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Full text: Fische in Berlin

Fischereiamt

Fische in Berlin Bilanz der Artenvielfalt

Fische in Berlin Bilanz der Artenvielfalt

Fische in Berlin | Inhalt

Inhalt
Artenvielfalt der Fische bilanziert Gewässer und Fischgemeinschaften Fließgewässer Kanäle Gräben Flussseen Landseen Stehende Kleingewässer Gefährdungsursachen für Fische Abflussverhältnisse	 Mischwasserüberläufe Stauhaltungen und Querbauwerke Gewässerausbau und Uferbefestigung Schifffahrt	 Gewässerunterhaltung Die Fischfauna Berlins Datenerfassung	 Fischartenzusammensetzung	und	Hauptfischarten	 Spezieller Teil – Ergebnisse zu den einzelnen Arten Stint Osmerus eperlanus	(LINNAEUS,	1758)	 Hecht Esox lucius	(LINNAEUS,	1758)	 Aal Anguilla anguilla (LINNAEUS, 1758) Bitterling Rhodeus amarus	(BLOCH,	1782)	 Gründling Gobio gobio (LINNAEUS, 1758) Giebel Carassius gibelio	(BLOCH,	1782)	 Karausche Carassius carassius (LINNAEUS, 1758) Karpfen Cyprinus carpio (LINNAEUS, 1758) Aland Leuciscus idus	(LINNAEUS,	1758)	 Blei Abramis brama (LINNAEUS, 1758) Döbel Leuciscus cephalus	(LINNAEUS,	1758)	 Güster Abramis bjoerkna (LINNAEUS, 1758) Hasel Leuciscus leuciscus (LINNAEUS, 1758) Moderlieschen Leucaspius delineatus	(HECKEL,	1843)	 Plötze Rutilus rutilus (LINNAEUS, 1758) Rapfen Aspius aspius	(LINNAEUS,	1758)	 Rotfeder Scardinius erythrophthalmus (LINNAEUS, 1758) Ukelei Alburnus alburnus	(LINNAEUS,	1758)	 Schleie Tinca tinca	(LINNAEUS,	1758)	 Schlammpeitzger Misgurnus fossilis		(LINNAEUS,	1758)	 Steinbeißer Cobitis taenia		(LINNAEUS,	1758)	 Schmerle Barbatula barbatula	(LINNAEUS,	1758)	 7 8 9 9 10 10 11 11 12 12 13 13 15 16 17 19 20 21 25 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54 56 58 60 62 64 66 68

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Wels Silurus glanis LINNAEUS, 1758 Quappe Lota lota	(LINNAEUS,	1758)	 Barsch Perca fluviatilis (LINNAEUS, 1758) Kaulbarsch Gymnocephalus cernuus	(LINNAEUS,	1758)	 Zander Sander lucioperca (LINNAEUS, 1758) Dreistachliger Stichling Gasterosteus aculeatus (LINNAEUS, 1758) Zwergstichling Pungitius pungitius	(LINNAEUS,	1758)	 Neozoa Rote Liste der Fische und Neunaugen Berlins Einstufungskriterien und Rote-Liste-Kategorien Checkliste der Fischarten Berlins Literatur Impressum

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Fische in Berlin | Vorwort

Artenvielfalt der Fische bilanziert
Die Flüsse und Seen sind Bestandteile der Kultur- und Stadtlandschaft. In den Berliner Gewässern leben 38 Fischarten, die dazu beitragen das ökologische Gleichgewicht zu erhalten.	 Die	 Berufs-	 und	 Angelfischerei	 sind	 bestrebt,	 diese	 Artenvielfalt	 zu	 erhalten	 und	 zu	 fördern. Um die Artenvielfalt in Gewässern und somit den Naturreichtum unserer Heimat zu bewahren	und	zu	fördern,	hat	die	Europäische	Union	im	Jahr	2000	die	Wasserrahmenrichtlinie	verabschiedet.	Vorrangiges	Ziel	der	Richtlinie	ist	der	gute	Zustand	aller	Oberflächengewässer sowie des Grundwassers. Ein wesentlicher Indikator zur Bewertung des guten Zustands von Gewässern sind die Fische und deren Vielfalt. Um die internationalen und nationalen Biodiversitätsstrategien umzusetzen, bedarf es einer regelmäßigen Überwachung und Förderung der heimischen Fischbestände, welche eine wesentliche Aufgabe des Berliner Fischereiamtes ist. Es wurden mehr als 900 Einzelbefischungen	in	154	Gewässern	durchgeführt.	 Die	 vorliegende	 Broschüre	 zeigt	 eindrucksvoll,	 wie	 sich	 die	 Fischarten	 in	 den	 letzten	 20	 Jahren entwickelt haben. Sie dokumentiert die Ergebnisse aus Bestandsuntersuchungen und	fischökologischen	Überwachungsprogrammen	der	letzten	zehn	Jahre.	Das	Fischereiamt Berlin wurde dabei durch kompetent wissenschaftliche Institutionen wie das „LeibnizInstitut	für	Gewässerökologie	und	Binnenfischerei“	und	das	„Institut	für	Binnenfischerei	 e.V.	Potsdam-Sacrow“	unterstützt.	 Aus der Bestandssituation der nachgewiesenen 38 Fischarten in den Berliner Gewässern resultiert die Neufassung der Berliner Rote Liste der gefährdeten Rundmäuler und Fische.

Berlin,	im	Dezember	2013

Mittel	aus	der	Fischereiabgabe	des	Landes	Berlin	ermöglichen	die	Untersuchungen	und	die	Veröffentlichung.

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Gewässer und Fischgemeinschaften
Berlins Gewässerlandschaft wurde im zweiten, dem sog. Brandenburger	Stadium	der	Weichselkaltzeit	geformt,	welches vor etwa 10.300 Jahren endete. Das Berliner Urstromtal	 ist	 Teil	 des	 Glogau-Baruther	 Urstromtals,	 welches	 sich	 entlang der weichselzeitlichen Endmoränen des Brandenburger Stadiums erstreckt. Die Gewässerlandschaft Berlins ist	 in	 die	 norddeutsche	 Tiefebene	 eingebettet	 und	 wird	 durch die Flüsse Spree und Havel geprägt, die zusammen mit ihren seenartigen Erweiterungen annähernd zwei Drittel	der	insgesamt	5.952	ha	(6,67	%	der	Stadtfläche)	umfassenden	 Berliner	 Gewässerfläche	 bilden.	 Dahme	 und	 Spree	 fließen	von	Südosten	in	das	Berliner	Urstromtal	und	durchfließen	das	Stadtgebiet	von	Ost	nach	West	auf	einer	Länge	 von	16,4	km	bzw.	45,1	km.	Die	Havel	tritt	von	Norden	in	das	 Berliner	 Urstromtal	 ein	 und	 durchfließt	 es	 von	 Nord	 nach	 Süd	auf	27,1	km	Länge.	Die	seenartige	Erweiterung	der	Berliner Unterhavel ist mit 1.175 ha Fläche das größte Gewässer der Stadt. Neben den das Stadtbild prägenden Flüssen und Kanälen liegen	 insgesamt	 58	 Seen	 >1	 ha	 zumindest	 teilweise	 auf	 Berliner Stadtgebiet. Unter diesen größeren Seen dominieren	 die	 durchflossenen,	 die	 sog.	 Flussseen,	 von	 denen	 der	 Große	Müggelsee	mit	766	ha	Wasserfläche	der	größte	ist.	 Der einzige größere, überwiegend durch Grundwasser gespeiste Landsee ist der im Südwesten Berlins auf der Grenze zu	Brandenburg	gelegene	Groß-Glienicker	See	mit	67	ha. Zahlenmäßig dominieren kleinere und Kleinstgewässer. Berlin	 verfügt	 über	 eine	 Vielzahl	 von	 Teichen,	 Weihern,	 Tümpeln,	 Abgrabungsgewässern	 und	 künstlichen	 Regenrückhaltebecken, von denen insgesamt 388 registriert sind. Hinzu	kommen	316	Ableiter	und	Gräben	die	–	zum	Teil	verrohrt	–	eine	Gesamtlänge	von	>390	km	haben.	Die	Bewirtschaftung	und	Unterhaltung	dieser	stehenden	und	fließenden Klein- und Kleinstgewässer erfolgt überwiegend durch die Stadtbezirke. Die	größeren	Gewässer	–	Fließgewässer	mit	einem	Einzugsgebiet	 >10	 km²	 und	 Seen	 mit	 einer	 Fläche	 >50	 ha	 –	 sind	 berichtspflichtig	 nach	 Europäischer	 Wasserrahmenrichtlinie	(WRRL).	Für	diese	Gewässer	ist	im	Turnus	von	sechs	Jahren der ökologische Zustand nach Brüssel an die Europäische Kommission zu melden und sind Maßnahmen zu ergreifen, einen guten ökologischen Zustand zu erreichen. Infolgedessen konzentrieren sich gegenwärtig viele Arbeiten und Untersuchungen auf dieses reduzierte Gewässernetz	der	berichtspflichtigen	Seen	und	Fließgewässer	Berlins. Rund	200	km	der	Berliner	Fließgewässer	und	zehn	Seen	unterliegen	 der	 Überwachung	 gemäß	 WRRL.	 Ein	 großer	 Teil	 der Fließgewässer sind künstliche Gewässer, Kanäle und Gräben.	 Aufgrund	 der	 Vielzahl	 durchflossener	 Seen	 dominiert	auch	bei	den	natürlichen	Fließgewässertypen	der	Typ	 21:	seeausflussgeprägtes	Fließgewässer.	Daneben	entfallen	 substantielle	Anteile	auf	die	Fließgewässertypen	15:	sandgeprägter	 Tieflandfluss,	 14:	 sandgeprägter	 Tieflandbach	 und	 11:	 organisch	 geprägter	 Bach.	 Kleinere	 Abschnitte	 im	 Mündungsbereich	der	Nebenflüsse	sind	als	Typ	19:	Niederungsgewässer	 klassifiziert	 und	 die	 Panke	 vom	 Verteilerbauwerk (Abzweig des Nordgrabens) bis etwa zur Pankstraße	als	Typ	12:	kiesgeprägter	Tieflandbach.	Innerhalb	eines	 Fließgewässers	 sind	 auch	 Typenwechsel	 möglich,	 analog	 zur natürlichen Längszonierung von Flüssen. So wechselt beispielsweise die Spree etwa in Höhe der Elsenbrücke (Fluss-km	 22,05)	 den	 Typ	 vom	 seeausfluss-	 zum	 sandgeprägten	Tieflandfluss	(SenStadt	2005). Bei	 den	 berichtspflichtigen	 Seen	 handelt	 es	 sich	 überwiegend	um	Flussseen	mit	großen	Einzugsgebieten	vom	Typ	10	 (geschichtet,	 Aufenthaltszeit	 des	 Wassers	 >30	 d,	 Großer	 Wannsee	und	Tegeler	See),	11	(ungeschichtet,	Aufenthaltszeit	>30	d,	3	Seen)	und	12	(ungeschichtet,	Aufenthaltszeit	 <30	 d,	 4	 Seen).	 Der	 nicht	 durchflossene	 Groß-Glienicker	 Sees ist im Sommer ebenfalls stabil geschichtet, d.h. seine warme	 Oberflächenwasserschicht	 mischt	 sich	 nicht	 mit	 dem	darunter	liegenden	kalten	Tiefenwasser	und	ist	als	See	 vom	Typ	10	klassifiziert.	Im	Gegensatz	zu	den	durchflossenen	Seen	hat	sein	Wasser	eine	theoretische	Aufenthaltszeit	 von sieben Jahren. Im gegenwärtigen morphologischen Zustand sind sich die einzelnen Fließgewässertypen allerdings deutlich ähnlicher als	es	die	Klassifizierung	vermuten	lässt.	Zudem	lässt	das	 reduzierte	Gewässernetz	der	WRRL	die	Vielzahl	der	Kleingewässer unberücksichtigt. Aus diesem Grund wurde hier analog zu früheren Übersichten zur Berliner Fischfauna eine	etwas	abweichende,	fischfaunistisch	aber	durchaus	relevante	Typisierung	der	Gewässer	vorgenommen.	Entsprechend	 ihrer	 Fläche,	 Morphologie,	 Vernetzung,	 Wasserver-

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Fische in Berlin | Gewässer und Fischgemeinschaften

sorgung und Besiedelungsmöglichkeiten für Fische wurden Fließgewässer, Kanäle, Gräben, Flussseen, Landseen und stehende Kleingewässer (<1 ha) unterschieden. Nachfolgend werden die wichtigsten Gewässertypen kurz charakterisiert.

betragen	und	nur	bei	höheren	Abflüssen	im	Hochwasserfall	 über	0,5	m/s	ansteigen.	In	den	kleineren	Nebenflüssen	treten	lokal	–	insbesondere	an	den	ehemaligen	Wehrstandorten	–	auch	höhere	Fließgeschwindigkeiten	auf. Fischfaunistisch	sind	die	Berliner	Hauptfließgewässer	dem	 Unterlauf der Flüsse, d.h. der Bleiregion zuzuordnen mit karpfenartigen	Fischen	–	insbesondere	Güster,	Blei,	Ukelei	 und	Plötze	–	als	Hauptfischarten.	Sie	zählen	zu	den	artenreichen Gewässertypen im Stadtgebiet, wenn auch die aktuell festgestellte durchschnittliche Fischartenzahl (14) deutliche	 Defizite	 aufzeigt.	 Insgesamt	 wurden	 29	 der	 in	 Berlin	 vorkommenden Fischarten auch in diesem Gewässertyp nachgewiesen.

Fließgewässer

Spree,	Havel	und	Dahme	sind	die	drei	großen,	schiffbaren	 Fließgewässer	 Berlins,	 mit	 zusammen	 88,6	 km	 Lauflänge	 innerhalb	 der	 Stadtgrenzen.	 Die	 wichtigsten	 Nebenflüsse	 sind	Fredersdorfer	Mühlenfließ	(3	km	in	Berlin),	Neuenhagener	Mühlenfließ	(Erpe,	4,1	km),	Wuhle	(15,7	km),	Panke	 (17,6	km)	und	das	in	den	Tegeler	See	entwässernde	Tegeler	 Fließ	(11,2	km). Die Berliner Fließgewässer sind staureguliert. So werden die Wasserspiegellagen	von	Havel	und	unterer	Spree	durch	die	 Staustufe Brandenburg bestimmt. Bei Niedrigwasser ist diese	 Gewässerfläche	 beinahe	 ausnivelliert	 und	 die	 Wasserspiegeldifferenz	 beträgt	 zwischen	 Spandau	 und	 Brandenburg	nur	0,16	m	(Gefälle	0,002‰).	Bei	Mittelwasser	beträgt	 das	Wasserspiegelgefälle	bis	Brandenburg	0,006‰	(0,35	m	 Differenz)	und	bei	Hochwasser	0,014‰	(0,83	m).	Der	Mühlendamm	und	die	Schleuse	Kleinmachnow	im	Teltowkanal	 bestimmen	die	Wasserstände	in	der	oberen	Spree	im	Stadtgebiet	und	in	der	Dahme,	wo	die	Wasserspiegellagen	ähnlich ausnivelliert sind. Selbst im weiteren Verlauf der Spree bis zum Unterspreewald überwindet die Spree nur einen Gesamt-Höhenunterschied	 von	 14	 m	 (0,08‰).	 Die	 Stadtspree, der mittlere Abschnitt der Spree in Berlin, wird durch die Staustufe Charlottenburg reguliert.

Kanäle

Kanäle sind künstlich angelegte Verbindungsgewässer. Aus diesem Grund haben sie einen besonders gestreckten Verlauf mit wenigen Untiefen und Ausbuchtungen. Die Ufer sind vergleichsweise steil, befestigt und monoton, d.h. über lange Strecken variieren sie nur sehr wenig in ihrer Breite, Tiefe	oder	Gestaltung.	Die	schiffbaren	Kanäle	Berlins	haben	 eine Gesamtlänge von 80,1 km. Sie sind fast ausschließlich Bundeswasserstraßen	 in	 der	 Verwaltung	 des	 Wasser-	 und	 Schifffahrtsamts	Berlin.

©	IGB,	Dr.	Christian	Wolter	und	Christian	Schomaker

Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal

©	Ulrich	Werner

Die Stadtspree

Dementsprechend gering sind auch die mittleren Fließgeschwindigkeiten,	die	in	den	Hauptfließgewässern	<10	cm/s	

Die Berliner Kanäle dienen darüber hinaus in besonderem Maße	 als	 Vorflut	 für	 gereinigte	 Abwässer	 sowie	 für	 die	 Überläufe der Mischwasserkanalisation. So leiten beispielsweise	 gleich	 drei	 Klärwerke	 –	 Stahnsdorf,	 Ruhleben	 (nur	 April-September)	 und	 Waßmannsdorf	 –	 jährlich	 durchschnittlich	118,5	Mio.	m³	gereinigtes	Abwasser	in	den	Teltowkanal	ein	(BfG	&	BAW	2012).	Der	Landwehrkanal	nimmt	 insgesamt	67	Einleitungsstellen	für	Mischwasser	auf	(SenStadt	2001),	aus	denen	bei	Starkregen,	wenn	die	Pumpwer-

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ke	 das	 anfallende	 Wasser	 nicht	 mehr	 bewältigen	 können,	 Schmutz-	 und	 Regenwasser	 (Mischungsverhältnis	 ca.	 1:9)	 ungereinigt	in	das	Gewässer	abfließen.	 Aufgrund der monotonen Gewässerstrukturen und vergleichsweise hohen Belastungen werden die Kanäle vor allem von anspruchslosen, gegenüber Belastungen toleranten Fischarten besiedelt. Im Durchschnitt handelt es sich dabei	um	zehn	Fischarten,	wobei	mehr	als	90%	aller	Fische	 auf die beiden Arten Plötze und Barsch entfallen. Insgesamt wurden	21	der	in	Berlin	vorkommenden	Fischarten	auch	in	 Kanälen nachgewiesen.

Die Gräben sind u.a. Hauptlebensraum der beiden einheimischen Stichlingsarten, Dreistachliger und Zwergstichling. Sie werden im Durchschnitt von fünf Fischarten besiedelt. Dem	gegenüber	war	die	Gesamtzahl	von	26	in	Gräben	nachgewiesenen Fischarten überraschend hoch.

Mit	der	1876	begonnenen	und	einhundert	Jahre	währenden	 Nutzung von Rieselfeldern zur Abwasseraufbereitung wurden	die	sukzessive	zunehmenden	Rieselteichflächen	durch	 ein dichtes Netz von Zu-, Ablauf- und Verbindungsgräben versorgt. Obwohl die meisten Gräben nach Aufgabe der Rieselfeldnutzung	trocken	fielen	und	verfüllt	wurden,	verfügt	 Berlin noch immer über eine Vielzahl von Gräben. Dabei handelt es sich um kleine, kaum strukturierte, weitgehend gerade verlaufende künstliche Fließgewässer. Etwa ein Viertel der im Berliner Gewässerverzeichnis ausgewiesenen Graben-km, insbesondere in den dicht bebauten Stadtteilen, sind verrohrt und für Fische nicht nutzbar. Die meisten Gräben	 führen	 heute	 nur	 sehr	 wenig	 Wasser,	 mit	 durchschnittlichen	Abflüssen	von	10-250	l/s.	In	niederschlagsarmen	 Jahren	 können	 sie	 auch	 völlig	 oder	 in	 Teilbereichen	 trocken fallen. Sofern der Grabenverlauf unbeschattet ist entwickeln	sich	dichte	Pflanzenbestände	(u.a.	Schilf,	Rohrglanzgras,	 Seggen),	 die	 den	 gesamten	 Abflussquerschnitt	 einnehmen.	Deshalb	ist	die	regelmäßige	Mahd	der	Pflanzen	 auch	Teil	der	üblichen	Grabenunterhaltung.

Gräben

Flussseen sind eine charakteristische Besonderheit der norddeutschen	 Tieflandflüsse.	 Zum	 einen	 aufgrund	 des	 sehr geringen Gefälles der Flüsse und Flusstäler, zum anderen	aufgrund	der	jungen	Entstehungsgeschichte	der	Landschaft, bildeten sich entlang der Flussgebiete ausgedehnte seenartige	 Erweiterungen	 aus.	 Diese	 durchflossenen	 Seen	 vereinen in sich typische Stillwasser-Lebensräume und Fließgewässer-Einflüsse	 in	 den	 Zu-	 und	 Ablaufbereichen.	 Zudem sind sie über die sie durchströmenden Flüsse untereinander und mit typischen Flussstrecken und Fließgewässer-Lebensräumen verbunden. Infolgedessen beherbergen sie	neben	den	typischen	Stillgewässerfischarten	auch	Arten,	 die z.B. zum Laichen in die Flüsse einwandern sowie Flussfischarten,	die	den	See	zumindest	periodisch	zur	Nahrungssuche nutzen.

Flussseen

©	Ulrich	Werner

Großer Müggelsee

Bis	auf	den	Tegeler	See	sind	die	großen	Berliner	Flussseen	 relativ	 flach	 mit	 mittleren	 Tiefen	 zwischen	 2,1	 m	 (Großer	 Zug)	 und	 5,4	 m	 (Großer	 Wannsee),	 erwärmen	 sich	 schnell	 und	sind	sehr	nährstoffreich.	Sie	bieten	damit	den	typischen	 Fischarten der Bleiregion sehr gute Aufwuchs- und Ernährungsbedingungen. Die Flussseen sind der artenreichste Berliner Gewässertyp mit	durchschnittlich	18	und	einer	Gesamtzahl	von	32	darin	 nachgewiesenen Fischarten.

©	IGB,	Dr.	Christian	Wolter	und	Christian	Schomaker

Wickhofgraben

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Fische in Berlin | Gewässer und Fischgemeinschaften

Als	Landseen	wurden	die	größeren	Gewässer	(>1	ha)	klassifiziert,	 die	 überwiegend	 durch	 Grundwasser	 gespeist	 sind	 und	–	wenn	überhaupt	–	nur	über	marginale	Zu-	oder	Abflüsse	verfügen.	Im	Gegensatz	zu	den	Flussseen	ist	der	Wasseraustausch weitaus geringer und die mittlere Aufenthaltszeit	 des	 Wassers	 im	 See	 beträgt	 mehrere	 Jahre	 bis	 Jahrzehnte.	 Auf	 eine	 weitere	 Differenzierung	 in	 natürliche	 und künstliche Landseen wurde verzichtet, da diese sich auch nicht in der Fischbesiedlung widerspiegelte und beide ungeachtet ihrer Entstehungsgeschichte gleichermaßen anthropogen überprägt sind, z.B. durch Fischbesatz.
© FIA

Landseen

Klarensee im Bezirk Tempelhof-Schöneberg

Aufgrund ihrer geringen Größe werden die einzelnen Kleingewässer	 aber	 nur	 von	 wenigen	 Fischarten	 –	 im	 Durchschnitt	 4	 –	 besiedelt,	 wobei	 typische	 Stillwasserarten	 wie	 Schleie und Rotfeder weit verbreitet waren, aber auch Plötze und Hecht.

©	Ulrich	Werner

Krume Lanke

Typische	 Fischarten	 nährstoffreicher,	 sommerwarmer	 Standgewässer	 finden	 in	 den	 Landseen	 geeignete	 Lebensbedingungen. Im Durchschnitt aller Seen wurden 10 Arten festgestellt,	insgesamt	27.

In dieser Kategorie wurden alle Standgewässer <1 ha zusammengefasst, ungeachtet dessen, ob sie natürlichen oder künstlichen Ursprungs sind. Analog zu den Landseen unterlagen	 auch	 diese	 Kleingewässer	 vielfältigen	 Einflussnahmen,	 die	 eine	 weitere	 Differenzierung	 hinfällig	 machten. Die Palette der Kleingewässer, ihrer Uferstrukturen und Umlandnutzung war besonders vielfältig und reichte vom komplett betonierten Regenrückhaltebecken, über künstliche Parkgewässer, verlandete Abgrabungsgewässer bis hin zu natürlichen Restgewässern. Dementsprechend umfangreich	war	das	28	Arten	umfassende	Spektrum	der	hier	insgesamt nachgewiesenen Fischarten.

Stehende Kleingewässer

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Gefährdungsursachen für Fische
Gewässer und ihre Fischgemeinschaften sind im urbanen Raum allein aufgrund der größeren Bevölkerungs- und Bebauungsdichte stärkeren Beeinträchtigungen und einem höheren Nutzungsdruck ausgesetzt. So sind (Stand 31.12.2011)	70,4%	des	Stadtgebiets	(62.742	ha)	mehr	oder	 weniger	versiegelte	Siedlungs-	und	Verkehrsflächen	mit	einer Bevölkerungsdichte von 55,8/ha (entspricht 5.580 Einwohner	pro	km²).	Auf	die	Gesamtstadtfläche	bezogen	beträgt	die	Einwohnerdichte	Berlins	allerdings	nur	3.930/km².	 Diese	 hatten	 im	 Jahr	 2010	 u.a.	 einen	 durchschnittlichen	 Wasserverbrauch	von	111,6	l	pro	Person	und	Tag.	Um	diesen	zu	decken,	gewannen	die	Berliner	Wasserwerke	im	gleichen	Jahr	insgesamt	202,35	Mio.	m³	Trinkwasser	(etwa	6-7	 m³/s),	zu	60%	aus	Uferfiltrat	und	weiteren	10%	aus	Grundwasseranreicherung. Die	fünf	Berliner	Klärwerke	behandelten	2011	pro	Tag	rund	 674.000	m³	Abwasser	aus	Haushalten,	Gewerbe,	Industrie,	 öffentlichen	Einrichtungen	sowie	Regenwasser	und	leiteten	 insgesamt	 etwa	 246	 Mio.	 m³	 gereinigtes	 Abwasser	 in	 die	 Gewässer	 ein.	 Im	 Durchschnitt	 der	 Jahre	 2006-2009	 emittierten	sie	dabei	jährlich	etwa	86,3	t	Gesamt-Phosphat.	Die	 Wasserqualität	 der	 Berliner	 Gewässer	 ist	 poly-	 bis	 hypertroph.	Die	Nährstoffkonzentrationen	an	den	Berliner	Messstellen	lagen	im	Durchschnitt	der	Jahre	2006-2009	während	 der	Vegetationsperiode	für	Gesamt-Phosphor	bei	0,09-0,23	 mg/l	 und	 Gesamtstickstoff	 bei	 1,6-6,7	 mg/l.	 Die	 durchschnittliche	 jährliche	 Gesamt-Phosphorfracht	 betrug	 am	 Pegel Havel-Krughorn 184 t, wovon 113 t aus den Zuläufen nach	Berlin	stammten	(SenGUV	&	MUGV	2011,	SenStadt	&	 MUGV	 2012).	 Die	 jährliche	 Gesamtstickstofffracht	 beläuft	 sich	auf	7.670	t	N,	davon	2.630	t	N	aus	den	Zuflüssen	nach	 Berlin. Im	Jahr	2002	noch	neun,	jetzt	nur	noch	sieben	Berliner	Heizkraftwerke	 leiteten	 2002	 insgesamt	 9,5	 Mio.	 GJ	 Abwärme	 vor	allem	in	die	Spree	und	in	den	Teltowkanal	ein.	Die	aktuellen Kühlwasserentnahmen betrugen im Mittel der Jahre 2008-2010	nur	noch	10,4	m³/s,	gegenüber	22,05	m³/s	der	 Periode	 bis	 2002.	 Ungeachtet	 dessen	 summieren	 sich	 die	 bestehenden Entnahmegenehmigungen für Kühlwasser auf jährlich	 mehr	 als	 670	 Mio.	 km³,	 was	 einer	 durchschnittlichen	 Zirkulation	 von	 20	 m³/s	 und	 damit	 annähernd	 dem	 mittleren	Abfluss	der	Spree	entspricht. Neben den genannten bestehen weitere vielfältige Nutzungen	der	Berliner	Gewässer,	z.B.	durch	29	kommerzielle	Fischereien (14 im Haupt- und 15 im Nebenerwerb), die im Durchschnitt	der	Jahre	2000-2012	jährlich	231,2	t	Fisch	anlandeten.	Daneben	waren	31.152	Berliner	im	Jahr	2012	im	 Besitz eines Fischereischeins. Von diesen waren allerdings nur	22.915	mit	Entrichtung	der	kalenderjährlichen	Fischereiabgabe im gleichen Jahr gültig. Im Durchschnitt der Jahre 2003-2012	 besaßen	 31.560	 Berliner	 einen	 Fischereischein,	 von denen etwa ein Drittel ausschließlich in Berliner Gewässern angelt. Die durchschnittliche Fischentnahme aus Berliner Gewässern durch Angler wurde auf 55,5 t pro Jahr geschätzt. Auf weitere Nutzungen und Entwicklungen die potentiell die Berliner Fischfauna gefährden wird im Folgenden detaillierter eingegangen.

Insgesamt	 wird	 die	 Wasserqualität	 für	 Fische	 heute	 nicht	 mehr als limitierender Faktor angesehen. Dies könnte sich temporär, vor allem in den Sommermonaten durchaus ändern,	 wenn	 die	 Abflüsse	 weiter	 zurückgehen,	 da	 Einträge	 aller Art weniger verdünnt werden und die ohnehin schon geringen Fließgeschwindigkeiten weiter abnehmen. Beides belastet	u.a.	den	Sauerstoffgehalt	des	Wassers,	fördert	das	 Auftreten	 von	 Sauerstoffdefiziten	 und	 schränkt	 damit	 die	 Nutzung der Gewässer durch anspruchsvollere Fischarten ein. Berlin	hat	relativ	geringe	jährliche	Niederschlagshöhen	von	 durchschnittlich	 645	 mm,	 weshalb	 die	 wasserwirtschaftlichen	Verhältnisse	wesentlich	von	den	Zuflüssen	der	Spree	 und der Havel bestimmt werden. So betrugen die mittleren jährliche	Abflüsse	(MQ)	der	Jahre	2001-2010	in	der	Oberen	 Havel-Wasserstraße	am	Pegel	Borgsdorf	11,5	m³/s,	in	der	 Spree	am	Pegel	Sophienwerder	27	m³/s	und	im	Teltowkanal	 an	 der	 Schleuse	 Kleinmachnow	 8,6	 m³/s	 (BfG	 &	 BAW	 2012).	Im	Vergleich	zu	den	Jahresreihen	1996-2005	am	Pegel Borgsdorf und 1979-1990 am Pegel Sophienwerder, verringerten	 sich	 die	 mittleren	 jährlichen	 Abflüsse	 der	 Havel	 um	27%	und	der	Spree	sogar	um	40%	(BfG	&	BAW	2012).	 Eine	der	Hauptursachen	für	die	verringerten	Abflüsse	ist	der	 Rückgang der Grubenwasserhebungen im Niederlausitzer Braunkohle-Tagebaugebiet	 von	 rund	 30	 m³/s	 Ende	 der	

Abflussverhältnisse

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Fische in Berlin | Gefährdungsursachen für Fische

1980er Jahre auf 13 m³/s bis Ende der 1990er Jahre sowie die	Wiederauffüllung	der	Braunkohlerestlöcher.	

