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Full text: Lebenslagen und Zukunftschancen von (armen) Kindern und Jugendlichen in Deutschland / Holz, Gerda

Lebenslagen und Zukunftschancen von (armen) Kindern und Jugendlichen in Deutschland
15 Jahre AWO-ISS-Studie

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Herausgeber: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. Zeilweg 42 60429 Frankfurt am Main Frankfurt am Main, November 2012 ISS-Aktuell 23 / 2012 Autorinnen: Gerda Holz	 Claudia Laubstein	 Evelyn Sthamer Druck: arago-consulting GmbH, Frankfurt a. M. Fotonachweis: Thinkstock, ISS, photocase	

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Wir danken der GlücksSpirale (www.gluecksspirale.de) für die finanzielle Förderung des Forschungsvorhabens.

Inhalt
Die Zielsetzung und das Design ............................................................................................... 2 Der Forschungsansatz.................................................................................................................5	 	 1. Das mehrdimensionale Forschungsverständnis...........................................................5	 	 2. Das kindbezogene Armutskonzept...............................................................................6	 	 3. Zur Operationalisierung.................................................................................................7	 . 	 4. Zur Repräsentativität. ..................................................................................................10 . Die vier Forschungsphasen und zentrale Ergebnisse..............................................................12	 	 1. Erststudie: Armut in Vorschulalter (1997 bis 2000).....................................................12	 . 	 2. Vertiefungsstudie: Armut im frühen Grundschulalter (2000 bis 2002).......................13	 	 3. Wiederholungsstudie: Armut bis zum Ende der Grundschulzeit (2003 bis 2005).....15	 	 4. Wiederholungsstudie: Armut am Ende der Sekundarstufe I (2009 bis 2012)............17	 	 5. Handlungsempfehlungen der Studie......................................................................... 21	 . Zwei (ehemals) arme KiTa-Kinder und ihre Lebensgeschichten............................................. 25	 Die Studie – Viele haben sich engagiert................................................................................... 28 Die Studie – Alle Berichte im Überblick................................................................................... 32

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Die Zielsetzung und das Design
Das gesellschaftliche Problem der Armut und sozialen Ausgrenzung benachteiligter Bevölkerungsgruppen stellt ein zentrales Handlungsfeld der fachlichen und politischen Arbeit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) auf nationaler und internationaler Ebene dar. Im Kontext der allgemeinen Analyse und Berichterstattung über Armut und Reichtum in Deutschland nimmt das AWO-Engagement speziell im Bereich der Kinder- und Jugendarmut einen wichtigen Platz ein. Dazu haben auch die vom AWO-Gesamtverband in Auftrag gegebenen Forschungsarbeiten und die damit verbundenen Verbandsaktivitäten beigetragen. Ein zentrales Element ist die seit 1997 durchgeführte Grundlagenforschung des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. (ISS-Frankfurt a. M.) zu „Lebenslagen und Zukunftschancen von (armen) Kindern und Jugendlichen“ (kurz: AWO-ISS-Studie). Den Startpunkt der AWO-ISS-Studie bildete 1997 eine bundesweite Befragung aller AWO-Einrichtungen, um erste Informationen über die Anzeichen und den Umfang von Kinderarmut in Deutschland zu erhalten. Daraus ergab sich, dass diese Problematik ganz besonders in den Kindertagesstätten Relevanz hatte, verbunden mit deutlichem wissenschaftlichem Erkenntnisdefizit gerade zu den jüngsten Altersgruppen. So wurde die Notwendigkeit sichtbar, sich zunächst intensiv mit der Frage „Armut im Vorschulalter“ zu befassen: Bundesweit wurden in 60 Tageseinrichtungen für Kinder (KiTa) der AWO Daten zu rund 1.000 im Jahr 1993 geborenen Jungen und Mädchen erhoben. Diese zunächst als einmalige Befragung angelegte Studie wurde aufgrund des hohen Erkenntnisgewinns zu einer Langzeitstudie über kindbezogene Armutsfolgen in Kindheit und Jugend ausgeweitet. Sie umfasst aktuell vier Forschungsschwerpunkte (vgl. Abb. 1): Erststudie „Armut im Vorschulalter“ (1997 bis 2000), Vertiefungsstudie „Armut im frühen Grundschulalter“ (2000 bis 2002), Wiederholungsstudie „Armut bis zum Ende der Grundschulzeit“ (2003 bis 2005) und Wiederholungsstudie „Armut am Ende der Sekundarstufe I“ (2009 bis 2012). Sowohl in der dritten als auch in der vierten Studie konnten jeweils rund 50 % der ehemaligen KiTa-Kinder wieder befragt werden.

Worauf begründet sich die Studie?
Anliegen war und ist es, durch die Forschungsergebnisse eine fundierte empirische Grundlage für das Engagement sozialer Organisationen, besonders der AWO, zu schaffen, mit den Zielen:    fachliche Weiterentwicklung der Praxis Sozialer Arbeit mit (armen) Kindern und Jugendlichen,    Qualifizierung der Verbandsarbeit und    Einflussnahme auf die Fach- und Sozialpolitik.

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Abb. 1: 	 Die bisherige AWO-ISS-Studie im Überblick

Quelle: Eigene Darstellung

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Warum heißt die Studie eigentlich AWO-ISS-Studie?
Der Name weist auf die besondere Projektstruktur hin: Die Forschungsarbeit des ISS-Frankfurt a. M. wurde in Kooperation mit der AWO als Gesamtverband (das heißt Bundesverband, 29 Gliederungen und Bundesjugendwerk) und mit einer klar abgegrenzten Aufgabenteilung zwischen beiden umgesetzt.    Die AWO stellte zum einen ihre Verbandsstrukturen sowie ihre Einrichtungen als Ort und Mittel der Befragung von Fachkräften, Eltern und jungen Menschen zur Verfügung. Zum anderen waren im Weiteren die sozialpädagogischen Fach- und Leitungskräfte der KiTas die Feldforscher/innen der Studie. Über dieses praxisnahe Design gelang es immer wieder, viele Familien selbst nach Jahren erneut zu befragen sowie einen sehr guten Zugang zu den ansonsten in empirischen Studien allgemein als schwer erreichbar geltenden Zielgruppen zu schaffen. Den Feldforscher/innen ist es mit viel Engagement und sehr differenzierten Suchund Befragungsstrategien hervorragend gelungen, immer wieder viele armutsbetroffene und/oder sozial benachteiligte junge Menschen zu befragen. Das lässt erkennen, welche Langzeitwirkung die Beziehung zwischen den KiTas und „ihren“ Kindern beziehungsweise den Eltern hat, und wie sehr andere Einrichtungen in Fragen des Beziehungsaufbaus von den KiTas lernen können. Über die Art und Weise des Einsatzes dieser Feldforscher/innen lieferte die Studie zugleich ein erfolgreiches Erhebungsdesign, um in der Forschung alle sozialen Gruppen zu erreichen.
1 Zu den Gremien siehe Seite 30 ff.

   Das ISS-Frankfurt a. M. entwickelte sowohl das theoretische Konzept als auch das Verfahren und die unterschiedlichen Instrumente, die dem empirischen Erhebungsdesign zugrunde liegen. Es war zudem für die Datenbearbeitung, -auswertung, die umfangreiche Berichtslegung und den vielfältigen Theorie-Praxis-Transfer zuständig.    Ein interdisziplinär besetztes Forschungsteam mit jeweils spezifischen Arbeitsschwerpunkten setzte das Design um. Das Team arbeitete dabei stets mit einem Beraterkreis1 zusammen. Gemeinsam wurde über theoretische, methodische und Auswertungsfragestellungen intensiv beraten und diese wurden dann entsprechend umgesetzt. 	 Genauso waren die Gremien „Steuerungsgruppe“ und „AWO-Ansprechpartner/innen“ und „Fachbeirat“ weitere wichtige Akteure über alle Forschungsphasen hinweg. Sie erfüllten drei Funktionen: die Steuerung des Vorhabens, die inhaltliche Reflexion des Forschungsdesigns und der eingesetzten Instrumente sowie die Diskussion und kritische Bewertung der Ergebnisse. 	 Die Grundstruktur der Gremien wurde stets beibehalten, doch änderte sich die Zusammensetzung orientiert am Fokus der jeweiligen Forschungsphase. So konnte sowohl eine Kontinuität über 15 Jahre hinweg sichergestellt, als auch die Möglichkeit eröffnet werden, auf die komplexen und heterogenen Fragestellungen flexibel und dem Gegenstand angemessen einzugehen.

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Der Forschungsansatz
1.	 Das mehrdimensionale 	 Forschungsverständnis	
Von Beginn an wurde in der AWO-ISS-Studie der Anspruch formuliert, einen erweiterten, kindgerecht(er)en Armutsbegriff zu entwickeln und empirisch umzusetzen. Infolgedessen wurde ein kindbezogenes Armutskonzept formuliert, das nicht nur die materielle Lage des Haushaltes respektive der Familie in den Blick nimmt, sondern auch und vor allem die Lebenssituation des Kindes in seinen zentralen Dimensionen erfasst. Die Leitfrage lautete dabei: Was kommt (unter Armutsbedingungen) beim Kind an2? Um diese Leitfrage beantworten zu können, wurde ein akteurszentrierter Lebenslageansatz im Sinne von Neurath (1931) und Weisser (1956) definiert, der die Situation des jungen Menschen aus seiner Perspektive anhand von Lebenslagen multidimensional erfasst. Die AWO-ISS-Studie geht zwar hauptsächlich, nicht aber ausschließlich vom Lebenslagenansatz aus. Zum einen liegt ihr ein mehrdimensionales Armutsverständnis, das heißt Ressourcen- und Lebenslagenkonzept zur Bestimmung von Armut, zugrunde. Zum anderen werden die individuellen Ressourcen, über die der junge Mensch verfügt, um seine familiäre Armut bewältigen zu können, analysiert. Dazu wurden die Ansätze von Bourdieu (1983) und Coleman (1988), besonders das aktuelle beziehungsweise potentielle Kapital an kulturellen und sozialen Ressourcen der Kinder und Jugendlichen, in den Blick genommen.
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Nicht zuletzt durch diese Ressourcenperspektive und verbunden mit dem Anspruch der Studie, der AWO als freiem Träger von Sozialen Diensten und als jugend- und sozialpolitischem Akteur praktische Hilfen an die Hand zu geben, erfolgte die Verknüpfung mit dem ursprünglich gesundheitswissenschaftlich orientierten, salutogenetischen Konzept von Antonovsky (1997). Hierbei stehen Coping und Resilienz im Fokus. Wie bewältigen Kinder und Jugendliche Armut und was brauchen sie, um Resilienz aufzubauen? Im Rahmen der Langzeitbetrachtung (seit 2003/04) wurden zudem die Lebensverläufe der beteiligten Mädchen und Jungen untersucht. Mit Blick auf die Einordnung der aktuellen Lebenssituation des jungen Menschen in seine bisherige Biografie und seine weitere Entwicklung wurde der Untersuchungsansatz um die an die kind- beziehungsweise jugendspezifischen Entwicklungsphasen angelegte Lebensverlaufsperspektive erweitert. Besonders die Übergänge, als besondere Anforderungen der jeweiligen Altersphase, standen im Fokus, so die Übergänge von der KiTa in die Grundschule, von der Grundschule in die Sekundarstufe I (SEK I) und von der SEK I in die SEK II beziehungsweise in den Beruf. Die Leitfrage lautete hier: Wie gestaltet sich der Lebensverlauf der armen im Vergleich zu den nicht armen jungen Menschen? Welche Perspektiven eröffnen sich wem?

