68 und die weiter entfernt liegenden U3 Stationen Zipperstraße oder Enkplatz. In der Nähe gibt es ein Kleingartengebiet nördlich der Firma Bosch und der St. Marxer Friedhof nördlich der A23, in weiterer Entfernung der Böhmische Prater als grüne Erholungsräume für die MitarbeiterInnen.

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Qualität im Arbeitsumfeld

10.3 Gesprächsleitfaden
Qualität im öffentlichen Raum – Arbeitsumfeld als wichtiger Faktor für die Arbeitszufriedenheit und wesentlicher qualitativer Standortfaktor für Betriebe Gesprächsleitfaden für die Interviews mit MultiplikatorInnen Ziel: Aufzeigen der Wünsche der ArbeitnehmerInnen an ihre Arbeitsumgebung einerseits an die Freiräume auf dem Firmengelände und andererseits an die öffentlichen und halböffentlichen Freiräume in den Betriebsgebieten.

Allgemeines zur Situation der ArbeitnehmerInnen Was ist von besonderer Bedeutung für die ArbeitnehmerInnen in ihrer Arbeitsumgebung? Allgemeines zur Arbeitsumgebung im Betrieb Wird die Arbeitsumgebung vom Betrieb gestaltet? Wie wird sie gestaltet? Inwieweit können sich ArbeitnehmerInnen mit ihren Wünschen einbringen? Gibt es Entspannungs-/Erholungsräume im Betrieb? Gibt es Möglichkeiten das Fahrrad abzustellen? Gibt es in der Umgebung Möglichkeiten Sport zu betreiben, z.B. unmittelbar vor oder nach der Arbeit? Private Freiflächen auf dem Betriebsgelände Welche privaten Freiflächen gibt es (auf dem Dach, Innenhof, auf dem Freigelände allgemein, sonstiges)? Werden sie von den ArbeitnehmerInnen genutzt? Wenn ja, wann und wie? Wie sind diese Freiräume ausgestattet? Welche Wünsche gibt es von Seiten der ArbeitnehmerInnen bezüglich dieser Freiflächen? Öffentliche und halböffentliche Freiflächen in den Betriebsgebieten Welche Ansprüche gibt es an die öffentlichen Flächen im Betriebsgebiet? (Straßenräume, Plätze, Gehsteige etc.) Werden sie von den ArbeitnehmerInnen genutzt? Wie werden sie genutzt? (Pause, Kommunikation/ Interaktion mit KollegInnen, wenn ja wie? Welche Freiräume werden gewünscht und welche Ausstattung sollen sie haben? BetriebseigentümerInnen Welche Zielvorstellung hat der/die BetriebseigentümerIn zu diesem Thema?

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Stadtpunkte
„Stadtpunkte“ werden in unregelmäßigem Abstand von der Abteilung Kommunalpolitik der AK Wien herausgegeben und behandeln aktuelle kommunalpolitische Themen. Sie sollen in erster Linie Informationsmaterial und Diskussionsgrundlage für an diesen Fragen Interessierte darstellen. Aktuelle Ausgaben: Nr. 1 Nr. 2 Nr. 3 Nr. 4 PendlerInnenstudie Wien, Andreas Riesenfelder, 2011 Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung in Wien, Verkehrsplanung Käfer GmbH, 2011 Wiens Stadtwirtschaft im Mayerhofer, 2011 Konjunkturzyklus, Jürgen Bierbaumer-Polly, Peter

Verkehr in der Stadt, Veranstaltungsreihe 2010/2011, Michael Klug, 2012

Sämtliche Studien sind kostenlos erhältlich bei: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien Abteilung Kommunalpolitik Prinz-Eugen-Straße 20 – 22, 1040 Wien Tel: +43, 0) 1 501 65 – 3047 E-Mail: stadt@akwien.at oder als PDF: http://wien.arbeiterkammer.at Bereits vergriffen: Sicherheit der Arbeitswege in Wien, Alexander Risser, 2009 City on the move, Josef Schmee, 2007 Stadt der Menschen, Antonia Coffey, 2007, als PDF erhältlich: http://wien.arbeiterkammer.at Gürtel : Arbeit, Renate http://wien.arbeiterkammer.at Zuckerstätter-Semela, 2007, als PDF erhältlich:

Stadtteilbüro Flugfeld Aspern, Renate Zuckerstätter, 2006 Städtestrategien gegen Armut und soziale Ausgrenzung, Andrea Breitfuss, Jens S Dangschat, Oliver Frey, Alexander Hamedinger, 2004, als PDF erhältlich: http://www.arbeiterkammer.at Die dichte Stadt, Dagmar Grimm-Pretner, Philipp Rode, 2003 Wiener Betriebsgebiete aus Sicht der Beschäftigten, Kurt Puchinger, Renate ZuckerstätterSemela, 2003 Dienstleistungsmetropole Wien, Josef Schmee, 2002 Betriebsansiedlung, Kooperation und interkommunaler Finanzausgleich: Perspektiven für die Ostregion, Martin Schneider, 2001 Sicherheit der Arbeitswege in Wien, Alexander Risser, 2000 Rechtsgutachten zur Parkraumbewirtschaftung, Othmar Thann, 2000 Wiens Standortqualität und regionale Wettbewerbsfähigkeit, Helmut Gassler, Wolfgang Hesina, 1999

Arbeitswege in Wien, Max Herry, Sepp Snizek, 1997 Strukturanalyse des Wiener Budgets, Gerhard Lehner, Peter Mayerhofer, Josef Schmee, 1997 Wirtschaftsförderung in Wien, Peter Mayerhofer, 1994 Bei Interesse an vergriffenen Bänden wenden Sie sich bitte an die Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek der AK Wien.
        
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