Mischwasserüberläufe

Regelmäßig	im	Sommer	–	in	den	vergangenen	Jahren	deutlich	weniger	häufig	–	gibt	es	Meldungen	über	Fischsterben	 in den Berliner Kanälen. Der Grund dafür sind Mischwasserüberläufe in die Gewässer, bei denen u.a. organisches Material	 eingetragen	 wird,	 welches	 bei	 hohen	 Temperaturen	 sehr	 schnell	 und	 unter	 Nutzung	 von	 Sauerstoff	 abgebaut	 wird.	Infolgedessen	nimmt	der	Sauerstoffgehalt	sehr	schnell	 ab,	 entstehen	 kritische	 Sauerstoffdefizite	 und	 sterben	 die	 Fische,	die	nicht	schnell	genug	andere,	unbeeinflusste	Gewässerabschnitte aufsuchen können. Arten mit höheren Sauerstoffansprüchen	sind	dabei	besonders	betroffen.	 Rund ein Viertel des Berliner Stadtgebiets im alten Stadtkern und im Bereich des inneren S-Bahnringes wird über Mischkanalisation entwässert. Dabei wird Schmutzwasser aus Haushalten, Gewerbe und Industrie zusammen mit dem anfallenden Regenwasser in einem gemeinsamen Kanal gesammelt und den Klärwerken zugeführt. Berlin besitzt 1.902	 km	 Mischwasserkanäle	 mit	 weiteren	 zusätzlichen	 Speichermöglichkeiten für Mischwasser. Werden	im	Falle	von	Starkregenereignissen	bzw.	anhaltenden, intensiven Regenfällen diese Zwischenspeichermöglichkeiten	(aktuelles	Stauraumvolumen	2010:	213.800	m³)	 erschöpft	oder	können	die	Pumpwerke	das	anfallende	Wasser	 nicht	 mehr	 bewältigen,	 dann	 fließt	 das	 Mischwasser	 über	 Regenüberlaufkanäle	 ungereinigt	 in	 die	 Gewässer.	 Auch wenn dabei das Verhältnis von Schmutz- zu Regenwasser	etwa	bei	1:9	liegt,	spült	jedes	Ereignis	große	Mengen	 organischen Materials in die Gewässer wo es unmittelbar von	Mikroorganismen	unter	Zehrung	von	Sauerstoff	umgesetzt	 wird.	 Die	 eingetragenen	 Nährstoffe	 (rund	 12,7	 t	 Gesamt-Phosphor	2009)	tragen	darüber	hinaus	zur	Eutrophierung	der	Gewässer	bei.	Die	Menge	der	im	Jahr	2010	insgesamt	 eingetragenen	 abfiltrierbaren	 Stoffe	 belief	 sich	 auf	 etwa	800	t.	Die	über	die	Mischkanalisation	2010	eingetragene	 Fracht	 hatte	 einen	 biochemischen	 Sauerstoffbedarf	 (BSB)	von	600	t	im	Jahr	(Gantner	et	al.	2012).	Der	BSB-Wert	 gibt die Menge des zum Abbau der organischen Verschmutzungen	im	Mischwasser	benötigten	Sauerstoffs	an.	Gerade	 im	Sommer,	wenn	bei	hohen	Temperaturen	das	Sauerstoffbindevermögen	 und	 damit	 der	 Sauerstoffgehalt	 des	 Wassers ohnehin geringer sind, können solche Mischwasserüberläufe	bei	Starkregenereignissen	zu	akuten	Sauerstoffmangelsituationen und Fischsterben führen. Um anoxischen Bedingungen und Fischsterben entgegenzuwirken, betreibt die Berliner Senatsverwaltung u.a. das 1997 in Dienst ge-

stellte	 Belüftungsschiff	 „Rudolf	 Kloos“,	 welches	 schwerpunktmäßig	 auf	 den	 besonders	 betroffenen	 innerstädtischen	 Kanälen	 eingesetzt	 wird,	 wenn	 deren	 Sauerstoffgehalte	des	Wassers	unter	die	kritischen	2,5	mg/l	sinken.

© FIA

Rudolf Kloos im Einsatz

Obwohl aufgrund bereits durchgeführter Sanierungsmaßnahmen	und	der	zusätzlichen	Belüftung	betroffener	Gewässer, die beobachteten Fischsterben infolge von Mischwasserüberläufen in den vergangenen Jahren nicht mehr so häufig	waren,	sind	entlang	der	Berliner	Gewässer	531	Regenüberläufe	aktiv	und	es	gelangen	auf	diesem	Weg	im	Jahresdurchschnitt	 noch	 6,4	 Mio.	 m³	 Mischwasser	 in	 die	 Gewässer. In den bereits sanierten Mischwassereinzugsgebieten konnte	 die	 Zahl	 der	 Regenwasserüberläufe	 auf	 10-12	 pro	 Jahr reduziert werden, gegenüber etwa 30-40 in den unsanierten	(SenGUV	2009). Die	Berliner	Wasserbetriebe	arbeiten	an	der	Sanierung	der	 Mischwasserkanalisation und der Erhöhung der Stauraumvolumina	um	140.000	m³	mit	dem	Ziel,	bis	2018	die	jährliche Mischwassereinleitung auf 4,5 Mio. m³ zu reduzieren (SenGUV	2009).

Staue,	 Wehre,	 Sohlschwellen	 und	 sonstige	 Querbauwerke	 werden	bereits	ab	einem	Höhenunterschied	von	20	cm	für	 einige	 Fischarten	 –	 z.B.	 Schmerlen	 und	 Steinbeißer	 –	 zu	 Wanderhindernissen.	 Bei	 einem	 Höhenunterschied	 >1	 m	 sind sie nur noch für sehr wenige, schwimm- und sprungstarke	Fischarten	–	z.B.	Hecht	–	passierbar,	>1,5	m	weitgehend unpassierbar. Da alle Fischarten mehr oder weniger ausgedehnt wandern, stellen unpassierbare Querbauwerke eine	 immense	 Beeinträchtigung	 dar.	 Betroffen	 sind	 insbesondere solche Arten, zu deren Lebenszyklus obligatorische Laichwanderungen gehören, wie z.B. der Lachs, der vom

Stauhaltungen und Querbauwerke

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Meer in die Flussoberläufe zum Laichen aufsteigen muss oder auch die Nase, die innerhalb eines Flusssystems stromauf	wandert.	Werden	die	Wanderrouten	dieser	Fische	durch	 Hindernisse unterbrochen, können sie ihren Lebenszyklus nicht mehr vollenden und verschwinden aus einem Gewässersystem	bzw.	sterben	aus.	Besonders	betroffen	sind	diadrome	 Wanderfische.	 Diese	 Arten	 wechseln	 obligatorisch	 zwischen marinen und Süßwasserlebensräumen und steigen	dabei	z.T.	sehr	weit	in	die	Flussoberläufe	auf,	um	geeignete grobkiesige Laichplätze aufzusuchen bzw. wandern aus den Oberläufen stromab, um das Meer zu erreichen. Ein einziges	Wanderhindernis	macht	das	darüber	liegende	Flusseinzugsgebiet für diese Arten unerreichbar und entzieht es ihnen als Lebensraum. Nur innerhalb eines Flussgebietes wandernde	Arten	können	in	 der	 Regel	 ihre	 Wanderdistanzen	 adaptieren	 und	 –	 geeignete	 Lebensräume	 vorausgesetzt	–	auch	in	fragmentierten	Flussabschnitten	überleben.	 So erscheint es kaum verwunderlich, dass die beobachteten Aussterbeereignisse einheimischer Arten überwiegend auf Wanderhindernisse	zurückzuführen	sind.	

bei Bautzen. Der letzte Nachweis der Art in Berlin war der Fang eines männlichen Lachses in der Spree im Jahr 1787. Die letzten drei Störe wurden in Berlin in der Unterspree 1860,	1867	und	1868	gefangen,	das	letzte	Meerneunauge	 im	August	1868	in	der	Havel	bei	Spandau,	nahe	der	Spreemündung und die letzten Flussneunaugen 1875. Damit waren bereits zum Ende des 19. Jh. bis auf den Aal sämtliche diadrom wandernden Arten aus Berliner Gewässern verschwunden. Ein	sehr	wesentlicher	Sekundäreffekt	der	Stauhaltungen	ist	 die	 Reduzierung	 der	 natürlichen	 Abflussdynamik.	 In	 Staubereichen ist die Fließgeschwindigkeit verringert, z.B. in der Spree auf <0,1 m/s. Dadurch kann sich mitgeführtes feineres Geschiebe und organisches Material ablagern, was wiederum ein Verschlammen sämtlicher gröberen Sohlsubstrate und damit den vollständigen Verlust geeigneter Laichhabitate für Kieslaicher nach sich zieht. Infolgedessen gingen vielerorts die Bestände typischer, kieslaichender Flussfischarten,	z.B.	Barbe	und	Quappe	zurück.	Die	letzten	 Barben	wurden	um	1965	an	der	Mündung	der	Müggelspree	 in den Dämeritzsee gefangen. Mit der Barbe starb die einstige	Leitfischart	der	Spree	aus.	Dies	war	die	Konsequenz	einer	durch	Stauhaltungen	verringerten	Abflussdynamik,	was	 den	 Wandel	 der	 Gewässercharakteristik	 von	 der	 Barben-	 zur Bleiregion bewirkte. Das	Wissen	um	die	Bedeutung	von	Fischwanderungen	war	 auch ein Grund dafür, dass die Erreichung der Umweltziele der	WRRL	bis	2015	überwiegend	pessimistisch	eingeschätzt	 wurde, da alle Flusssysteme zahllose Querverbauungen aufweisen, welche die ökologische Durchgängigkeit einschränken. Letztere ist gegeben, wenn ein Flussabschnitt für alle gewässertypischen Organismen uneingeschränkt durchwanderbar und ein ungestörter Geschiebetransport möglich ist. Im Rahmen einer Bestandsaufnahme in den Berliner Fließgewässern	wurden	2004	mehr	als	60	Querbauwerke	registriert, die zu diesem Zeitpunkt über keinerlei Fischwanderhilfen verfügten. Diese Situation hat sich in den vergangenen Jahren	deutlich	verbessert.	So	wurden	von	2006	bis	2009	in	 der	Wuhle	sieben	Wehre	und	Sohlabstürze	und	in	der	Erpe	 vier	Wehre	komplett	zurückgebaut	und	durch	Fischwanderhilfen	ersetzt.	In	der	Panke	wurde	2012	ein	Wehr	im	Schlosspark Buch zurückgebaut und durch eine Sohlgleite ersetzt, ein zweites in diesem Jahr im Schlosspark Niederschönhausen	und	ein	drittes	wird	2014	in	Höhe	Köberlesteig	ersetzt.	 Insgesamt ist der Rückbau von neun Querbauwerken in der Panke	als	Teil	des	Pilotprojekts	Panke	2015	vorgesehen.	Der	 Rück-	und	Umbau	von	vier	Querbauwerken	im	Tegeler	Fließ	

© FIA

Sohlschwelle in der Pankemündung

In	 Havel,	 Spree	 und	 verschiedenen	 Nebenflüssen	 wurden	 Wehre	 und	 Stauanlagen	 bereits	 im	 13.	 Jh.	 urkundlich	 erwähnt, existierten aber wahrscheinlich bereits weitaus länger	(8.-10.	Jh.).	Wasserkraftnutzung	und	Wassermühlen	erlebten	 bereits	 zwischen	 1150	 und	 1250	 ihre	 größte	 zahlenmäßige	 Verbreitung	 in	 Europa.	 Die	 ersten	 Schiffsschleusen nördlich der Alpen wurden in der Havel in Brandenburg	und	Rathenow	(1548-1550)	und	in	Spandau	(1556)	 errichtet. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wies die Havel als Verbindungsgewässer zur Elbe und zur Nordsee zahlreiche Wanderhindernisse	auf,	die	letztendlich	zum	Verschwinden	 der	Wanderfische	aus	Berliner	Gewässern	führten.	So	existiert	 bereits	 aus	 dem	 Jahr	 1637	 nur	 noch	 ein	 als	 unsicher	 einzuschätzender möglicher Lachsnachweis aus der Spree

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Fische in Berlin | Gefährdungsursachen für Fische

ist ebenso geplant wie die Herstellung der Durchgängigkeit an den Staustufen Spandau, Charlottenburg und Mühlendamm,	 für	 die	 jeweils	 bereits	 Machbarkeitsstudien	 vorliegen. Die Passierbarkeit der beiden Spreewehre ist besonders wichtig für die Erschließung und Nutzung des gesamten Spreeeinzugsgebietes durch Fische.

bindung	mit	höheren	Wassertemperaturen	und	einer	in	der	 Regel	 guten	 Sauerstoffversorgung	 ermöglicht	 den	 Jungfischen	optimales	Wachstum. Der Verlust von Flachufern ist unweigerlich auch mit einem Rückgang	des	Jungfischaufkommens	und	der	Artenvielfalt	 verbunden. Der Zusammenhang zwischen Ausbau und künstlicher Uferbefestigung und dem Rückgang einheimischer Fischarten und der Artenvielfalt eines Gewässers ist gut belegt. Begradigte Gewässertrassen mit steileren Uferböschungen bieten nur noch wenig Flachwasserzonen und geeignete Brutaufwuchsgebiete. Durch das Fehlen von Uferstrukturen und Einständen sind die Fische zudem stärker	 physikalischen	 Kräften	 durch	 Strömung	 und	 Wellenschlag ausgesetzt. Folgerichtig wurde das Fehlen geschützter Flachwasserbereiche auch als limitierender Faktor für die	Rekrutierung	von	Fischen	in	Wasserstraßen	identifiziert.	 Lediglich der Barsch ist von fehlenden Flachwasserbereichen	 und	 degradierten	 Uferstrukturen	 weniger	 betroffen	 als andere Arten, da seine Larven unmittelbar nach dem Schlupf ins Freiwasser wandern. In	 den	 Wasserstraßen	 der	 Region	 reicht	 der	 vom	 Licht	 durchdrungene, ökologisch relevante Flachwasserbereich bis	in	etwa	1-1,3	m	Tiefe.		 Auch für die Berliner Gewässer wurde der ausbaubedingte Rückgang	typischer	Flussfischarten	nach	Abschluss	der	Kanalisierung und Niedrigwasserregulierung von Spree und Havel	1896	bzw.	1914	nachgewiesen.	Heute	ist	der	hydromorphologische Zustand der Spree und der Kanäle in Berlin durch begradigte Verläufe mit überdimensionierten Querschnitten	im	Rechteck-,	Trapez-	oder	kombiniertem	Rechteck-Trapez-Profil	und	befestigten	Ufern	(Stahl,	Beton,	Mauerwerk,	 Wasserbausteine)	 charakterisiert.	 Folgerichtig	 wurde	die	Gewässerstrukturgüte	der	Berliner	Hauptfließgewässer fast ausschließlich als sehr stark bis vollständig verändert	 eingeschätzt.	 Hauptdefizite	 für	 Fische	 und	 andere	 aquatische	Organismen	sind	neben	der	bereits	genannten,	 fehlenden Längsdurchgängigkeit der Gewässer, der Mangel an	 vor	 Wellenschlag	 geschützten	 Flachwasserbereichen,	 das Fehlen überströmter Grobsubstrate, z.B. als Reproduktionsgebiet	für	kieslaichende	Arten,	sowie	das	großflächige	 Fehlen	und	der	Rückgang	von	Wasserpflanzen. Die Urbanisierung bewirkt, neben dem Rückgang der Fischartenzahlen,	 auch	 eine	 veränderte	 Häufigkeitsverteilung	 der	 Hauptfischarten.	 Insbesondere	 die	 starke	 Uferverbauung im innerstädtischen Bereich wirkt sich negativ auf die Fischartendiversität aus. Jeder weitere Ausbau der Gewässer und die zunehmende Bebauung der Gewässerufer redu-

©	IGB,	Dr.	Christian	Wolter	und	Christian	Schomaker

Fischwanderhilfe in der Wuhle

Die	Sohlrampen	oder	Raugerinne	Beckenpässe,	welche	jetzt	 die	 rückgebauten	 Wehre	 ersetzen,	 dienen	 nicht	 nur	 als	 Fischwanderhilfe, sondern bieten darüber hinaus grobes Sohlsubstrat als Lebensraum für rheophile (Strömung bevorzugende)	Fischarten	und	Wirbellose	sowie	Laichplatz	für	 kieslaichende Arten. Die Maßnahmen zeigten bereits einen ersten Erfolg. So wurde in einer der Fischwanderhilfen in der Erpe wieder die erste Bachschmerle nach mehr als 80 Jahren in einem Berliner Gewässerabschnitt nachgewiesen.

Gewässerausbau und Uferbefestigung

Der	Flachwasserbereich	ist	der	produktive	Teil	der	Uferzone,	in	dem	die	Stoff-	und	Energieumsätze	am	größten	sind.	 Seine ökologische Bedeutung kann nicht überbewertet werden. Im naturnahen Zustand bietet er Lebensraum für untergetauchte	Wasserpflanzen	sowie	ein	Mosaik	sog.	Mikrohabitate,	die	in	Tiefe,	Strömung,	Wellenschlag,	Bodensubstrat,	 Totholz	 und	 Vegetationsbedeckung	 variieren	 und	 sehr komplexe Lebensraumstrukturen bieten. Deshalb sind auch die zu beobachtenden Fischdichten und die Artenvielfalt in der Uferzone höher als in anderen Gewässerbereichen. Die meisten Fischarten sind zumindest in bestimmten Lebensphasen auf Uferhabitate angewiesen, z.B. zur Fortpflanzung,	 viele	 leben	 sogar	 hauptsächlich	 dort.	 Darüber	 hinaus	sind	die	Larven	und	Jungfische	der	meisten	Fischarten auf Uferhabitate angewiesen, wo Flachwasserbereiche und	Vegetation	Schutz	vor	Räubern,	Wellenschlag	und	Strömung bieten. Die höhere Produktivität der Uferzone in Ver-

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ziert	 die	 fischökologische	 Wertigkeit	 der	 ufernahen	 Flachwasserbereiche und wird zu einem nachweisbaren Fischartenverlust führen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, müssen Ufer ökologisch aufgewertet und strukturreicher gestaltet werden, u.a. auch durch den Einsatz alternativer, technisch-biologischer Ufersicherungen. Beispielsweise	wurde	2004	unterhalb	der	Schleuse	Charlottenburg	 ein	 vor	 Wellenschlag	 geschützter	 Flachwasserbereich	 geschaffen	 und	 ein	 benachbarter	 Stichkanal	 zum	 Flachwasserbereich	erweitert.	Weitere	Flachwasserbereiche	 wurden	in	den	Folgejahren	im	Teltowkanal	angelegt.	Erste	 Überprüfungen	ihrer	Wirksamkeit	zeigten,	dass	sie	sowohl	 das	Jungfischaufkommen	als	auch	die	Ansiedlung	und	Häufigkeit	von	Wirbellosen	und	Wasserpflanzen	effektiv	förderten.	Darüber	hinaus	lieferten	diese	Pilotobjekte	auch	zahlreiche	 Anregungen	 zu	 ihrer	 Optimierung.	 Im	 Westlichen	 Abzugsgraben	 ist	 die	 Schaffung	 von	 Kieslaichplätzen	 geplant. Eine Machbarkeitsstudie dafür liegt bereits vor. Im Gegensatz zu den Flüssen und Kanälen sind in den Berliner	Seen	z.T.	noch	sehr	ausgedehnte	Flachwasserbereiche	 mit	unbefestigten	Ufern	und	Wasserpflanzenbewuchs	(zumeist Röhrichte) vorhanden. Diesen kommt bei der gegenwärtigen Gewässernutzung und -belastung eine wichtige Funktion als Refugium für die Fischreproduktion zu. Sie könnten ökologisch noch weiter aufgewertet werden, indem	Totholz,	wie	z.B.	ins	Wasser	gefallene	Bäume	dort	belassen wird. Die insbesondere im Bereich der Unterhavel und am Müggelsee vorhandenen unverbauten Ufer dürfen nicht darüber hinwegtäuschen,	 dass	 es	 sich	 hier	 um	 einen	 defizitären	 Lebensraum handelt und der Verbauungsgrad der Gewässer insgesamt sehr hoch ist. Letzteres ist auch daran ersichtlich,	dass	nur	etwa	26%	der	Ufer	öffentlich	zugänglich sind. Folgerichtig wurde in einem aktuellen Mediationsverfahren der	 Verbau	 von	 mehr	 als	 16%	 der	 Gesamtuferlänge	 mit	 Steganlagen und harten Uferstrukturen als erheblich und wesentliche	Beeinträchtigung	bewertet.	Dieser	Auffassung	 ist	beispielsweise	auch	das	Amtsgericht	Treptow/Köpenick	 gefolgt	indem	es	die	Erheblichkeitsschwelle	von	16%	akzeptierte. Jede weitere Inanspruchnahme oder Verbau von Uferzonen stehen einer Verbesserung des ökologischen Zustands der Berliner Gewässer und der darin lebenden Fischgemeinschaften entgegen und sollten unterbleiben. Vielmehr ist ein Rückbau vorhandener Uferbefestigungen aktiv zu för-

dern,	wie	er	beispielsweise	für	einen	2	km	langen	Abschnitt	 der Spree im Bereich Plänterwald geplant wird.

Beeinträchtigungen	durch	Schifffahrt	sind	nur	in	den	schiffbaren größeren Fließgewässern, Kanälen und Flussseen relevant.	Die	Schifffahrt	war	ein	wesentlicher	Treiber	der	o.g.	 Fließgewässerregulierungen und Uferbefestigungen infolge derer	sensitive	Flussfischarten	zu	Gunsten	weniger	umwelttoleranter Arten zurückgingen. Neben den o.g. strukturellen Defiziten	der	Gewässer	infolge	des	Ausbaus	zu	Wasserstraßen, befanden sich schon Ende der 1990er Jahre an den Berliner	 Gewässern	 mehr	 als	 1.116	 größere	 Steganlagen,	 Yachthäfen	 und	 Marinas	 mit	 mehr	 als	 27.371	 Bootsliegeplätzen,	 im	 Mittel	 fünf	 Liegeplätze	 je	 Hektar.	 Die	 gleiche	 Erhebung	(media	mare	2000)	ermittelte	etwa	23.330	zugelassenen	 Motorboote,	 was	 bei	 einer	 Gesamtfläche	 der	 schiffbaren	Gewässer	von	5.190	ha	einer	durchschnittlichen	 Belastung von 4,5 Motorbooten/ha entspricht (bzw. 449/ km²).	Im	Jahr	2011	schätzte	der	BUND	die	Zahl	der	Motorboote	 auf	 rund	 50.000	 (963/km²	 schiffbarer	 Gewässer),	 was mit einem substantiellen Anstieg der Steganlagen einhergegangen sein muss. Die	 betriebsbedingten	 Auswirkungen	 der	 Schifffahrt	 auf	 aquatische	 Organismen	 –	 schiffsinduzierte	 Strömungen,	 Absunk	 und	 Wellenschlag	 –	 sind	 ebenfalls	 erheblich.	 Strömung	 und	 Wellenschlag	 sind	 physikalische	 Kräfte,	 denen	 ein Fisch widerstehen muss, um einen Lebensraum nutzen zu können bzw. um nicht weggespült zu werden. Übersteigen	 die	 schiffsinduzierten	 Belastungen	 die	 Schwimmleistung	der	Fische	–	was	bei	Larven	und	Jungfischen	der	Fall	ist	 –	werden	diese	auf	das	Ufer	gespült	und	dort	verletzt	oder	 getötet, oder in tiefere ungeeignete Gewässerbereiche verdriftet.	 Der	 kurzzeitige	 Absunk	 des	 Wasserspiegels	 neben	 einem	vorbeifahrenden	Schiff	kann	auch	zum	Trockenfallen	 von Eiern und Larven führen. Heckwellen könne auch noch in	 großer	 Entfernung	 vom	 Schiff	 die	 Uferzone	 belasten,	 Jungfische	 aufs	 Trockene	 spülen,	 Röhricht	 mechanisch	 schädigen oder auch die schwimmend verankerten Nester verschiedener	Wasservögel	überfluten	und	ausspülen.	Fehlen strömungsberuhigte Refugien, dann ist die Reproduktion	von	Fischen	in	Wasserstraßen	stark	limitiert. Die	Anzahl	der	geschleusten	Wasserfahrzeuge	im	Jahr	2012	 	 (Tab.	 1)	 vermittelt	 einen	 Eindruck	 über	 die	 Frequenz	 der	 Schiffspassagen	 und	 die	 daraus	 potentiell	 entstehenden	 schiffsinduzierten	Belastungen	der	Uferzonen.	

Schifffahrt

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Fische in Berlin | Gefährdungsursachen für Fische

Tab. 1: Anzahl der geschleusten Wasserfahrzeuge im Jahr 2012

Schleuse Spandau Güterschiffe Fahrgastschiffe Sportboote Summe 3.332 794 14.063 20.321

Schleuse Plötzensee 1.341 1.051 3.962 8.230

Schleuse Charlottenburg 3.627 977 7.912 15.457

Schleuse Mühlendamm 1.452 23.449 6.345 34.077

Rund zwei Drittel aller Schleusungen am Mühlendamm waren	Fahrgastschiffe,	was	auf	die	enorm	hohe	Belastung	der	 Stadtspree im Bereich des Regierungsviertels durch den Ausflugsverkehr	hinweist.	An	den	übrigen	Schleusen	tragen	 Sportboote	 jeweils	 etwa	 die	 Hälfte	 zum	 Verkehrsaufkommen bei, in Spandau sogar fast zwei Drittel.

Arbeiten zur Gewässerunterhaltung dienen der Säuberung der	 Gewässer	 und	 der	 Freihaltung	 des	 Abflussprofils.	 Sie	 umfassen die Entfernung von Siedlungsmüll und Gegenständen aller Art aus den Gewässern, aber auch deren Krautung, Mahd, Grund- und Sohlräumung. Insbesondere bei der Krautung und Sohlräumung der Gewässer, werden auch zahlreiche im Mahd- oder Räumgut befindliche	Fische	entnommen.	In	der	Kulturlandschaft	sind	 Gräben	häufig	die	letzten	Rückzugsgebiete	für	typische	Arten der Flussauen und feuchten Niederungen, wie z.B. Schlammpeitzger. Diese Art wurde in der Vergangenheit häufig	 sogar	 erst	 während	 der	 Unterhaltungsarbeiten	 nachgewiesen,	wenn	die	Tiere	–	meistens	zu	spät	–	im	an	 Land aufgehäuften Mahdgut gefunden wurden. Mit der Entfernung	von	Wasserpflanzen,	Totholz	und	anderen	natürlichen Strukturen aus den Gewässern verlieren die Fische wichtige Lebensräume, was sie zum Abwandern in andere Gewässerabschnitte nötigt. Die beräumten Gewässerstrecken werden arten- und individuenarm. Bei der Grundräumung werden zudem bodennah und im Sediment lebende Organismen, wie Muscheln oder Insektenlarven,	 aber	 auch	 Fische	 und	 der	 Wurzelhorizont	 der	 Pflanzengesellschaften	 geschädigt.	 Aufgewirbeltes	 Feinsediment	 kann	 zudem	 zur	 Sauerstoffzehrung	 führen	 und	 stromab gelegene Substrate überlagern. Eine ökologisch angepasste und für Fische und andere Organismen verträgliche Gewässerunterhaltung sollte sich prinzipiell auf die unbedingt erforderlichen Arbeiten beschränken, in möglichst großen Zeitintervallen erfolgen und zu Zeiten, in denen das Beeinträchtigungspotential möglichst gering ist. Für Fische wäre dies der Frühherbst, September	–	Oktober.	Dann	sind	zum	einen	die	Jungfische	 groß und schwimmstark genug, dass sie einer Krautung ausweichen	können	und	zum	anderen	sind	die	Wassertem-

Gewässerunterhaltung

©	Ulrich	Werner

Schifffahrt auf der Unterhavel

Die tatsächliche Belastung insbesondere durch die Freizeitschifffahrt	dürfte	weitaus	höher	sein,	da	große	Gewässerflächen	 ohne	 Schleusungen	 befahren	 werden	 können.	 Zudem	 wird	 die	 Belastung	 durch	 Wellenschlag	 absehbar	 zunehmen.	Da	seit	2013	die	Fahrt	von	Außenbordmotoren	 bis 15 PS Leistung keinen Bootsführerschein mehr erfordert,	 ist	 kaum	 zu	 verhindern,	 dass	 sich	 die	 Freizeitflotte	 stärker	motorisiert.	Der	Trend	zu	immer	stärkerer	Motorisierung	 wurde	 in	 der	 Güterschifffahrt	 bereits	 vorweggenommen und wird durch diese Neuregelung nun insbesondere in der Klasse der kleinen Motorboote beschleunigt. Stärkere Motoren erlauben höhere Geschwindigkeiten, was auch	höhere	Wellen	und	Wellenbelastungen	erzeugt.		

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peraturen noch so hoch, dass die Fische allgemein aktiv sind	und	noch	nicht	ihre	Winterlager	aufgesucht	haben.

©	SenStadtUm,	Detlev	Winter

Gewässerunterhaltung am Tegeler Fließ

Krautungs- und Mahdarbeiten sind aus Gründen des Artenschutzes prinzipiell nur abschnittsweise durchzuführen. Die Ufer sollten einzeln und alternierend bearbeitet werden, wenn	möglich	überjährlich,	was	bedeutet,	im	ersten	Jahr	ein	 Ufer abschnittsweise zu bearbeiten und im darauf folgenden das andere. Die einzelnen Abschnitte sollten nicht länger als 100 m sein und gegen die Fließrichtung bearbeitet werden. Zwischen den Abschnitten sind unbearbeitete Pufferzonen von mindestens 5 m zu belassen, in größeren Gewässern	bis	20	m.	Die	Schnitthöhe	sollte	mindestens	10	cm	 über dem Boden bzw. der Gewässersohle liegen. Einmündende	Nebengräben	sind	nicht	zeitgleich	mit	ihrem	Vorfluter zu krauten. Bei der Sohl- oder Stromrinnenkrautung ist es besonders wichtig, das Mahdgut im oberen Drittel der Böschung, maximal auf der Böschungsoberkante abzulegen und	dort	für	zwei	Tage	zu	belassen.	Das	bietet	den	mit	dem	 Mahdgut	entnommenen	Tieren	die	Möglichkeit,	in	das	Gewässer zurückzukehren. Steinbeißer überleben beispielsweise	im	Mahdgut	noch	24	h	nach	einer	Krautung,	Großmuscheln	48	h	(Brandt	2010). Im Rahmen einer ökologisch orientierten Gewässerunterhaltung ist darüber hinaus zu prüfen, ob auf Sohlräumungen	gänzlich	verzichtet	werden	kann	und	inwieweit	Totholz	 u.ä. natürliche Strukturelemente im Gewässer belassen werden können. Viele der Berliner Gräben erweckten den Eindruck, dass bereits ein längerer Unterhaltungsturnus umgesetzt wurde und	 Mahd	 –	 bzw.	 Räumarbeiten	 keinesfalls	 in	 jedem	 Jahr	 erfolgen.