Das heißt: Welche Ressourcen stehen dem Kind bzw. Jugendlichen vor dem Hintergrund familiärer Einkommensarmut zur Verfügung und bilden das materielle, kulturelle, soziale und gesundheitliche Kapital seiner Entwicklung?

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2.	 Das kindbezogene Armutskonzept	
Um Armutsfolgen für Kinder beziehungsweise Jugendliche untersuchen zu können, war zunächst eine Neuformulierung des Armutsbegriffs notwendig, der die spezifischen Rahmenbedingungen, Handlungsmöglichkeiten und -grenzen sowie die altersspezifische Entwicklung in Kindheit und Jugend berücksichtigt. Zu den Grundbedingungen eines „kindgerechten“ , mehrdimensionalen Armutsbegriffes gehören:    Die Definition von Armut muss vom jungen Menschen ausgehen (kind-/jugendzentrierte Sichtweise). Das heißt, die spezielle Lebenssituation der untersuchten Altersgruppe, die jeweils anstehenden Entwicklungen, aber auch die subjektive Wahrnehmung sind zu berücksichtigen.    Gleichzeitig müssen der familiäre Zusammenhang und die Gesamtsituation des Haushaltes bedacht werden, da Kinder und Jugendliche in ihren Lebensbedingungen stark von der Lebenslage der Eltern abhängig sind.    Eine rein auf das (Familien)Einkommen bezogene Armutsdefinition geht jedoch an der Lebenswelt der jungen Menschen vorbei. Daher müssen auch Dimensionen) einbezogen werden, die geeignet sind, etwas über die Entwicklung und Teilhabechancen der betroffenen jungen Menschen auszusagen (z.B. Mitgliedschaft in einem Verein, Nutzung von kind-/jugendspezifischen Angeboten).    Armut von Kindern beziehungsweise Jugendlichen ist trotz dieses mehrdimensionalen Blicks jedoch nicht als Sammelbegriff für benachteiligende Lebenslagen von jungen Menschen zu verwenden. Die materielle Mangellage der Familie – nach definier-

ten Armutsgrenzen – bildet den Ausgangspunkt, um von Armut zu sprechen und deren Folgen anhand der Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen zu untersuchen. Dies erfolgte in einem Vergleich von Kindern beziehungsweise Jugendlichen aus einkommensarmen Familien mit ökonomisch besser gestellten (vgl. Abb. 2). Die Einschätzung der Lebenssituation orientierte sich an vier zentralen Lebenslagedimensionen, das heißt an der (a) materiellen,  (b) sozialen, 	 (c) gesundheitlichen und 	 (d) kulturellen Lage der jungen Menschen. Über eine Reihe von Items wurde ermittelt, ob und inwieweit verhaltens- und verhältnisbezogene Einschränkungen in jeder Dimension vorliegen. Abgebildet wurden so Indikatoren zur Versorgung, zu Kompetenzen, zum Verhalten und zum Wohlbefinden der jungen Menschen. Die Auswahl der jeweiligen Indikatoren erfolgte nach den für die jeweilige Altersphase typischen Ressourcen und Entwicklungsmöglichkeiten. Im Weiteren wurde das Spektrum der vielfältigen, empirisch vorzufindenden Lebenslagen von armen wie nicht armen jungen Menschen in drei Lebenslagetypen zusammengefasst. Diese wurden als „Wohlergehen“ „Benachteiligung“ , und „Multiple Deprivation“ benannt.    Von Wohlergehen wird gesprochen, wenn in Bezug auf die zentralen (Lebenslage)Dimensionen aktuell keine „Auffälligkeiten“ festzustellen sind, das Wohl des Kindes beziehungsweise Jugendlichen also gewährleistet ist und von einer positiven Zukunftsentwicklung ausgegangen werden kann.

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Abb. 2:	 Das kindbezogene Armutskonzept
Vgl. Hock et al. 2000b: 12f.

Lebenslagedimensionen

Haushalt ist arm

Materiell
(Kleidung, Wohnen, Nahrung, Partizipation u.a.)

Sozial
Eltern/ Erwachsene
materiell kulturell sozial

Kind

(soziale Kompetenz, soziale Kontakte u.a.)

Gesundheitlich
(physisch und psychisch)

Was kommt beim Kind an?

Kulturell

(kognitive Entwicklung, Sprache, Bildung, kult. Kompetenzen u.a.)

Lebenslagetyp Kind

Wohlergehen
Vgl. Hock et al. 2000b: 12 f.

Benachteiligung

Multiple Deprivation

   Eine Benachteiligung liegt gemäß Definition dann vor, wenn in ein oder zwei Bereichen aktuell „Auffälligkeiten“ festzustellen sind. Der betroffene junge Mensch kann dann in Bezug auf seine weitere Entwicklung als benachteiligt betrachtet werden.    Von Multipler Deprivation ist die Rede, wenn die Lage des Kindes beziehungsweise Jugendlichen in mindestens drei der vier zentralen Lebens- und Entwicklungsbereiche auffällig ist. Das Kind/der Jugendliche entbehrt dann in mehreren wichtigen Bereichen die notwendigen Ressourcen, die eine positive Entwicklung wahrscheinlich machen.

3.	 Zur Operationalisierung Familiäre Armut
Die 50 %-Armutsgrenze (arithmetisches Mittel, alte OECD-Skala) bildete seit Beginn der AWOISS-Studie die Grundlage zur Einteilung der teilnehmenden Kinder. Dies war damals die gängige europäische und wissenschaftliche Konvention zur Bestimmung der Armutsgrenze, heute liegt diese bei 60 % des bedarfsgewichteten Medianeinkommens und neuere OECD-Skala. In der AWO-ISS-Studie wurde aus Gründen der Kontinuität die 50 %-Grenze weiter fortgeführt.

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Als zweiter Indikator von Armut wurde der Bezug von Sozialtransfers herangezogen. Die Familien, die nach dem relativen Einkommenskonzept als nicht arm gelten, aber Leistungen nach SGB  II (umgangssprachlich „Hartz-IV“), SGB  XII (vor 2005 BSHG) oder Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, wurden ebenfalls der Gruppe der Armen zugeordnet. Die Informationen zum Einkommen wurden 1999 über die Einkommensnachweise der Eltern bei den KiTas ermittelt und in den Folgestudien im Elternfragebogen erhoben.

gende Ressourcen) und dem möglichen Maximum (auf Basis aller gültigen Antworten) prozentual berechnet. 3.	 Berechnung der „Auffälligkeiten“: Das Fehlen von Ressourcen beziehungsweise das Vorhandensein von Risiken wurde als Auffälligkeit gewertet. Es wurden die „Auffälligkeiten“ für jede der genannten Unterdimensionen einer Lebenslage ermittelt. Als „auffällig“ wurde definiert, wer sich im unteren Quintil (untere 20 % = 5. Quintil) der Ressourcenverteilung innerhalb der jeweiligen Unterdimension befindet. Als auffällig gelten demnach 20 % aller befragten Kinder beziehungsweise Jugendlichen mit den wenigsten Ressourcen in einer Unterdimension.

Lebenslagedimensionen
Die (Unter)Dimensionen wurden altersspezifisch operationalisiert und anschließend durch einen Summenindex dargestellt. Anhand von Items, Variablen und Teilindizes wurde in jeder Dimension ermittelt, ob und wenn ja, welche Ressourcen vorhanden sind. Fehlende Ressourcen wurden als Einschränkungen verstanden, die ab einem bestimmten Ausprägungsgrad als „Auffälligkeiten“ gelten.

Bildung der Lebenslagetypen 	 (Indexbildung)
Weiterhin wurde das Spektrum der vielfältigen empirisch vorzufindenden Lebenslagen von armen wie nicht armen jungen Menschen in Form der drei Lebenslagetypen „Wohlergehen“ „Be, nachteiligung“ und „Multiple Deprivation“ zusammengefasst. Zentral für die Typenbildung war die Ermittlung der zuvor beschriebenen „Auffälligkeiten“ Jede . der vier Lebenslagebereiche (materielle, soziale, gesundheitliche und kulturelle Lage) wurde in zwei Unterdimensionen (z. B. die kulturelle Lage in Lern-/Erfahrungsmöglichkeiten und Bildungs-/ Lernkompetenzen) untergliedert. Liegt für eine der beiden Unterdimensionen eine „Auffälligkeit“ vor, dann wird von einem „Negativ“-Bereich gesprochen. Die Indexbildung erfolgt über die Anzahl der „Negativ“-Bereiche.

Auffälligkeiten
Die Ermittlung erfolgte durch drei Schritte: 1.	 Bildung von Indizes für die acht Unterdimensionen der Lebenslagebereiche: Die bei den Kindern respektive Jugendlichen vorzufindenden Merkmale wurden für jede einzelne Unterdimension zu einem Index zusammengefasst. 2.	 Verortung der einzelnen jungen Menschen innerhalb der materiellen, sozialen, gesundheitlichen und kulturellen Lebenslage: Dazu wurde für jeden jungen Menschen die Differenz zwischen den erzielten Punkten (vorlie-

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Vergleichbarkeit des Lebenslagetyps über die Zeit
Für die Beschreibung individueller Verläufe muss die Vergleichbarkeit der gebildeten Lebenslagen gewährleistet sein. Vor allem war das Risiko zu minimieren, dass Veränderungen des Lebenslagetyps das Ergebnis einer veränderten Methodik sind. Deshalb wurde die Vorgehensweise der Indexbildung in allen Studienteilen weitestgehend beibehalten. Die Gefahr eines methodischen Artefakts aufgrund einer gravierend veränderten Stichprobenzusammensetzung wird als gering eingeschätzt: Denkbar wäre, dass das Niveau des Grenzwertes für eine „Auffälligkeit“ steigt, je weniger Arme in der Stichprobe sind. Gegenüber der letzten Befragung 2003/04 hat sich der Anteil der Jugendlichen, die 1999 einkommensarm waren, jedoch nicht wesentlich verändert. Auch die Zusammensetzung hinsichtlich des Lebenslagetyps 1999, nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit, variierte gegenüber der letzten Studie im Jahre 2003/04 nicht gravierend. Eine Panelmortalität mit höheren Ausfällen von Einkommensarmen und multipel Deprivierten in den Untersuchungsjahren 1999 und 2003/04 ist zwar vorhanden, aber nicht signifikant.

mehrfacher Risikofaktoren möglich machen. Das wenige dazu vorhandene Wissen sowie die zu erwartende große Spannbreite an Handlungsweisen erforderte ein exploratives Vorgehen, für das die qualitativen Erhebungen genutzt wurden. Dazu begleitete die AWO-ISS-Studie den Lebensweg von Kindern, die als Sechsjährige in Armut, aber in gänzlich unterschiedlichen Lebenslagen lebten sowie trotz eines gesicherten finanziellen Rahmens mehrfach stark benachteiligt waren. Der Analyse liegen die Erzählungen der Mädchen und Jungen im Alter von acht, zwölf und siebzehn Jahren sowie die Aussagen ihrer Eltern – überwiegend die der Mütter – zugrunde. Durch das offene Vorgehen werden Aspekte erfasst, die die Mädchen und Jungen und ihre Eltern als wichtig erachteten. Sichtbar werden das individuelle Zusammenspiel von Ressourcen, Problemlagen, biografisch auftretenden krisenhaften Ereignissen und den Reaktionen der Familie darauf sowie unterschiedliche Bewältigungswege und deren Konsequenzen. Die Fallanalysen zum Lebensverlauf von fünf jungen Menschen bilden einen einmaligen Fundus an Erkenntnissen zum Aufwachsen unter dem Einfluss von Armut und zum Bewältigungshandeln aus der Sicht der Betroffenen selbst.

Erforschung von Resilienz und 	 Bewältigungshandeln
Neben der Analyse der Lebenssituation und der ungleichen Chancen armer junger Menschen liefert die AWO-ISS-Studie Hinweise, wie ein gelingendes Aufwachsen trotz Armut möglich sein kann. Unter dem Konzept „Resilienz“ werden personale, familiäre und Umweltbedingungen zusammengefasst, die eine gute Entwicklung trotz

Erfassung der Lebensverlaufsperspektive
Sie erfolgte sowohl über quantitative als auch über qualitative Erhebungen (vgl. Abb. 3). Die Längsschnittbetrachtung ermöglicht den Blick auf Veränderungen der Lebenssituation der Kinder beziehungsweise Jugendlichen und des Lebensstandards im Haushalt: Gibt es Hinweise darauf, dass sie dauerhaft in Armut aufgewachsen sind oder handelte es sich um eine Übergangsphase? Hat sich die materielle Situation des Haushalts, in dem der junge Mensch aufwächst, verschlechtert oder verbessert?

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Abb. 3:	 Untersuchungsaspekte der AWO-ISS-Studie im Längsschnitt
Quelle: Eigene Darstellung.	

Situation 1999

Situation 2003/4
Aufstieg = Verbesserung

Situation 2009/10

Analysebereiche  Armut  Lebenslagedimensionen  Lebenslagetypen  Nutzung sozialer Hilfen

Konstanz a) positiv b) negativ

Wie hat sich der Jugendliche entwickelt? Welche Zukunftsprognosen lassen sich treffen?

Abstieg =Verschlechterung
Quelle: Eigene Darstellung

Im Mittelpunkt standen insbesondere die Bildungsverläufe und der Einfluss der Armutserfahrung unter Kontrolle anderer Merkmale, wie z. B. sozialer Ressourcen. Die Betrachtung der Lebenslagetypen des Einzelnen eröffnet den Blick auf Armut als Entwicklungsrisiko und geschieht durch den Vergleich nach Präsenz von frühen Armutserfahrungen sowie den Vergleich der Extremgruppen (d.  h. immer und niemals arme Kinder beziehungsweise Jugendliche). Leitende Fragestellung war hierbei, wie sich die gesamte kindspezifische Lebenslage entwickelt hat: Welche Kinder konnten anfängliche Benachteiligungen zu einem späteren Zeitpunkt ausgleichen? Wer hat Verschlechterungen seiner Ressourcen erlebt? Wo finden sich konstant gute oder schlechte Bedingungen über den gesamten Zeitraum von zehn beziehungsweise elf Jahren? Der Vergleich von potentiell fördernden und schädigenden Bedingungen auf personaler, familiärer und außerfamiliärer Ebene trotz Armut sollte nicht nur im Querschnitt, sondern auch im

Lebensverlauf Hinweise auf mögliche Schutzfaktoren von armen Jungen und Mädchen liefern.				

4.	 Zur Repräsentativität
Die Zahlen der AWO-ISS-Studie sind nicht repräsentativ für Deutschland, da ausschließlich junge Menschen befragt wurden, die ehemals AWO-KiTas besuchten und die Auswahl der Stichprobe im Jahr 1999 bewusst so gezogen wurde, dass der Anteil armer Familien möglichst hoch war. Für den KiTa-Träger AWO ist aufgrund der hohen Befragtenzahl und des hohen Rücklaufes daher eher eine Repräsentativität anzunehmen. Weiterhin kann davon ausgegangen werden, dass die inhaltlichen Ergebnisse über die Auswirkungen und Zusammenhänge von Armut und der Lebenssituation der jungen Menschen übertragbar sind. Dabei ist eher eine Unterschätzung als eine Überschätzung der Armutsfolgen zu vermuten.

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Die Zahlen lassen verallgemeinerbare Tendenzbeschreibungen und Rückschlüsse zu und dienen dazu, blinde Flecken aufzudecken, die in weiterführenden Forschungsarbeiten anhand großer Datensätze vertiefend erforscht werden sollten.

Im Folgenden werden die bisherigen vier Phasen der Studie skizziert und die wichtigsten Befunde dargestellt. Zuletzt werden die Meilensteine der Gesamtstudie mit Blick auf die Handlungsempfehlungen zusammengefasst.

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Die vier Forschungsphasen und zentrale Ergebnisse 	
Im Folgenden werden die bisherigen vier Phasen der Studie skizziert und die wichtigsten Befunde dargestellt. Zuletzt werden die Meilensteine der Gesamtstudie mit Blick auf die Handlungsempfehlungen zusammengefasst.	

1.	 Erststudie: Armut im Vorschulalter (1997 bis 2000)
Die Anfänge der AWO-ISS-Studie bildeten sowohl eine umfassende Literaturanalyse und Literaturdokumentation zum damaligen Forschungsstand über Armut bei Kindern und Jugendlichen als auch eine teilstandardisierte Erhebung von über 2.700 AWO-Einrichtungen. Durch diese war es möglich, mehr über die Arbeit des Verbandes in Bezug auf (arme) Kinder und Jugendliche zu erfahren sowie fundierte Erkenntnisse zur Wahrnehmung von und zum Umgang mit Armut durch Fachkräfte in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe zu gewinnen. Das Augenmerk wurde auf die „Formen und Folgen von Armut bei ausgewählten Gruppen von Kindern und Jugendlichen“ gelegt. Die Leitfadeninterviews mit über 70 Fachkräften verschiedener Einrichtungen aus dem Bereich Kinder-, Jugend- und Familienhilfe der AWO machten deutlich: Ein eindimensionaler, rein materieller Armutsbegriff ist den Fachkräften aus der Praxis Sozialer Arbeit fremd. „Armut“ heißt aus Sicht derer, die Soziale Arbeit und Erziehungsarbeit leisten, zwar auch materielle Unterversorgung, besonders betont werden jedoch emotionale/seelische Defizite sowie Benachteiligungen im kulturellen und sozialen Bereich: Armut bei Kindern und Jugendlichen muss mehrdimensional gesehen werden.

„Armut zeigt sich grundsätzlich mit zwei Gesichtern: materiell und immateriell. Je nachdem mit welchem Hilfeersuchen die Kinder/Eltern an die Beratungsstelle beziehungsweise die Schuldnerberatung herantreten, steht erst einmal die materielle oder immaterielle Armut im Vordergrund. Im weiteren Beratungsverlauf zeigt sich dann aber jeweils die andere Seite.“ (Gesprächsauszug Beratungsstelle im Stadtteil)
Danach folgte 1999 die Erhebung aus Erzieherinnensicht zu rund 1.000 sechsjährigen Kindern in 60 AWO-KiTas, bundesweit verteilt. In zwei Untersuchungsschritten – einer quantitativen und einer qualitativen Erhebung der Familien – wurden Analysen zu den Lebenslagen und den Zukunftschancen von armen Kindern im Vorschulalter und vor dem Wechsel in die Grundschule durchgeführt. Es wurden zugleich Grundzüge einer kindzentrierten Armutsforschung skizziert. Durch die Verknüpfung von Denklinien der Kindheitsforschung und der Armutsforschung gelang eine konzeptionelle Erweiterung in den beiden Bereichen. Wesentliche Erkenntnisse der Studie sind:    Familiäre Armut hat bereits im Vorschulalter bei einem großen Teil der Kinder negative Folgen für die kindliche Lebenssituation (vgl. Tab. 1), Armut ist ein zentrales Entwicklungsrisiko.    Neben Armut beeinflussen weitere Faktoren die kindliche Entwicklung, insbesondere die Zuwendung zum Kind innerhalb der Familie und das Ausmaß gemeinsamer Aktivitäten.

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Tab. 1: 	 Lebenslagen der Sechsjährigen nach Armut – 1999
Anteil der Sechsjährigen mit „Auffälligkeiten“ Lebenslagedimension Arm Materielle Lage 1) Soziale Lage 2) Gesundheitliche Lage 3) Kulturelle Lage4)
1)

Nicht arm 15 % 18 % 20 % 17 %

40 % 36 % 31 % 36 %

n = arm: 200, nicht arm: 588; 2) n = arm: 219, nicht arm: 618; 3) n = arm: 225; nicht arm: 640; 4) n = arm: 223, nicht arm: 614; gerundete Pro-

zentangaben. Quelle: „Armut im Vorschulalter 1999“, eigene Berechnung.

   Es gibt keinen Automatismus zwischen Armut und kindlicher Entwicklung. Aufwachsen unter Armutsbedingungen führt nicht zwangsläufig zu multipler Deprivation.     Für arme Kinder, die im Wohlergehen aufwachsen, erwiesen sich folgende Faktoren als förderlich:		 (a) Deutschkenntnisse mindestens eines Elternteils bei nicht deutschen Eltern, 	 (b) das Freisein von Überschuldung, 	 (c) ausreichender Wohnraum sowie 	 (d) regelmäßige gemeinsame familiäre Aktivitäten.    Soziale Hilfen erhalten die KiTa-Kinder und ihre Eltern durchaus, aber die Passgenauigkeit, also wer welche Unterstützung nutzt beziehungsweise nutzen kann, ist eher gering.    Armut hat ein spezifisches Kindergesicht, dieses lässt sich als kindliche Lebenslage auch empirisch nachweisen.

2.	 Vertiefungsstudie: Armut im frühen Grundschulalter (2000 bis 2002)
Der Ansatz der ersten Studie wurde konsequent fortgesetzt, indem Grundlagenforschung in einem engen Theorie-Praxis-Transfer stattfand, um die neuen Erkenntnisse – basierend auf Praxiswissen – zeitnah und umsetzungsorientiert in den konkreten Arbeitsalltag Sozialer Arbeit rückfließen zu lassen. Forschungsschwerpunkte waren (a) das Bewältigungshandeln der Kinder, (b) mögliche Ressourcen und Kompetenzen sowie (c) Fragen zur Resilienz von Kindern bei Armut. Erhoben wurden durch eine Kinder- und Elternbefragung Daten zu 184 Kindern (etwa 20 % der Erstbefragung) in drei Kontrastgruppen:    Arme Kinder, die trotz familiärer Armut keine offensichtlichen, nachweisbaren Benachteiligungen oder Beeinträchtigungen aufwiesen, weder im materiellen noch im immateriellen Bereich (arm, im Wohlergehen).