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Fische in Berlin | Die Fischfauna Berlins

Die Fischfauna Berlins
Vorangegangene Darstellungen der Berliner Fischfauna in Broschüren	 (Vilcinskas	 &	 Wolter	 1993,	 Wolter	 et	 al.	 2003)	 und	Themenkarten	des	Berliner	Umweltatlas	(Wolter	&	Vilcinskas	1993,	Wolter	2004),	dienten	ebenfalls	der	Aktualisierung	 von	 Fischbestandsdaten	 und	 der	 konsequenten	 Fortführung der Fischbestandserfassung in Berliner Gewässern. Die Arbeiten waren aber in erheblichem Umfang von Einzeluntersuchungen abhängig, z.B. im Rahmen von Genehmigungsverfahren,	 Forschungsprojekten	 und	 der	 Gewässerüberwachung durch das Fischereiamt. Unterstützt wurden sie zudem durch Informationen der Berufs- und Angelfischerei.	Die	so	erfassten	Informationen	zu	Fischartenvorkommen wurden über die Jahre akkumuliert und aktualisiert. Dies	 hat	 sich	 mit	 Inkrafttreten	 der	 Europäischen	 Wasserrahmenrichtlinie	 (WRRL)	 grundsätzlich	 geändert.	 Erstmals	 wurde der gute ökologische Zustand eines Gewässers als gleichrangiges	 Umweltqualitätsziel	 festgeschrieben	 und	 erstmals auch die Fischfauna als einer von vier obligatorischen	Indikatoren	für	die	Gewässerqualität	benannt.		 Um die ökologische Qualität der Gewässer anhand von Arteninventar,	 Häufigkeit	 und	 Altersstruktur	 der	 Fischgemeinschaft	 sowie	 dem	 Vorkommen	 gewässertypspezifischer,	 störungsempfindlicher	 Fischarten	 bewerten	 zu	 können, war ein Monitoringprogramm erforderlich. Deshalb	wurden	bis	2006	mehr	als	80	Messstellen	für	die	regelmäßige Überwachung der Fischfauna in den Berliner Gewässern	ausgewiesen.	Diese	Messstellen	werden	seit	2006	 jedes	zweite	Jahr	befischt.	Damit	ist	bis	heute	ein	Grunddatensatz zur Fischbestandsentwicklung in Berliner Gewässern entstanden, wie er in dieser Qualität bislang nicht zur Verfügung stand. Ergänzt wurden die Daten aus dem Fischbestandsmonitoring	 für	 die	 WRRL	 durch	 kontinuierliche	 Untersuchungen	 der großen Gewässer durch das Berliner Fischereiamt mittels	 Schleppnetzbefischungen	 sowie	 zahlreichen,	 aus	 der	 Fischereiabgabe	 geförderten	 Forschungsprojekten,	 z.B.	 zum	 fisch-ökologischen	 Potential	 der	 Berliner	 Kanäle,	 der	 Wasserstraßen	im	Elbeeinzugsgebiet	oder	der	Nebengewässer	 des	 Tegeler	 Fließes,	 zum	 Fischbestand	 der	 Landseen,	 von ausgewählten Kleinseen, zur Verbreitung von FFHFischarten in Berliner Gewässern und zur Bewertung der Fischwanderhilfen	 in	 Wuhle	 und	 Erpe.	 Daneben	 konnten	 weitere Fischerfassungen im Rahmen von Einzeluntersuchungen ausgewertet werden, wie z.B. Bestandskontrollen in den Verbandsgewässern des Landesanglerverbands Berlin.

©	Ulrich	Werner

Schleppnetzbefischung im Tegeler See

Insgesamt	entstand	so	im	Zeitraum	von	2003	bis	2013	eine	 Datenbasis	mit	922	Einzelbefischungen	aus	154	Gewässern,	 die	erstmals	auch	semiquantitative	Analysen	und	Trendermittlungen der Berliner Fischfauna und auch die Neufassung der Berliner Roten Liste der gefährdeten Rundmäuler und Fische ermöglichte. Eine Übersicht sämtlicher Probestrecken gibt Abb. 1. Zur Vereinfachung wurden die Schleppstrecken nur mit ihrem Anfangspunkt dargestellt.

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Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Abb. 1 Lage der 2003-2013 befischten Gewässerstrecken. Fließgewässer, Kanäle und Gräben wurden zur Kategorie „Fließgewässer“ zusammengefasst, Landseen und Kleingewässer als „Standgewässer“.

Ausgewertet	 wurden	 Fischerfassungen	 zwischen	 Frühjahr	 2003	und	Juni	2013.	In	diesem	Zeitraum	wurde	jedes	dargestellte	 Gewässer	 mindestens	 einmal	 befischt.	 Die	 meisten	 und	insbesondere	alle	größeren,	nach	WRRL	berichtspflichtigen Gewässer wurden mehrfach und an verschiedenen Probenahmestellen	befischt. Alle	 Gewässer	 wurden	 elektrisch	 befischt.	 Die	 Fischereidurchführung erfolgte nach den anerkannten methodischen Grundsätzen und grundsätzlich mit Gleichstromaggregaten. Bewatbare Gräben und Kleingewässer wurden mit	 einem	 tragbaren,	 batteriebetriebenen	 Gerät	 befischt,	 größere Gewässer vom Boot aus mit einem generatorgetriebenen mit höherer Leistung. Mit Hilfe des Gleichstromaggregates	wird	im	Wasser	ein	elektrisches	Feld	erzeugt.	In	 diesem	befindliche	Fische	greifen,	entsprechend	ihrer	Länge	

Datenerfassung

und Stellung zu den Feldlinien unterschiedliche Spannungen ab. Je nach Stärke derselben reichen die Reaktionen der Fische von Flucht über positive Galvanotaxis (gerichtetes Schwimmen zur Anode) bis hin zur Galvanonarkose. Der Wirkungsradius	der	Fangelektrode	beträgt	ca.	2	m. Bei	 qualifizierter	 Anwendung	 ist	 die	 Elektrofischerei	 das	 schonendste Verfahren zur Fischbestandserfassung, da die Fische weniger mit Netzmaterial u.ä. in Berührung kommen als bei anderen Fangmethoden, weshalb sie kaum Schuppen- oder Schleimhautverletzungen aufweisen. Sie ist zudem bei rauen Bodensubstraten, wie Blocksteinwurf, Steinschüttungen	oder	Pflanzenbeständen,	auch	die	effizienteste	 aller Fangmethoden. Aufgrund dessen wurde die Elektrobefischung	 auch	 die	 Standard-Erfassungsmethode	 für	 die	 fischbasierte	Gewässerbewertung	gemäß	WRRL	in	Fließgewässern.

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Fische in Berlin | Die Fischfauna Berlins

Die	 Längen	 der	 einzelnen	 Befischungsstrecken	 variierten	 zwischen	300	m	und	3.000	m	Uferlinie,	je	nach	Gewässerbreite, Strukturvielfalt und Fangerfolg. Ziel war es, das Artenspektrum möglichst vollständig zu erfassen. Allerdings sind	 bei	 der	 Elektrofischerei	 pelagisch	 (im	 Freiwasser)	 lebende, bzw. große, scheue Individuen aller Fischarten im Fang unterrepräsentiert. Die Fluchtdistanz der genannten Fische	ist	weitaus	größer	als	das	effektive	Fangfeld	der	Anode, so dass sie nur zufällig erfasst werden. Insgesamt ist die Selektivität	der	Elektrofischerei	allerdings	weitaus	geringer	 als die anderer Methoden, bei vergleichbarem Arbeits- und Zeitaufwand. In den Landseen wurden zusätzlich Multimaschenstellnetze parallel	 zu	 den	 Elektrobefischungen	 eingesetzt,	 zum	 Fang	 von	Fischen	im	Freiwasser	(die	bei	den	Elektrobefischungen	 methodisch unterrepräsentiert sind). Stellnetze fangen nach dem Prinzip, dass sich ein Fisch bei dem Versuch, das Netz zu durchschwimmen, mascht, d.h. die Netzmasche umschließt seinen Körper so fest, dass er nicht mehr entkommen kann. Die beste Fängigkeit wird erzielt, wenn der Körperumfang	des	Fisches	25%	größer	ist	als	der	Maschenumfang, was nur bei einem sehr eingeschränkten Längenspektrum der Fall ist. Aus diesem Grund sind Stellnetze extrem größenselektiv. Die gewählte Maschenweite bestimmt das	Größenspektrum	und	damit	z.T.	auch	das	Artenspektrum der zu fangenden Fische. Bei Multimaschennetzen werden Netzblätter mit unterschiedlichen Maschenweiten zusammengesetzt, was ihnen den	 Vorteil	 einer	 geringeren	 Größenselektivität	 verschafft	 gegenüber Netzen einheitlicher Maschenweite. Bei den Freiwasserbefischungen	 der	 Berliner	 Landseen	 wurden	 30m	 lange und 1,5 m hohe Multimaschen-Grundstellnetze gesetzt. Die Anzahl der Netze richtete sich nach der Gewässergröße.	 Jedes	 Netz	 bestand	 aus	 insgesamt	 12	 Blättern	 mit	 den	Maschenweiten	5	–	6,25	–	8	–	10	–	12,5	–	15,5	–	19,5	–	24	 –	29	–	35	–	43	–	55	mm.	Die	Stellzeit	betrug	maximal	zwei	 Stunden, um Verletzungen der sich maschenden Fische zu minimieren. In den Flussseen und großen Fließgewässern führte das Fischereiamt	 Berlin	 zusätzlich	 Schleppnetzbefischungen	 durch.	Diese	dienten,	analog	zu	den	Stellnetzbefischungen,	 ebenfalls	 der	 Erfassung	 der	 bei	 den	 Elektrobefischungen	 unterrepräsentierten Freiwasser-Fische. Im Gegensatz zu den Stellnetzen, die nur fangen, wenn ein Fisch versucht sie zu durchschwimmen, wird ein Schleppnetz aktiv durchs Wasser	gezogen,	wo	es	dann	auch	inaktive	Fische	fängt.	Damit eignet es sich weitaus besser für Einschätzungen der Häufigkeit	 von	 Freiwasserfischen	 als	 Stellnetze,	 erfordert	

aber auch einen erheblich höheren technischen und Arbeitsaufwand. Das	Fischereiamt	Berlin	hat	im	August	2004	das	Fischereiforschungsschiff	„PISCATOR“	in	Dienst	gestellt,	welches	u.a.	 regelmäßig	 zur	 Durchführung	 von	 Schleppnetzbefischungen eingesetzt wird. Beim Schleppnetz handelt es sich um einen	 hinter	 dem	 Schiff	 gezogenen	 Netzsack	 mit	 Netzflügeln,	dessen	Öffnung	durch	sog.	Scherbretter	offen	gehalten wird. Die Maschenweite im Netzsack (Steert) bestimmt die kleinste Länge der im Netz zurückgehaltenen Fische, darüber hinaus ist es kaum größenselektiv. Vom Fischereiamt wurden unterschiedliche Schleppnetze verschiedener Bauart und Maschenweiten im Steert eingesetzt. Die Schleppstrecken variierten zwischen wenigen 100 m und 2-3	km	Länge. Insgesamt wird durch die Verwendung verschiedener Gerätetypen die Fangselektivität des einzelnen kompensiert, was die Repräsentanz der Fischbestandserfassung, besonders der Arterfassung steigert. Die Standardauswertung der Fänge beinhaltet das Bestimmen, Zählen und Messen aller gefangenen Fische, stichprobenartig wird zusätzlich gewogen. Bei sehr vielen Fischen einer Alters- bzw. Längengruppe wird nur eine repräsentative Stichprobe vermessen und die übrigen Individuen nur gezählt.	So	werden	zur	Schonung	der	Tiere	der	Fang	schneller bearbeitet und die Fische zügiger zurückgesetzt.

Fischartenzusammensetzung und Hauptfischarten

In den Berliner Gewässern wurden aktuell 38 Fischarten nachgewiesen. Gegenüber der letzten Zusammenstellung aus	 dem	 Jahr	 2003	 sind	 fünf	 Arten	 neu	 hinzugekommen.	 Eine Art, die Regenbogenforelle, wurde in den letzten zehn Jahren nicht mehr nachgewiesen. Von	den	nachgewiesenen	Fischarten	gehören	29	zur	autochthonen, d.h. einheimischen Fauna. Dies ist ein Zugewinn von	einer	Art	gegenüber	2003.	Nach	dem	Verschwinden	des	 letzten	Vorkommens	in	der	Panke	um	1920,	gelang	es	der	 Schmerle die Berliner Gewässer natürlich wieder zu besiedeln.	In	der	Erpe	wurde	sie	2010	erstmals	wieder	auf	Berliner Stadtgebiet gefunden. Der Rückbau der dort ehemals vorhandenen	 Wehre	 war	 der	 Ausbreitung	 der	 Schmerle	 ganz sicher förderlich. Neun der nachgewiesenen Fischarten sind nicht einheimisch, sog. Neozoa. Dies bedeutet ebenfalls einen Zuwachs. In den vergangenen zehn Jahren wurden vier nicht einheimische	bzw.	exotische	Arten	neu	nachgewiesen:	Bachsaib-

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Präsenz (%) 0 Plötze Barsch Hecht Rotfeder Schleie Aal Blei Ukelei Karausche Giebel Gründling Güster Moderlieschen Kaulbarsch Aland Rapfen Zander Dreistachliger Karpfen Bitterling Stint Schlammpeitzger Steinbeißer Quappe Zwergstichling Hasel Wels Goldfisch Döbel Sonnenbarsch Silberkarpfen Graskarpfen Blaubandbärbling Marmorkarpfen Bachsaibling Goldorfe Schmerle Zwergwels
ling, Blaubandbärbling, Goldorfe und Sonnenbarsch. Dagegen wurden Regenbogenforelle und Brauner Zwergwels (Ameiurus nebulosus) nicht mehr nachgewiesen. Da der Braune Zwergwels in der Lausitz und in den Einzugsgebiet der	Spree	und	der	Schwarzen	Elster	vorkommt,	wurde	2003	 noch angenommen, dass beide Zwergwelsarten in Berliner Gewässern präsent sind, was sich bei der aktuellen Erfassung nicht bestätigte. Alle gefangenen Zwergwelse gehörten der Art Schwarzer Zwergwels (Ameiurus melas) an. Ungeachtet	der	Neunachweise	–	auch	hier	handelte	es	sich	nur	 um	wenige	Exemplare	oder	Einzelfische	–	sind	die	Vorkommen der nicht einheimischen Fischarten nach wie vor rückläufig.	

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Abb. 2: Vorkommenshäufigkeit der nachgewiesenen Fischarten (Präsenz) relativ zur Gesamtzahl der untersuchten Gewässer (154).

Die geringe Verbreitung und Präsenz der nicht einheimischen	 Fischarten	 in	 Berlin	 verdeutlicht	 auch	 Abb.	 2.	 Unter	 den insgesamt selten vorkommenden Fisch-Neozoa war der Goldfisch	 noch	 am	 weitesten	 verbreitet	 und	 in	 6,5%	 aller	 Gewässer	präsent,	gefolgt	vom	Sonnenbarsch	in	3,2%.	Drei	 Arten haben nur ein einziges Vorkommen. Damit sind die Exoten	in	den	Berliner	Gewässern	seltener	als	jede	einheimische Fischart, mit Ausnahme des Döbels und der gerade neu eingewanderten Schmerle. In Berlin insgesamt am weitesten verbreitet war die Plötze, die	in	72%	aller	154	befischten	Berliner	Gewässer	nachgewiesen	wurde	(Abb.	2).	Beinahe	ebenso	weit	verbreitet	und	

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FischederBerlin | Die | Titel des Kapitels Titel in Broschüre Fischfauna Berlins

Präsenz (%) 0 Plötze Barsch Hecht Rotfeder Schleie Aal Blei Ukelei Karausche Giebel Gründling Güster Moderlieschen Kaulbarsch Aland Rapfen Zander Dreistachliger Karpfen Bitterling Stint Schlammpeitzger Steinbeißer Quappe Zwergstichling Hasel Wels Goldfisch Döbel Sonnenbarsch Silberkarpfen Graskarpfen Blaubandbärbling Marmorkarpfen Bachsaibling Goldorfe Schmerle Zwergwels
nahezu gleichauf waren Barsch und Hecht mit einer Präsenz	 in	 67%	 bzw.	 66%	 aller	 Gewässer.	 Hechte	 sind	 insbesondere in den Kleingewässern weit verbreitet, wo fast überall	einzelne	Exemplare	zu	finden	waren. Die	Nachweishäufigkeit	des	Aals	ist	das	Resultat	umfangreicher Besatzmaßnahmen und erlaubt daher kaum Rückschlüsse	 auf	 die	 Gewässerqualität.	 Dagegen	 ist	 die	 weite	 Verbreitung von Plötze, Barsch, Kaulbarsch, Blei, Rotfeder, Güster und Ukelei in den Fließgewässern und insbesondere in den Flussseen Ausdruck dessen, dass diese Arten sich vergleichsweise gut mit den Lebensbedingungen in Berliner Gewässern arrangieren können. Bis auf die Rotfeder gehö-

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Abb. 3: Vorkommenshäufigkeit der nachgewiesenen Fischarten (Präsenz) relativ zu den Hauptgewässertypen Fließgewässer (N= 46), Flusssee (N= 15) und Standgewässer (N= 93)

Fließgewässer Flussseen Standgewässer
ren	die	genannten	Fischarten	zum	anpassungsfähigen	Typ	 der eurytopen Arten, die keine besonderen Lebensraumansprüche stellen. Sie zeigen darüber hinaus, wie vollständig sich	der	Charakter	der	Hauptfließgewässer	Berlins	von	der	 Barben- zur Bleiregion gewandelt hat. Die	Darstellung	der	Vorkommenshäufigkeit	der	Fischarten	 nach Haupt-Gewässertypen erlaubt zusätzliche Rückschlüsse auf deren bevorzugten Lebensraum (Abb. 3). Beispielsweise	wurden	die	typischen	Flussfische	Gründling,	 Aland und Rapfen nur in rund einem Drittel aller Gewässer gefunden	(Abb.	2),	waren	dagegen	aber	in	mindestens	80%	

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Abb. 4: Fischartenhäufigkeit in den unterschiedenen Gewässertypen. Der Punkt markiert den Mittelwert und die Linie das Intervall in dem die Gewässer eines Typs mit 95%iger Wahrscheinlichkeit liegen (Konfidenzintervall). N gibt die Anzahl der Gewässer je Typ.

Fischartenzahl

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10

5

0 N=

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11

19 Graben

15 Flusssee

38 Landsee

55 Kleingewässer

Fließgewässer Kanal

der Flussseen präsent (Abb. 3). Zahlreiche weitere Arten, z.B.	Zander,	Stint,	Quappe	oder	Wels	haben	ihr	Hauptverbreitungsgebiet in den Flussseen. Für die weitere Bewertung der Fischartenverteilung in Berliner Gewässern wurden die Hauptgewässertypen weiter differenziert, da sich die eingangs dargestellten Unterschiede zwischen den Gewässertypen auch auf deren Besiedlung durch Fische auswirken. So wurden bei den Fließgewässern die natürlichen Fließgewässer, Kanäle und Gräben unterschieden, bei den Standgewässern Landseen und Kleingewässer. Die Flussseen vereinen als eigenständige Kategorie die	Eigenschaften	stehender	und	fließender	Gewässer	und	 sind	darüber	hinaus	eine	regionale	Besonderheit	von	Tieflandfließgewässerlandschaften.	Die	früher	noch	zusätzlich	 unterschiedenen Kategorien Klärwerksableiter und Regenrückhaltebecken wurden nicht mehr beibehalten, so dass die	aktuelle	Differenzierung	insbesondere	die	durchschnittliche Gewässergröße widerspiegelt sowie bei den Kanälen ihren künstlichen Ursprung. Die	 detailliertere	 Darstellung	 der	 Fischartenzahlen	 je	 Gewässertyp zeigt drei Gruppen unterschiedlicher Artenvielfalt. Die artenreichsten Gewässer waren erwartungsgemäß die	durchflossenen	Seen	und	großen	Fließgewässer.	Kanäle	 und Landseen nehmen eine intermediäre Stelle ein, wobei sie sich bezüglich der Artenzahlen extrem ähnlich sind. Die geringsten Artenzahlen fanden sich in den Kleingewässern, unabhängig	 davon,	 ob	 diese	 fließen	 oder	 nicht.	 Allerdings	

deutet	das	Gesamtartenspektrum	der	in	den	fließenden	(26	 Arten)	 und	 stehenden	 (28	 Arten)	 Kleingewässern	 nachgewiesenen Arten darauf hin, dass die Artenzusammensetzung sehr variabel und schwer vorhersagbar ist. Innerhalb der	 fließenden	 und	 stehenden	 Gewässer	 wurden	 die	 geringsten	 Artenzahlen	 jeweils	 in	 den	 kleinsten	 Gewässern	 beobachtet (Abb. 4). Von den 38 insgesamt im Berliner Stadtgebiet aktuell vorkommenden	Fischarten	wurden	32	in	den	Flussseen,	29	in	 Fließgewässern,	 28	 in	 stehenden	 Kleingewässern,	 27	 in	 Landseen,	26	in	Gräben	und	21	in	den	innerstädtischen	Kanälen nachgewiesen. Im Gegensatz zu den Kleingewässern weisen die Kanäle im urbanen	 Bereich	 eher	 eine	 geringe	 Gesamtfischartenzahl	 auf.	Wenn	Fische	die	Möglichkeit	haben,	ungünstigen	Umweltbedingungen durch Kompensationswanderungen zu entgehen,	machen	sie	davon	offensichtlich	Gebrauch.	 Für die Darstellung der Verbreitung der einzelnen Arten wurden zur verbesserten Übersichtlichkeit nur die Hauptgewässertypen Fließgewässer, Flussseen und Standgewässer unterschieden.

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Ergebnisse zu den einzelnen Arten

Spezieller	Teil	– Ergebnisse zu den einzelnen Arten

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Stint Osmerus eperlanus (LINNAEUS, 1758)
Da Binnenstinte in der Regel nur einmal laichen und relativ kurzlebig sind, unterliegt der Bestand eines Gewässers starken Schwankungen. Nach massenhaftem Auftreten in sog. Stintjahren	folgen	regelmäßig	Bestandseinbrüche,	weil	für	 die dann ebenfalls massenhaft schlüpfende Brut die Nahrung fehlt.

Verbreitung

© Jörg Freyhof

Stinte besiedeln das Einzugsgebiet der Küsten des Nordostatlantiks von Skandinavien bis zur Biskaya einschließlich Nord- und Ostsee. Nach der letzten Eiszeit haben sich in größeren Seen und Flüssen stationäre Formen ausgebildet. Als	 Freiwasserfische	 besiedeln	 Stinte	 im	 Binnenland	 nur	 große Seen und Flussseen dauerhaft. Aus Brandenburger Gewässern sind 81 aktuelle Fundorte bekannt, wobei sich die Zahl der Gewässer, in denen der Stint	als	häufig	oder	massenhaft	angeführt	wurde,	gegenüber 1998 verdoppelt hat.

Stinte haben einen langgestreckten, beinahe runden, grau bis silbrig gefärbten Körper und ein vergleichsweise großes, stark bezahntes, oberständiges Maul. Die Maulspalte reicht unter die Augen. Ein weiteres Charakteristikum ist die Fettflosse,	eine	kleine	strahlenlose	Flosse	zwischen	Rücken-	und	 Schwanzflosse,	die	den	Stint	als	Vertreter	der	Ordnung	der	 Lachsartigen kennzeichnet. Ebenfalls	 sehr	 charakteristisch	 ist	 sein	 auffälliger	 Geruch,	 der	an	grüne	Gurke	erinnert.	Beim	Stint	sind	zwei	Wanderformen zu unterscheiden. Küstennahe Populationen zeigen ein	 anadromes	 Wanderverhalten,	 d.h.	 sie	 ziehen	 von	 den	 marinen Nahrungsgründen in die Flussunterläufe um dort zu laichen. Die Binnenform lebt stationär im Süßwasser, wobei	auch	hier	Teile	der	Population	zum	Laichen	in	die	Zuflüsse	der	großen	Seen	ziehen.	Die	Eiablage	erfolgt	im	MärzApril	über	sandigen	bis	kiesigen	Substraten	in	den	Zuflüssen, aber auch am Brandungsufer der Seen. Der Laich eines Weibchens	kann	bis	40.000	Eier	umfassen.	Die	Geschlechtsreife	erreichen	die	Tiere	mit	1-2	Jahren.	Stinte	sind	monozyklisch, d.h. der Großteil der Elterntiere stirbt nach dem Ablaichen. Der	Binnenstint	wird	maximal	10-12	cm	lang,	während	die	 anadrome Form Körperlängen bis 30 cm erreichen kann. Beide Formen besiedeln die Freiwasserregion und ernähren sich fast ausschließlich von Zooplankton.

Artbeschreibung und Umweltansprüche

In	Berlin	wurden	Stinte	aktuell	bei	38	Probebefischungen	in	 15 Gewässern nachgewiesen. In seinem Hauptverbreitungsgebiet	–	den	großen	Flussseen	–	ist	der	Stint	flächendeckend	 präsent. Der große Zuwachs an Vorkommen gegenüber 2003	(10	Vorkommen)	ist	vor	allem	darauf	zurückzuführen,	 dass	2012	ein	sog.	Stintjahr	war.	Im	vergangenen	Jahr	war	 das	Stintaufkommen	so	massenhaft,	dass	die	Tiere	in	Größenordnungen in die Spree zogen und sogar in einem kleinen, mit der Müggelspree in Verbindung stehenden Standgewässer gefangen wurden. Aus dem Großen Müggelsee ist bekannt, dass auch die Stinte eines Gewässers unterschiedliche Laichstrategien verfolgen.	Während	ein	Teil	der	Population	im	See	laicht,	zieht	ein	 anderer	alljährlich	in	die	Löcknitz,	wo	sie	beispielsweise	unterhalb der Straßenbrücke nach Fangschleuse ablaichen. Gleiches	ist	auch	für	die	Unterhavel	oder	den	Tegeler	See	zu	 erwarten, wurde aber hier noch nicht beobachtet. Der geplante	Rückbau	der	Wehre	im	Tegeler	Fließ	könnte	die	dafür	 erforderlichen	 Voraussetzungen	 schaffen	 und	 neue	 Laichplätze für den Stint erschließen.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Stint

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Stint (Binnenstint) Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 38 2013:	15,	2003:	10,	1993:	13 Fließgewässer:	3,	Flussseen:	11,	Standgewässer:	1 Freiwasserzone größerer Seen und Flussseen Müggelsee,	Dämeritzsee,	Unterhavel,	Wannsee,	Tegeler	See,	Oberhavel Vorwarnliste (V) Rote	Liste	Berlin:	Vorwarnliste	(V) FFH-Anhang:	-

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Hecht Esox lucius (LINNAEUS, 1758)
Hechte werden im Allgemeinen bis 15 Jahre alt, wobei sie >1	m	Länge	und	15	kg	Stückmasse	erreichen.	Weitaus	größere Einzelexemplare sind allerdings nicht selten.

Der	Hecht	besiedelt	fließende	und	stehende	Binnengewässer der Nordhalbkugel. In Europa fehlt er auf der Iberischen Halbinsel und im Norden Skandinaviens. In Brandenburg ist er	mit	1.185	aktuellen	Fundorten	die	zweithäufigste	Fischart.

Verbreitung

© Andreas Hartl

Der Hecht hat einen sehr markanten, langgestreckten und seitlich	leicht	abgeflachten	Körper.	Die	Grundfarbe	ist	grün	 mit dunklen Querbinden oder Marmorierungen. Sein typisches, weites, entenschnabelförmiges Maul ist mit etwa 700 spitzen, leicht nach hinten gebogenen Zähnen besetzt. Rücken-	 und	 Afterflosse	 stehen	 sich	 gegenüber	 und	 sind	 weit nach hinten verschoben, wo sie zusammen mit der Schwanzflosse	eine	große	Vortriebsfläche	bieten.	Damit	ist	 der Hecht in der Lage, aus dem Stand blitzartig zu beschleunigen, was ihn als ausgeprägten Lauerräuber kennzeichnet. Der Hecht zählt zu den primär piscivoren, d.h. Fisch fressenden Arten. In der Regel werden die Junghechte bereits ab etwa	23	mm	Körperlänge	piscivor.	 Hechte bevorzugen Gewässer mit größeren Sichttiefen, da sie sich bei der Jagd vorwiegend optisch orientieren. Darüber	hinaus	stellen	sie	keine	hohen	Ansprüche	an	die	Wasserqualität	 und	 tolerieren	 auch	 noch	 Sauerstoffgehalte	 <1	mg/l.	Als	obligate	Pflanzenlaicher	(phytophil)	sind	Hechte	zur	Reproduktion	auf	Pflanzen	angewiesen.	Dies	können	 sowohl	untergetauchte	und	emerse	Pflanzen	der	Uferzone	 sein,	 als	 auch	 vom	 Frühjahrshochwasser	 überstaute	 Wiesen.	Das	Ablaichen	beginnt	im	Frühjahr	bei	Wassertemperaturen ab etwa 10°C und erfolgt in Berliner Gewässern von Ende	Februar	bis	Mai.	Dabei	legt	ein	Weibchen	ca.	40.00045.000 Eier pro kg Körpermasse. Die Brut schlüpft nach 10 bis	30	Tagen.

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Mit	 366	 aktuellen	 Nachweisen	 aus	 102	 Gewässern	 gehört	 der	Hecht	auch	in	Berlin	zu	den	häufigsten	Fischarten,	unmittelbar	nach	Barsch	und	Plötze.	Wenn	2003	noch	eingeschätzt wurde, dass die Mehrzahl der Vorkommen auf Besatz	beruht,	so	ist	dies	aktuell	nicht	zutreffend.	Die	aktuellen	 Vorkommen	–	insbesondere	auch	in	den	fischereilich	nicht	 bewirtschafteten	Kleingewässern	–	beruhen	auf	natürlicher	 Reproduktion.	 Die	 kontinuierliche	 Verbesserung	 der	 Wasserqualität	wird	den	Hechtbestand	weiterhin	begünstigen.	 Auffällig	war	die	weite	Verbreitung	und	Präsenz	des	Hechts	 in den Kleinstgewässern und Gräben, wo er größtenteils nachgewiesen	 wurde.	 Allerdings	 war	 er	 in	 den	 jeweiligen	 Gewässern eher kleinwüchsig und auch nicht sehr zahlreich. Gutwüchsige Bestände fanden sich dagegen in den mittelgroßen	 und	 größeren	 Seen,	 wie	 z.B.	 im	 Tegeler	 See,	 Seddinsee, Nikolassee oder in den Kaulsdorfer Seen.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Hecht

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Hecht Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 366 2013:	102,	2003:	98,	1993:	84 Fließgewässer:	30,	Flussseen:	13,	Standgewässer:	59 Langsam	fließende	Gewässer	und	Seen In	 Berlin	 flächendeckend	 in	 annähernd	 allen	 Fließgewässern	 und	 mittleren	 bis	 großen Seen präsent Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

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Aal Anguilla anguilla (LINNAEUS, 1758)
schen diesen morphologisch unterscheidbaren Extremformen	fließend	sind.