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   Arme Kinder, die massive Auffälligkeiten beziehungsweise Beeinträchtigungen in verschiedenen Bereichen aufwiesen (arm, multipel depriviert).    Nicht arme Kinder, die massive Auffälligkeiten beziehungsweise Beeinträchtigungen in verschiedenen Bereichen aufwiesen (nicht arm, multipel depriviert). Herzstück der Vertiefungsstudie war die qualitative Analyse der Lebenssituation der nun achtjährigen Kinder und ihrer Familien anhand von 27 Fallbeispielen. Dabei wurden die Ressourcen sowie Bewältigungskapazitäten (Coping) der Teilnehmenden herausgearbeitet. Es sollten positive Ansatzpunkte für die Arbeit mit armen beziehungsweise multipel deprivierten Kindern und ihren Familien gefunden werden. Damit erfolgte ein grundlegender Paradigmenwechsel von einem traditionellen Ansatz der Kindheitsforschung – mit seiner Orientierung an Risikofaktoren und Belastungen – hin zu einem modern(er)en Verständnis mit der Erforschung von „Schutzfaktoren“ und Bewältigungsmechanismen. Über welche individuellen, sozialen und kulturellen Ressourcen ein Mensch bereits im frühen Kindesalter beziehungsweise im Grundschulalter verfügt und welche Handlungsstrategien respektive welches Bewältigungshandeln von Kindern bei Belastungen entwickelt werden, rückt auch in Deutschland ins Zentrum von Forschung und Praxis. Eine besondere Beachtung muss dabei Kindern in Armut zukommen. Daneben zeigen die Ergebnisse der Kindheits-, Sozialisations- und Familienforschung, dass die familiären und außerfamiliären Ressourcen auf die (früh)kindliche Entwicklung einwirken und eine Vielzahl von intervenierenden Variablen (z.  B. Erziehungsstil, soziale Kompetenz, elterliche Problembewältigungs- und Alltagskompetenz, Rolle der Mutter

und des Vaters, Nutzung von sozialen Einrichtungen) beinhalten, die die Herausbildung der Ressourcen und Kompetenzen des Kindes beeinflussen. Ebenso müssen außerfamiliäre Förderangebote und Sozialisationsinstanzen wie KiTa und Schule als entscheidende Einflussfaktoren betrachtet werden, die durch ihre Arbeitsansätze, die Qualität ihrer Aktivitäten, das Angebotsspektrum usw. die Kinder gezielt fördern und stärken (sollen) und damit Schutzfaktoren für eine positive kindliche Entwicklung sein können. Aus den umfangreichen Fallanalysen ergaben sich folgende zentrale Erkenntnisse:    Frühe und anhaltende familiäre Armut bestimmt wesentlich die Lebenssituation der Mädchen und Jungen und wirkt sich in allen Lebenslagen aus. Besonders deutlich sind die Folgen in der materiellen und kulturellen Lage sichtbar. Auswirkungen sind ebenso in den familiären und sozialen Beziehungen sowie durch Einschränkungen in den Erlebnis- und Erfahrungsräumen gegeben.    Das Ausmaß von Armutsfolgen bei Kindern im frühen Grundschulalter wird zum einen durch die konkreten Belastungen der Familien und das elterliche Bewältigungsverhalten geprägt. Zum anderen wirken vorhandene außerfamiliäre Unterstützungssysteme.    Die Überwindung einer Armutssituation gelingt den Eltern nur, wenn sie über zentrale arbeitsmarktrelevante Ressourcen verfügen, die vor allem in so genannten Multiproblemfamilien meist nicht vorhanden sind.    Komplexe Belastungen der Familien, die die Eltern subjektiv als nicht mehr kontrollierbar oder beeinflussbar erleben und die

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das Gefühl der Überlastung erzeugen, wirken sich negativ auf das Erziehungsverhalten der Eltern und die Förderung der Kinder aus.    Grundschulkinder aus armen Familien neigen eher zu einem problemvermeidenden Bewältigungsverhalten. Die Bewältigungsmuster zeigen bereits geschlechtsspezifische Prägungen.    Das professionelle Hilfesystem weist große Lücken in der Unterstützung und Hilfe für arme und belastete Grundschulkinder respektive deren Familien auf. 	

cen: Die Armutsfolgen fallen jetzt dramatischer aus als am Ende der Kindergartenzeit. Als dominierender Faktor erweist sich die finanzielle Lage der Familie. Insgesamt betrachtet ist zwischen 1999 und 2003/04 eine große Bewegung in beide Richtungen (zu Verbesserung oder Verschlechterung) zu beobachten.    Die Lebenswelt von armen und nicht armen Kindern geht immer weiter auseinander. Für arme Kinder zeigt sich vermehrt ein Verlauf des „Fahrstuhl nach unten“ wäh, rend für nicht arme eher der Verlauf mit einem „Fahrstuhl nach oben“ gilt. Nicht selten haben beide Gruppen im Alltag kaum mehr etwas miteinander zu tun.    Die Entwicklung der Kinder zeigt sich sehr differenziert, es gibt keine Automatismen zwischen familiärer Armut und kindlichen Defiziten, aber enge Verbindungen. Es kann nicht automatisch der Schluss gezogen werden „einmal arm – immer arm“ oder „einmal multipel depriviert – immer multipel depriviert“ Die Lebensentwicklung von . armen Kindern vollzieht sich vielfältiger und komplexer.    Armut ist ein großer und weitreichender Risikofaktor für die kindliche Entwicklung. Arme Kinder verfügen aber auch über Schutzfaktoren (z. B. im Bereich des Wohlbefindens des Kindes, des Bildungshintergrundes der Eltern, des schulischen Umfelds, der Netzwerke und Familienaktivitäten), die – je umfangreicher sie vorhanden sind und genutzt werden können – einen positiven Lebensverlauf mit prägen.

3.	 Wiederholungsstudie: Armut bis zum Ende der Grundschulzeit (2003 bis 2005)
In der Wiederholungsbefragung sollten alle 1999 letztendlich einbezogenen 893 Kinder befragt werden. Davon nahmen 500 erneut in Form einer Kinder- und Elternbefragung teil. Zehn junge Menschen und ihre Eltern standen wieder für die vertiefenden Fallanalysen zur Verfügung. Forschungsschwerpunkte waren (a) die Erfassung der Lebenslage der jetzt Zehnjährigen, (b) der Entwicklungsverlauf aller Kinder bis zum Ende der Grundschule und vor dem Übergang zu den weiterführenden Schulen sowie (c) die Bewältigung der Armutssituation durch Kinder und Eltern. Diese drei Fokusse, in der 1. oder 2. Studie entwickelt, wurden nun zusammen- und fortgeführt. Wesentliche Ergebnisse waren folgende:    Je früher und je länger Kinder unter Armutsbedingungen aufwachsen, desto größer sind die negativen Auswirkungen auf ihren Entwicklungsverlauf und die Zukunftschan-

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   Ein positives Aufwachsen trotz Armut wird gefördert durch folgende Faktoren:	

Keine Armut in der Familie •	 Ausreichendes Einkommen •	 Keine Überschuldung

Individuelle Faktoren •	 Kognitive Fähigkeiten •	 Selbstachtung, Selbstsicherheit, Selbstwirksamkeit •	 Individuelle soziale Kompetenzen Außerfamiliale Faktoren

Innerfamiliale Faktoren

•	 Stabile und gute emotionale Beziehung zu •	 Unterstützung durch Dritte den Eltern in den ersten Jahren (Familie, Freunde, Nachbarschaft) •	 Positives Familienklima •	 Regelmäßige gemeinsame Familienaktivitäten •	 Kindzentrierter Alltag •	 Erholungsräume für Kinder und Eltern •	 Vertraute Institutionen/Fachkräfte, die professionelle Hilfen eröffnen

•	 Möglichkeit zum Erproben, Lernen und zur personalen Entwicklung von Kompetenzen •	 Frühe Eigenverantwortung, aber Eltern als (Vereine, Jugendhilfe) „moralische Instanz“ •	 Früher KiTa-Besuch •	 Problemlösungskompetenz der Eltern •	 Gelingende schulische Integration •	 Gefühl der Eltern, ihre (Armuts)Situation zu bewältigen •	 Schulische Förderung und Erfolge •	 Berufstätigkeit der Eltern •	 Gelingende soziale Integration in Peers

Quelle: Armut im frühen Grundschulalter 2001; Armut im späteren Grundschulalter 2003/04.
   Schutzfaktoren sind zum Beispiel enge emotionale Beziehungen zu mindestens einer Bezugsperson, ein hohes Ausmaß wahrgenommener sozialer Unterstützung, Freundschafts- und Verwandtschaftsnetzwerke sowie das Erleben von Erfolg und Leistung in der Schule und/oder durch soziale Aktivitäten, die Verantwortung und Kreativität fördern.    Die armen Eltern haben ein deutlich geringeres Bildungsniveau, womit größere psychosoziale und materielle Schwierigkeiten verbunden sind, den Kindern eine erfolgreiche Schulkarriere zu ermöglichen. Aber auch bei einem guten Bildungsniveau armer Eltern sind ihre Kinder im Vergleich zu nicht armen Schüler/innen weniger erfolgreich hinsichtlich guter Noten und des gelungenen Übergangs auf weiterführende Schulen. Bei gleich gutem Bildungsniveau der Mutter (das heißt mindestens Realschulabschluss) sind die Chancen nicht armer Kinder mehr als viermal höher als die Chancen armer Kinder, auf ein Gymnasium zu kommen. Bei gleich schlechtem Bildungsniveau der Mutter (das heißt maximal Hauptschulabschluss) sind die Chancen nicht armer Kinder mehr als doppelt so gut.