© Andreas Hartl

Aale haben einen unverwechselbaren, charakteristischen, schlangenähnlichen	Körper.	Bauchflossen	fehlen,	Rücken-,	 Schwanz-	und	Afterflosse	bilden	einen	geschlossenen	Saum.	 Der Körper ist mit kleinen Rundschuppen bedeckt und von einer starken Schleimschicht überzogen. Aale leben bodenorientiert und sind überwiegend dämmerungs-	 und	 nachtaktiv.	 An	 die	 Wassergüte	 und	 die	 Uferstruktur stellen sie keine besonderen Ansprüche, wohl aber an die Durchwanderbarkeit. Der Aal ist der einzige katadrome	Wanderfisch	unter	den	einheimischen	Arten.	Katadrome	 Arten laichen im Meer, der Aal in der Sargassosee. Die Larven wandern mit dem Golfstrom an die europäischen Küsten, wo sie sich zuerst in Glasaale, später in Steigaale umwandeln und vielerorts in die Flüsse aufsteigen und die Binnengewässer besiedeln. Nach etwa 8-10 Jahren im Süßwasser werden sie geschlechtsreif, wandeln sich erneut um und wandern als sogenannte Blankaale wieder zu ihrem Laichgebiet im Meer. Nach dem Ablaichen sterben sie. Aale	sind	sehr	tolerant	gegenüber	niedrigen	Sauerstoffgehalten	<1	mg/l.	Sie	bevorzugen	eher	höhere	Temperaturen	 bis	maximal	35°C	und	sind	dagegen	bei	Temperaturen	<8°C	 weitgehend inaktiv. Bekannt ist das Auftreten von zwei unterschiedlichen Fraßformen beim Aal, Breitkopf und Spitzkopf. Erstgenannte fressen bevorzugt Fisch, während Spitzkopfaale auf wirbellose Bodentiere spezialisiert sind. Generell sind Aale Opportunisten und nutzen ein sehr breites Nahrungsspektrum, weshalb auch die Übergänge zwi-

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Aales erstreckt sich über ganz Europa und Nordafrika, wo er bevorzugt stehende	 und	 langsam	 fließende	 Tieflandgewässer	 besiedelt.	 Während	 der	 Aal	 ursprünglich	 nur	 Fließgewässer	 und	 mit	 diesen in Verbindung stehende Seen besiedeln konnte, gelangte	er	bis	heute	als	Brotfisch	der	gewerblichen	Binnenfischerei	 und	 begehrtes	 Angelobjekt	 durch	 Besatz	 auch	 in	 zahlreiche	zu-	und	abflusslose	Stillgewässer.	Die	weite	Verbreitung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Aalbestand seit 30 Jahren weltweit zurückgeht. Die europäischen Speiseaalfänge sind auf weniger als ein Viertel der Durchschnittsfänge von 1970-1990 zurückgegangen, Glasaalfänge	 auf	 1-4%.	 Seit	 2007	 ist	 der	 Aal	 deshalb	 Gegenstand Europäischer Managementbemühungen. Im Brandenburger Umland zählt der Aal zu den am weitesten verbreiteten Fischarten und wurde aktuell in 910 Befischungsstrecken	(53%	aller	Messstellen)	nachgewiesen.	

Verbreitung

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

In	Berlin	wurde	der	Aal	aktuell	in	78	Gewässern	in	349	Befischungsstrecken nachgewiesen, darunter sämtliche Flussseen,	größere	Fließgewässer	und	Kanäle.	Besonders	häufig	 war	er	in	Spree	und	Havel,	sowie	im	Teltowkanal. Ein natürlicher Aalaufstieg wurde seit mehr als 40 Jahren nicht mehr beobachtet. Der Aalbestand beruht vollständig auf	 Besatz.	 Allein	 von	 2005	 bis	 2012	 wurden	 durch	 das	 Fischereiamt Berlin in Zusammenarbeit mit den Fischereiberechtigten	insgesamt	2,5	Mio.	vorgestreckte	Aale	in	Berliner Gewässern besetzt. Neu ist, dass diese Aale nur noch in offene	Gewässer	–	Flüsse,	Flussseen,	Kanäle	–	gesetzt	wurden, um auch die Abwanderung laichreifer Aale zu ermöglichen. Die	jährlichen	Besatzmaßnahmen	erfolgen	im	Rahmen	des	 2005	 begonnenen	 Projekts	 „Laicherbestandserhöhung	 beim	Europäischen	Aal	im	Einzugsgebiet	der	Elbe“	und	sind	 Element des Aalbewirtschaftungsplans für das Elbegebiet.

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Aal

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Aal Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 349 2013:	78,	2003:	99,	1993:	86 Fließgewässer:	31,	Flussseen:	15,	Standgewässer:	32 Stehende	und	fließende	Gewässer,	durch	Besatz	auch	in	geschlossenen	Standgewässern weit verbreitet Oberhavel,	Unterhavel,	Spree,	Teltowkanal,	Innere	Kanäle,	Müggelsee	 Rote	Liste	BRD:	nicht	bewertet Rote	Liste	Berlin:	nicht	bewertet FFH-Anhang:	-

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Bitterling Rhodeus amarus (BLOCH,	1782)
Der Bitterling besiedelt Mittel- und Osteuropa nördlich der Alpen. Er fehlt auf den Britischen Inseln, in Dänemark und Skandinavien. In Deutschland und Europa galt der Bitterling bereits Mitte der 1980er Jahre als selten. Allerdings wurde jüngst	die	Schutzwürdigkeit	des	Bitterlings	in	weiten	Teilen	 Europas	in	Frage	gestellt	(van	Damme	et	al.	2007).	Eine	umfassende Recherche historischer Überlieferungen und archäologischer Daten der letzten zwei Jahrtausende führte zu der Schlussfolgerung, dass Bitterlinge nur im Rheineinzugsgebiet heimisch waren, während es sie u.a. im Elbegebiet	nicht	vor	dem	16.	Jh.	gab.	Die	Einbürgerung	nach	1492	 würde den Bitterling zu den nicht einheimischen Arten stellen	(van	Damme	et	al.	2007). In Brandenburg ist der Bitterling aktuell relativ weit verbreitet.	Mit	289	Nachweisen	waren	auch	im	Vergleich	zu	früheren Jahren deutlich mehr Vorkommen zu verzeichnen.

Verbreitung

© Andreas Hartl

Der	Bitterling	hat	einen	seitlich	abgeflachten,	leicht	hochrückigen	 Körper.	 Rücken-	 und	 Afterflosse	 sind	 relativ	 groß	 und stehen sich gegenüber (gegenständig). Der Rücken ist graugrün gefärbt, Seiten und Bauch sind silbrig. Ein charakteristischer dunkler, blaugrüner Längsstreifen erstreckt sich	von	der	Körpermitte	bis	zur	Schwanzwurzel.	Während	 der Laichzeit von April bis August schillern die Männchen regenbogenfarben und bilden einen Laichausschlag auf der Schnauze.	Die	schlichter	gefärbten,	geschlechtsreifen	Weibchen	sind	an	einem	fadenartigen	Fortsatz	vor	der	Afterflosse erkennbar, der Legeröhre. Bitterlinge haben eine bei europäischen	Süßwasserfischen	einmalige	Fortpflanzungsstrategie.	 Mit	 ihrer	 Legeröhre	 positionieren	 die	 Weibchen	 ihre	2,5-3	mm	großen	Eier	in	der	Mantelhöhle	von	Großmuscheln der Gattungen Unio oder Anodonta, wo sie sich in den	 Wimpernfeldern	 der	 Kiemen	 festsetzen.	 Die	 Larven	 schlüpfen	 nach	 etwa	 36	 h	 mit	 3-4	 mm	 Länge,	 verbleiben	 aber noch rund einen Monat im Kiemenraum der Muschel, bis sie mit 10-11 mm Länge frei schwimmen. Bitterlinge	werden	im	zweiten	Lebensjahr	mit	einer	Länge	 von 33-35 mm geschlechtsreif. Ihre maximale Körperlänge erreichen sie mit 4-7 cm. Als typische Art der Auegewässer sind	Bitterlinge	sehr	tolerant	gegenüber	hohen	Temperaturen	und	niedrigen	Sauerstoffgehalten.	Sie	sind	sogar	dazu	 in	der	Lage,	unter	anoxischen	(sauerstofffreien)	Bedingungen	einen	anaeroben	Stoffwechsel	zu	nutzen	und	so	über	 Monate zu überleben.

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Die Zahl der Bitterlingsvorkommen in Berliner Gewässern hat	sich	sehr	positiv	entwickelt.	Waren	2003	nur	noch	zwei	 der bekannten Vorkommen zu bestätigen, so wurde die Art in den letzten Jahren in 19 Gewässern nachgewiesen. Bitterlinge	 wurden	 in	 insgesamt	 36	 Befischungsstrecken	 gefangen. Gute Bestände fanden sich u.a. im Einzugsgebiet des	 Tegeler	 Fließes	 und	 –	 überraschenderweise	 –	 in	 der	 Wuhle.	Sehr	stabil	erscheinen	auch	die	Bestände	in	den	Teufelsseen. Infolge der positiven Bestandsentwicklung wurde der Bitterling in der Roten Liste Berlins von „vom Aussterben bedroht“	nach	„gefährdet“	zurückgruppiert.	

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Bitterling

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Bitterling Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 36 2013:	19,	2003:	2,	1993:	10 Fließgewässer:	4,	Flussseen:	1,	Standgewässer:	14 Langsam	fließende	Gewässer	und	Seen	mit	Großmuschelvorkommen Tegeler	Fließ,	Teufelssee	(Grunewald),	Teufelssee	(Berlin-Köpenick),	Körnersee,	 Wuhle,	Wuhleteich	 Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	gefährdet	(3) FFH-Anhang:	II

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Gründling Gobio gobio (LINNAEUS, 1758)
eine	der	häufigen	Fischarten	und	zahlreicher	als	heute.	Ungeachtet dessen haben sich seine Bestände in den letzten Jahren stabilisiert. Aktuell sind in Brandenburg 755 Fundorte bekannt. In Brandenburg besiedelt eine zweite Gründlingsart, der Stromgründling, die Hauptläufe von Elbe, Oder und auch der Havel. Bislang ist diese Art aber noch nicht nachweislich bis Berlin vorgedrungen.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

© Andreas Hartl

Gründlinge haben einen langgestreckten, walzenförmigen Körper. Das Maul ist unterständig, in den Mundwinkeln sitzt je	eine	Bartel.	Die	Grundfarbe	ist	dunkel,	blaugrau-bräunlich. Entlang der Seiten reihen sich bläulich schimmernde unregelmäßige	Flecken	und	Punkte.	Auffällig	ist	die	starke	 Pigmentierung sämtlicher Flossen mit unregelmäßig angeordneten Punkten. Die nur selten länger als 15 cm werdenden Gründlinge leben bodenorientiert und ernähren sich von wirbellosen Bodentieren, wie Insektenlarven. Gründlinge zählen zu den rheophilen,	typischen	Flussfischen,	kommen	aber	auch	in	zahlreichen Seen vor. Voraussetzung ist, dass sich zumindest am Brandungsufer der Seen sandige Sohlsubstrate ohne Schlammauflage	 finden.	 Diese	 benötigt	 der	 Gründling	 als	 psammophile Art (Sandlaicher mit benthischen Larven) zur Fortpflanzung.	Gründlinge	laichen	von	Mai	bis	Juli.	Als	echte	 Portionslaicher, bei denen nicht alle Eier gleichzeitig reifen, legen	die	Weibchen	bis	zu	3.000	Eier	in	3-8	Schüben	ab.	Geschlechtsreif	werden	die	Tiere	mit	2-3	Jahren. Gründlinge	 sind	 bezüglich	 des	 Sauerstoffgehaltes	 vergleichsweise anspruchsvoll, so dass Konzentrationen unter 2	mg/l	nicht	überlebt	werden.

Artbeschreibung und Umweltansprüche

In	 Berlin	 ist	 die	 Anzahl	 der	 Gründlingsvorkommen	 seit	 20	 Jahren	relativ	stabil.	Aktuell	wurden	203	Nachweise	geführt	 und die Art in 50 Berliner Gewässern festgestellt. Den Verbreitungsschwerpunkt bilden die Fließgewässer und Flussseen. Besonders	häufig	waren	Gründlinge	im	Tegeler	Fließ.	Gute	 Bestände	wurden	auch	in	den	flachen	Uferzonen	von	Ober-	 und Unterhavel festgestellt sowie im Zeuthener See. In diesen	Gewässern	hat	auch	die	Häufigkeit	des	Gründlings	zugenommen.	 Dagegen	 waren	 beispielsweise	 die	 2003	 festgestellten Vorkommen in den innerstädtischen Kanälen rückläufig.	Hier	gibt	es	aktuell	nur	Einzelnachweise	aus	vier	 Kanälen.

Verbreitung

Gründlinge besiedeln Europa von der Iberischen Halbinsel bis zum Ural und zum Kaspischen Meer. In Berliner und Brandenburger Gewässern war der Gründling historisch

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Gründling

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Gründling Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 203 2013:	50,	2003:	47,	1993:	48 Fließgewässer:	18,	Flussseen:	13,	Standgewässer:	19 Kleine bis große Fließgewässer, Flussseen und größere Seen mit sandigem Substrat Oberhavel,	Unterhavel,	Tegeler	Fließ,	Spree,	Zeuthener	See,	Müggelsee,	Kiessee Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	Vorwarnliste	(V) FFH-Anhang:	-

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Giebel Carassius gibelio (BLOCH,	1782)
Giebel werden bis 30 cm, in seltenen Fällen sogar bis 50 cm lang und bis zu 3 kg schwer.

© Andreas Hartl

Der Giebel hat einen gedrungenen, leicht hochrückigen Körper mit relativ großen Schuppen. Das Maul ist endständig und trägt im Gegensatz zum ähnlichen Schuppenkarpfen keine	 Barteln.	 Die	 lange	 dunkle	 Rückenflosse	 ist	 an	 ihrem	 freien Rand gerade bis leicht nach innen gewölbt (konkav), was den Giebel sicher von der ähnlich aussehenden Karausche unterscheidet. Giebel besiedeln bevorzugt Standgewässer, wo sie insbesondere in Kleingewässern, Auegewässern und Seen in einem fortgeschrittenen Stadium der Verlandung sehr konkurrenzstark	sind.	Im	Frühjahr,	bei	höheren	Wasserständen	 durchwandern sie allerdings auch sehr ausgedehnt die Fließgewässer. Giebel sind extrem anspruchslos in Bezug auf	die	Wasserqualität	und	sehr	tolerant	gegenüber	hohen	 Temperaturen	und	niedrigen	Sauerstoffgehalten.	Analog	zu	 Bitterling und Karausche überleben sie auch kurzzeitig anoxische	(Sauerstoff-freie)	Bedingungen.	 Die	 Fortpflanzungsperiode	 erstreckt	 sich	 von	 Mai	 bis	 Juli.	 Zwar können Giebel durchaus zweigeschlechtliche Populationen	 ausbilden,	 aber	 in	 den	 meisten	 Gewässern	 finden	 sich	 reine	 Weibchenbestände,	 die	 sich	 gynogenetisch,	 d.h.	 durch Jungfernzeugung vermehren. Dabei werden die Eier der Giebel durch Spermien anderer karpfenartigen Fische zur Entwicklung angeregt, ohne dass es zu einer Befruchtung	kommt.	Auf	diese	Weise	kann	ein	einziges	Giebelweibchen eine neue Population gründen, was die Art auch zu einem sehr guten Erstbesiedler (Pionierart) macht.

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Giebels liegt in Ostasien. In Mitteleuropa wurde er bereits im Frühmittelalter parallel mit dem Karpfen verbreitet, weshalb er heute zu den	prähistorisch	(weit	vor	1492)	eingebürgerten,	einheimischen Fischarten zählt. Aufgrund seines Anpassungsvermögens	und	seiner	artspezifischen	Fortpflanzungsstrategie	ist	 der Giebel heute in Europa weit verbreitet. In Brandenburg sind	aktuell	225	Vorkommen	bekannt.	Obwohl	der	Giebel	im	 Zusammenleben mit anderen Fischarten deutlich konkurrenzstärker ist als die Karausche, steht er in seiner Verbreitung hinter dieser zurück.

Verbreitung

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

In	Berlin	wurde	der	Giebel	in	134	Befischungsstrecken	und	 52	Gewässern	nachgewiesen.	Damit	ist	die	Anzahl	der	Gewässerstrecken in denen Giebel präsent sind hier deutlich höher als bei der Karausche, ganz im Gegensatz zum Umland. Diese weitere Verbreitung könnte ein Indiz für seine o.g. größere Konkurrenzstärke sein, die in urbanen Gewässern	möglicherweise	besonders	zum	Tragen	kommt.	Ungeachtet dessen ist auch in den Berliner Gewässern die Zahl der	Vorkommen	rückläufig.	 Der Verbreitungsschwerpunkt des Giebels in Berlin liegt in den	Gräben	und	Kleingewässern.	Relativ	häufig	ist	er	im	Obersee und im Lietzensee. Von den größeren Gewässern wird er regelmäßig in der Unterhavel und im Grimnitzsee gefangen. Der Giebel gilt als der wildlebende Vorfahr des inzwischen seit fast 1.000 Jahren domestizierten und als eigene Art beschriebenen	 Goldfischs	 Carassius auratus.	 In	 Goldfischteichen werden immer wieder naturfarbene Individuen gefangen, die sich nicht vom Giebel unterscheiden lassen und möglicherweise aus Rückkreuzungen hervorgegangen sind. So	können	freigesetzte	Goldfische	aus	Gartenteichen	auch	 neue Giebelpopulationen initiieren. Sehr wahrscheinlich bietet die natürliche Farbe auch einen besseren Schutz vor Räubern.	So	besteht	beispielsweise	der	Goldfischbestand	im	 Eckernpfuhl nur noch aus naturfarbenen Individuen, bei denen der ausgeprägte Schleierschwanz noch deutliches Zeugnis ihrer Herkunft gibt.

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Giebel

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Giebel Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 134 2013:	52,	2003:	66,	1993:	63 Fließgewässer:	14,	Flussseen:	10,	Standgewässer:	28 Stehende	und	langsam	fließende	Gewässer Unterhavel, Grimnitzsee, Lietzensee sowie in einer Vielzahl der untersuchten Landseen Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

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Karausche Carassius carassius (LINNAEUS, 1758)
ten	anzutreffen.		Karauschen	fressen	ein	breites	Spektrum	 an wirbellosen Bodenorganismen, verschmähen aber auch pflanzliche	Kost	nicht.	Wenn	hohe	Bestandsdichten	zu	Nahrungsmangel führen, werden weniger hochrückige Hungerformen ausgebildet, die dem Giebel sehr ähneln und als Steinkarauschen bezeichnet werden.

Verbreitung

© Andreas Hartl

Die	 Karausche	 hat	 einen	 seitlich	 abgeflachten,	 hochrückigen	Körper	mit	relativ	großen	Schuppen	und	einer	auffälligen, messingfarbenen bis goldgelben Grundfärbung. Die Flossen sind graubraun bis bräunlich gefärbt. Das kleine Maul	 ist	 endständig.	 Die	 lange	 Rückenflosse	 ist	 an	 ihrem	 freien Rand nach außen gewölbt (konvex), wodurch sich die Karausche sicher vom ähnlichen Giebel unterscheiden lässt. Karauschen können in seltenen Fällen bis 50 cm lang und 3 kg schwer werden. Allerdings erreichen sie in den meisten Gewässern	nur	Längen	bis	20	cm.	Karauschen	sind	limnophile Fische, d.h. sie bevorzugen Stillgewässer oder langsam strömende Fließgewässer. Dabei zeigen sie eine Vorliebe für verkrautete Ufer und schlammigen Grund. Im Hinblick auf	 die	 Wassergüte	 sind	 sie	 extrem	 anpassungsfähig.	 Karauschen	 tolerieren	 Wassertemperaturen	 >35°C	 und	 kommen	bis	zu	sechs	Wochen	ohne	Sauerstoff	aus,	da	sie	in	 Sauerstoffmangelsituationen	 auf	 einen	 anaeroben	 Stoffwechsel umstellen können. Analog zu Bitterling und Giebel kennzeichnet sie diese Anpassung als spezialisierten Bewohner typischer Flussauen-Gewässer. Diese Fähigkeit ermöglicht es ihnen, in Gewässern zu überleben, die temporär aussticken. In solchen Gewässern ist sie oft die einzige Fischart. Karauschen laichen in den Sommermonaten von Juni	 bis	 August,	 vorzugsweise	 an	 Wasserpflanzen.	 Dabei	 legt	 ein	 einziges	 Weibchen	 bis	 zu	 300.000	 Eier.	 Aufgrund	 des hohen Vermehrungspotentials kann die Karausche in Gewässern ohne Fressfeinde sehr hohe Bestandsdichten bilden. Im Gegensatz dazu sind Karauschen im Zusammenleben mit anderen Arten eher konkurrenzschwach und sel-

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Karauschen	sind	von	Westeuropa	bis	nach	Sibirien	verbreitet. In Brandenburg sind aktuell noch 435 Vorkommen bekannt, gegenüber mehr als 800 im Jahr 1998. Auch bundesweit	ist	die	Zahl	der	Karauschengewässer	rückläufig,	womit	 die Art zu den am stärksten gefährdeten Deutschlands zählt, mit dem dramatischsten Bestandsrückgang. Ursache ist neben dem großräumigen Verlust von Auegewässern, dem Hauptlebensraum der Art, vor allem die Sanierung vieler Kleinstgewässer, die dann nicht mehr aussticken. Auch trägt der Verlust von als Karauschenhabitat geeigneten Klein- und Kleinstgewässern durch Baulandgewinnungsmaßnahmen, Verfüllung, Grundwasserabsenkung u.ä. zum Rückgang der Art bei.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

In Berlin hat die Anzahl der bekannten Vorkommen der Karausche	 weiter	 abgenommen,	 von	 85	 Gewässern	 1992	 auf	69	im	Jahr	2003	und	nur	noch	53	in	den	letzten	zehn	 Jahren. Dieser drastische Rückgang führte in der überarbeiteten Roten Liste der Rundmäuler und Fische Berlins zur Eingruppierung der Karausche als stark gefährdete Fischart. Der Rückgang ist umso dramatischer zu bewerten, da bei der aktuellen Erfassung überwiegend Kleingewässer, Gräben und Landseen, d.h. potentiell geeignete Karauschengewässer	befischt	wurden. Gute Karauschenbestände beherbergen aktuell noch die Nebengewässer	des	Tegeler	Fließes,	wie	z.B.	der	Teich	am	 Eichwerder	Steg,	die	Bucher	Teiche,	die	Waldseen	in	Zehlendorf und Hermsdorf oder auch der Lietzengraben.

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Karausche

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Karausche Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 91 2013:	53,	2003:	69,	1993:	85 Fließgewässer:	12,	Flussseen:	5,	Standgewässer:	36 Stehende	und	langsam	fließende	Gewässer,	typische	Auenart Karpfenteich	(Buch),	Inselteich,	Teich	am	Eichwerder	Steg,	Waldsee	(Zehlendorf),	Waldsee	(Hermsdorf),	Lietzengraben,	Murellenteich Rote	Liste	BRD:	stark	gefährdet	(2) Rote	Liste	Berlin:	stark	gefährdet	(2) FFH-Anhang:	-

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Karpfen Cyprinus carpio (LINNAEUS, 1758)
von	 Uferflächen	 und	 damit	 ein	 erfolgreiches	 Aufwachsen	 der Karpfenbrut. Allerdings reichen wenige erfolgreiche Vermehrungen in unregelmäßigen Abständen zum Erhalt des Bestandes, da Karpfen langlebig sind und mindestens 50 Jahre erreichen können. Sie werden dabei in seltenen Fällen über 1 m lang und mehr als 35 kg schwer. Karpfen besiedeln bevorzugt stehende	und	langsam	fließende	Gewässer	mit	verkrauteten Ufern und schlammigem Grund.

Verbreitung
© Andreas Hartl

Die bekannten Zuchtformen des Karpfens haben einen gedrungenen,	leicht	hochrückigen	Körper.	Die	am	häufigsten	 verbreitete Form ist der Spiegelkarpfen mit wenigen, unregelmäßig verteilten Schuppen an den Flossenbasen und auf dem Schwanzstiel. Die vollständig beschuppte Form wird	 oft	 fälschlicherweise	 als	 Wildform	 bezeichnet.	 Sie	 ist	 schlanker als die übrigen Rassen. Das leicht unterständige Maul	 des	 Karpfens	 ist	 rüsselartig	 ausstülpbar	 und	 mit	 je	 einem Paar kurzer und langer Barteln versehen. Karpfen können damit den Gewässerboden bis 15 cm tief nach Nahrung	 –	 wirbellosen	 Bodentieren	 –	 durchwühlen.	 Aufgrund	 dieser wühlenden Lebensweise können Karpfen in übermäßig hohen Bestandsdichten die Resuspension von Nährstoffen aus dem Sediment fördern und damit zur Verschlechterung	der	Wassergüte	beitragen. Selbst	stellen	sie	keine	hohen	Ansprüche	an	die	Wasserqualität	und	tolerieren	sowohl	Wassertemperaturen	bis	zu	38°C	 als	 auch	 geringe	 Sauerstoffgehalte	 <1	 mg/l.	 Karpfen	 sind	 phytophile	 Fische,	 die	 bei	 Wassertemperaturen	 über	 20°C	 an	 Wasserpflanzen	 laichen.	 Je	 nach	 Größe	 des	 Weibchens	 umfasst der Laich bis 300.000 Eier. Eine erfolgreiche natürliche Vermehrung gelingt dem Karpfen in den meisten Gewässern nur sehr selten. Die Brut des Karpfens ist auf überflutete	 Uferflächen	 angewiesen,	 auf	 denen	 sich	 beim	 Überstauen Rotatorien, die Anfangsnahrung der Brut entwickeln.	Fehlende	Überschwemmungen,	Abfluss-	und	Wasserstandsregulierungen verhindern vielerorts die Flutung

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Die	 Stammform	 des	 Karpfens	 ist	 in	 den	 Zuflüssen	 des	 Schwarzen und des Kaspischen Meeres heimisch. Über die Donau gelangte der Karpfen bis nach Europa. Bereits die Römer	setzten	Karpfen	in	Teichen	aus,	um	lebenden	Proviant zu gewinnen. Anfang des 7. Jh. domestizierten Mönche den Karpfen, da während der Fastenzeit nur der Verzehr von	 Fisch	 gestattet	 war.	 Bereits	 im	 12.-13.	 Jh.	 wurde	 der	 Karpfen	 durch	 die	 Teichwirtschaft	 der	 Mönche	 in	 weiten	 Teilen	Mitteleuropas	eingebürgert,	wo	er	heute	zu	den	einheimischen Fischarten zählt. Auch im Berliner Umland hat die	Karpfenzucht	eine	lange	Tradition	und	der	Karpfen	ist	 daher	 flächendeckend	 verbreitet.	 Aktuell	 sind	 in	 Brandenburg 445 Vorkommen dokumentiert, die tatsächliche Anzahl ist aber weitaus höher.

In Berlin wurde der Karpfen in den vergangenen Jahren in nur	26	Gewässern	registriert.	Ein	Grund	dafür	ist	der	aktuelle	Schwerpunkt	der	Nachweise	durch	Elektrobefischungen	 im	Rahmen	der	Fischbestandsüberwachung.	Karpfen	–	insbesondere	 die	 älteren	 Exemplare	 –	 sind	 bei	 Elektrobefischungen	 immer	 unterrepräsentiert.	 Wenn	 er	 gefangen	 wird,	deutet	dies	in	der	Regel	auf	seine	besondere	Häufigkeit in diesem Gewässer hin. Die tatsächliche Zahl der Vorkommen	ist	definitiv	weitaus	größer.	Der	Karpfen	ist	in	allen	größeren	Berliner	Gewässern	flächendeckend	verbreitet,	 wenn auch lokal vielleicht nur in geringer Individuenzahl. Einmal getätigter Besatz kann sich aufgrund der Langlebigkeit des Karpfens über viele Jahrzehnte in einem Gewässer behaupten. Fangerfolge spezialisierter Karpfenangler zeigen	immer	wieder,	dass	selbst	„karpfenfreie“	Gewässer	einzelne Exemplare beherbergen können.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Karpfen

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Karausche Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 40 2013:	26,	2003:	77,	1993:	75 Fließgewässer:	3,	Flussseen:	5,	Standgewässer:	18 Mittlere bis große Fließ- und Standgewässer Durch Besatz in vielen Gewässern verbreitet Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

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Aland Leuciscus idus (LINNAEUS, 1758)
Große Individuen sind sekundär piscivor, d.h. fakultativ Fisch	fressend.	Alande	werden	bis	20	Jahre	alt	und	erreichen	 dabei in seltenen Fällen über 70 cm Körperlänge.

Verbreitung

© Jörg Freyhof

Das Verbreitungsgebiet des Alands erstreckt sich von Belgien	und	Ostfrankreich	im	Westen	bis	nach	Asien.	Im	Süden	 wird es durch die Alpen und den Balkan begrenzt. Besiedelt werden bevorzugt die großen Ströme im Bereich der Bleiregion, aber auch stauregulierte Gewässer und Kanäle. Der Aland	zählt	zu	den	Charakterfischarten	der	Wasserstraßen	 des	Norddeutschen	Tieflands.	In	Brandenburg	wurden	aktuell	327	Vorkommen	registriert	und	Alande	waren	an	etwa	 jeder	fünften	Messstelle	präsent.

Der	Aland	hat	einen	langgestreckten,	seitlich	abgeflachten	 Körper mit einem endständigen Maul. Vom ähnlichen Döbel unterscheidet er sich durch seine kleineren und zahlreicheren Schuppen sowie die am freien Rand konkav, d.h. nach innen	gewölbte	Afterflosse.	Diese	und	die	Bauchflossen	sind	 rötlich	gefärbt,	Rücken-	und	Schwanzflosse	dunkelgrau.	Die	 Iris des Alands ist goldfarben, was ihn von der Plötze (Iris rot)	 unterscheidet.	 Im	 Zierfischhandel	 ist	 eine	 vollständig	 rötlich-orange bis rotgolden gefärbte Varietät des Alands als	 Satzfisch	 für	 Gartenteiche	 zu	 erwerben,	 die	 Goldorfe.	 Wie	die	übrigen	einheimischen	Vertreter	der	Gattung	Leuciscus wird auch der Aland den rheophilen, Strömung bevorzugenden Fischarten zugeordnet. Allerdings bevorzugen Alande	die	langsam	fließenden	Flussunterläufe	und	werden	 auch	 häufig	 in	 stehenden	 Nebengewässern	 und	 insbesondere den Flussseen gefangen. Für	die	Eiablage	bevorzugen	Alande	Wasserpflanzen.	Fehlen	 diese, können Alande auf verschiedene andere Hartsubstrate,	wie	Totholz,	Steine	oder	Wurzeln	ausweichen.	Diese	Anpassungsfähigkeit in Bezug auf das Laichsubstrat ist kennzeichnend	für	phyto-lithophile	Fische.	Während	der	Laichzeit	 im	April-Mai	legt	ein	Weibchen	bis	zu	100.000	klebrige	Eier.	 Im Hinblick auf Strömungsverhältnisse, Uferstrukturen und Wassergüte	sind	Alande	sehr	anpassungsfähig	und	tolerieren	 sowohl	 hohe	 Temperaturen	 als	 auch	 niedrige	 Sauerstoffgehalte.	 Alande	 sind	 omnivor,	 d.h.	 Allesfresser.	 Das	 Nahrungsspektrum schließt neben wirbellosen Bodenorganismen	 auch	 Anfluginsekten	 und	 insbesondere	 Fisch	 ein.	

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Der Aland ist ein typischer Fisch der Bleiregion größerer Fließgewässer	zu	denen	auch	die	Hauptfließgewässer	Berlins zählen. Folgerichtig wurde die Art in allen größeren Flüssen, Kanälen und sämtlichen Flussseen nachgewiesen. Insgesamt wurden 185 Nachweise aus 41 Gewässern geführt.	Die	Zahl	der	Vorkommen	ist	seit	20	Jahren	stabil,	die	 Bestandsentwicklung positiv. Der Verbreitungsschwerpunkte des Alands liegen zum einen im Südosten Berlins, zum	anderen	in	der	unteren	Spree.	In	der	Spree	und	im	Teltowkanal	waren	Alande	besonders	häufig,	wo	sie	sich	vielfach	unterhalb	von	Wehranlagen	oder	im	Bereich	von	Einmündungen konzentrieren. Im Lichtenrader Dorfteich wurde als einzigem Fundort auch die goldfarbene Variante, die Goldorfe nachgewiesen. Da Goldorfen	als	Zierfische	und	Exoten	zu	betrachten	sind	erfolgte ihre Kartendarstellung zusammen mit den nicht einheimischen Fischarten.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Aland

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Aland Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 185 2013:	41,	2003:	43,	1993:	32 Fließgewässer:	24,	Flussseen:	12,	Standgewässer:	5 Unterlauf größerer Fließgewässer, Flussseen Spree,	Teltowkanal,	Oberhavel,	Unterhavel,	Griebnitzsee,	Müggelsee,	Innerstädtische Kanäle Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

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Blei Abramis brama (LINNAEUS, 1758)
züge	zeigen,	Wasserpflanzen	bevorzugen	aber	auch	andere	 Substrate nutzen, wie z.B. mit Algen überwachsene Steine. Während	der	kurzen	Laichzeit	–	in	der	Region	1-2	Wochen	 Anfang	Mai	bei	Temperaturen	>15°C	–	tragen	die	Männchen	 einen	auffälligen	Laichausschlag	in	Form	weißer	Knötchen	 auf	dem	Körper	und	verteidigen	am	Ufer	Reviere.	Die	Weibchen legen bis zu 300.000 Eier. Bleie werden in seltenen Fällen	>75	cm	lang	und	bis	8	kg	schwer.