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   Über die Hälfte der armen Familien hat keines der abgefragten Angebote von Sozialen Diensten genutzt. Selbst im Falle sichtbarer multipler Deprivationserscheinungen der Kinder erhalten etwa nur 60 % von ihnen unterstützende Angebote. Die kindbezogenen Hilfen kommen dann am besten bei den armen Kindern an, wenn sie auf die schulischen Belange, wie zum Beispiel Hausaufgabenhilfe, ausgerichtet sind. Alle Aussagen der qualitativen Analyse weisen in eine Richtung: Konkrete soziale Hilfen im Einzelfall sind schwer zu bekommen, haben kürzere Laufzeiten und werden oft weniger intensiv gestaltet. Vor allem KiTas aber auch Schulen bemühen sich, die vorhandenen Defizite auszugleichen, können in der Regel jedoch weder auf geeignete Unterstützungsstrukturen, ausreichende finanzielle Rahmenbedingungen, noch auf ein entsprechendes Normensystem zurückgreifen, um den Bedarf selbst oder mit Kooperationspartnern zu decken.		

beruflichen Ausbildung oder in den Beruf, (c) jugendspezifische Fragestellungen mit Blick auf die Bewältigung der mittleren Jugend und (d) die Bewältigung der Armutssituation durch Jugendliche und Eltern. Neben den Analysen hinsichtlich Armut wurden spezifische Gruppenvergleiche zwischen armen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund, armen Jungen und Mädchen sowie Jugendlichen in SGB-II-Haushalten und „nur“ einkommensarmen Familien ohne SGB-II-Bezug vorgenommen. Der Entwicklungsverlauf über zehn Jahre hinweg vom KiTa-Alter bis zur mittleren Jugend wurde nicht nur mit Blick auf die Armutsbetroffenheit und Lebenslagen, sondern auch in Bezug auf den Schulverlauf und auf ein Aufwachsen der jungen Menschen zwischen „Wohlergehen“ und „Multipler Deprivation“ betrachtet. Neben den Datenanalysen skizzieren Fallbeschreibungen den Lebensweg von fünf jungen Menschen. Durch die Berichte dieser Jugendlichen wird deutlich, welche komplexen Zusammenhänge Armut hat und welche Risikofaktoren wirken, aber vor allem auch, welche Schutzfaktoren bestehen. Im Rahmen dieser Studienphase wurden weiterhin zwei Expertisen erstellt, die während der Projektarbeit entwickelte Fragestellungen vertiefend aufgreifen. Zum einen wurden die Datensätze der Erhebungen 1999 und 2003/04 in Bezug auf einen möglichen Zusammenhang von „Armut und Familienform“ ausgewertet (vgl. Wüstendörfer 2011). Zum anderen wurde der Frage nach „Gestaltungsansätzen der Jugendhilfe zur Bildungsförderung armer Jugendlicher im Übergang Schule-Beruf“ nachgegangen (vgl. Brülle et al. 2011).

4.	 Wiederholungsstudie: Armut am Ende der Sekundarstufe I 	 (2009 bis 2012)
Bei der bisher letzten Untersuchung handelt es sich um eine weitere Wiederholungsbefragung der 1999 letztendlich einbezogenen 893 Kinder und deren Eltern. Daran nahmen nun 449 wieder teil. Zusätzlich gelang es, alle zehn jungen Menschen aus den Fallbeispielen erneut zu interviewen, ebenso ihre Eltern. Forschungsthemen waren: (a) die Erfassung der Lebenslage der jetzt 16-/17-Jährigen, (b) der Entwicklungsverlauf aller Jugendlichen seit dem Kindergartenalter und bis zum Ende der Sekundarstufe I und vor dem Übergang zur

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Abb. 4: 	 Lebenslagetypen der 16-/17-Jährigen und aktuelle Armut – 2009/10
51% 44% 37% 39%

19% 11%

Arme Jugendiche Wohlergehen Benachteiligung

Nicht arme Jugendliche Multiple Deprivation

n = 416; nicht arme Jugendliche: 308; arme Jugendliche: 108.	 Quelle: AWO-ISS-Kinderarmutspanel 2009/10, eigene Berechnung.

Wesentliche Ergebnisse des bisher letzten Forschungsprojektes waren:    Armut wirkt komplex auf das Leben der 16-/17-Jährigen, aber die stärksten Effekte finden sich nun in Bezug auf ihre materielle und kulturelle Lage.    Die gesamte Lebenssituation armer Jugendlicher zeichnet sich deutlich seltener durch „Wohlergehen“ und wesentlich häufiger durch „Multiple Deprivation“ (vgl. Abb. 4) aus.    Arme Jugendliche mit Migrationshintergrund sind häufiger im Typ „Wohlergehen“ und seltener im Typ „Multiple Deprivation“ zu finden als arme Deutsche: Sie können häufiger sparen, ihre Wohnumgebung ist besser, sie rauchen und trinken regelmäßig weniger, haben weniger Unfälle und Krankheiten, treiben mehr Sport, sind subjektiv zufriedener mit ihrer Gesundheit, stre-

ben einen höheren Bildungsabschluss an und sie besuchen häufiger Gymnasien oder Gesamtschulen. 		 Dies mag erstaunen: Generell stellt ein „Migrationshinweis“ einen strukturellen Risikofaktor mit weitreichenden sozial benachteiligenden Folgen dar. 	 Alle Erhebungen der AWO-ISS-Studie belegen aber, dass die ökonomische Lage und nicht der kulturelle Hinweis entscheidend für die kindliche Lebenslage und den Lebensverlauf sind. Mit der vierten Studie wird nun zusätzlich ein Hinweis gegeben, noch differenzierter – nämlich innerhalb der armutsbetroffenen Gruppe – zu schauen, um bestehenden Stereotypen und Vorurteilen entgegenzuwirken.    Die Jugendlichen sind in einer Entwicklungsphase, in der Berufs- und Familienorientierung wichtig sind und sie wollen beides.	

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Abb. 5: 	 Armutsbetroffenheit als 6- und 16-/17-Jährige – Vergleich 1999 und 2009/10

82% 1999 Nicht arm: 77%

18%

43%

1999 Arm: 23%

57%

2009/10 Arm
n = 404 (nur Befragte mit gültigen Angaben für 1999 und 2009/10). 	 Quelle: AWO-ISS-Kinderarmutspanel 2009/10, eigene Berechnung.

2009/10 Nicht arm

   Die eigene Familie ist im Leben der 16-/17-Jährigen weiter wichtig und die Eltern – besonders die Mütter – sind als Berater/innen und bei der Suche nach dem richtigen Beruf von herausragender Bedeutung.    Wie schon in der dritten Studie angedeutet, gilt die Aussage „einmal arm – immer arm“ nicht. 43 % der 1999 armen Familien gelang bis 2009/10 der Ausstieg aus der Armut, aber 57 % nicht (vgl. Abb. 5).    Jedes zweite ehemals arme KiTa-Kind (51 %) ist bis 2009/10 dauerhaft in Armut aufgewachsen. Umgekehrt hat die große Mehrheit der 1999 ehemals nicht armen Kinder (78 %) danach keine Armut erfahren    Je länger ein junger Mensch in Armut aufwächst, desto geringer ist seine Chance für ein „Wohlergehen“ und desto größer das Risiko der „Multiplen Deprivation“ Arme .

Kinder sind zehn Jahre später dreimal so oft multipel depriviert (arm: 30 % vs. nicht arm: 12 %) (vgl. Abb. 6).    Die Bildungsbiografien und -ergebnisse unterscheiden sich deutlich nach Armut: Arme Jugendliche erreichen nicht nur am häufigsten allenfalls ein niedriges Bildungsniveau, sie haben auch im Verlauf ihrer Schulzeit häufiger und mehrfach Brüche, Umwege und Wiederholungen erlebt.    Erstaunlich ist die Prognosekraft der frühen Armut auf den späteren Schulerfolg. Arme Kinder schließen als 16-/17-Jährige die Schule häufiger ohne Abschluss oder mit einem Förder- beziehungsweise Hauptschulabschluss/ -besuch ab (arm: 41 % vs. nicht arm 27 %). Auf dem Weg zum (Fach) Abitur sind 27 % der Armen und 46 % der nicht Armen. Noch deutlicher werden die Zusammenhänge zwischen dem aktuellen Lebenslagetyp und dem Bildungsniveau:

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Abb. 6: 	 Armutsbetroffenheit als 6-Jährige und Lebenslagetyp als 16-/17-Jährige – 	 		 1999 und 2009/10

12% 49%

1999 Nicht arm: 77%

39%

30%

52% 1999 Arm: 23%

18%

Wohlergehen 2009/10

Benachteiligung 2009/10

Multiple Deprivation 2009/10

n = 404 (nur Befragte mit gültigen Antworten 1999 und 2009/10).	 Quelle: AWO-ISS-Kinderarmutspanel 2009/10, eigene Berechnung.

Jugendliche im „Wohlergehen“ finden sich kaum in Förder-/Hauptschulen, während sich hier Jugendliche in „Multipler Deprivation“ konzentrieren.    In den Entwicklungsverläufen der jungen Menschen deuten sich einige Schutzfaktoren an, die zum einen auf die Stärkung persönlicher Kompetenzen und zum anderen auf ihr Eingebunden sein in ein breites und zuverlässiges Netz abzielen. Eine herausragende Rolle haben Eltern beziehungsweise die Familie, aber auch außerfamiliäre Ansprechpartner/innen sind von Bedeutung.

   Die sozialen Dienste/Hilfen werden von der Gruppe der armen beziehungsweise multipel deprivierten 16-/17-Jährigen und ihren Familien nun häufiger genutzt als von anderen Gruppen. Auch haben fast alle Armutsbetroffenen im Laufe der letzten zehn Jahre mindestens eine Hilfe in Anspruch genommen. Auffallend – vor allem bei den am stärksten belasteten Gruppen – ist erneut die begrenzte Passgenauigkeit sowie herausragend das Muster einer punktuellen und zeitlich begrenzten statt einer kontinuierlichen Unterstützung.

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5.	 Handlungsempfehlungen der Studie
Die Studien zeigen zusammengenommen ein detailliertes Bild der Lebenssituation von armen und nicht armen Sechsjährigen und deren Entwicklung an den wichtigen Übergängen bis hin zum mittleren Jugendalter. Neben dem Fokus auf die Armutssituation und den kindbezogenen Folgen familiärer Armut ziehen sich die Themenschwerpunkte materielle Grundversorgung, Bildungskarriere, Schutzfaktoren sowie Soziale Hilfen durch alle Phasen hindurch. Ein wichtiges Anliegen der AWO-ISS-Studie war es stets, aus den neuen Erkenntnissen und der

Aufdeckung blinder Flecken Hinweise auf gesellschaftliches Handeln zu liefern. So wurden in allen Phasen Handlungsempfehlungen für Praxis, Politik und Wissenschaft erstellt. Diese Empfehlungen – manche wurden schon vor zwölf Jahren erstmals formuliert – sind noch heute hoch aktuell, wenngleich Schritte in die richtige Richtung getan wurden. Bereits nach der ersten Studienphase wurden im Jahr 2000 folgende Empfehlungen ausgesprochen:

xx Armutsprävention ist eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe.

Handlungsempfehlungen 2000

xx Es besteht die Notwendigkeit einer Qualifizierung und Sensibilisierung der Fachkräfte zur Armutsthematik sowie eine Vernetzung auf vertikaler und horizontaler Ebene. xx Die Weiterentwicklung und Verstärkung von Angeboten der Eltern- und Familienbildung ist erforderlich. xx Eine Verbesserung von Strukturen, wie der rechtlichen Situation der Kinder von Asylsuchenden, der Einkommenssituation von Kindern und Familien, der Arbeitsmarktpolitik und beruflicher Hilfeplanung, die Verbesserung und der Ausbau außerhäuslicher Betreuungsangebote, der Ausbau und die kostenlose Teilhabe an Freizeit- und kulturellen Angeboten, ist durchzusetzen. xx Es besteht die Notwendigkeit, auch in der Sozialberichterstattung gezielt darüber zu informieren, inwieweit durch vorhandene Maßnahmen Armut von Kindern und Jugendlichen überwunden werden kann.