© Andreas Hartl

Der	Blei	hat	einen	hochrückigen,	seitlich	stark	abgeflachten	 Körper mit silbergrauer bis bronzener Grundfärbung. Die Flossen	 sind	 grau.	 Auffällig	 ist	 die	 lange	 Afterflosse.	 Das	 Maul ist leicht unterständig und rüsselartig ausstülpbar, was der Nahrungsaufnahme aus dem Sohlsubstrat dient und den Blei für eine bodenorientierte Lebensweise prädestiniert.	Bleie	können	das	Sediment	bis	in	5-7	cm	Tiefe	durchwühlen,	 um	 ihre	 Hauptnahrung,	 Insektenlarven,	 Tubificiden, Mollusken und Kleinkrebse aufzunehmen. Bei hohen Zooplanktondichten	 („Wasserflöhe“)	 gehen	 Bleie	 zu	 einer	 filtrierenden	Ernährung	über,	bei	der	sie	das	Wasser	durch	 die Kiemen pumpen und die Nahrung mittels der Kiemenreusendornen zurückgehalten wird. Von der ähnlich aussehenden Güster ist der Blei insbesondere	 durch	 die	 Länge	 der	 Brustflossen	 zu	 unterscheiden.	 Diese reichen angelegt mit ihren Spitzen bis zum Ansatz der Bauchflossen.	Bei	der	Güster	enden	sie	deutlich	davor.	Auch	 ist beim Blei der Durchmesser des Auges kleiner als der des Mauls, bei der Güster größer. Der Blei besiedelt bevorzugt größere, stehende und langsam	fließende	Gewässer	mit	schlammigem	Grund.	In	diesen	 bildet er oft so große Bestände, dass das Metapotamal der Flussunterläufe klassisch Bleiregion genannt wurde. Bezüglich	der	Wassergüte	ist	der	Blei	sehr	anpassungsfähig,	toleriert	Temperaturen	bis	36°C	und	Sauerstoffgehalte	<1	mg/l.	 Der Blei zählt ebenfalls zu den phytolithophilen Fischarten, die bezüglich des Laichsubstrates keine ausgeprägten Vor-

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Das	 vom	 Blei	 besiedelte	 Gebiet	 erstreckt	 sich	 von	 Westfrankreich bis nach Asien. In Mitteleuropa wird es im Süden von den Pyrenäen und den Alpen begrenzt. Nach der klassischen, längszonalen Einteilung der Fließgewässer ist der Blei	die	Leitfischart	des	Metapotamals,	der	sog.	Bleiregion	 im Unterlauf von Flüssen. Bleie sind in allen großen Strömen	 der	 Region	 ubiquitär	 verbreitet	 und	 wurden	 hier	 bereits	im	Mittelalter	als	häufige	Fischart	mit	zahlreichen	Vorkommen beschrieben. Aktuell wurden in Brandenburger Gewässern 830 Vorkommen festgestellt und der Blei an jeder	zweiten	Messstelle	nachgewiesen.

Verbreitung

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

Mit 439 Nachweisen aus 73 Berliner Gewässern zählt der Blei	zu	den	häufigen	Fischarten	im	Stadtgebiet.	In	den	vergangenen 10 Jahren wurde er in allen größeren Berliner Flüssen, Flussseen und Kanälen nachgewiesen. In Gräben und Kleingewässern fehlt er natürlicherweise und wird dort, wenn	überhaupt,	nur	im	Frühjahr	gefangen,	wenn	er	zum	 Laichen auch in kleinere Gräben zieht. Seit	den	1980er	Jahren	wurden	u.a.	Bleie	befischt	und	entnommen, um die Nahrungskette zu manipulieren und so die Gewässergüte	 zu	 verbessern	 (Wegfang	 der	 Zooplankton	 fressenden Fische um den Fraßdruck auf Blaualgen und Phytoplankton zu erhöhen). Durch diese sog. Gewässergütebewirtschaftung	hat	sich	das	Wachstum	der	Bleie	in	den	 Berliner Gewässern deutlich verbessert und sie erreichen heute	 marktfähige,	 gute	 Speisefischgröße,	 auch	 wenn	 sie	 als solche zu Unrecht wenig begehrt und kaum absetzbar sind. Besonders	gutwüchsig	und	häufig	sind	Bleie	in	der	Unterhavel,	im	Großen	Müggelsee,	Seddinsee,	Gosener	und	Teltowkanal, sowie in der Spree im Stadtgebiet.

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Blei

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Blei Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 439 2013:	73,	2003:	96,	1993:	88 Fließgewässer:	22	,	Flussseen:	15	,	Standgewässer:	36 Unterlauf mittlerer bis größerer Fließgewässer, Flussseen, größere Standgewässer In allen größeren Fließgewässern, Flussseen und Seen präsent Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

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Döbel Leuciscus cephalus (LINNAEUS, 1758)
pische Gewässerstrukturen. Döbel sind omnivor und nutzen ein breites Nahrungsspektrum, welches von Insektenlarven über	wirbellose	Bodentieren,	Anfluginsekten	und	Fisch,	bis	 hin	zu	pflanzlicher	Nahrung	und	Obst	reicht.	Döbel	sind	sekundär piscivore Fische, bei denen mit zunehmender Größe Fisch als Nahrungsbestandteil an Bedeutung gewinnt. Insbesondere größere Exemplare entwickeln sich zunehmend zu	 Fischfressern.	 Döbel	 können	 mehr	 als	 20	 Jahre	 alt	 und	 dabei bis 80 cm lang und mehr als 4 kg schwer werden.

© Andreas Hartl

Der Döbel hat einen torpedoförmigen Körper mit einem großen Kopf und einem breiten, endständigen Maul, weshalb er	auch	Dickkopf	genannt	wird.	Auffällig	sind	seine	großen,	 dunkel geränderten Schuppen, die auf den Körperseiten eine deutliche Netzzeichnung entstehen lassen. Die paarigen	und	die	Afterflosse	sind	kräftig	rot	gefärbt,	Rücken-	und	 Schwanzflosse	dunkelgrau.	Vom	Aland	und	ähnlichen	karpfenartigen	 Fischen	 ist	 er	 anhand	 seiner	 Afterflosse	 gut	 zu	 unterscheiden. Im Gegensatz zu den genannten Arten ist deren freier Rand beim Döbel konvex, nach außen gewölbt. Der Döbel gehört zu den rheophilen Fischarten und besiedelt bevorzugt Fließgewässer der unteren Forellen- bis hin zur Barbenregion, kommt aber auch in der Bleiregion und gelegentlich	 in	 durchflossenen	 Seen	 vor.	 In	 Bezug	 auf	 die	 Wasserqualität	 sind	 Döbel	 nicht	 sehr	 anspruchsvoll.	 Hohe	 Nährstoffgehalte	werden	gut	vertragen,	sofern	der	Sauerstoffgehalt	 nicht	 unter	 1	 mg/l	 sinkt,	 Wassertemperaturen	 bis 35°C werden ebenfalls noch toleriert. Für den Erhalt einer Döbelpopulation ist der Zugang zu wenig verschlammten, groben Sohlsubstraten wichtig. Döbel sind lithophile Fische, die über grobkörnigem Kies ablaichen und deren Larven am Boden im Kies-Lückensystem leben, bis sie schwimm- und freßfähig sind. Döbel sind Portionslaicher, d.h.	der	bis	100.000	Eier	umfassende	Laich	eines	Weibchens	 reift unterschiedlich und wird innerhalb der von Mai bis Juli andauernden Laichzeit in mehreren Schüben abgelegt. Aufgrund seiner Laichsubstrat-Präferenz zählt der Döbel in Tieflandflüssen	zu	den	sensitivsten	Indikatoren	für	flussty-

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Der Döbel ist in Europa weithin verbreitet und besiedelt nahezu	alle	großen	Stromgebiete.	Während	er	mit	abnehmender	Fließgeschwindigkeit	im	Tiefland	seltener	wird,	kann	er	 in	 Mittelgebirgsflüssen	 und	 im	 Bereich	 der	 Barbenregion	 große Individuendichten erreichen. In Forellengewässern werden Döbelbestände auch als Indikator für Degradation bewertet. In den stauregulierten Fließgewässern im Berliner Umland sind Döbel nach wie vor laichplatzlimitiert, weshalb sich	der	Bestand	auch	bei	verbesserter	Wasserqualität	nur	 langsam	 erholt.	 Aktuell	 sind	 363	 Fundorte	 des	 Döbels	 in	 Brandenburger Gewässern registriert.

Verbreitung

Historisch	 zählten	 die	 Berliner	 Hauptfließgewässer	 Havel	 und Spree zur Barbenregion im Übergang zur Bleiregion, mit	 dem	 Döbel	 als	 typischer	 Begleitfischart.	 Stauregulierung und Ausbau haben diese Gewässer so weit verändert, dass ihr Charakter heute der Bleiregion entspricht. Als eine Folge	starb	die	Barbe	als	ursprüngliche	Leitfischart	aus	und	 damit einher ging ein drastischer Rückgang rheophiler Arten, u.a. des Döbels. Die Anzahl der Vorkommen des Döbels in Berlin hat sich auf geringem Niveau stabilisiert und ist gegenüber	 2003	 unverändert.	 Allerdings	 ist	 auch	 die	 Gesamtzahl von 14 Nachweisen gering und unterstreicht, dass der	Döbel	in	keinem	Berliner	Gewässer	häufig	ist.	Analog	zu	 Brandenburg ist die Art im Stadtgebiet laichplatzlimitiert, da die geringen Fließgeschwindigkeiten der Gewässer nicht ausreichen, die für den Döbel essentiellen grob-kiesigen Laichsubstrate vor der Verschlammung zu bewahren. Das Neuenhagener	 Mühlenfließ	 (Erpe)	 und	 die	 Oberhavel	 sind	 aktuell	die	Hauptvorkommen	des	Döbels	in	der	Stadt.	Weitere	 Nebenflüsse,	 wie	 Tegeler	 Fließ	 und	 Panke	 erscheinen	 nach	 Wiederherstellung	 der	 Durchgängigkeit	 ebenfalls	 für	 die Art gut geeignet.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Döbel

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen

Döbel Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 14 2013:	7,	2003:	7,	1993:	15 Fließgewässer:	3,	Flussseen:	4,	Standgewässer:	0 Mittlere bis größere Fließgewässer Oberhavel,	Neuenhagener	Mühlenfließ,	Dämeritzsee Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	gefährdet	(3) FFH-Anhang:	-

47

Güster Abramis bjoerkna (LINNAEUS, 1758)
tern werden kaum älter als 10 Jahre und länger als 30 cm, erreichen aber in großen Flüssen wie der Oder bis 45 cm und 2	kg.	

Verbreitung

Güstern	 besiedeln	 mitteleuropäische	 Gewässer	 von	 Westfrankreich bis zum Ural. Im Süden erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet bis zu den Pyrenäen und den Alpen. Die Art gehört	 zu	 den	 häufigen	 und	 am	 weitesten	 verbreiteten	 Fischarten mit zahlreichen Vorkommen und oft massenhaftem	Auftreten.	In	Brandenburg	wurde	sie	aktuell	in	764	Gewässern nachgewiesen.
© Jörg Freyhof

Güstern	besitzen	einen	seitlich	abgeflachten,	hochrückigen	 Körper	mit	langer	Afterflosse	und	einer	silbrigen	bis	grausilbrigen Grundfärbung. Die Ansätze der paarigen Flossen, insbesondere	der	Brustflossen	sind	rötlich.	Die	Brustflossen	 reichen	angelegt	nicht	bis	an	den	Ansatz	der	Bauchflossen,	 was die Güster vom ähnlichen Blei unterscheidet. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der Durchmesser des Auges, der bei der Güster deutlich größer ist als der Mauldurchmesser, beim Blei kleiner. Das Maul ist leicht unterständig.	Die	Güster	ist	eine	eurytope	Art,	die	fließende	und	 stehende Gewässer gleichermaßen besiedelt. Ihre Ansprüche	 an	 die	 Wasserqualität	 sind	 gering	 und	 in	 Bezug	 auf	 Temperatur	 und	 Sauerstoff	 unspezifisch.	 Minimale	 Sauerstoffgehalte	um	1	mg/l	werden	ebenso	toleriert	wie	Temperaturen	 >30-33°C.	 Die	 Güster	 ist	 eine	 phytophile,	 d.h.	 an	 Pflanzenmaterial	laichende	Fischart,	die	ihre	Eier	bei	Wassertemperaturen	 >15°C	 unter	 lebhaftem	 Geplätscher	 an	 Wasserpflanzen	 oder	 überfluteter	 Ufervegetation	 ablegt.	 Während	der	Laichzeit	von	Mai	bis	Juli	haben	die	Männchen	 einen starken Laichausschlag im Kopfbereich. Güstern sind Portionslaicher. Die Eier reifen in mehreren Schüben und werden	 zwei-	 bis	 dreimal	 im	 Abstand	 von	 etwa	 10	 Tagen	 abgegeben. Güstern sind mit zwei bis drei Jahren geschlechtsreif. Güstern	sind	Schwarmfische	und	besiedeln	zusammen	mit	 dem Blei bevorzugt die Freiwasser- bzw. Profundalregion großer Flüsse. Dort ernähren sie sich vor allem von wirbellosen	Bodentieren,	wie	Insektenlarven	und	Tubificiden.	Güs-

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Die	 Güster	 wurde	 aktuell	 bei	 194	 Befischungen	 in	 49	 Berliner Gewässern nachgewiesen. Allerdings widerspiegelt der deutliche Rückgang der Zahl der Vorkommen gegenüber 2003	keine	reale	Bestandsabnahme.	Im	Beobachtungszeitraum wurde eine Vielzahl von Kleingewässern und Gräben befischt,	in	denen	die	Art	natürlicherweise	fehlt.	 Die Güster ist nach wie vor weit verbreitet und in allen für sie geeigneten Gewässern, wie den Flussseen, großen Fließgewässern und Kanälen präsent. Sie zählt zu den Charakterfischarten	regulierter	Flüsse	und	Kanäle	der	Region.	Hinweise auf einen realen Rückgang der Bestände fanden sich dagegen	nicht.	Besonders	großwüchsig	und	häufig	war	die	 Güster	im	Seddinsee	und	zur	Laichzeit	im	Frühjahr	auch	im	 Grabensystem	der	Gosener	Wiesen.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Güster

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Güster Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 194 2013:	49,	2003:	79,	1993:	74 Fließgewässer:	15,	Flussseen:	13,	Standgewässer:	21 Mittelgroße bis große Fließgewässer, Flussseen und Seen In allen größeren Fließgewässern und Flussseen weit verbreitet Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

49

Hasel Leuciscus leuciscus (LINNAEUS, 1758)
Hasel sind omnivor und fressen neben Insektenlarven, wirbellosen	 Bodentieren	 oder	 Anfluginsekten,	 gelegentlich	 auch Zooplankton. Hasel werden selten älter als acht Jahre, 35-40 cm lang und bis 800 g schwer.

Verbreitung

© Andreas Hartl

Hasel besitzen einen langgestreckten, hochovalen Körper. Das Maul ist klein und unterständig mit einer markanten, wulstartigen Verdickung über der Oberlippe. Die Grundfärbung des Hasels ist silbrig-grau glänzend bis grau. Rückenund	 Schwanzflosse	 sind	 immer	 grau,	 die	 übrigen	 Flossen	 können auch gel-braun oder gelblich gefärbt sein. Die Schuppen sind relativ groß, haben aber nicht die dunkle Netzzeichnung wie beim Döbel. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal	ist	der	freie	Rand	der	Afterflosse,	der	beim	 Hasel deutlich konkav, beim Döbel konvex ist. Wie	die	anderen	einheimischen	Vertreter	der	Gattung	Leuciscus gehört auch der Hasel zu den rheophilen, d.h. strömungsliebenden Fischarten. Er besiedelt bevorzugt kleinere strukturreiche Fließgewässer von der Barben- bis zur Forellenregion. Einzelexemplare werden aber auch regelmäßig in Kanälen,	stauregulierten	Flüssen	und	durchflossenen	Seen	 nachgewiesen. Hasel zeigen eine höhere Strömungspräferenz als Aland oder Döbel. Hasel sind lithophile Kieslaicher mit benthischen Larven. Die Laichzeit erstreckt sich von März bis Anfang April. Bei Wassertemperaturen	 ab	 10°C	 werden	 je	 nach	 Größe	 des	 Weibchens	bis	zu	20.000	Eier	über	grobkörnigem	Kies	abgelegt.	Hasel	tolerieren	hohe	Wassertemperaturen	bis	>33°C,	 sind	aber	sehr	empfindlich	gegenüber	geringen	Sauerstoffgehalten	von	unter	2	mg/l.

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Das	Verbreitungsgebiet	des	Hasels	erstreckt	sich	von	Westeuropa bis nach Asien. Im Süden wird es durch die Pyrenäen und die Alpen begrenzt. Kleine naturnahe Fließgewässer mit einer hohen Strömungsvielfalt und dementsprechend ausgeprägter	 Breiten-	 und	 Tiefenvarianz	 sowie	 Strukturvielfalt	 –	 der	 bevorzugte	 Lebensraum	 des	 Hasels	 –	 sind	 zumindest	im	norddeutschen	Tiefland	ein	gefährdeter	Biotoptyp. Im Berliner Umland haben sich die Bestände auf geringem	Niveau	stabilisiert.	Aktuell	sind	in	Brandenburg	221	 Vorkommen registriert.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

In	Berlin	wurden	23	Nachweise	des	Hasels	in	12	Gewässern	 geführt. Damit ist die Anzahl der besiedelten Gewässer seit 1993 unverändert, was für die Stabilität der Populationen spricht,	wenn	auch	auf	einem	sehr	geringen	Häufigkeitsniveau. Interessanterweise fehlt der Hasel in den meisten potentiell	 geeigneten,	 rascher	 fließenden	 Nebengewässern	 von	Spree	und	Havel,	wie	Panke,	Wuhle	und	Tegeler	Fließ.	 Nur in der Erpe wurde er festgestellt, was ein Hinweis auf die Bedeutung der Durchgängigkeit und des Rückbaus der Wehre	für	diese	Art	ist.	 Die meisten aktuellen Nachweise des Hasels stammen aus Flussseen, wo er regelmäßig, aber in geringen Stückzahlen im Fang auftritt. Relativ zahlreich sind Hasel in der Müggelspree und in der Löcknitz. In beiden Flüssen bildet der Hasel einen reproduktiven Bestand, von dem aus Individuen in den Dämeritzsee ziehen. Darüber hinaus stammen regelmäßige Nachweise aus dem Langen See und dem Zeuthener See sowie aus Ober- und Unterhavel.

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Hasel

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen

Hasel Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 23 2013:	12,	2003:	12,	1993:	12 Fließgewässer:	6,	Flussseen:	6,	Standgewässer:	0 Kleine bis große Fließgewässer mit zumeist rascher Strömung Oberhavel, Unterhavel, Dämeritzsee, Langer See, Zeuthener See Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	gefährdet	(3) FFH-Anhang:	-

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Moderlieschen Leucaspius delineatus (HECKEL, 1843)
sende	 Gelege	 wird	 an	 Wasserpflanzen,	 insbesondere	 Röhricht gelegt. Mittels einer kurzen Legeröhre heftet das Weibchen	 die	 Eier	 in	 Form	 spiralförmiger	 Ketten	 an	 senkrecht	 stehende	 Pflanzenstengel.	 Hier	 werden	 sie	 bis	 zum	 Schlupf	vom	Männchen	bewacht	und	mit	den	Brustflossen	 befächelt,	 um	 sauerstoffreiches	 Wasser	 zuzuführen.	 Aufgrund ihres Vermehrungspotentials sind Moderlieschen gute Erstbesiedler und typische Fischarten der Flussauen und Auengewässer.

Verbreitung

© Jörg Freyhof

Moderlieschen sind kleine, bis 8 cm lange, silbrig glänzende Fische	mit	einem	gestreckten,	seitlich	nur	wenig	abgeflachten Körper. Ihr Maul ist oberständig. Moderlieschen ähneln in ihrem Habitus dem Ukelei, sind aber kleinwüchsiger und deutlich korpulenter. Im Gegensatz zum Ukelei haben sie auch nur eine unvollständige, relativ kurze Seitenlinie, die sich	maximal	über	die	ersten	10-12	Schuppen	erstreckt.	Die	 Schuppen sitzen locker und fallen bei Berührungen leicht aus. Das Moderlieschen ist eine schwarmbildende Fischart, mit einer ausgeprägten Vorliebe für stehende Gewässer, wobei sie	auch	kleinste	Tümpel,	Pfuhle	und	Sölle	besiedelt.	An	die	 Wasserqualität	 stellen	 sie	 nur	 sehr	 geringe	 Ansprüche.	 Hohe	Temperaturen	(bis	37°C)	werden	ebenso	toleriert	wie	 minimale	 Sauerstoffgehalte	 von	 0,6	 mg/l.	 Moderlieschen	 bilden auch in organisch stark belasteten Gewässern Massenentwicklungen. Moderlieschen werden selten älter als 2-3	Jahre	und	laichen	in	der	Regel	nur	ein	einziges,	selten	 zwei Mal. Analog zum Stint unterliegt die Populationsstärke deshalb starken Schwankungen und es wechseln Massenentwicklungen mit Jahren geringer Bestandsdichte. Moderlieschenvorkommen	werden	daher	auch	häufig	übersehen	 und	 nur	 in	 Jahren	 massenhaften	 Auftretens	 auffällig.	 Moderlieschen	bevorzugen	oberflächennahe	Wasserschichten,	wo	sie	sich	von	Plankton	und	Anflugnahrung	ernähren. Die Laichzeit des phytophilen Moderlieschens erstreckt sich von	Mai	bis	Juli.	Das	pro	Weibchen	bis	zu	100	Eier	umfas-

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Moderlieschen sind in Mittel- und Osteuropa verbreitet. Sie fehlen	auf	den	Britischen	Inseln	und	im	überwiegenden	Teil	 Skandinaviens.	 Im	 norddeutschen	 Tiefland	 sowie	 im	 Berliner Umland sind sie weit verbreitet. In Brandenburg wurden aktuell 350 Vorkommen dokumentiert. Verbreitungsschwerpunkte	sind	hier	die	Teichwirtschaften	sowie	Klein-	 und Kleinstgewässern aber insbesondere auch Auegewässer, wie z.B. im unteren Odertal.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

In Berlin wurde das Moderlieschen aktuell an 88 Messstellen in 47 Gewässern nachgewiesen. Damit ist die Zahl der Vorkommen	gegenüber	2003	unverändert.	Präsenz	und	Bestand haben sich in den vergangenen Jahren stabilisiert, sofern man bei den natürlichen Bestandsschwankungen von stabilen, d.h. sich selbst erhaltenden Beständen ausgehen kann. Erwartungsgemäß fand sich der Verbreitungsschwerpunkt der Art in den Standgewässern, in Landseen (15 Vorkommen) und Kleingewässern (18). Hauptvorkommen, d.h. in den vergangenen Jahren vorübergehend	hohe	Bestände	wurden	in	der		Wuhle	und	im	Wuhlesee	 beobachtet,	 in	 den	 Waldseen	 Hermsdorf	 und	 Zehlendorf, in der Bogenseekette, im Malchower See, Südparkteich, Lietzensee, Hubertussee, Dianasee, Königssee, Hundekehlesee, Britzer Kirchteich und im Stieglakebecken. In der kleinen	Grunewaldseenkette	und	im	Waldsee	Zehlendorf	wurden auch schon in vergangenen Berichtsperioden starke Bestände des Moderlieschens dokumentiert. Hier scheint die	Art	besonders	gute	Lebensbedingungen	zu	finden,	was	 sich in einer kontinuierlichen, individuenreichen Bestandsentwicklung widerspiegelt.

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Moderlieschen

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Moderlieschen Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin 88 2013:	47,	2003:	47,	1993:	41 Fließgewässer:	10,	Flussseen:	4,	Standgewässer:	33 Stehende	und	langsam	fließende	Gewässer Wuhle,	Waldsee	(Hermsdorf),	Bogenseekette,	Malchower	See,	Südparkteich,	 Lietzensee,	Hubertussee,	Dianasee,	Königssee,	Hundekehlesee,	Waldsee	(Zehlendorf), Britzer Kirchteich, Stieglakebecken Rote	Liste	BRD:	Vorwarnliste	(V) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

Gefährdungskategorie

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Plötze Rutilus rutilus (LINNAEUS, 1758)
geschlechtsreif, die Männchen bereits mit ca. 10 cm Länge. Plötzen ernähren sich omnivor, d.h. sie nutzen ein sehr breites Nahrungsspektrum von wirbellosen Bodentieren über	 Zooplankton	 bis	 hin	 zu	 Pflanzenteilen.	 Plötzen	 sind	 Schwarmfische,	die	bevorzugt	die	Uferregion	der	Gewässer	 besiedeln. Sie werden selten älter als 15 Jahre und in Ausnahmefällen	bis	>45	cm	lang	und	>2	kg	schwer.

Verbreitung

© Andreas Hartl

Plötzen	haben	einen	gestreckten,	seitlich	abgeflachten	Körper.	Ihre	Grundfarbe	ist	ein	grau-silbrig	glänzender	Ton.	Die	 Flossen sind leicht rötlich bis kräftig rot (insbesondere die paarigen Flossen) gefärbt, weshalb sie gelegentlich mit der Rotfeder verwechselt wird. Im Gegensatz zu letztgenannter ist das Maul der Plötze endständig. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal	ist	die	Stellung	von	Rücken-	und	Bauchflossen zueinander. Bei der Plötze stehen die Ansätze beider Flossen senkrecht übereinander. Bei der Rotfeder ist der Ansatz	 der	 Rückenflosse	 hingegen	 deutlich	 in	 Richtung	 Schwanz	(caudal)	hinter	den	Ansatz	der	Bauchflossen	verschoben. Die Iris der Plötze ist rötlich gefärbt, weshalb sie auch Rotauge genannt wird, während die der Rotfeder goldfarben ist. Die Plötze gehört zu den eurytopen Fischarten, die keine Präferenz für Stand- oder Fließgewässer zeigen. Darüber hinaus	 ist	 sie	 im	 Hinblick	 auf	 Wassergüte,	 Laichsubstrat	 und Nahrungsspektrum ausgesprochen anpassungsfähig. Wassertemperaturen	 werden	 bis	 maximal	 38°C	 toleriert,	 minimale	 Sauerstoffgehalte	 bis	 <1,3	 mg/l.	 Plötzen	 sind	 phyto-lithophile	Fische,	die	als	Laichsubstrat	Wasserpflanzen	 bevorzugen,	 aber	 auch	 diverse	 andere,	 z.T.	 mit	 Algen	 überwachsene Substrate akzeptieren. Die Laichzeit liegt im	 Zeitraum	 April-Mai.	 Steigen	 die	 Wassertemperaturen	 über 10°C, werden seichte, vorzugsweise verkrautete Uferregionen	 zur	 Fortpflanzung	 aufgesucht.	 Der	 Laich	 eines	 Weibchens	 umfasst	 bis	 zu	 100.000	 Eier.	 Die	 Brut	 schlüpft	 nach	vier	bis	zehn	Tagen.	Plötzen	werden	nach	2-3	Jahren	

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Das ausgedehnte Verbreitungsgebiet der Plötze reicht von Westeuropa	nördlich	der	Pyrenäen	und	der	Alpen	bis	nach	 Sibirien. Sie ist in den Mitteleuropäischen Gewässern ubiquitär	verbreitet	und	gehört	in	fast	allen	Gewässertypen	zu	 den	Hauptfischarten,	mit	Ausnahme	der	Salmonidenregionen.	 In	 Brandenburg	 ist	 die	 Plötze	 die	 häufigste	 und	 am	 weitesten verbreitete Fischart mit aktuell 1.193 dokumentierten	 Vorkommen.	 Vielerorts	 ist	 die	 Plötze	 die	 häufigste	 Fischart der Gewässer, gelegentlich zeigt sie Massenentwicklungen.

In den Berliner Gewässern ist die Plötze ebenfalls die häufigste	und	am	weitesten	verbreitete	Fischart	mit	insgesamt	 659	 Nachweisen	 aus	 111	 Gewässern.	 Plötzen	 wurden	 in	 mehr	 als	 70%	 der	 untersuchten	 Gewässer	 nachgewiesen,	 darunter in allen größeren Berliner Flüssen, Flussseen und Kanälen. Sie fehlte lediglich in einigen Gräben und Kleingewässern. In den Berliner Kanälen ist die Plötze sogar mit Abstand	 die	 häufigste	 Art	 und	 bildet	 dort	 zusammen	 mit	 dem	 Barsch	 >90%	 des	 Gesamtfischbestandes.	 Das	 ausgeprägte Anpassungsvermögen der Plötze prädestiniert sie für das Überleben in anthropogen beeinträchtigten Gewässern. Plötzen	werden	weiterhin	als	Besatzfische	vermarktet.	Berliner	Fischer	liefern	jährlich	mehr	als	20	t	lebende	Plötzen	 an	Angelvereine	oder	Fischereiverbände	im	Süden	und	Westen	 Deutschlands.	 Die	 gezielte	 Befischung	 der	 Plötzenbestände im Rahmen der Gewässergütebewirtschaftung hat zudem	zu	einem	besseren	Wachstum	der	Tiere	und	deutlich	 höheren Stückmassen geführt, was die Art nun auch wieder als	 Angel-	 und	 Speisefisch	 interessant	 macht.	 Lohnende	 Ziele sind hier vor allem die Spree-Dahme-Seen.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Plötze

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Plötze Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 659 2013:	111,	2003:	116,	1993:	102 Fließgewässer:	32,	Flussseen:	15,	Standgewässer:	64 Stehende	und	fließende	Gewässer In fast allen Berliner Gewässern präsent Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

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Rapfen Aspius aspius (LINNAEUS, 1758)
Rapfen erreichen ein Höchstalter von etwa 15 Jahren und werden dabei bis 1 m lang und 10 kg schwer.

Verbreitung

Der	Rapfen	besiedelte	Europa	im	Westen	ursprünglich	nur	 bis zum Elbe-Einzugsgebiet, wurde Mitte der 1990er Jahre aber auch im Rhein angesiedelt, wo er sich heute gut entwickelt. Im Osten begrenzen Ural und Kaspisches Meer sein Verbreitungsgebiet, im Süden die Donau. Er fehlt in weiten Teilen	Skandinaviens	und	auf	den	Britischen	Inseln.	 Rapfen besiedeln aktuell alle Unterläufe der großen Ströme im	 norddeutschen	 Tiefland	 sowie	 die	 meisten	 Kanäle.	 Obwohl Rapfen bei Bestandsuntersuchungen aus methodischen Gründen unterrepräsentiert sind, beläuft sich die aktuelle	 Zahl	 der	 Vorkommen	 in	 Brandenburg	 auf	 258.	 Er	 zählt	damit	zu	den	häufigeren	Fischarten	im	Berliner	Umland, mit einer stabilen Bestandsentwicklung.