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Mit dem Fokus auf Schutzfaktoren und auf die Schule als fortan wichtigem Lern- und Erfahrungsort der jungen Menschen wurden in den folgenden Studien 2003/04 und 2009/10 noch weiterführende Empfehlungen formuliert:

xx Es ist an den Ressourcen der Kinder und ihren Familien anzusetzen. xx Der Aufbau von Präventionsketten muss gefördert werden, wonach ab der Schwangerschaft bis zum Übergang in den Beruf eine bedürfnisgerechte Begleitung und Unterstützung von Kindern und Eltern umzusetzen ist. xx Dabei ist eine systematische Vernetzung verschiedener Akteure, zum Beispiel der Kinder- und Jugendhilfe, der Familienhilfe und -bildung, der Schule, der Gesundheitsdienste sowie privater und öffentlicher Anbieter von zentraler Bedeutung. xx Weiterhin wurde die Bildungspolitik mit Eintritt in die Grundschule ein wichtiges Thema. Besonders im Bildungsbereich muss die Armutssensibilität verstärkt werden und eine Umorientierung der bisher mittelschichtsorientierten Bildungsdiskussion hin zu passgenauer Förderung von sozial benachteiligten und armen Kindern erfolgen. xx Der Ausbau von ganztägigen Betreuungsangeboten und Ganztagsschulen ist fortzusetzen. xx Die Sicherung und Förderung der Erwerbstätigkeit beider Eltern, die flächendeckende Einführung von Mindestlöhnen sowie eine bedarfsgerechte Kindergrundsicherung sind mögliche Lösungswege.

Handlungsempfehlungen 2003/04 und 2009/10

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Wird ein Gesamtfazit gezogen, dann muss heute konstatiert werden: Umfang und Folgen von Armut in Kindheit und Jugend werden nachwievor öffentlich und politisch unterschätzt.    Es sind zum einen dringend gesellschaftliche Rahmensetzungen erforderlich, die die finanzielle Situation von armen Familien verbessern. Dazu zählen arbeitsmarkt-, sozialversicherungs-, steuerrechtliche und familienpolitische Verbesserungen. 	 Ebenso gehört dazu eine systematische Unterstützung, Entlastung und Qualifizierung der Eltern, egal ob arm oder nicht arm. Sie sind für ihr Kind existenziell wichtig als emotionaler Rückhalt, als Vorbild, als lebenspraktische Förder(er)/in und Begleiter/in, egal ob es sechs, acht, zehn oder 17 Jahre alt ist. Eltern wollen das Beste für ihr Kind, ob ihnen das immer möglich ist, darüber entscheidet nicht zuletzt auch ihr Einkommen. Die AWO-ISS-Studie weist aber zudem auf eine geschlechtsspezifische elterliche Rollenverteilung und eine damit verbundene ungleiche Verantwortungsübernahme zu Lasten der Mütter hin. Das gilt ganz besonders für die am stärksten belasteten Gruppen, die armen und multipel deprivierten Kinder.    Es sind zum anderen dringend gesellschaftliche Rahmensetzungen erforderlich, die direkt auf die Situation junger Menschen einwirken. Dazu zählt zunächst, die kindlichen Entwicklungsbedürfnisse ernst zu nehmen und die Rechte von Kindern und Jugendlichen zu sichern. Was sie umfassen, gibt die UN-Kinderrechtskonvention vor. Dies muss Messlatte für eine eigene kind-/ jugendbezogene Infrastrukturentwicklung durch Bund, Länder und Kommunen sein. Dazu zählt eine Neuausrichtung des Bil-

dungssystems mit dem Anspruch sozialer Inklusion statt systematischer Selektion nach sozio-ökonomischer Lage und Bildungsherkunft, ebenso wie der Ausbau und die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe. Sie ist Interessensvertretung und Unterstützungsangebot für alle jungen Menschen und deren Familien. Armutsprävention hat das Ziel der Vermeidung der durch die Studie so eindrücklich dargelegten (Langzeit)Folgen familiärer Armut. Dabei müssen individuelle Förderung (also verhaltensbezogene Ansätze) und strukturelle Prävention (also verhältnisbezogene Ansätze) gleichwertige Teile eines in sich stimmigen Konzeptes sein. Ganz besonders gefordert sind hier die Kommunen, da sie der Lebensort von Kindern sind, aber genauso die Träger, Einrichtungen und Fachkräfte. Sie sind es, die noch viel stärker als bisher armutssensible und präventionsorientierte Angebote gestalten müssen, die passgenau die Entwicklungs- und Lebensbedarfe vor allem der armen und/oder sozial benachteiligten jungen Menschen aufgreifen und ihnen damit zugleich Chancen der Teilhabe sichern.

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15 Jahre AWO-ISS-Studie im Überblick

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Zwei (ehemals) arme KiTa-Kinder und ihre Lebensgeschichten
Die Darstellung der Biografien von Jeanette und Max geben tiefe Einblicke in die Unterschiedlichkeit von Entwicklungswegen, die in Armut ihren Ausgang nahmen. Zugleich führen sie und ihre Mütter uns mit ihren eigenen Worten vor Augen, wie sich Armut äußert und was hinter den abstrakten Lebenslagetypen „Wohlergehen“ „Benachteiligung“ und „Multiple Depriva, tion“ steht. lich Versorgung und Kleidung. Gleichwohl ist in der KiTa wenig über die familiären Verhältnisse bekannt. Das Jugendamt wird früh vorstellig und übernimmt schließlich das Sorgerecht. Eine Familienhilfe unterstützt zeitweilig die Mutter, der Bruder erhält psychologische Betreuung, Jeanette erfährt allerdings keine Unterstützung. Jeanette wird verspätet eingeschult, hat Lernschwierigkeiten und spürt die Ausgrenzung der anderen Kinder, die sie hänseln. Liebe, das bedeutet für Jeanette als Achtjährige, Süßigkeiten oder Cornflakes vom Vater zu bekommen. Freunde hat sie keine. Im Alter von zehn Jahren kommt Jeanette zur Pflege zu ihrer Großmutter, die materiellen Umstände verbessern sich und die Großeltern geben ihrem Alltag erstmals Struktur und trainieren Kompetenzen. Sie geht nun zur Förderschule und erlebt dort erste Erfolge. Andere Unterstützung von außen erfährt sie weiterhin nicht. Diese kurze Periode der Verbesserung und Stabilisierung endet abrupt. Jeanette berichtet über einen Missbrauch innerhalb der Familie. Die polizeilichen Ermittlungen werden ohne Verdachtserhärtung abgeschlossen. Die gesamte Familie schiebt die Schuld auf Jeanette und durch den Beziehungsabbruch der Großmutter verliert sie den gerade erst aufgebauten Halt wieder. Die folgenden Jahre werden für die 14-Jährige zur Odyssee, die sie in eigenen Worten knapp beschreibt:

Jeanette: Von der misshandelten Sechsjährigen über die pubertierende „Trebegängerin“ zur haltsuchenden 17-Jährigen
Jeanette wird in schwierige Familienverhältnisse geboren. Ihre Mutter hat mit 18 geheiratet, im Alter von 22 Jahren bekommt sie Jeanette als ihr zweites Kind. Die Ehe der Eltern ist geprägt von Gewalt, auch gegenüber den Kindern, finanzieller Knappheit und starker Kontrolle durch den Vater. Auch die Bindung zwischen Mutter und Kind gelingt nicht gut. Der Mutter fällt es schwer, die Bedürfnisse ihres Kindes wahrzunehmen. Entsprechend ist selbst die Grundversorgung – z. B. ist die Ernährung des Säuglings – nicht gewährleistet. Jeanette erlebt Vernachlässigung und Gewalt von Anfang an. Nach der Trennung der Eltern holt Jeanettes Mutter exzessiv ihre eigene Jugend nach, die Kinder bleiben auf der Strecke. In der KiTa ist Jeanette deutlich entwicklungsauffällig, auch ihr Bindungshunger ist offensichtlich, ebenso wie die Vernachlässigung hinsicht-

„Ja wir hatten Stress, hm. Und dann bin ich abgehauen in so ein Mädchenheim, dann zu meinem Papa für einen Monat, dann zu meiner Mutter, dann wieder im Mädchenheim, in der Notaufnahme

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und überall, dann im Gewahrsam, dann ins Heim, geschlossene Heim, dann weit weg in eine Mädchen-WG, da abgehauen, danach noch zu meinem Ex-Freund, dann wieder hierher und dann hier zu dem Deutschen, dann war ich mit dem weitere zweieinhalb Jahre zusammen.“
Zeitweilig lebt sie auf der Straße, wird polizeilich gesucht und landet durch Partner im kriminellen Drogenmilieu. Die Schule besucht sie zwei Jahre lang nicht. Als 17-Jährige lebt sie in einer betreuten Wohngruppe und absolviert mit Mühe und Not ein Grundbildungsjahr. Die meiste Zeit verbringt sie mit ihrem Verlobten, den sie vor wenigen Wochen auf der Straße kennengelernt hat. Freunde hat sie bis heute nicht gefunden. Sie erträumt sich ein glückliches Leben in einer großen Villa mit viel Geld und Freunden als Mittelpunkt der südamerikanischen Großfamilie ihres „Mannes“ und mit eigenen Kindern. Ihrer eigenen Familie räumt sie dabei keinen Platz ein, dennoch sucht sie weiterhin immer wieder einseitig den Kontakt zu ihrer Mutter. Diese sieht die Zukunft ihrer Tochter ganz anders:

Max: Vom offenen Sechsjährigen über den erfolgreichen Schüler zum selbstbestimmten 17-Jährigen

Als Max 1993 geboren wird, hat seine Mutter mit 21 Jahren ihre Ausbildung als Hotelfachfrau beendet. Im Alter von zwei Jahren trennen sich seine Eltern und seine nun alleinerziehende Mutter kann aufgrund fehlender Krippenplätze nicht berufstätig werden. So muss sie trotz Unterstützung durch ihre Eltern für zwei Jahre Sozialhilfe und Wohngeld beziehen, was sie als diskriminierend erlebt. In den folgenden Jahren übt sie in Teilzeit zahlreiche Jobs aus und schließt zudem zwei weitere selbstfinanzierte Ausbildungen als Fußpflegerin und Kosmetikerin ab. Mit drei Jahren besucht Max die KiTa, wo er als aufgewecktes, neugieriges und sozial sehr gut integriertes Kind beschrieben wird. Max wird regulär eingeschult und zeigt keine größeren Übergangsschwierigkeiten, nicht zuletzt weil seine Kindergartenfreunde mit ihm zusammen eingeschult werden. In der Schule fühlt er sich wohl und erbringt gute Leistungen, von denen er auch selbst überzeugt ist. Auch in seiner Familie fühlt Max sich sehr wohl, er ist sich sicher, dass Mama, Papa und die Großeltern ihn lieben und er beschreibt ein liebesvolles und Grenzen setzendes Erziehungsverhalten. Sein soziales Netz ist sehr groß, neben den vielen Aktivitäten mit seiner Mutter und den Großeltern hat er viele Freundschaften im Wohnumfeld, in der Schule und am neuen Wohnort seines Vaters. Auch andere Erwachsene wie Freundinnen der Mutter und die Stiefmutter sind ihm wichtig. Daneben ist sein Erlebnisraum vielfältig: Er ist Mitglied in Vereinen, spielt in der Theatergruppe mit, besucht Gruppenstunden der Kir-

„Kein Schulabschluss, Sozialhilfeempfängerin, dann ist sie – genau so war das – Drogensüchtige, geht anschaffen, dann ist sie schwanger, willkommen Sozialhilfeempfänger. So habe ich das zu der Frau vom Jugendamt gesagt. Meinte die, malen Sie bloß nicht den Teufel an die Wand. Meinte ich, wie bitte? Ich meine, das ist doch so, das steht doch schon auf ihrer Stirn geschrieben. (...) Also ich sehe keine Chance mehr drin, muss ich ganz ehrlich sagen. Und das weiß Jeanette auch, dass ich so denke.“

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chengemeinde und ist, wie seine Mutter, gerne sportlich aktiv. Am Ende der Grundschulzeit ist seiner Mutter aufgrund der kontinuierlich ausgeweiteten Selbstständigkeit und Teilzeitbeschäftigungen der Aufstieg aus Armut gelungen. Professionelle Unterstützung wird zielgerichtet genutzt. Neben dem Hort nimmt die Mutter bei Schwierigkeiten und Unklarheiten Beratungsangebote in Anspruch. Ihren neuen Lebensgefährten, mit dem sie eine Fernbeziehung hat, führt die Mutter behutsam in ihre kleine Familie ein. Max versteht sich sehr gut mit ihm. Sein leiblicher Vater spielt trotz der Trennung weiterhin eine wichtige Rolle, Max besucht ihn regelmäßig. Max erhält eine Gymnasialempfehlung und seine Mutter sucht das Gymnasium gezielt aus. Nach Abschluss der 8. Klasse ziehen beide in eine andere Stadt um, denn die Mutter hat ihren neuen Lebensgefährten geheiratet. Diese Umstellung wird wiederum für Max behutsam gestaltet und der Zeitplan richtet sich nach seinen Bedürfnissen. Seine Familiensituation wird erweitert: Die regelmäßigen Kontakte und Besuche beim Vater und den Großeltern werden beibehalten, in der neuen Familie fühlt er sich vom Stiefvater und den Stiefgroßeltern gut aufgenommen. Zwei Halbschwestern werden geboren. Auch in der neuen Familiensituation wird von den Eltern großer Wert auf ein geregeltes Familienleben mit vielen gemeinsamen Unternehmungen und strukturiertem Tagesablauf gelegt. Die finanziellen Verhältnisse haben sich durch die erfolgreiche Selbstständigkeit von Stiefvater und Mutter entscheidend verbessert. Max gelingt es am neuen Wohnort schnell, in der Schule und in Vereinen ein Freundesnetz aufzubauen. Er jobbt nebenher, oft vermittelt durch Familie und Verwandtschaft, und freut sich, so Ausflüge und besondere Aktivitäten mit seiner Freundin finanzieren zu können.

Schwieriger gestaltet sich hingegen der durch den Umzug notwendig gewordene Schulwechsel, denn Max hat Probleme mit seinem neuen Klassenlehrer, die sich auch auf seine Leistungen auswirken. Er denkt über einen Schulwechsel nach. Nach gezielter Informationssuche und Gesprächen mit seinen Eltern entscheidet er sich, in der 11. Klasse auf ein Berufskolleg mit Schwerpunkt Freizeitsport zu wechseln, was seinen Interessen sehr entspricht. Nach drei Jahren möchte er dort das Abitur machen. Genaue Vorstellungen, was er danach machen möchte, hat er noch nicht. Er überlegt, Sportlehrer zu werden und sammelt erste praktische pädagogische Erfahrungen als Jugendbetreuer. Für die Zukunft denkt Max über einen längeren Auslandsaufenthalt und ein Studium nach, für Entscheidungen braucht er jedoch noch Zeit und Orientierung. Seine Mutter ist gerne bereit, ihm auch eine längere Orientierungsphase nach Schulabschluss zu finanzieren. Die Entscheidung, ob er später eine eigene Familie gründen will, liegt für ihn noch in weiter Zukunft und beschäftigt ihn aktuell nicht. Beide Geschichten bieten viele Beispiele für vertane oder genutzte Möglichkeiten einer kindbezogenen Armutsprävention in Form existenzieller Absicherung, emotionalen Halts, sowie von Unterstützung, Förderung und verlässlicher Begleitung. All das erfordert eine gemeinsame Verantwortung von Eltern und Gesellschaft, jeweils mit ganz eigenen Aufgaben aber immer gut aufeinander abgestimmt. Darauf basiert die Zukunft der Kinder, aber genauso unserer Gesellschaft.

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15 Jahre AWO-ISS-Studie im Überblick

Die Studie – Viele haben sich engagiert
Es waren viele, die sich engagiert haben und in ganz unterschiedlicher Weise eingebunden waren. So sind nachfolgend alle Aktiven aufgeführt; einige waren es während einer Phase und viele über die gesamte Zeit. Die Namen sind chronologisch geordnet und unabhängig von der Dauer ihrer Beteiligung einmal genannt.3 Damit verbunden ist der herzliche Dank an alle. Der ganz besondere Dank aber gilt den jungen Menschen und ihren Familien, die Antworten auf unsere Fragen gegeben haben. Sie bleiben anonym, aber ganz sicher nicht unerwähnt.

AWO-Auftraggeber
Rainer Brückers, Wolfgang Stadler und die jeweiligen Geschäftsführer/innen der 29 Bezirks-/Landesverbände und des Bundesjugendwerkes

AWO-KiTas sortiert nach AWO-Gliederung
Berlin Brandenburg Berlin: Kindertagesstätte Sonnenblume Bernau: Kindertagesstätte Regenbogen Fürstenwalde: Kindertagesstätte Anne Frank Premnitz: Kindertagesstätte Waldhaus Bremen: Kindertagesheim Blexer Straße Hamburg: Kindertagesheim Tigerente Hamburg: Kindertagesheim Chi-Kita Hamburg: Kindertagesheim Brunnenhof Hamburg: Kindertagesheim Kielkoppelstraße Schwerin: Kindertagesstätte Igelkinder Saarbrücken: Kinderhaus Dudweiler Laubusch: Kindertagesstätte Brüderchen und Schwesterchen Mittweida: Kindertagesstätte Regenbogen Regis-Breitingen: Kindertagesstätte Regis-Breitingen Schönebeck: Kindertageseinrichtung Knirpsenland Wolfen: Kindertagesstätte Spatzennest Lübeck: Kindertagesstätte Schatzinsel Wedel: Kindertagesstätte Hanna Lucas Kiel: Kinderhaus Kiel Bad Frankenhausen: Kindertagesstätte Bad Frankenhausen Bad Tennstedt: Haus Sonnenschein Mittelsömmern: Haus Kinderland am Horn Weimar: Kindertagesstätte Sonnenschein

Bremen Hamburg

Landesverband
3

Mecklenburg-Vorpommern Saarland Sachsen

Sachsen-Anhalt Schleswig Holstein

Thüringen

Sollte jemand aus Versehen und trotz sorgfältiger Prüfung nicht genannt sein, bitten wir um Entschuldigung.

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AWO-KiTas sortiert nach AWO-Gliederung
Baden Braunschweig Hannover Freiburg-Weingarten: Kindertagesstätte, Krozinger Straße Mannheim: Kinderhaus Parseval (Trägerwechsel) Braunschweig: Kindertagesstätte, Ilmenaustraße Hannover: Kindertagesstätte, Elmstraße Lüneburg: Kindergarten/Kindertagesstätte, Julius-Wolff-Straße Nordstemmen: Kindergarten/Kindertagesstätte, Astrid-Lindgren-Weg Kassel: Kindertagesstätte Globus (Trägerwechsel) Langen: Kindertagesstätte (Trägerwechsel) Bergneustadt: Kindergarten, Zum Dreiort Düren: Kinderhort, Wittenauer Straße Geilenkirchen: Kindergarten, Herzog-Wilhelm-Straße Strempt: Kindergarten, Geranienstraße Altenstadt: Kindergarten, Kapuzinerstraße Dinslaken: Kindergarten, Teerstraße Düsseldorf: Kindertagesstätte Wackelzahn Essen: Kindertagesstätte, Germaniastraße Helmbrechts: Kindergarten, Volkerstraße Nürnberg: Martin-Bächer-Kinderhaus Kinderkrippe München: Betriebskindergarten der LVA Oberbayern Detmold: Kindertagesstätte Detmold Herford: Kindertagesstätte Herford Paderborn: Kindercentrum Riemekepark Neu-Ulm: Kindergarten Villa Kunterbunt Kitzingen: Kindergarten Sonnenschein Delmenhorst: Kindergarten, Stedinger Straße Bergkamen: Kindertagesstätte Rabennest/Springmäuse Bochum: Kindergarten, Akademiestraße Datteln: Kindergarten, Glückaufstraße Dortmund: Kindergarten, Von-der-Berken-Straße Hamm: Kindertagesstätte, Bänklerweg Iserlohn: Kindergarten, An der Wiemer Münster: Spielstube Coerde Siegen-Langenholdinghausen: Kindertagesstätte Am Westhang Soest: Kindertagesstätte Bunte Welt Warendorf: Kindertagesstätte, Reichenbacher Straße Westerkappeln: Kindergarten Am Königsteich Aalen: Kindertagheim, Hopfenstraße

Hessen-Nord Hessen-Süd Mittelrhein

Niederbayern/Oberpfalz Niederrhein

Bezirksverband

Ober-/Mittelfranken Oberbayern Ostwestfalen-Lippe

Schwaben Unterfranken Weser-Ems Westliches Westfalen

Württemberg

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AWO-Ansprechpartner/innen in den 29 Bezirks-/Landesverbänden und im Bundesjugendwerk
Niederrhein: Alexander Elbers, Michael Schöttle Ober- und Mittelfranken: Eva-Maria Körner, Sigrun Hübner-Möbus, Michaela Koch/Judith Trepl Oberbayern: Wolfgang Stöger, Hildegard Rother-Kiener Ostwestfalen-Lippe: Ingrid Biermann, Heike Brünnich Pfalz: Hans-Werner Riedmaier, Hans-Werner Kienitz Rheinland/Hessen-Nassau: Heinz Hörter, Wolfgang Künzer Schwaben: Hans Scheiterbauer-Pulkkinen Unterfranken: Dr. Gebhard Angele, Cornelia Lachmayr Weser-Ems: Armin Kirsch, Hanna Naber Westliches Westfalen: Daniela Braun, Norbert Dyhringer Württemberg: Sabine Grethlein Hessen-Nord: Ruth Schlegel-Brocke Baden: Andrea Brink Bayern: Joachim Feichtl Berlin: Cornelia Altmann, Maria Lingens Brandenburg: Monika Döhring, Stefan Nachtwey Bremen: Hannelore Bitter-Wirtz, Klaus Westing Hamburg: Ralf Inzelmann, Monika Holthus, Monika Thissen, Julia Overmann Mecklenburg-Vorpommern: Anke Hafemann Saarland: Paul Werner Zell, Christine Ney Sachsen: Brunhild Sporbert, Gabriele Mertens, Volker Abdel Fattah Sachsen-Anhalt: Christa Pennekamp Schleswig-Holstein: Karl Runge, Ulrich Klinke Thüringen: Sonja Tragboth, Miriam Trautwein Bundesjugendwerk: Björn Wiele, Matthias Tholen, Mark Unbehend, Katrin Riedel