© Andreas Hartl

Der Rapfen hat einen langgestreckten, seitlich leicht abgeflachten	Körper	und	einen	relativ	großen,	spitz	wirkenden	 Kopf. Der Körper ist silbrig glänzend bis grau gefärbt, die Flossen	 sind	 dunkelgrau.	 Bei	 juvenilen	 Rapfen	 können	 die	 paarigen Flossen auch rötlich bis rotbraun gefärbt sein. Das weite, zahnlose Maul ist endständig, die Spitze des Unterkiefers bei adulten Exemplaren leicht nach oben gebogen. Die Maulspalte reicht bis unter die Augen, was den Rapfen von allen übrigen einheimischen karpfenartigen Fischen unterscheidet. Rapfen sind primär piscivor und ernähren sich als adulte (erwachsene)	Tiere	ausschließlich	von	Fischen.	Hauptbeutefisch	ist	der	Ukelei,	der	–	wie	der	Rapfen	–	ebenfalls	bevorzugt die Freiwasserregion der großen Flüsse und Flussseen besiedelt.	Der	Rapfen	ist	eine	typische	Flussfischart	(rheophil),	wobei	er	langsam	fließende	Gewässer	bevorzugt.	Seine	Ansprüche	an	die	Wasserqualität	sind	höher	als	bei	den	 meisten	anderen	Karpfenfischen.	So	benötigt	er	einen	minimalen	 Sauerstoffgehalt	 von	 2	 mg/l.	 Temperaturen	 >30°C	 werden dagegen problemlos toleriert. Rapfen laichen hauptsächlich von März bis Mitte April, nach kurzen, stromauf gerichteten Laichwanderungen. Als lithophile Fische nutzen sie gut überströmte, grobkörnige Substrate, in deren Lückensystem die Eier geschützt sind und wo sich die geschlüpfte Brut bis zum Freischwimmen aufhält. Große	Weibchen	legen	bis	zu	1	Millionen	klebrige	Eier.	Die	 Brut	schlüpft	nach	rund	2	Wochen.

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

In den vergangenen zehn Jahren wurden 133 Nachweise geführt und 35 Vorkommen des Rapfens in Berliner Gewässern	dokumentiert.	Rapfen	neigen	als	Raubfische	nicht	zu	 Massenentwicklungen und sind in den einzelnen Gewässern regelmäßig	anzutreffen,	aber	nicht	besonders	häufig.	Auffallend zahlreich waren daher die Vorkommen in Ober- und Unterhavel, in der Spree und den Spree-Dahme Seen Müggel-, Dämeritz-, Zeuthener und Langer See sowie im Teltowkanal.	 In den Havelseen und in der Spree erscheint die Rapfenpopulation stabil bis leicht zunehmend, obwohl die Bewertung der Bestandsentwicklung des Rapfens vergleichsweise aufwendig	 ist.	 Als	 Freiwasserfisch	 wird	 er	 bei	 der	 StandardFischüberwachung	 nicht	 repräsentativ	 erfasst	 und	 –	 obgleich	als	Fangobjekt	begehrt	–	auch	kaum	gezielt	beangelt	 oder kommerziell genutzt. Die Berliner Bestände rekrutieren sich in vergleichsweise wenigen,	bekannten	Laicharealen,	von	denen	der	Westliche	 Abzugsgraben das bedeutendste innerhalb des Stadtgebiets ist.

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Rapfen

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Rapfen Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 133 2013:	35,	2003:	36,	1993:	34 Fließgewässer:	18,	Flussseen:	13,	Standgewässer:	4 Freiwasserzone größerer Fließgewässer und angeschlossene Standgewässer Oberhavel,	Unterhavel,	Tegeler	See,	Spree,	Teltowkanal,	Müggelsee,	Müggelspree, Dämeritzsee, Zeuthener See, Langer See Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	II,	V

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Rotfeder Scardinius erythrophthalmus (LINNAEUS, 1758)
Brut, sondern auch zur Ernährung genutzt. Von den einheimischen Arten wurden bei der Rotfeder nach der Nase (Chondrostoma	nasus)	die	größten	Volumenanteile	pflanzlicher Nahrung ermittelt. Daneben fressen Rotfedern auch Insektenlarven, Mollusken, Schnecken, Zoo-plankton und Anflugnahrung. Rotfedern	erreichen	Längen	von	20-30	cm	und	Stückmassen bis 450 g, in Ausnahmefällen werden sie bis 50 cm groß und	mehr	als	2	kg	schwer.

© Andreas Hartl

Rotfedern haben einen gedrungenen, relativ hochrückigen Körper. Die Grundfärbung ist messingfarben, die Flossen sind leuchtend rot (Namensgebung). Rotfedern haben ein oberständiges Maul und eine goldgelbe bis orangefarbene Iris. Beides unterscheidet sie von der Plötze, deren Maul ist endständig und die Iris rot. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal	ist	die	Stellung	der	Rücken-	und	Bauchflossen	zueinander.	Bei	der	Rotfeder	ist	der	Ansatz	der	Rückenflosse	 deutlich nach caudal (Richtung Schwanz) hinter den Ansatz der	 Bauchflossen	 verschoben.	 Bei	 der	 Plötze	 stehen	 beide	 Flossenansätze senkrecht übereinander. Rotfedern sind typische Stillwasserarten (limnophil) mit hervorragenden Anpassungen an Klein- und Auegewässer. So sind sie sehr tolerant gegenüber organischen Belastungen	des	Wassers,	hohen	Temperaturen	bis	38°C	und	geringen	 Sauerstoffgehalten	 von	 0,4	 mg/l.	 Sie	 bevorzugen	 Gewässer mit ausgedehnter Ufervegetation und dichten Wasserpflanzenbeständen. Rotfedern sind phytophil, d.h. ihr bevorzugtes Laichsubstrat	sind	untergetauchte	Wasserpflanzen,	an	die	die	klebrigen	Eier	geheftet	werden.	Die	Laichzeit	beginnt	bei	Temperaturen	 >15	 °C	 und	 erstreckt	 sich	 von	 Mai	 bis	 Juni.	 Pro	 Weibchen	 werden	 50.000-200.000	 Eier	 gelegt.	 Die	 Brut	 schlüpft	nach	drei	bis	zehn	Tagen	und	heftet	sich	mit	Hilfe	 von	am	Kopf	befindlichen	Klebedrüsen	an	Wasserpflanzen.	 Wasserpflanzen	(submerse	Makrophyten)	werden	nicht	nur	 als Laichsubstrat und Deckung für die heranwachsende

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Das ausgedehnte Verbreitungsgebiet der Rotfeder reicht von	Westeuropa	bis	Mittelasien.	Im	Süden	wird	es	durch	die	 Pyrenäen und die Alpen begrenzt. Im Berliner Umland ist die Rotfeder weit verbreitet und bildet vielerorts stabile Bestände.	Die	Rotfeder	profitiert	von	der	in	den	vergangenen	Jahrzehnten	 deutlich	 verbesserten	 Wasserqualität	 und	 dem	 damit	verbundenen,	vermehrten	Aufkommen	von	Wasserpflanzen.	Aktuell	wurden	in	Brandenburg	848	Vorkommen	 dokumentiert.

Verbreitung

In	 den	 Berliner	 Gewässern	 gehört	 die	 Rotfeder	 mit	 282	 Nachweisen und 93 dokumentierten Vorkommen zu den häufigsten	 Fischarten.	 Den	 Verbreitungsschwerpunkt	 der	 Art bilden die Standgewässer, wobei hier insbesondere auch die Kleingewässer besiedelt werden. Rotfedern waren, wenn auch	nicht	überall	zahlreich,	in	mehr	als	70%	der	befischten	 Klein- und Kleinstgewässer präsent. Die	 Zahl	 der	 Rotfedervorkommen	 ist	 gegenüber	 2003	 unverändert, aber in den meisten Gewässern haben sich die Bestände im Beobachtungszeitraum positiv entwickelt. Gute Rotfederbestände mit großwüchsigen Exemplaren wurden	in	Ober-	und	Unterhavel,	im	Teltowkanal	sowie	in	 Müggel-, Dämeritz-, Seddin- und Zeuthener See nachgewiesen.	 Im	 Tegeler	 Fließ	 und	 in	 vielen	 Landseen	 war	 die	 Rotfeder	zwar	sehr	häufig,	aber	kleinwüchsig.	

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Rotfeder

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Rotfeder Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 282 2013:	93,	2003:	93,	1993:	78 Fließgewässer:	21,	Flussseen:	13,	Standgewässer:	59 Seen,	Teiche	und	langsam	fließende	Gewässer	mit	starkem	Pflanzenbewuchs Oberhavel,	Unterhavel,	Tegeler	Fließ,	Mehrzahl	der	Landseen,	Teltowkanal,	 Müggelsee, Dämeritzsee, Seddinsee, Zeuthener See Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

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Ukelei Alburnus alburnus (LINNAEUS, 1758)
ist. Ukeleis werden mit zwei Jahren geschlechtsreif und erreichen	selten	mehr	als	20	cm	Maximallänge.

Verbreitung

Das	Verbreitungsgebiet	des	Ukeleis	erstreckt	sich	von	Westfrankreich bis zum Ural. Im Süden wird es von den Pyrenäen, den Alpen, dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer begrenzt. Die Art fehlt im Norden Skandinaviens und auf den Britischen Inseln. Verbreitungsschwerpunkte des Ukeleis liegen in den größeren Fließgewässersystemen und Flussseen im Einzugsgebiet der großen Ströme, im Berliner Umland vor allem von Elbe und Oder sowie in zahlreichen Seen im Nordosten Brandenburgs und im Gebiet von Havel und Spree. Der Ukelei wurde aktuell	mit	688	Vorkommen	dokumentiert	und	gehört	mit	 einer	Präsenz	von	40%	zu	den	häufigen	Fischarten	in	Brandenburg.

© Andreas Hartl

Der Ukelei hat einen sehr schlanken, langgestreckten, seitlich	stark	abgeflachten	Körper.	Der	Kopf	ist	relativ	klein,	das	 Maul oberständig. Die großen Schuppen lösen sich bei Berührung sehr schnell vom Körper. Die Grundfarbe ist silbrigglänzend mit dunklem, grünlich schimmerndem Rücken. Die Flossen sind grau. Als Unterscheidungsmerkmal zum ähnlich aussehenden Moderlieschen hat der Ukelei eine bis zur Schwanzwurzel durchgehende Seitenlinie. Auch ist der Körper	des	Ukeleis	auffallend	schlanker	als	der	des	Moderlieschens. Der	Ukelei	ist	eine	eurytope	Fischart,	die	sowohl	fließende	 als auch stehende Gewässer besiedelt. Bevorzugt werden die	Unterläufe	der	großen	Flüsse	und	durchflossenen	Seen	 in	der	Bleiregion,	wo	die	Art	am	häufigsten	ist.	Hier	nutzt	er	 bevorzugt	die	Freiwasserregion	nahe	der	Wasseroberfläche,	 wo	er	überwiegend	Anfluginsekten	und	Zooplankton	frisst.	 Ukeleis	stellen	keine	besonderen	Ansprüche	an	die	Wassergüte	 und	 das	 Laichsubstrat.	 Hohe	 Wassertemperaturen	 (30-35°C)	 werden	 ebenso	 toleriert	 wie	 Sauerstoff-Minima	 von	1,6	mg/l.	Als	phyto-lithophile	Art	nutzt	der	Ukelei	diverse	Hartsubstrate	zur	Eiablage,	wie	grobkörnigen	Kies,	Wasserpflanzen	sowie	mit	Algen	überwachsene	Steine	und	Wurzeln. Ukeleis sind Portionslaicher. Der klebrige, pro Weibchen	bis	1.500	Eier	umfassende	Laich	wird	von	April	bis	 Juli	in	2-4	Schüben	im	Abstand	von	jeweils	etwa	zwei	Wochen	abgegeben.	Die	nach	3	bis	10	Tagen	schlüpfende	Brut	 hält sich im Substrat auf, bis der Dottervorrat aufgebraucht

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

In	 Berlin	 wurden	 aktuell	 202	 Nachweise	 geführt	 und	 der	 Ukelei	 für	 56	 Gewässer	 dokumentiert.	 Die	 geringere	 Zahl	 der	 Vorkommen	 gegenüber	 2003	 ist	 insbesondere	 darauf	 zurückzuführen,	dass	diesmal	neben	den	häufiger	befischten,	berichtspflichtigen	Gewässern	gemäß	WRRL,	insbesondere	Gräben	und	kleine	Standgewässer	befischt	wurden,	in	 denen Ukeleis natürlicherweise nicht vorkommen. Der Bestand des Ukeleis in den Berliner Gewässern ist stabil. Besonders	 häufig	 ist	 die	 Art	 in	 der	 Oberhavel,	 im	 Tegeler	 See, im gesamten Bereich der Unterhavel inklusive der angeschlossenen Seen sowie in der Spree, den Spree-DahmeSeen und im Gosener Kanal.

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Ukelei

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Ukelei Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin 202 2013:	56,	2003:	75,	1993:	61 Fließgewässer:	21,	Flussseen:	14,	Standgewässer:	21 Stehende	und	fließende	Gewässer Oberhavel,	Tegeler	See,	Unterhavel,	Griebnitzsee,	Großer	Wannsee,	Kleine	 Wannseekette,	Spree,	Müggelsee,	Müggelspree,	Dämeritzsee,	Langer	See,	 Zeuthener See, Gosener Kanal Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

Gefährdungskategorie

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Schleie Tinca tinca (LINNAEUS, 1758)
mit	Hilfe	von	am	Kopf	befindlichen	Klebedrüsen	an	Wasserpflanzen	an,	bis	ihr	Dottervorrat	aufgebraucht	ist.	 Schleien ernähren sich überwiegend von wirbellosen Bodentieren,	 wie	 Schnecken,	 Muscheln,	 Würmern	 und	 Insektenlarven.	Schleien	werden	im	Allgemeinen	15-20	Jahre	alt,	 bis	60	cm	lang	und	3	kg	schwer,	in	seltenen	Fällen	bis	80	cm	 lang und bis 7 kg schwer.

© Andreas Hartl

Schleien sind aufgrund ihrer markanten Körperform und -färbung unverwechselbar. Ihr gestreckter, seitlich kaum abgeflachter	Körper	hat	eine	gelb-grüne,	grünliche	bis	gelbbraune Grundfärbung mit typischem Messingglanz. Die Flossen sind dunkelgrau, die Flossenränder stark abgerundet. Bei den Männchen sind die ersten zwei Strahlen der deutlich	größeren	Bauchflossen	stark	verdickt.	Dies	führt	zu	 einer	 auffälligen	 Krümmung	 ihrer	 Bauchflossen,	 wodurch	 beide Geschlechter äußerlich einfach zu unterscheiden sind. Die Schuppen sind klein, länglich und tief in der sehr schleimigen Haut verborgen. Das Maul der Schleie ist endständig, leicht	 vorstülpbar	 und	 trägt	 in	 den	 Mundwinkeln	 je	 einen	 kleinen Bartfaden. Schleien sind limnophil, d.h. sie bevorzugen als Lebensraum stehende	 oder	 langsam	 fließende	 Gewässer.	 Besonders	 häufig	ist	die	Schleie	in	flachen,	nährstoffreichen	und	stark	 verkrauteten	 Seen,	 weshalb	 dieser	 Gewässertyp	 fischfaunistisch auch als Hecht-Schlei-See charakterisiert wird. Als typische Arten der Flussaue-Gewässer stellen sie nur geringe	Ansprüche	an	die	Wasserqualität	und	tolerieren	Wassertemperaturen	 bis	 37°C	 und	 Sauerstoffminima	 <0,5	 mg/l.	 Zum	Laichen	sind	Schleien	als	phytophile	Fischart	auf	Wasserpflanzen	angewiesen.	Schleien	sind	Portionslaicher,	die	 bei	 Temperaturen	 >15-17°C	 ihre	 Eier	 (bis	 zu	 300.000	 pro	 Weibchen)	in	mehreren	Schüben	abgeben,	typischerweise	in	 den	 Sommermonaten	 Juni-Juli.	 Die	 Brut	 schlüpft	 bei	 20°C	 Wassertemperatur	nach	drei	bis	vier	Tagen	und	heftet	sich	

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Das große Verbreitungsgebiet der Schleie erstreckt sich von Westeuropa	 bis	 Sibirien.	 Besiedelt	 werden	 vor	 allem	 sommerwarme	Tieflandgewässer,	während	sie	in	Flussoberläufen und in größeren Höhelagen in der Regel fehlt. Durch Besatz wurde sie allerdings auch in viele höher gelegene Seen und Stauseen verbracht, wo sie in der Regel sehr langsamwüchsige Bestände bildet. Im Berliner Umland sind Schleien weit verbreitet und mit 901 dokumentierten Vorkommen	die	fünft-häufigste	Fischart	in	Brandenburg.

Verbreitung

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

In Berlin sind Schleien ebenfalls weit verbreitet. Im zurückliegenden	Beobachtungszeitraum	wurde	die	Art	bei	215	Befischungen	in	87	Gewässern	nachgewiesen.	So	wurde	sie	in	 neun	von	zehn	Flussseen	und	mehr	als	60%	der	Standgewässer gefangen. Auch wenn die Zahl der Vorkommen in den letzten Dekaden relativ konstant ist, nehmen die Bestände der Schleie in den Gewässern deutlich zu. Sehr auffällig ist dies u.a. in der Müggelspree. Hohe Schleienbestände wurden auch in der Oberhavel, im Groß Glienicker See, im Lietzengraben und in der Panke beobachtet. In den beiden Fließgewässern waren die Schleien zwar zahlreich aber kleinwüchsig. Der Großteil der festgestellten Bestände reproduziert sich natürlich. Schleienbesatz zur Stützung der Berliner Bestände ist unnötig und in den letzten zehn Jahren daher weitgehend eingestellt worden.

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Schleie

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Schleie Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 215 2013:	87,	2003:	95,	1993:	80 Fließgewässer:	22,	Flussseen:	9,	Standgewässer:	56 Stehende	bis	langsam	fließende	Gewässer	mit	reichem	Pflanzenbewuchs Oberhavel, Groß Glienicker See, Lietzengraben, Panke und in einer Vielzahl der untersuchten Berliner Landseen Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

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Schlammpeitzger Misgurnus fossilis (LINNAEUS, 1758)
trocknen des Gewässers können Schlammpeitzger überdauern, indem sie sich bis zu einem halben Meter tief in den Grund eingraben. Schlammpeitzger sind damit speziell an Auegewässer und Kleingewässer im fortgeschrittenen Sukzessionsstadium angepasst. Schlammpeitzger	 sind	 phytophil.	 Die	 Eier	 –	 pro	 Weibchen	 bis	zu	15.000	Stück	–	werden	obligatorisch	an	Wasserpflanzen geheftet. Dadurch wird beispielsweise verhindert, dass die Eier im Schlamm des Gewässerbodens versinken und im dort anoxischen Milieu absterben. Die Laichzeit erstreckt sich von April bis Juli.
© Andreas Hartl

Schlammpeitzger haben einen aalartig langgestreckten, hinten	seitlich	abgeflachten	Körper.	Am	Maul	befinden	sich	 insgesamt 10 Barteln, vier auf der Unterlippe und sechs auf der Oberlippe und in den Mundwinkeln. Entlang des Körpers erstrecken sich gelbe und braune Längsbinden, die die Art unverwechselbar machen. Beim Schlammpeitzger lassen sich die Geschlechter äußerlich unterscheiden. Die Männchen	sind	schlanker	als	die	Weibchen	und	haben	einen	verdickten	 zweiten	 Brustflossenstrahl,	 wodurch	 letztere	 spitz	 wirkt.	 Die	 Brustflossen	 der	 Weibchen	 sind	 dagegen	 abgerundet. Schlammpeitzger sind limnophil, d.h. sie bevorzugen Standgewässer. Hier bilden sie insbesondere in Klein- und Auegewässern sowie Gräben oft starke Bestände, sind aber darüber	hinaus	in	allen	größeren,	langsam	fließenden	Gewässern	 mit	 verkrauteten	 Uferbereichen	 präsent.	 An	 die	 Wassergü-te stellen sie keine hohen Ansprüche. Im Gegenteil, sie gehören zu den wenigen einheimischen Fischarten, die temporär	anoxische,	d.h.	sauerstofffreie	Bedingungen	überstehen. Möglich wird dies durch die Fähigkeit des Schlammpeitzgers	 zur	 akzessorischen	 Atmung	 („Darmatmung“).	 Hierfür	schluckt	er	an	der	Wasseroberfläche	Luft	und	presst	 diese in eine mit zahlreichen Blutgefäßen ausgestattete Aussackung des Enddarms. Dieses Anpassungsvermögen ermöglicht	es	den	Tieren,	schlammige,	pflanzen-	und	nährstoffreiche	und	damit	oft	sauerstoffarme	Gräben	und	Kleingewässer zu besiedeln, in denen andere Fischarten nicht dauerhaft überleben können. Auch das temporäre Aus-

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Das Nahrungsspektrum des Schlammpeitzgers umfasst kleine wirbellose Bodentiere, Insektenlarven und Aufwuchs. Schlammpeitzger werden bis 30 cm lang.

Verbreitung

Das Verbreitungsareal des Schlammpeitzgers reicht von Mitteleuropa	im	Westen	bis	zum	Ural	im	Osten.	Im	Süden	 wird es von den Alpen und dem Balkan begrenzt. Der Schlammpeitzger fehlt auf den Britischen Inseln und in Skandinavien. Besiedelt werden vor allem sommerwarme Tieflandgewässer.	In	größeren	Höhenlagen	und	Flussoberläufen fehlt der Schlammpeitzger hingegen. Im Berliner Umland	ist	die	Art	mit	204	Vorkommen	registriert.	Die	Brandenburger Bestände scheinen unverändert und stabil, obgleich es vielerorts weiterhin Schwierigkeiten bereitet, z.B. den Reproduktionserfolg zu bewerten.

In Berlin hat sich die Zahl der dokumentierten Vorkommen gegenüber	 2003	 beinahe	 verdreifacht.	 Schlammpeitzger	 wurden	aktuell	an	20	Messstellen	in	14	Gewässern	nachgewiesen. Das mit Abstand individuenreichste und daher auch unbedingt schützenswerte Schlammpeitzgervorkommen wurde	in	den	Nebengewässern	des	Tegeler	Fließes	festgestellt. Eher überraschend war dagegen der Nachweis einzelner	Tiere	in	der	Wuhle.	Für	die	meisten	Gewässer	mit	Einzelnachweisen lassen sich keine gesicherten Aussagen zur Bestandsentwicklung	 des	 Schlammpeitzgers	 treffen.	 Allerdings wird letztere aufgrund der deutlichen Zunahme der Schlammpeitzgervorkommen für die Berliner Gewässer insgesamt positiv bewertet.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Schlammpeitzger

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Schlammpeitzger Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 20 2013:	14,	2003:	5,	1993:	8 Fließgewässer:	10,	Flussseen:	2,	Standgewässer:	2 Flachwasserzonen	stehender	und	langsam	fließender	Gewässer Tegeler	Fließ	mit	Nebengewässern,	darüber	hinaus	Einzelnachweise	aus	Spree,	 Wuhle,	Müggelsee,	Unterhavel	und	dem	Gosener	Graben Rote	Liste	BRD:	stark	gefährdet	(2) Rote	Liste	Berlin:	stark	gefährdet	(2) FFH-Anhang:	II

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Steinbeißer Cobitis taenia (LINNAEUS, 1758)
vorzugt fädige Grünalgen) abgelegt. Die Larven verbergen sich	bis	zur	Schwimm-	und	Fressfähigkeit	in	den	Pflanzenpolstern und Algenmatten und sind sogar in der Lage, die dort	temporär	auftretenden	hohen	pH-Werte	zu	tolerieren.	 Die Nahrung des Steinbeißers besteht aus kleinen wirbellosen	 Bodenorganismen,	 die	 er	 aus	 dem	 Sediment	 filtert.	 Dafür	 werden	 Sand	 und	 Detritus	 „durchkaut“	 (namensgebend!), d.h. aufgenommen, die Nahrungsbestandteile in den Kiemenreusendornen zurückgehalten und Unverdauliches durch die Kiemenspalten entlassen.

Verbreitung
© Andreas Hartl

Steinbeißer gehören wie der Schlammpeitzger zur Familie der Schmerlen (Cobitidae) und haben einen aalartig langgestreckten,	hinten	seitlich	abgeflachten	Körper,	der	aber	insgesamt	kaum	länger	als	12	cm	ist.	Der	Kopf	ist	auf	der	Oberseite	der	Schnauze	auffällig	gewölbt	und	trägt	unter	jedem	 Auge einen aufrichtbaren, gegabelten Dorn, weshalb der Steinbeißer auch gelegentlich als Dorngrundel bezeichnet wird.	 Die	 Nasenöffnungen	 sind	 röhrenförmig	 verlängert.	 Das	stark	unterständige	Maul	trägt	6	kurze	Barteln	auf	der	 Oberlippe. Die Grundfarbe des Körpers ist sandfarben bis gelblich-braun. Unterhalb der Seitenlinie zieht sich ein auffälliges Band großer, dunkler Flecken bis zum Schwanzstiel. Darüber	befinden	sich	ein	zweites	schmales	dunkles	Band	 sowie weitere Bänder mit zahlreichen sehr feinen braunen Punkten. Steinbeißer	zählen	zu	den	typischen	Flussfischarten	und	besiedeln	die	Uferregion	fließender	und	stehender	Gewässer	 mit	sandigem	Grund	und	einer	leichten	organischer	Auflage.	Tagsüber	graben	sich	Steinbeißer	häufig	in	die	oberste	 Substratschicht ein. Die Anpassungsfähigkeit des Steinbeißers	in	Bezug	auf	Wassergüte	und	Uferstruktur	scheint	ausgeprägter zu sein, als bisher in der Literatur beschrieben. Er scheint	 durchaus	 relativ	 niedrige	 Sauerstoffgehalte	 und	 hohe	Temperaturen	zu	tolerieren. Steinbeißer sind phytophil. In der sich von April bis Juli erstreckenden	 Laichzeit	 werden	 bei	 Wassertemperaturen	 >18°C	pro	Weibchen	bis	zu	200	Eier	an	Wasserpflanzen	(be-

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Steinbeißer besiedeln fast ganz Europa und Asien, von Portugal	 im	 Westen	 bis	 Japan	 im	 Osten,	 wobei	 innerhalb	 des	 Verbreitungsgebietes zahlreiche Arten bekannt sind, die im Feld nicht immer problemlos zu unterscheiden sind. Im Berliner Umland nehmen die Bestände des Steinbeißers zu und die	 Art	 ist	 in	 Ausbreitung	 begriffen,	 was	 offenbar	 auf	 die	 flächendeckende,	deutliche	Verbesserung	der	Wasserqualität in den Gewässern zurückzuführen ist. Aktuell sind in Brandenburg 391 Vorkommen des Steinbeißers dokumentiert, womit sich die Anzahl der bekannten Fundorte in den letzten zehn Jahren beinahe verdoppelt hat. Daneben sind in Brandenburger Gewässern zwei weitere Arten präsent, die bislang noch nicht in Berlin beobachtet wurden, DonauSteinbeißer und Goldsteinbeißer.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

In Berlin haben sich Steinbeißerbestand und Zahl der Vorkommen ebenfalls sehr positiv entwickelt. Aktuell sind 44 Nachweise aus 14 Gewässern dokumentiert. Einen starken, reproduzierenden Bestand beherbergt nach wie vor der Große Müggelsee. Daneben fanden sich Steinbeißer vergleichsweise zahlreich in der Uferzone der Unterhavel, im Gewässersystem	der	Tiefwerder	Wiesen	sowie	im	Grimnitz-,	 Dämeritz-, Seddin- und Groß Glienicker See.

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Steinbeißer

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Steinbeißer Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 44 2013:	14,	2003:	10,	1993:	3 Fließgewässer:	4,	Flussseen:	7,	Standgewässer:	3 Langsam	bis	schnell	fließende	Gewässer,	Flussseen Unterhavel, Kleiner u. Großer Jürgengraben, Hauptgraben, Fauler See, Grimnitzsee, Müggelsee, Dämeritzsee, Seddinsee, Groß Glienicker See Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	Vorwarnliste	(V) FFH-Anhang:	II

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Schmerle Barbatula barbatula (LINNAEUS, 1758)
Schmerlen sind nachtaktiv und fressen bevorzugt Insektenlarven	 und	 Kleinkrebse.	 Als	 Kleinfischart	 erreichen	 sie	 zumeist	Körperlängen	von	10	cm,	maximal	12-16	cm.

© Andreas Hartl

Der Körper der Schmerlen ist aalartig gestreckt, vorne leicht dorsoventral (vom Rücken zum Bauch) und am Schwanzende seitlich abgeplattet. Die Grundfarbe ist braun mit dunklem Rücken aber insgesamt sehr variabel, von uni bis zu einer	sehr	auffälligen	hell-dunklen	Marmorierung.	Das	Maul	 ist	stark	unterständig	und	trägt	6	Barteln	auf	der	Oberlippe	 und in den Mundwinkeln. Am unteren Rand der Augen befindet	sich	je	ein	kurzer,	stumpfer	Stachel.	Die	freien	Ränder	 der kräftigen Flossen sind abgerundet. Schmerlen	 sind	 rheophile	 Flussfische,	 die	 alle	 Fließgewässertypen von der Forellen- bis zur Bleiregion besiedeln, aber die kleinen bis mittelgroßen bevorzugen. Eher selten werden dagegen Seen besiedelt und wenn, dann große, klare. In kleinen Fließgewässern können Schmerlen auch Dominanzbestände bilden. Massenentwicklungen der Schmerle in Forellengewässern sind als Störungsanzeiger zu bewerten. Wie	 bereits	 ihre	 weite	 Verbreitung	 in	 den	 verschiedenen	 Fließgewässerregionen nahelegt, sind Schmerlen bezüglich der	Wasserqualität	relativ	anspruchslos.	Sie	tolerieren	Temperaturen	bis	34°C	und	Sauerstoffgehalte	von	2	mg/l. Als psammophile, auf Sand laichende Fischart, sind Schmerlen	auch	weniger	als	andere	Flussfische	auf	die	fließgewässertypischen Grobsubstrate angewiesen. Die Laichzeit erstreckt	sich	von	 April	bis	 Juni.	 Während	dieser	 Zeit	 zeigen	 die	Tiere	an	der	Innenseite	der	Bauchflossen	einen	körnigen	 Laichausschlag.

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Das Verbreitungsgebiet der Schmerle erstreckt sich über ganz Europe nördlich der Pyrenäen, der Alpen und des Kaukasus	bis	zum	66.	Breitengrad.	Im	norddeutschen	Tiefland	 sind Schmerlen weit verbreitet und besiedeln hier auch die Unterläufe der großen Ströme. In den kleinen Standgewässern	der	Flussauen	fehlen	sie	dagegen.	In	degradierten	Tiefland-Forellenbächen	ist	die	Schmerle	bisweilen	sehr	häufig.	 Im Berliner Umland werden Vorkommen und Verbreitungssituation der Schmerle als stabil eingeschätzt, obwohl die Bestandsgrößen	in	einigen	Gewässern	weiterhin	rückläufig	 sind.	Aktuell	sind	in	Brandenburg	278	Fundorte	dokumentiert.