Landesverband

Bezirksverband

AWO-Koordinator/innen in der Bundesgeschäftsstelle
Sven Borsche, Angelika Diller, Veronika Schneider, Dagmar Howe, Matthias Ritter-Engel, Dieter Eckert

AWO-ISS-Steuerungsgruppe
Bundesverband: Sven Borsche, Angelika Diller, Matthias Ritter-Engel, Veronika Schneider, Dagmar Howe, Dieter Eckert Bezirksverband Hannover: Petra von Bargen (†), Susanne Kalbreier Bezirksverband Hessen-Nord: Ruth Schlegel-Brocke Bezirksverband Hessen-Süd: Rainer Wiedemann, Anne Bayer Bezirksverband Oberbayern: Wolfgang Stöger Bezirksverband Schwaben: Hans Scheiterbauer-Pulkkinen, Bezirksverband Weser-Ems: Hanna Naber Bezirksverband Westliches Westfalen: Daniela Braun, Norbert Dyhringer Landesverband Brandenburg: Monika Döhring Landesverband Bremen: Hannelore Bitter-Wirtz Landesverband Mecklenburg-Vorpommern: Anke Hafemann Landesverband Saarland: Christine Ney Landesverband Sachsen-Anhalt: Christa Pennekamp, Heike Rudolf Landesverband Thüringen: Sonja Tragboth, Miriam Trautwein Bundesjugendwerk: Matthias Tholen, Björn Wiele, Mark Unbehend, Katrin Riedel sowie das jeweilige ISS-Forschungsteam

15 Jahre AWO-ISS-Studie im Überblick

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ISS-Forschungsteam
Gerda Holz (Leitung), Beate Hock, Susanne Skoluda, Andreas Puhlmann, Claudia Laubstein, Prof. Dr. Jörg Dittmann, Evelyn Sthamer

ISS-Beraterkreis
Prof. Dr. Ernst-Ulrich Huster, Prof. Dieter Kreft, Prof. Dr. Richard Münchmeier, Prof. Dr. Werner Wüstendörfer, Dr. Petra Buhr, Beate Hock, Prof. Dr. Sabine Walper, Dr. Antje Richter-Kornweitz, Heiner Brülle, Prof. Dr. Lotte Rose

ISS-Fachbeirat
Prof. Dr. Ernst-Ulrich Huster (Vorsitz) Prof. Dr. Ursula Boos-Nünning Sven Borsche Dr. Petra Buhr Hartmut Fritz Dr. Gerald Gaß Dietrich Giering Konrad Gilges Dr. Helga Henke-Berndt Prof. Dr. Michael-Sebastian Honig Dr. Magdalena Joos Prof. Dr. Yasemin Karakasoglu-Aydin Richard Kratz Prof. Dieter Kreft Prof. Dr. Hubertus Lauer (†) Prof. Dr. Richard Münchmeier Olaf Noll Prof. Dr. Thomas Olk Christiane Reckmann Prof. Dr. Claus Reis Dr. Doris Rentzsch Matthias Ritter-Engel Jochen Rößler Paul Saatkamp Klaus Schumacher Christian Steiniger Hans-Jürgen Stubig Marianne Weg Hans-Georg Weigel Prof. Dr. Werner Wüstendörfer Angelika Diller Dr. H. Werner Kammann Thomas Fischer Beate Hock Dagmar Howe Dr. Antje Richter-Kornweitz Veronika Schneider Peter Semrau (†) Juliane Achatz Jens Ahrens Dr. Irene Becker Prof. Dr. Jürgen Boeckh Ruth Brandherm Heiner Brülle Ute Buck Dr. Ursula Bylinski Jutta Ebeling Dieter Eckert Dr. Wolfgang Gern Wolfgang Gulbis Dr. Siegfried Haller Heinz Hilgers Dr. Heike Jung Prof. Dr. Carola Kuhlmann Uwe Lübking Dr. Peter Marquard Dr. Rudolf Martens Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe Prof. Dr. Roland Merten Rüdiger Niemann Peter Renzel, Katrin Riedel Prof. Dr. Lotte Rose Michael Rosellen Prof. Klaus Schäfer Prof. Dr. Stefan Sell Prof. Dr. Jan Skrobanek sowie das jeweilige ISS-Forschungsteam

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15 Jahre AWO-ISS-Studie im Überblick

Die Studie – Alle Berichte im Überblick
Laubstein, Claudia; Holz, Gerda; Dittmann, Jörg; Sthamer, Evelyn (2012): Von alleine wächst sich nichts aus… Lebenslagen von (armen) Kindern und Jugendlichen und gesellschaftliches Handeln bis zum Ende der Sekundarstufe I. Frankfurt a.M.: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik und Berlin: Arbeiterwohlfahrt. Brülle, Heiner; Christe, Gerhard; Melzer, Ragna; Wende, Lutz (2011): Schulbezogene Unterstützungsnetzwerke – Gestaltungsansätze der Jugendhilfe zur Bildungsförderung armer Jugendlicher im Übergang Schule – Beruf. Frankfurt a.M.: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Laubstein, Claudia; Dittmann, Jörg; Holz, Gerda (2011): Jugend und Armut II. Methodische Grundsteine, Operationalisierungen und erste empirische Befunde der AWO-ISS-Langzeitstudie „Kinder- und Jugendarmut IV“. Frankfurt a. M.: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik.	 Wüstendörfer, Werner (2011): Familie und Armut – Sonderauswertung des AWO-ISS Datensatzes 1999 und 2003/04 über familiäre Bedingungen und ihre Auswirkungen auf Armut und Lebenslage der Kinder. Frankfurt a. M.: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik.	 Arbeiterwohlfahrt Bundesverband (Hrsg.) (2011): Jugend und Armut – wir brauchen jede/n! Dokumentation des AWO-Verbandsforums vom 24./25. März 2011 in Berlin (Schriftenreihe Theorie und Praxis 2011). Berlin: Arbeiterwohlfahrt. 	 Laubstein, Claudia; Dittmann, Jörg; Holz, Gerda (2010): Jugend und Armut. Forschungsstand und Untersuchungsdesign der AWO-ISS-Langzeitstudie „Kinder- und Jugendarmut IV“. Frankfurt a. M. Holz, Gerda; Richter-Kornweitz, Antje; Wüstendörfer, Werner; Giering, Dietrich (2006): Zukunftschancen für Kinder!? – Wirkung von Armut bis zum Ende der Grundschulzeit“. Frankfurt a.M.: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik und Berlin: Arbeiterwohlfahrt Bundesverband.	 Holz, Gerda; Puhlmann, Andreas (2005): „Alles schon entschieden?“ Wege und Lebenssituation armer und nicht-armer Kinder zwischen Kindergarten und weiterführender Schule. Frankfurt a. M.: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Holz, Gerda; Puhlmann, Andreas (2004): „Entwicklungs- und Lebenssituation von (armen) Kindern zwischen Kindergarten und weiterführender Schule“. Interner Zwischenbericht. Frankfurt a.M.	 Holz, Gerda; Skoluda, Susanne (2003): „Armut im frühen Grundschulalter“. Vertiefende Untersuchung zu Lebenssituation, Ressourcen und Bewältigungshandeln von Kindern. Frankfurt a. M.: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik.	 Hock, Beate; Holz, Gerda; Simmedinger, Renate; Wüstendörfer, Werner (2000): „Gute Kindheit – Schlechte Kindheit?“ Armut und Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Frankfurt a. M.: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik und Berlin: Arbeiterwohlfahrt Bundesverband. Hock, Beate; Holz, Gerda (Hrsg.) (2000): „Erfolg oder Scheitern?“ Arme und benachteiligte Jugendliche auf dem Weg ins Berufsleben. Frankfurt a. M.: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Hock, Beate; Holz, Gerda; Wüstendörfer, Werner (2000b): „Frühe Folgen – langfristige Konsequenzen?“ Armut und Benachteiligung im Vorschulalter. Frankfurt a. M.: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Hock, Beate; Holz, Gerda; Wüstendörfer, Werner (2000a): „Folgen familiärer Armut im frühen Kindesalter – Eine Annäherung anhand von Fallbeispielen“. Frankfurt a. M.: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Hock, Beate; Holz, Gerda; Wüstendörfer, Werner (1999): „Armut – Eine Herausforderung für die verbandliche Kinder-/Jugendhilfe“. Frankfurt a. M.: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Hock, Beate; Holz, Gerda (1998): „Arm dran?! Lebenslagen und Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen“. Frankfurt a. M.: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik.

Kurzprofil
Das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. (ISSFrankfurt a. M.) wurde im Jahr 1974 vom Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt e.V. (AWO) gegründet und ist seit 1991 als rechtlich selbständiger gemeinnütziger Verein organisiert. Der Hauptsitz liegt in Frankfurt am Main. In Berlin unterhält das ISS ein Projektbüro. Das ISS-Frankfurt a. M. beobachtet, analysiert, begleitet und gestaltet Entwicklungsprozesse der Sozialen Arbeit und erbringt wissenschaftliche Dienstleistungen für öffentliche Einrichtungen, Wohlfahrtsverbände und private Träger. Gefördert wird das Institut durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). •	 Das Leistungsprofil des ISS-Frankfurt a. M. steht als wissenschaftsbasiertes Fachinstitut für Praxisberatung, Praxisbegleitung und Praxisentwicklung an der Schnittstelle von Praxis, Politik und Wissenschaft der Sozialen Arbeit und gewährleistet damit einen optimalen Transfer. Zum Aufgabenspektrum gehören wissenschaftsbasierte Dienstleistungen und Beratung auf den Ebenen von Kommunen, Ländern, Bund und der Europäischen Union sowie der Transfer von Wissen in die Praxis der Sozialen Arbeit und in die Fachöffentlichkeit. Die Arbeitsstruktur ist geprägt von praxiserfahrenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, häufig mit Doppelqualifikationen, die ein breites Spektrum von Themenfeldern in interdisziplinären Teams bearbeiten. Dadurch ist das Institut in der Lage, flexibel auf Veränderungen in Gesellschaft und Sozialer Arbeit sowie die daraus abgeleiteten Handlungsanforderungen für Dienstleister, Verwaltung und Politik einzugehen. Auf unserer Website www.iss-ffm.de finden Sie weitere Informationen zum ISS-Frankfurt a. M. und zu dessen Kooperationen sowie Arbeitsberichte, Gutachten und Expertisen zum Download oder Bestellen.

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Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. Zeilweg 42 60439 Frankfurt am Main Telefon	 Telefax	 E-Mail		 +49 (0) 69 / 95789-0 +49 (0) 69 / 95789-190 info@iss-ffm.de

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