Verbreitung

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

In Berlin waren Schmerlen historisch dokumentiert. Bis etwa	1920	wurde	die	Art	noch	in	der	Panke	nachgewiesen,	 wo sie infolge der zunehmenden Gewässerverschmutzung verschwand. Das nächstgelegene Vorkommen fand sich im Neuenhagener	Mühlenfließ	(Erpe),	wo	seit	den	1980er	Jahren sporadische Bestandskontrollen den Fortbestand der Art bestätigten. Eine Ausbreitung in den auf Berliner Stadtgebiet	 gelegenen	 Unterlauf	 war	 bis	 2010	 allerdings	 nicht	 erfolgt. Mit	dem	Rückbau	der	Wehre	in	der	Erpe	und	ihrem	Ersatz	 durch	raue	Rampen	wurden	offenbar	Bedingungen	geschaffen, die die Ausbreitung der Schmerle und möglicherweise auch ihre Reproduktion und Bestandszunahme förderten. Im	Jahr	2010	wurden	auf	der	untersten,	auf	Berliner	Stadtgebiet gelegenen Fischwanderhilfe einzelne Schmerlen gefangen, so dass die einst verschollene Art in Berlin wieder präsent ist. Ob und inwieweit sich ihre Bestände stabilisieren und ausbreiten, werden die kommenden Jahre zeigen.

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Schmerle

Messstelle Nachweis Fließgewässer

Schmerle Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 1 2013:	1,	2003:	0,	1993:	0 Fließgewässer:	1,	Flussseen:	0,	Standgewässer:	0 Rasch	fließende	Bäche	und	Flüsse	mit	sandigem	oder	kiesigem	Substrat Einzelnachweis	aus	dem	Neuenhagener	Mühlenfließ	(Erpe) Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	extrem	selten	(R) FFH-Anhang:	-

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Wels Silurus glanis (LINNAEUS, 1758)
Sie sind dämmerungs- bzw. nachtaktive Jäger. Welse		können	wahrscheinlich	bis	80	Jahre	alt	und	dann	bis	 3 m lang und 150 kg schwer werden. In der Regel sind sie jedoch	selten	größer	als	2	m	und	schwerer	als	50-60	kg.

© Andreas Hartl

Welse	haben	einen	langgestreckten,	schuppenlosen	Körper	 der im Kopfbereich dorsoventral (horizontal), hinten seitlich abgeflacht	ist.	Das	breite	Maul	trägt	insgesamt	sechs	Barteln, zwei sehr lange seitlich am Oberkiefer und vier kürzere am Unterkiefer. Das breite Maul ist mit hunderten kleiner Hechelzähne besetzt. Die Grundfärbung ist braun-schwarz bis grau-schwarz marmoriert. Welse	sind	eurytop	und	typische	Bewohner	großer	strukturreicher Fließ- und Standgewässer. Sie sind sehr territorial und bevorzugen Gewässer mit komplexen Uferstrukturen, die	als	Einstände	und	Verstecke	geeignet	sind.	An	die	Wasserqualität	stellen	sie	nur	geringe	Ansprüche.	Welse	bevorzugen	 warme	 Gewässer	 und	 tolerieren	 Temperaturen	 >35°C.	 Der	 Sauerstoffgehalt	 sollte	 jedoch	 nicht	 dauerhaft	 unter	2	mg/l	sinken. Als	 phytophile	 Fischart	 laicht	 der	 Wels	 an	 Wasserpflanzen	 im	Uferbereich.	Hier	bauen	die	Welse	Nester	aus	Pflanzenmaterial,	in	die	die	Weibchen	bis	zu	100.000	Eier	legen.	Die	 Männchen bewachen das Nest bis zum Schlüpfen der Brut. Auf dieses Verhalten sind auch die extrem seltenen, aber von	den	Medien	gerne	aufgegriffenen	Angriffe	großer	Welse	 auf Badende zurückzuführen. Die Laichzeit liegt im Zeitraum	 Juni-Juli	 bei	 Wassertemperaturen	 über	 20°C.	 Welse	 werden nach 3-4 Jahren geschlechtsreif. Welse	sind	primär	piscivor	und	fressen	überwiegend	Fische,	 verschmähen	aber	auch	Wasservögel	und	Kleinsäuger	nicht.

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Das	Verbreitungsareal	des	Welses	reicht	heute	vom	Ebro	im	 Westen	und	der	Donau	im	Süden	bis	nach	Asien.	Er	fehlt	in	 Skandinavien. Sein natürliches Verbreitungsgebiet wurde ursprünglich	 im	 Süden	 von	 den	 Alpen	 und	 im	 Westen	 von	 der Elbe begrenzt. Durch Besatz kommt er inzwischen auch in	Italien	sowie	in	der	Weser	und	im	Rhein	vor.	Im	Berliner	 Umland	 liegen	 Verbreitungsschwerpunkte	 des	 Welses	 in	 Oder,	 Havel	 und	 Spree,	 während	 die	 Elbe	 offensichtlich	 schwächer besiedelt ist. Durch Besatzmaßnahmen wurden Welse	beinahe	flächendeckend	verbreitet	und	auch	in	vielen	 ungeeigneten Kleinseen angesiedelt. Kurzfristige deutliche Bestandszunahmen der Art wurden als Invasion interpretiert	und	die	fischereirechtlichen	Schonvorschriften	in	Brandenburg aufgehoben. Anhand der aktuell dokumentierten Zahl	 von	 306	 Vorkommen	 in	 Brandenburg	 erscheint	 diese	 Reaktion allerdings nicht nachvollziehbar.

Verbreitung

In Berlin wurden im Beobachtungszeitraum 15 Nachweise in	 11	 Gewässern	 geführt,	 weniger	 als	 die	 Hälfte	 der	 2003	 registrierten Vorkommen. Letzteres ist sicher auch darauf zurückzuführen,	dass	der	Anteil	der	vom	Wels	nicht	besiedelbaren Kleinstgewässer und Gräben diesmal relativ hoch war.	 In	 den	 großen	 Flussseen	 wurde	 der	 Wels	 dagegen	 in	 jedem	zweiten	Gewässer	nachgewiesen.	Allerdings	ist	auch	 hier anzumerken, dass aufgrund der geringen Durchschnittstiefe und der Strukturarmut der Berliner Gewässer, dem	Wels	nur	vergleichsweise	wenig	geeignete	Strecken	zur	 Verfügung stehen. Damit übereinstimmend pendeln auch die	 Anlandungen	 der	 Berliner	 Berufsfischer	 seit	 2000	 zwischen 400 kg und 700 kg Jahresertrag. Ein Schwerpunkt der Welsverbreitung	liegt	im	Südosten	Berlins,	wo	sich	die	Art	in	 der Müggelspree natürlich rekrutiert und von dort die Spree-Dahme-Seen	besiedelt.	Große	Welse	werden	auch	regelmäßig im Schlachtensee gefangen.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Wels

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Wels Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 15 2013:	11,	2003:	28,	1993:	18	 Fließgewässer:	1,	Flussseen:	7,	Standgewässer:	3 Mittlere	bis	große	stehende	und	fließende	Gewässer Oberhavel, Plötzensee, Müggelsee, Müggelspree, Dämeritzsee, Seddinsee, Langer See, Schlachtensee Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

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Quappe Lota lota (LINNAEUS, 1758)
Quappen fressen überwiegend Bodentiere, wobei sie aufgrund ihres großen Mauls relativ große Beuteorganismen nutzen können. Als sekundär piscivore Fische gehen insbesondere die großen Individuen zu Fischnahrung über. Quappen sind sehr schnell- und großwüchsig, was aber das Vorhandensein	 von	 Temperaturrefugien	 erfordert.	 Fehlen	 diese, bleiben bei höheren Sommertemperaturen die größeren	Exemplare	>25	cm	Länge	im	Wachstum	zurück.	Aus	diesem Grund sind die meisten isolierten Bestände kleinwüchsig	mit	Längen	bis	40	cm	und	Stückmassen	um	die	600	g.	 Dagegen werden die wandernden Populationen in Oder und Elbe bis 80 cm lang und 4 kg schwer.
© Andreas Hartl

Die Quappe hat einen langgestreckten, im Kopfbereich dorsoventral	 (horizontal)	 hinten	 seitlich	 abgeflachten	 Körper.	 Die Grundfärbung ist braun mit dunkler Marmorierung. Ihr weites, leicht unterständiges Maul trägt zahlreiche, nach hinten gebogene Zähnen und am Unterkiefer einen einzelnen langen Bartfaden. Diese Bartel und die kehlständigen Bauchflossen	charakterisieren	die	Quappe	als	einen	Vertreter aus der Familie der Dorsche. Quappen besitzen zwei Rückenflossen,	von	denen	die	zweite	sowie	die	Afterflosse	sehr	 langgezogen sind und den Hinterleib säumen. Die Quappe ist eine rheophile Fischart, die Fließgewässer von der Brackwasser- bis zur Forellenregion, aber auch größere Stillgewässer besiedelt, wobei sie kühle Gewässer bevorzugt. Quappen tolerieren eine gewisse organische Belastung,	 so	 lange	 diese	 nicht	 zu	 Sauerstoffdefiziten	 <2	 mg/l	 führt.	Wassertemperaturen	>20°C	führen	bereits	zu	Stressreaktionen,	maximal	werden	28-30°C	toleriert.	Die	Quappe	 gehört zu den wenigen einheimischen Fischarten, die in den Wintermonaten,	 von	 Dezember	 bis	 Januar	 laichen.	 Beginnend	im	November,	wenn	die	Wassertemperatur	unter	8°C	 sinkt, sammeln sich die Quappen und wandern zu den stromauf gelegenen Laichplätzen. Quappen sind litho-pelagophile	 Laicher.	 Pro	 Weibchen	 werden	 bis	 zu	 1	 Mio.	 Eier	 über hartgründigen, grobsandigen bis kiesigen Substraten im	Hauptstrom	gelegt.	Die	Larven	schlüpfen	nach	6	bis	10	 Wochen	und	driften	anschließend	im	Freiwasser	(pelagisch).

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Die Quappe besiedelt zirkumpolar die Nordhalbkugel, wobei drei geographische Rassen unterschieden werden. Sie fehlt in	 Südwest-	 und	 Südosteuropa	 sowie	 in	 weiten	 Teilen	 der	 Britischen Inseln. Nördlich der Pyrenäen und des Balkans kommt	sie	in	allen	Flüssen	vor.	Im	Berliner	Umland	finden	 sich stabile Quappenbestände vor allem in Elbe und Oder. Die meisten übrigen Vorkommen sind dagegen kleinwüchsig, mit geringen Individuendichten. Aktuell sind in Brandenburg 418 Vorkommen dokumentiert, von denen die Fließgewässerpopulationen einen positiven Bestandstrend zeigen, die in Standgewässern einen gleichbleibenden.

Verbreitung

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

In Berlin besiedelt die Quappe insbesondere die großen Fließgewässer und Flussseen. Insgesamt wurden in den letzten zehn Jahren 53 Quappennachweise in 13 Gewässern geführt. In diesen Gewässern haben sich die Bestände der Art stabilisiert und nehmen zu. Zu den Gewässern mit einem gegenwärtig zwar zahlenmäßig noch relativ geringen aber kontinuierlich zunehmenden Quappenbe-stand gehören	Ober-	und	Unterhavel,	Tegeler	See,	Unterspree	und	der	 Große Müggelsee. Als potentielle Laichplätze der Quappe im innerstädtischen Bereich	werden	der	Westliche	Abzugsgraben	und	das	Unterwasser	des	Wehrs	Charlottenburg	vermutet.	Der	Nachweis	 einer erfolgreichen Reproduktion steht aber noch aus.

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Quappe

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Quappe Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 53 2013:	13,	2003:	21,	1993:	20	 Fließgewässer:	3,	Flussseen:	8,	Standgewässer:	2 Fließgewässer	und	größere	durchflossene	Seen Oberhavel,	Unterhavel,	Unterspree,	Tegeler	See,	Müggelsee Rote	Liste	BRD:	Vorwarnliste	(V) Rote	Liste	Berlin:	gefährdet	(3) FFH-Anhang:	-

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Barsch Perca fluviatilis (LINNAEUS, 1758)
werden	nur	geringe	Ansprüche	gestellt	und	hohe	Temperaturen	ebenso	toleriert	wie	Sauerstoff-Minima	um	1	mg/l. Barsche	 sind	 omnivore	 Allesfresser	 die	 insbesondere	 Wirbellose, wie Insektenlarven oder Kleinkrebse fressen, im Freiwasser auch Zooplankton und die als erwachsene Individuen	häufig	auch	zu	Fischnahrung	übergehen.	Große	Barsche	 ernähren	 sich	 aber	 nicht	 zwangsläufig	 piscivor.	 Barsche werden in der Regel bis maximal 50 cm lang und über 3 kg schwer.

© Andreas Hartl

Die Körperform des Barsches ist gedrungen und leicht hochrückig.	Wie	alle	Vertreter	der	Barschartigen	(Familie	Percidae)	haben	Barsche	zwei	Rückenflossen	von	denen	die	vordere ausschließlich aus Stachelstrahlen besteht. Das weite Maul und der im Vergleich zur Körperlänge relativ große Kopf kennzeichnen ihn als räuberisch lebende Fischart. Die Grundfärbung des Körpers ist grünlich bis dunkelgrün, graugrün, zum fast weißen Bauch hin heller werdend. Die Seiten	 sind	 mit	 6-9	 deutlich	 ausgeprägten,	 dunklen	 Querbinden	gezeichnet.	Die	Rückenflossen	sind	in	der	Regel	dunkelgrau	gefärbt,	die	paarigen	Flossen,	die	Afterflosse	sowie	 die	Schwanzflosse	meistens	rot.	 Barsche sind eurytop und besiedeln nahezu sämtliche Fließund Standgewässer gleichermaßen erfolgreich. Bevorzugt werden große mesotrophe Seen mit ausgeprägter Freiwasserregion	 und	 reichlich	 Pflanzenbewuchs.	 Barsche	 zeigen	 ein ausgeprägtes Anpassungsvermögen im Hinblick auf Wassergüte,	Gewässerstrukturen	und	potentielle	Laichsubstrate.	 Als	 phyto-lithophile	 Fischart	 nutzen	 Barsche	 jede	 Form	von	Hartsubstrat	zur	Eiablage.	Die	Eier,	pro	Weibchen	 bis zu 300.000 Stück, werden als gallertartiges Laichband an	Pflanzen,	Wurzeln	oder	Steinen	festgeklebt.	Die	Eiablage	 beginnt	bei		7-9°C	Wassertemperatur	und	erstreckt	sich	von	 März bis Anfang Mai. Die Barschlarven ziehen unmittelbar nach dem Schlupf ins Freiwasser. Da Barsche so weniger von fehlenden Uferstrukturen und degradierten Brutaufwuchsgebieten	betroffen	sind,	sind	sie	in	monotonen	Kanälen	 in	 der	 Regel	 bestandsbildend.	 An	 die	 Wasserqualität	

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Das Verbreitungsgebiet des Barschs reicht von Frankreich im	Westen	bis	nach	Sibirien	im	Osten.	In	Mitteleuropa	wird	 sein Verbreitungsgebiet im Süden von den Pyrenäen und den Alpen begrenzt. Barsche sind in allen Gewässertypen der	Region	verbreitet	und	häufig.	Ausbau	und	Regulierung	 der Fließgewässer und Uferbefestigungen an vielen Seen haben sein Vorkommen eher begünstigt. In den großen Gewässern sind Barsche omnipräsent. Aktuell wurden in Brandenburg 1.150 Vorkommen dokumentiert, womit die Art nach	 Plötze	 und	 Hecht	 die	 dritthäufigste	 in	 Brandenburg	 ist.

Verbreitung

In	 Berliner	 Gewässern	 ist	 der	 Barsch	 die	 zweithäufigste	 Fischart	 mit	 620	 Nachweisen	 aus	 103	 Gewässern.	 Der	 Bestand ist stabil und eher zunehmend. Mit Ausnahme einiger Kleinstgewässer und Gräben besiedelt er alle Gewässertypen. In den meisten untersuchten Gewässern zählt der Barsch	zu	den	häufigen	bis	dominierenden	Fischarten.	Barsche dominieren insbesondere in den Kanälen mit monoton ausgebauten	Ufern,	wo	sie	einen	signifikant	höheren	Anteil	 am	Gesamtfischbestand	(bis	>60%)	erreichen,	als	in	naturnäheren	und	strukturreicheren	Gewässerstrecken	(<15%).	

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

74

Fische in Berlin | Spezieller Teil – Barsch

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Barsch Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 620 2013:	103,	2003:	115,	1993:	100	 Fließgewässer:	32,	Flussseen:	15	,	Standgewässer:	56 In fast allen Gewässern und Gewässertypen weit verbreitet Mit Ausnahme kleinster Gräben und Fließe sowie ausstickungsgefährdeter Landseen in nahezu allen Gewässern präsent Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

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Kaulbarsch Gymnocephalus cernuus (LINNAEUS, 1758)
ven, Muscheln und Krebsen ernähren. In Binnengewässern werden	Kaulbarsche	selten	über	15	cm	lang,	im	Haff	bis	maximal	25	cm.

© Jörg Freyhof

Die Körperform des Kaulbarsches ist gedrungen, der Kopf im Verhältnis zur Länge vergleichsweise groß und dick. An den	Kiemendeckeln	sitzt	jeweils	ein	langer	Dorn.	Im	Gegensatz zu den beiden anderen einheimischen Barscharten sind beim	Kaulbarsch	die	erste	und	zweite	Rückenflosse	miteinander verwachsen. Die Grundfärbung ist braun, braun-grün bis dunkelgrün mit einem typischen Messingglanz. Im Gegensatz zu Barsch und Zander weisen Kaulbarsche auf den Seiten anstelle der Querbinden zahlreiche unregelmäßig verteilte Punkte auf. Als eurytope Fischarten haben Kaulbarsche keine ausgeprägte Strömungspräferenz und besiedeln Fließgewässer und Standgewässer gleichermaßen, bevorzugt die Flussunterläufe im Übergang zum Brackwasser (Kaulbarsch-Flunder-Region) und große Seen. In Gräben und Kleingewässern kommt	er	dagegen	nicht	vor.	An	die	Wasserqualität	stellt	er	 vergleichsweise geringe Anforderungen und toleriert auch noch	Sauerstoff-Minima	von	1	mg/l,	aber	Kaulbarsche	sind	 empfindlich	gegenüber	hohen	Wassertemperaturen	>25°C.	 Kaulbarsche sind phyto-lithophile Fische, die sämtliche Hartsubstrate zur Eiablage nutzen. Die Eier werden von März bis April im Uferbereich als Streifen oder Klumpen auf harten	 Substraten,	 wie	 Holz,	 Wurzeln,	 oder	 Steinen	 abgelegt.	 Ein	 einzelnes	 Weibchen	 legt	 bis	 zu	 100.000	 der	 sehr	 kleinen	Eier.	Die	Brut	schlüpft	nach	etwa	10	Tagen. Kaulbarsche	 sind	 dämmerungs-	 und	 nachtaktive	 Bodenfische,	die	sich	von	benthischen	Wirbellosen,	wie	Insektenlar-

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Der Kaulbarsch hat ein ausgedehntes Verbreitungsgebiet, das von Mitteleuropa nördlich der Alpen und der Pyrenäen bis nach Sibirien reicht. Nach der klassischen Einteilung der Fließgewässer	ist	er	die	Leitfischart	des	Unterlaufs	von	Flüssen kurz vor der Mündung ins Meer, der Kaulbarsch-Flunder-Region. Im Berliner Umland, in den Einzugsgebieten von Elbe und Oder, waren Kaulbarsche gemäß der historischen	 Angaben	 stets	 häufig	 bis	 massenhaft	 vorhanden.	 Auch heute ist die Art in der Region noch weit verbreitet. Aktuell	wurden	in	Brandenburg	615	Vorkommen	dokumentiert.	In	den	einzelnen	Gewässern	variiert	seine	Häufigkeit	 jedoch	sehr	stark	und	nimmt	lokal	vielfach	ab.

Verbreitung

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

In den Berliner Gewässern wurden Kaulbarsche aktuell bei 298	Befischungen	in	43	Gewässern	nachgewiesen.	Die	Anzahl	 der	 Vorkommen	 ist	 gegenüber	 2003	 rückläufig,	 was	 insbesondere dadurch begründet ist, dass aktuell deutlich mehr Kleingewässer und Gräben untersucht wurden, die Kaulbarsche normalerweise nicht besiedeln. Erwartungsgemäß wurde der Kaulbarsch in sämtlichen Flussseen und allen größeren Fließgewässern registriert, wobei er nirgendwo	häufig	war.	Insgesamt	scheinen	die	Bestände	auf	relativ	 geringem Niveau stabil zu sein. Die bedeutendsten Vorkommen innerhalb der Berliner Gewässer fanden sich in Ober- und Unterhavel, im Großen Wannsee,	 im	 Großen	 Müggelsee,	 in	 der	 Spree,	 den	 innerstädtischen Kanälen sowie in den Spree-Dahme-Seen.

76

Fische in Berlin | Spezieller Teil – Kaulbarsch

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Kaulbarsch Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 298 2013:	43,	2003:	71,	1993:	60	 Fließgewässer:	18,	Flussseen:	15,	Standgewässer:	10 Unterlauf mittlerer und kleiner Fließgewässer, Flussseen Oberhavel,	Unterhavel,	Wannsee,	Kleine	Wannseekette,	Spree,		Teltowkanal,	 Müggelsee, Dämeritzsee, Langer See, Zeuthener See Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

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Zander Sander lucioperca (LINNAEUS, 1758)
Wassertemperaturen	 um	 12-16°C	 bis	 zu	 300.000	 Eier	 pro	 Weibchen	gelegt.	Die	Männchen	bewachen	das	Nest,	bis	die	 Larven	nach	etwa	einer	Woche	schlüpfen.	Der	Zander	ist	die	 größte	heimische	Barschart	und	wird	>1	m	lang	und	bis	zu	 16	kg	schwer.

Verbreitung

© Andreas Hartl

Der Körper des Zanders ist langgestreckt und spindelförmig. Seine Grundfärbung ist silbrig-grau bis grau-grün. Die Seiten	sind	durch	8-12	dunkle	Querbinden	gezeichnet.	Die	 paarigen	und	die	Afterflosse	sind	einheitlich	grau	gefärbt,	 Rücken-	 und	 Schwanzflosse	 noch	 dunkel	 gesprenkelt.	 Wie	 alle	Barschartigen	hat	auch	der	Zander	zwei	Rückenflossen,	 von denen die vordere ausschließlich aus Stachelstrahlen besteht. Zander besitzen ein endständiges Maul mit markanten Fangzähnen. Zander sind eurytope Fische, die sowohl stehende als auch fließende	Gewässer	besiedeln.	Bevorzugt	werden	die	langsam	fließenden	Flussunterläufe	und	große,	flache	Seen.	Sie	 stellen	 nur	 geringe	 Ansprüche	 an	 die	 Wasserqualität	 und	 tolerieren	Wassertemperaturen	bis	31°C	ebenso	wie	Sauerstoff-Minima	<1,5	mg/l.	Zander	können,	im	Gegensatz	zum	 Hecht, trübe Gewässer sogar besonders erfolgreich besiedeln, da sie sich bei der Jagd im Freiwasser vorwiegend mittels Geruchssinn orientieren. Zander sind primär piscivor, d.h.	Fisch	fressend.	Von	den	einheimischen	Raubfischen	ist	 der Zander als einziger Maulspalten-limitiert. Selbst adulte Zander können aufgrund der vergleichsweise kleinen Maulöffnung	nur	relativ	kleine	bzw.	schlanke	Beutefische	bewältigen. Zander	sind	„Nest“	bauende	Hartsubstratlaicher.	In	der	von	 April bis Juni andauernden Laichzeit säubern die Männchen hartgründige	Stellen	in	der	Nähe	von	Ast-	und	Wurzelholz	 bzw.	Pflanzenmaterial.	In	das	entstandene	Nest	werden	bei	

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Zanders erstreckt sich	von	Mitteleuropa	im	Westen	bis	nach	Sibirien	im	Osten	 und bis zum Schwarzen Meer im Süden. Ursprünglich bildete das Einzugsgebiet der unteren Elbe die westliche Verbreitungsgrenze des Zanders. Später wurde die Art durch Besatz	in	das	Rheineinzugsgebiet	und	weiter	nach	Westeuropa	 verfrachtet. Im Berliner Umland sind Zander in den großen Fließgewässern	und	nährstoffreichen	Seen	weit	verbreitet.	 Allerdings werden regional bereits Bestandsrückgänge des Zanders	 infolge	 der	 verbesserten	 Wasserqualität	 und	 abnehmenden	Trübung	der	Gewässer	beobachtet,	zugunsten	 zunehmender Hechtbestände. Unabhängig davon unterliegen Zanderbestände starken Populationsschwankungen, die in seiner Maulspaltenlimitierung begründet sind. Ein starker	Zanderjahrgang	kann	das	zu	nutzende,	längenlimitierte Beutespektrum in kurzer Zeit so stark dezimieren, dass dann der Großteil der Kohorte verhungert und die Population zusammenbricht. Aktuell wurden in Brandenburg 424	Zandervorkommen	dokumentiert.

In	Berlin	wurden	201	Nachweise	des	Zanders	in	34	Gewässern	geführt.	Gegenüber	jeweils	60	Vorkommen	1993	und	 2003	hat	sich	die	Zahl	der	bestätigten	Nachweise	beinahe	 halbiert. Damit übereinstimmend gingen auch die Erträge der	Berufsfischer	von	24,6	t	im	Jahr	2000	auf	10,2	t	2012	 zurück. Nicht zu vergessen ist allerdings auch, dass im aktuellen	Beobachtungszeitraum	seit	2003	besonders	viele	für	 den Zander ungeeignete Kleingewässer und Gräben bearbeitet wurden. In	den	Flussseen	ist	der	Zander	nach	wie	vor	zu	>90%	präsent,	ebenso	in	den	schiffbaren	Fließgewässern	und	Kanälen. Dementsprechend fanden sich in Ober- und Unterhavel, im	Niederneuendorfer	See,	im	Großen	Wannsee,	Griebnitzsee, in der Stadtspree, den innerstädtischen Kanälen sowie im	Teltowkanal	und	im	Großen	Müggelsee	sehr	gute	Zanderbestände.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

78

Fische in Berlin | Spezieller Teil – Zander

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Zander Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin 201 2013:	34,	2003:	60,	1993:	60	 Fließgewässer:	14,	Flussseen:	14,	Standgewässer:	6 Größere Fließ- und Standgewässer Oberhavel,	Tegeler	See,	Unterhavel,	Großer	Wannsee,	Kleine	Wannseekette,	 Griebnitzsee,	Spree,	Innere	Kanäle,	Teltowkanal,	Müggelsee,	Dämeritzsee,	 Seddinsee, Zeuthener See, Langer See Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

Gefährdungskategorie

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Dreistachliger Stichling Gasterosteus aculeatus (LINNAEUS, 1758)
bewacht	 sein	 Nest	 und	 pflegt	 darin	 den	 Laich	 mehrerer	 Weibchen. Stichlinge bevorzugen strukturierte, verkrautete, seichte Ufer mit geschützten bzw. strömungsberuhigten Bereichen. Besonders	 präferiert	 werden	 Wasserstern-Polster	 (Callitriche	sp.).	An	die	Wasserqualität	werden	nur	geringe	Ansprüche	 gestellt	 und	 Temperaturen	 von	 33-35°C	 ebenso	 toleriert	wie	Sauerstoff-Minima	<2	mg/l. Mit 5-8 cm Maximallänge zählt der Dreistachlige Stichling zu den kleinsten einheimischen Fischarten.
© Andreas Hartl

Stichlinge	 haben	 einen	 gestreckten,	 seitlich	 abgeflachten	 Körper. Namensgebend sind die ersten 3-5 Strahlen der Rückenflosse,	die	als	einzeln	stehende,	aufrichtbare	Stachelstrahlen ausgeprägt sind. Je einen weiteren Stachelstrahl tragen	 die	 After-	 und	 die	 Bauchflossen.	 Stichlinge	 sind	 schuppenlos. Anstelle von Schuppen bedecken Knochenschilder	 Rücken	 und	 Seiten	 der	 Tiere.	 Aufgrund	 charakteristischer, unterschiedlicher Bedeckungen mit diesen Knochenplatten wurden früher drei Lokalrassen unterschieden, die	heute	als	zwei	Arten	und	eine	Hybridform	identifiziert	 wurden. Das Maul des Stichlings ist klein und endständig, was ihn als Partikelfresser kennzeichnet, der sich überwiegend von kleinen wirbellosen Bodentieren ernährt. Der Dreistachlige Stichling ist eine eurytope Fischart, die sowohl strömende als auch stehende Gewässer sowie die Brackwasserregion	 besiedelt.	 Während	 die	 Küstenpopulationen anadrom (vom Meer ins Süßwasser) wandern, sind die Bestände der Binnengewässer stationär. Im Binnenland werden insbesondere kleine Gräben erfolgreich besiedelt. Stichlinge sind ariadnophile Laicher, d.h. sie bauen ein Nest aus	pflanzlichem	Material	und	betreiben	Brutpflege.	Während der Laichzeit, die von März bis August andauert, grenzen die Männchen Reviere ab, in deren Zentrum sie das Nest bauen.	 Sie	 tragen	 dann	 eine	 auffällige	 Laichfärbung	 mit	 leuchtend rot gefärbtem Bauch-, Brust- und Kehlbereich. Ein	Weibchen	legt	pro	Saison	bis	zu	800	Eier.	Das	Männchen	

Artbeschreibung und Umweltansprüche

Dreistachlige Stichlinge sind beinahe über die gesamte nördliche Hemisphäre verbreitet. Aktuelle genetische Untersuchungen haben aufgedeckt, dass es sich dabei um zwei Arten handelt, den Östlichen Stichling Gasterosteus aculeatus	und	den	Westlichen	Stichling	Gasterosteus gymnurus. Zu unterscheiden sind beide Arten an ihrem Schwanzstiel,	der	beim	Östlichen	Stichling	beplattet	und	beim	Westlichen glatt ist. Die Hybridzone zwischen beiden Arten verläuft entlang von Nord- und Ostsee. Die Populationen im Berliner Umland wurden dem Östlichen Stichling zugeordnet. Die Art ist in allen Regionen Brandenburgs verbreitet. Die Bestände sind stabil, gelegentlich wurden Massenvorkommen	beobachtet.	Aktuell	sind	669	Vorkommen	in	Brandenburger Gewässern dokumentiert.

Verbreitung

In Berliner Gewässern wurden Dreistachlige Stichlinge bei 214	Befischungen	in	28	Gewässern	nachgewiesen.	Damit	ist	 die Anzahl der Vorkommen aktuell deutlich geringer als 2003	(59)	oder	1993	(58),	obwohl	diesmal	relativ	viele	potentiell	geeignete	Kleingewässer	befischt	wurden. In den besiedelten Gewässern war die Art dann aber relativ häufig	 und	 zeigte	 in	 den	 kleineren	 Fließgewässern,	 wie	 	 Panke,	Wuhle,	Lietzengraben	und	Laake,	auch	Massenentwicklungen.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Dreistachliger Stichling

Messstelle Nachweis Fließgewässer Flussseen Standgewässer

Dreistachliger Stichling Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 214 2013:	28,	2003:	59,	1993:	58	 Fließgewässer:	17,	Flussseen:	6,	Standgewässer:	5 Kleinere Fließgewässer, Gräben und Flachwasserzonen von Standgewässern Panke,	Wuhle,	Lietzengraben,	Laake Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	ungefährdet	(*) FFH-Anhang:	-

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Zwergstichling Pungitius pungitius (LINNAEUS, 1758)
Länge ist der Zwergstichling neben dem Bitterling die kleinste einheimische Fischart.

Der Zwergstichling besiedelt zirkumpolar die Einzugsgebiete der Fließgewässer auf der Nordhalbkugel. Dabei dringt er auch bis ins Brackwasser vor. In Deutschland liegt seine südliche Verbreitungsgrenze etwa bei 51° nördlicher Breite. Im Berliner Umland sind die Bestände stabil mit regelmäßigen	 Häufigkeiten	 und	 nur	 gelegentlich	 zu	 beobachtenden	 Massenentwicklungen in kleinen Fließgewässern oder Gräben.	 Aktuell	 sind	 in	 Brandenburg	 270	 Vorkommen	 dokumentiert.
© Andreas Hartl

Verbreitung

Zwergstichlinge weisen eine gegenüber dem Dreistachligen Stichling deutlich schlankere, langgestrecktere Körperform auf. Das Maul ist leicht oberständig. Die ersten 8-11 Strahlen	der	Rückenflosse	sind	als	einzeln	stehende,	aufrichtbare	 Stachelstrahlen ausgeprägt, weshalb die Art auch Neunstachliger	Stichling	genannt	wird.	Die	Bauchflossen	tragen	 je	einen	kräftigen	Stachelstrahl.	Der	Körper	ist	weitgehend	 unbeplattet,	 Knochenschilder	 befinden	 sich	 nur	 auf	 dem	 Schwanzstiel. Zwergstichlinge sind eurytop, ohne Präferenzen für Fließoder Standgewässer. Bevorzugt besiedelt werden verkrautete Kleingewässer und Gräben, wo er im Gegensatz zum Dreistachligen Stichling selbst kleinste Rinnsale noch nutzt. Analog zum Dreistachligen ist auch der Zwergstichling ariadnophil,	 d.h.	 er	 baut	 ein	 Nest	 und	 betreibt	 Brutpflege.	 Während	der	von	Mai	bis	August	anhaltenden	Laichzeit	zeigen die Männchen eine schwarze Laichfärbung mit leuchtend	 hellblauen	 Brustflossenstacheln.	 Sie	 grenzen	 dann	 Reviere	ab,	in	denen	sie	das	Nest	aus	pflanzlichem	Material	 bauen.	 Ein	 Weibchen	 legt	 pro	 Saison	 etwa	 100	 Eier.	 Das	 Männchen	 bewacht	 sein	 Nest	 und	 pflegt	 darin	 den	 Laich	 mehrerer	Weibchen	bis	zum	Schlupf	der	Brut. Im	 Hinblick	 auf	 die	 Wassergüte	 sind	 Zwergstichlinge	 sehr	 anpassungsfähig.	 Sie	 tolerieren	 Wassertemperaturen	 von	 33-35°C	sowie	Sauerstoff-Minima	<2	mg/l.	Das	Nahrungsspektrum	umfasst	wirbellose	Bodentiere.	Mit	maximal	6	cm	

Artbeschreibung und Umweltansprüche

In	Berlin	wurden	Zwergstichlinge	bei	70	Befischungen	in	13	 Gewässern nachgewiesen. Ungeachtet der relativ hohen Zahl	befischter	Kleingewässer	wurden	aktuell	weniger	Vorkommen	 erfasst	 als	 2003.	 Dass	 die	 Art	 in	 den	 Flussseen	 nicht nachgewiesen wurde ist weniger überraschend als die fehlenden Nachweise aus den kleinen Standgewässern. Übereinstimmend	 mit	 den	 Befunden	 aus	 2003	 finden	 Zwergstichlinge	in	Teichen,	Pfuhlen	u.ä.	kleinen	und	kleinsten	 Standgewässern	 offenbar	 keine	 geeigneten	 Lebensbedingungen. Dagegen werden kleine Gräben vergleichsweise gut besiedelt. So fand sich die Art in der überwiegenden Zahl	der	Nebengräben	zum	Tegeler	Fließ,	aber	auch	in	Gräben und Fließgewässern wie dem Lietzengraben, der Panke, Wuhle,	Alten	Wuhle,	Laake	und	im	Fließgraben	wurden	individuenreiche Bestände festgestellt.

Vorkommen und Bestandssituation in Berlin

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Zwergstichling

Messstelle Nachweis Fließgewässer Standgewässer

Zwergstichling Anzahl Nachweise Anzahl Gewässer Vorkommen	2013	nach	Gewässertyp Gewässerpräferenz Hauptvorkommen in Berlin Gefährdungskategorie 70 2013:	13,	2003:	19,	1993:	19	 Fließgewässer:	12,	Flussseen:	0,	Standgewässer:	1 Kleinere,	langsam	fließende	Gewässer	mit	reichem	Pflanzenbewuchs Tegeler	Fließ	inkl.	Nebengewässern,	Lietzengraben,	Panke,	Wuhle,	Alte	Wuhle,	 Fließgraben, Laake Rote	Liste	BRD:	ungefährdet	(*) Rote	Liste	Berlin:	Vorwarnliste	(V) FFH-Anhang:	-

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Neozoa
Neozoa	oder	gebietsfremde	Arten	sind	Tierarten,	die	unter	 direkter (z.B. Fischbesatz) oder indirekter (z.B. im Ballastwasser	 von	 Schiffen,	 Kanalverbindung)	 Mitwirkung	 des	 Menschen in ein Gebiet außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets gelangt sind und dort wild leben. Neobiota können sich etablieren und potentiell invasiv werden, indem sie einheimische Arten beeinträchtigen und gefährden. Deshalb wird die gezielte Ansiedlung neuer Neobiota heute weitgehend abgelehnt. Auch das aktuelle Fischereirecht und die Genehmigungspraxis des Berliner Fischereiamtes haben sich als wirksame Instrumente erwiesen, den Besatz der Berliner Gewässern mit faunenfremden Fischarten einzudämmen. Nicht kontrollieren lassen sich hingegen indirekte Eintragspfade, wie z.B. das illegale Freisetzen ungewünschter oder zu	 groß	 gewordener	 Fische	 aus	 heimischen	 Aquarien	 und	 Gartenteichen, was natürlich in urbanen Gebieten mit hoher Einwohnerdichte besonders relevant ist. Hier ist die Gefahr des Einbringens von Krankheiten und Parasiten sehr hoch,	weil	dies	oft	erst	der	Grund	dafür	ist,	die	Tiere	zu	entfernen. Bei den meisten der in den Fängen registrierten Zierfische	handelte	es	sich	um	Warmwasserarten,	die	kaum	 eine	 Chance	 haben,	 den	 Winter	 zu	 überleben.	 Insofern	 ist	 das	 Aussetzen	 der	 Fische	 in	 offene	 Gewässer	 nicht	 nur	 rechtswidrig, es ist außerdem weder tierschutzkonform noch zweckdienlich. Auch wenn aktuell Einzelfunde neuer Neobiota gelangen, ist	die	Zahl	ihrer	Vorkommen	insgesamt	weiter	rückläufig	 und die Präsenz von Fisch-Neobiota in den Berliner Gewässern ist als gering einzustufen. Zwei Arten, die Regenbogenforelle und der Braune Zwergwels, wurden in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr nachgewiesen. Fisch-Neozoa gehören zu den seltensten Arten im Stadtgebiet, weshalb gegenwärtig keine Gefährdung der einheimischen Arten durch sie zu erwarten ist. Nachfolgend werden die in Berliner Gewässern präsenten acht Arten kurz vorgestellt.

Goldfisch Carassius auratus (LINNAEUS, 1758)

Der	 Goldfisch	 ähnelt	 in	 Körperbau,	 Lebensweise	 und	 Umweltansprüchen dem Giebel, der als seine Stammform gilt. Goldfische	werden	als	Besatz	für	Gartenteiche	und	Aquarien in unterschiedlich gefärbten und geformten Varietäten angeboten	und	tauchen	auch	regelmäßig	in	offenen	Gewässern auf. Unter den klimatischen Bedingungen in urbanen Gewässern	können	sie	sich	dort	auch	vermehren.	Goldfische	 wurden in 10 Berliner Gewässern nachgewiesen. Interessanterweise bildeten den Bestand des Eckernpfuhls ausschließlich naturfarbene Individuen, die nur noch anhand ihrer übergroßen Flossen und der ausgeprägten Schleierschwänze	als	Goldfische	zu	erkennen	waren.

Silberkarpfen Hypophthalmichthys molitrix (VALENCIENNES, 1844) Marmorkarpfen Hypophthalmichthys nobilis (RICHARDSON, 1845)

Silberkarpfen und Marmorkarpfen stammen ursprünglich aus China und wurden ausgesetzt, um die Fischereierträge zu erhöhen. Beide Arten können sich von Phytoplankton ernähren,	 das	 sie	 aus	 dem	 Wasser	 filtern.	 Durch	 die	 direkte	 Nutzung des Phytoplanktons, sprich der Primärproduktion, sollte die Nahrungskette verkürzt und der Fischertrag gesteigert werden. Heute besteht daran kein Bedarf und beide Arten werden nicht mehr besetzt. Da sie sich unter den hiesigen klimatischen und Gewässer-Bedingungen nicht reproduzieren können, ist das Erlöschen der Bestände zu erwarten,	 was	 sich	 aufgrund	 der	 Langlebigkeit	 der	 Tiere	 aber	 noch etwas hinziehen kann. Der	 Bestandstrend	 ist	 rückläufig.	 Wurden	 1993	 noch	 15	 Vorkommen	des	Silberkarpfens	festgestellt,	waren	es	2003	 nur noch 7 und sind es aktuell noch 5. Zwei Einzelnachweise des	Marmorkarpfens	(darunter	ein	Totfund)	sind	neu.	Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich unter den Silberkarpfennachweisen in der Vergangenheit nicht auch Marmorkarpfen befanden, da beide Arten leicht zu verwechseln sind. Beide	 Arten	 haben	 einen	 auffälligen,	 scharfen	 Bauchkiel,	 der beim Silberkarpfen über die gesamte Bauchlänge verläuft, beim Marmorkarpfen nur zwischen Bauch- und Afterflosse.	

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Fische in Berlin | Spezieller Teil – Neozoa

Nachweis Bachsaibling Blaubandbärbling Goldfisch Goldorfe Graskarpfen Marmorkarpfen Silberkarpfen Sonnenbarsch Zwergwels Messstelle

Graskarpfen Ctenopharyngodon idella (VALENCIENNES, 1844)

Graskarpfen stammen ebenfalls ursprünglich aus China. Sie sind	 herbivor,	 d.h.	 ernähren	 sich	 von	 Wasserpflanzen.	 Sie	 wurden insbesondere zur biologischen Kontrolle der Verkrautung von Meliorationsgräben eingeführt und werden im Berliner Umland auch heute noch gelegentlich zur biologischen Krautung von Gewässern besetzt. Dabei wird meistens zu viel besetzt, weil die wärmeliebenden Fische erst bei Wassertemperaturen	 >20°C	 aktiv	 werden	 und	 fressen.	 Sie	 nehmen	 dann	 täglich	 bis	 zu	 30%	 ihrer	 Körpermasse	 an	 Pflanzenmaterial	auf,	während	bei	kühleren	Temperaturen	 keine	 Effekte	 zu	 beobachten	 sind	 (weshalb	 dann	 häufig	 nachbesetzt wird).

In den Berliner Gewässern werden keine Graskarpfen besetzt. Altbestände können sich, wie Silber- und Marmorkarpfen, unter den hiesigen klimatischen und GewässerBedingungen nicht reproduzieren und werden mittelfristig erlöschen. Von den 18 bekannten Fundorten des Graskarpfens	in	Berliner	Gewässern	1992	wurden	2003	noch	6	bestätigt und aktuell nur noch 3.

Schwarzer Zwergwels Ameiurus melas (RAFINESQUE,	1820)

Zwergwelse sind ursprünglich in Nordamerika beheimatet, wurden aber bereits 1885 zur Hebung der Fischzucht nach Deutschland importiert. Der Schwarze Zwergwels möglicherweise	sogar	erst	Anfang	des	20.	Jh.,	was	sich	nicht	mehr	

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exakt rekonstruieren lässt. Beide Arten haben die in sie gesetzten wirtschaftlichen Erwartungen nicht erfüllt. Im	 Jahr	 2003	 waren	 Zwergwelsvorkommen	 in	 3	 Berliner	 Gewässern bekannt, allerdings ohne die Arten zu unterscheiden. Letzteres ist an den großen ersten Strahlen der Brustflossen	einfach	möglich.		Beim	Schwarzen	Zwergwels	 ist	 der	 erste	 Brustflossenstrahl	 glatt,	 bei	 Braunen	 Zwergwels A. nebulosus ist er dagegen gesägt. Aktuell wurde nur noch ein Vorkommen im Karpfenpfuhl nachgewiesen, bei dem es sich eindeutig um den Schwarzen Zwergwels handelte.

tiertem Karpfenbesatz verbreitet. So könnten Blaubandbärblinge zusammen mit Goldorfen und anderen Fischen durch Besatz auch in den Lichtenrader Dorfteich gelangt sein. In diesem und im Fließgraben wurden aktuell einige Exemplare des Blaubandbärblings nachgewiesen.

Der Bachsaibling stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde bereits in den 1880er Jahren zur Förderung der Fischerei in Deutschland eingeführt. Hier ist er nach wie vor eine	wichtige	Wirtschaftsfischart	mit	zunehmender	Bedeutung. Bachsaiblinge sind Kieslaicher, besiedeln sommerkühle Gewässer	und	sind	sehr	empfindlich	gegenüber	niedrigen	Sauerstoffgehalten	 (<3,6	 mg/l)	 und	 hohen	 Temperaturen	 (>30°C),	d.h.	sie	haben	in	Summe	weitaus	höhere	Umweltansprüche als sämtliche anderen in Berlin vorkommenden Fischarten. Insofern wäre seine Etablierung in Berliner Gewässern sogar als Erfolg zu bewerten, der sich aber mittelfristig nicht einstellen wird. Der einzige Nachweis eines Exemplars im Neuenhagener Mühlenfließ	(Erpe)	ist	daher	die	Ausnahme.

Bachsaibling Salvelinus fontinalis (MITCHILL,	1814)

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Sonnenbarschs ist der Osten Nordamerikas. Sonnenbarsche wurden seit den 1870er und 1880er Jahren wiederholt nach Europa gebracht und gezüchtet. Aus den Nachzuchten wurden viele deutsche	 Aquarienfreunde	 beliefert	 und	 wenig	 später	 war	 die	Art	auch	vielerorts	in	offenen	Gewässern	zu	fangen. In	 Berlin	 wurden	 im	 heißen	 Sommer	 2003	 Sonnenbarsche	 im Pohlesee beobachtet. Dieses Vorkommen konnte später nicht mehr bestätigt werden. Aktuelle Nachweise liegen aus fünf Gewässern vor, aus dem Garibalditeich, Großen Spektesee, Großen Müggelsee, Dämeritzsee und aus dem Neuenhagener	Mühlenfließ.	Gefangen	wurden	jeweils	nur	einzelne Exemplare.

Sonnenbarsch Lepomis gibbosus (LINNAEUS, 1758)

Blaubandbärbling Pseudorasbora parva (TEMMINCK	&	SCHLEGEL,	1842)

Die Goldorfe ist kein Neozoon im engeren Sinn, sondern eine Zuchtform des Alands. Sie ähnelt diesem in Größe und Körperform,	hat	aber	eine	sehr	auffällige	orange	bis	orange-rote	 Färbung.	 Sie	 wird	 als	 Zierfisch	 für	 Gartenteiche	 angeboten	 und	 mit	 einer	 besonders	 oberflächennahen	 Lebensweise	 beworben.	 Ein	 farblich	 sehr	 auffälliger,	 oberflächennah	auf	Futter	wartender	Fisch	ist	extrem	gefährdet	 durch Fischfresser aller Art. Insofern ist diese Zuchtform in offenen	 Gewässern	 wenig	 überlebensfähig	 und	 wird	 als	 exotische Spielart von Züchtern den Neobiota gleichgestellt. Ein Exemplar wurde aktuell im Lichtenrader Dorfteich gefangen.

Goldorfe Leuciscus idus (LINNAEUS, 1758)

Der Blaubandbärbling stammt ursprünglich aus Ostasien. Von	 dort	 wurde	 er	 1960	 unbeabsichtigt	 zusammen	 mit	 Eiern von Gras- und Silberkarpfen nach Rumänien importiert.	Nach	Deutschland	gelangte	die	Art	zwischen	1964	und	 1980, vermutlich mit der Einfuhr von Graskarpfen. Heute sind Karpfenteichwirtschaften das Hauptverbreitungsgebiet des Blaubandbärblings und die Art wird nach wie vor unbeabsichtigt mit unzureichend sortiertem oder unsor-

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Fische in Berlin | Rote Liste der Fische und Neunaugen Berlins Titel der Broschüre | Titel des Kapitels

Rote Liste der Fische und Neunaugen Berlins
Die	Gefährdungssituation	von	Pflanzen	und	Tieren	wird	seit	 mehr als drei Jahrzehnten in Roten Listen der bestandsbedrohten	Arten	dargestellt.	Diese	Listen	sind	zwar	juristisch	 unverbindlich,	 jedoch	 ein	 bewährtes	 Instrument	 in	 der	 Naturschutzpraxis, als Entscheidungshilfen in der Landschaftsplanung,	 Eingriffsbewertung	 sowie	 im	 Natur-	 und	 Artenschutz.	Das	Grundprinzip	ist	relativ	simpel:	Wenn	Arten besonders hohe Umweltansprüche haben oder sehr störungsempfindlich	 reagieren,	 sind	 sie	 bei	 Beeinträchtigungen	 in	 der	 Regel	 als	 erste	 betroffen,	 gehen	 zurück	 oder	 verschwinden ganz aus einem Gebiet. Umgekehrt lässt das Vorkommen bestandsbedrohter Arten in einem Gebiet darauf schließen, dass selbst anspruchsvolle Arten noch ausreichende	 Lebensbedingungen	 finden,	 was	 positiv	 bewertet	wird.	Darüber	hinaus	lässt	sich	–	im	Falle	der	Fische	–	aus	 dem Zustand der Population einer bestandsbedrohten Art auf	die	Lebensraumqualität	des	Gewässers	schließen. Je	größer	der	lokale	Bezug	einer	Roten	Liste	und	je	höher	 der Gefährdungsgrad einer Art, desto wertvoller und überregional bedeutsamer für den Artenschutz sind die Vorkommen	zu	bewerten.	Der	Wert	Roter	Listen	in	der	Umweltbewertung beruht auf deren regelmäßiger Aktualisierung und Revision sowie einer nachvollziehbaren und fundierten Einstufung der Arten. Die vorliegende dritte Rote Liste der Fische und Rundmäuler dokumentiert und bewertet den aktuellen Grad der Gefährdung einheimischer Fischarten in Berliner Gewässern. Nach einer	 ersten	 Fassung	 für	 ganz	 Berlin	 1993	 (Wolter	 et	 al.	 1994)	 und	 ihrer	 Aktualisierung	 2003	 (Wolter	 et	 al.	 2003,	 2005),	liegt	nun	eine	grundsätzlich	neue	Fassung	vor.	Möglich wurde dies zum einen durch die Erarbeitung eines bundesweit	 einheitlichen	 Verfahrens	 mit	 definierten	 Einstufungskriterien	zur	Klassifizierung	bestandsbedrohter	Arten	 (Ludwig	et	al.	2006)	und	zum	anderen	durch	die	eingangs	 genannte neue Qualität der kontinuierlichen Fischbestandsüberwachung	 im	 Rahmen	 der	 Umsetzung	 der	 WRRL.	 Erst	 diese	 regelmäßig	 durchgeführten	 Befischungen	 erlauben	 die Einschätzung und Bewertung von Bestandsentwicklungen in einer Qualität, wie sie für eine nachvollziehbare Gefährdungseinstufung unerlässlich ist. Die regionale Rote Liste der Fische und Rundmäuler Berlins ist relativ speziell, weil sie einen kleinen und dazu hoch urbanen Bezugsraum hat. Dies ist insofern ein Nachteil, da nur	Teile	des	Spree-Havel-Systems	und	damit	auch	der	darin lebenden Fischpopulationen einbezogen und bewertet werden. Dafür liefern Kenntnisse der Bestandsentwicklung von	Fischarten	–	auch	anspruchsvolleren	–	in	urbanen	Gewässern wichtige Hinweise auf das ökologische Potenzial von	erheblich	beeinträchtigten	Gewässern,	Toleranzen	von	 und	Entwicklungsmöglichkeiten	für	Fischarten	sowie	effiziente Gewässerrevitalisierung.

Einstufungskriterien und Rote-Liste-Kategorien

Die Einstufung der Arten folgte strikt der aktuellen methodischen Anleitung zur Erstellung Roter Listen (Ludwig et al. 2006).	Das	Methodenhandbuch	sowie	der	Erfassungsbogen	 und eine Anleitung zum Ausfüllen stehen auf der Internetseite des Bundesamts für Naturschutz (BfN) zum Download zur Verfügung unter http://www.bfn.de/0322_fortent.html. Im	Wesentlichen	werden	vier	Kriterien	bewertet	(Details	in	 Ludwig	et	al.	2006): 1) aktuelle Bestandsituation. Sie erstreckt sich auf die letzten	 maximal	 25	 Jahre.	 Bewertet	 wird	 in	 acht	 Häufigkeitsklassen:	 ausgestorben,	 extrem	 selten,	 sehr	 selten,	 selten,	 mäßig	 häufig,	 häufig,	 sehr	 häufig	 und	 unbekannt. 2)	 langfristiger	 Bestandstrend.	 Dieser	 betrachtet	 die	 letzten	50-150	Jahre.	Bewertet	wird	in	sieben	Trendklassen:	 sehr starker Rückgang, starker Rückgang, mäßiger Rückgang, Rückgang mit unbekanntem Ausmaß, gleichbleibend, deutliche Zunahme und ungenügende Datenlage. 3) kurzfristiger Bestandstrend. Dieser betrachtet die letzten	zehn	bis	maximal	25	Jahre.	Bewertet	wird	in	sechs	 Trendklassen:	 sehr	 starke	 Abnahme,	 starke	 Abnahme,	 Abnahme mäßig oder im Ausmaß unbekannt, gleichbleibend, deutliche Zunahme und ungenügende Datenlage. 4) Risikofaktoren. Ist eine Verschlechterung der Bestandssituation in den nächsten zehn Jahren zu erwarten? Bewertet wird das Vorliegen von Beeinträchtigungsfaktoren anhand von zehn vorgegebenen Gruppen potenzieller Risikofaktoren.

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Für die Neufassung der Berliner Roten Liste Fische wurden die aktuelle Bestandssituation und der kurzfristige Bestandstrend	basierend	auf	den	Befischungsdaten	der	letzten	zehn	Jahre	klassifiziert.	Für	die	Bewertung	des	langfristigen Bestandstrends wurden die Bezugszeiträume der letzten	drei	Roten	Listen	(1985-2013)	historischen	Angaben	 zur Fischfauna gegenübergestellt. Die Risikofaktoren wurden auf Grundlage bekannter Stadtplanungen, Planungen der Flussgebietsgemeinschaft Elbe zur Erreichung der Umweltqualitätsziele	der	WRRL	und	der	dargestellten	Gefährdungsursachen für Fische bewertet. Die einheimischen Rundmäuler und Fischarten wurden in nachfolgende Rote-Liste-Kategorien eingestuft, wobei die Kategorien 0-3 sind die eigentlichen Gefährdungskategorien	sind: 0 Ausgestorben oder verschollen Arten, die nicht präsent sind oder von denen aktuell keine wildlebenden Populationen mehr bekannt sind. 1 Vom Aussterben bedroht Arten, die so schwerwiegend bedroht sind, dass sie voraussichtlich in absehbarer Zeit aussterben, wenn die Gefährdungsursachen weiter fortbestehen. 2	 Stark	gefährdet Arten, die erheblich zurückgegangen oder durch menschliche	 Einflüsse	 stark	 bedroht	 sind.	 Bei	 einem	 Fortbestehen der Gefährdung werden die Arten voraussichtlich	in	die	Kategorie	„vom	Aussterben	bedroht“	eingestuft. 3 Gefährdet Arten, die merklich zurückgegangen sind oder durch menschliche	 Einflüsse	 bedroht	 sind.	 Bei	 einem	 Fortbestehen der Gefährdung rücken die Arten voraussichtlich in	die	Kategorie	„stark	gefährdet“	auf. G Gefährdung unbekannten Ausmaßes Arten, die gefährdet sind, bei denen die vorliegenden Informationen aber für eine exakte Zuordnung zu den Kategorien 1 bis 3 nicht ausreichen. R Extrem selten Extrem seltene oder nur sehr lokal vorkommende Arten, deren Bestände nicht abgenommen haben und die aktuell nicht bedroht, aber gegenüber unvorhersehbaren Gefährdungen aufgrund ihrer Seltenheit sehr anfällig sind.

V Vorwarnliste Arten, die merklich zurückgegangen, aber aktuell noch nicht gefährdet sind. Bei weiterem Bestandsrückgang ist eine	 Einstufung	 in	 die	 Kategorie	 „Gefährdet“	 wahrscheinlich. *	 Ungefährdet Arten, die derzeit nicht als gefährdet angesehen werden, weil ihre Bestände zugenommen haben oder relativ stabil sind. D Daten unzureichend Die Informationen zur Verbreitung und Gefährdung oder zur Biologie sind unzureichend. Eine Gefährdungseinschätzung	ist	zwar	erwünscht,	kann	jedoch	mangels	 zuverlässiger	Daten	nicht	getroffen	werden. ♦ Nicht bewertet Diese Arten werden von der Gefährdungsanalyse ausgeschlossen. Die Kategorie bringt zum Ausdruck, dass eine Bewertung nicht erwünscht oder nicht möglich ist. Hierbei handelt es sich z.B. um nicht einheimische Arten (Neobiota) oder um Arten, bei denen eine regionale Gefährdungseinschätzung nicht repräsentativ ist (Aal).

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Fische in Berlin | Rote Liste der Fische und Neunaugen Berlins

Checkliste der Fischarten Berlins
Tab. 2: Gesamtliste der in Berliner Gewässern vorkommenden Fischarten mit Rote Liste Einstufung und Kriterien (N= nicht einheimische Art)

Name

Rote Liste Kategorie Bestand aktuell nb mh ex nb ex sh ss nb h ss mh ex ex mh nb mh h ss mh s mh mh ex ex mh sh ss mh h ss mh es nb nb s s h s ex h s > < << < = > ? > << = < << < = << = < < << = = > = < < > < <

Kriterien Trend lang Trend kurz Risiko

Aal Aland Bachneunauge Bachsaibling Barbe Barsch Bitterling Blaubandbärbling Blei Döbel Dreistachliger Stichling Europäischer Stör Flussneunauge Giebel Goldfisch Graskarpfen Gründling Güster Hasel Hecht Karausche Karpfen Kaulbarsch Lachs Marmorkarpfen Meerneunauge Moderlieschen Plötze Quappe Rapfen Rotfeder Schlammpeitzger Schleie Schmerle Schwarzer Zwergwels Silberkarpfen Sonnenbarsch Steinbeißer Stint Ukelei Wels Zährte Zander Zwergstichling

Anguilla anguilla Leuciscus idus Lampetra planeri Salvelinus fontinalis Barbus barbus Perca fluviatilis Rhodeus amarus Pseudorasbora parva Abramis brama Squalius cephalus Gasterosteus aculeatus Acipenser sturio Lampetra fluviatilis Carassius gibelio Carassius auratus Ctenopharyngodon idella Gobio gobio Blicca bjoerkna Leuciscus leuciscus Esox lucius Carassius carassius Cyprinus carpio Gymnocephalus cernua Salmo salar Hypophthalmichthys nobilis Petromyzon marinus Leucaspius delineatus Rutilus rutilus Lota lota Aspius aspius Scardiniuserythrophthalmus Misgurnus fossilis Tinca tinca Barbatula barbatula Ameiurus melas Hypophthalmichthys molitrix Lepomis gibbosus Cobitis taenia Osmerus eperlanus Alburnus alburnus Silurus glanis Vimba vimba Sander lucioperca Pungitius pungitius

♦ * 0 ♦N 0 * 3 ♦N * 3 * 0 0 * ♦N ♦N V * 3 * 2 * * 0 ♦N 0 * * 3 * * 2 * R ♦N ♦N ♦N V V * * 0 * V

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Die Fischfauna der Berliner Gewässer umfasst insgesamt 44 Rundmäuler	 und	 Fischarten,	 davon	 36	 einheimische.	 Alle	 drei einheimischen Rundmaularten und vier Fischarten sind ausgestorben	 bzw.	 verschollen	 (Tab.	 3).	 Die	 ursprünglich	 verschollenen und aktuell wieder eingewanderte Schmerle ist noch extrem selten, fünf weitere Arten sind selten und nur	zwei	sehr	häufig	(Tab.	3).	Letzteres	ist	Ausdruck	dessen,	 dass die Berliner Gewässer als urbane Gewässer eher einen extremen Lebensraum bieten, den die meisten Arten nur eingeschränkt nutzen können.

Besonders hervorzuheben ist, dass nicht zuletzt mit den Planungen und Umsetzungen zur ökologischen Aufwertung der	 Gewässer	 und	 der	 Erfüllung	 der	 Umweltqualitätsziele	 der	WRRL	(guter	ökologischer	Zustand	bzw.	Potenzial),	keine Risikofaktoren vorliegen, die eine weitere Verschlechterung in der kommenden Dekade erwarten lassen. Allerdings zeigten drei Arten in den letzten zehn Jahren einen negativen Bestandstrend.

Tab. 3: Auswertung der Einstufungskriterien (ohne Neobiota).

Kriterium 1: Aktuelle Bestandssituation ex es ss s mh h sh ? <<< << < (<) = > ? [leer] ↓↓↓ ↓↓ (↓) = ↑ ? [leer] – = [leer] ausgestorben oder verschollen extrem selten sehr selten selten mäßig	häufig häufig sehr	häufig unbekannt sehr starker Rückgang starker Rückgang mäßiger Rückgang Rückgang, Ausmaß unbekannt gleich bleibend deutliche Zunahme Daten ungenügend nur	bei:	ex,	ausgestorben	oder	verschollen sehr starke Abnahme starke Abnahme mäßige Abnahme oder Ausmaß unbekannt gleich bleibend deutliche Zunahme Daten ungenügend nur	bei:	ex,	ausgestorben	oder	verschollen vorhanden nicht feststellbar nur	bei:	ex,	ausgestorben	oder	verschollen

absolut 7 1 5 5 10 5 2 0 absolut 0 5 10 0 7 5 1 7 absolut 0 2 1 18 6 1 7 absolut 0 28 7 35

prozentual 20,0% 2,9% 14,3% 14,3% 28,6% 14,3% 5,7% 0,0% prozentual 0,0% 14,3% 28,6% 0,0% 20,0% 14,3% 2,9% 20,0% prozentual 0,0% 5,7% 2,9% 51,4% 17,1% 2,9% 20,0% prozentual 0,0% 80,0% 20,0% 100 %

Kriterium 2: Langfristiger Bestandstrend

Kriterium 3: Kurzfristiger Bestandstrend

Kriterium 4: Risikofaktoren

Gesamtzahl Indigener und Archaeobiota

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Fische in Berlin | Rote Liste der Fische und Neunaugen Berlins

Auch	die	Gesamtbilanz	ist	durchaus	positiv	(Tab.	4).	Bis	auf	 den Aal wurden alle einheimischen Rundmäuler und Fische kategorisiert. Neben einem leicht reduzierten aber immer noch hohen Anteil ausgestorbener oder verschollener Arten sind nur noch sechs bestandsgefährdet. Zwei von vier in Berlin vorkommenden Fischarten des Anhangs II FFH-RL zählen allerdings ebenfalls dazu, Bitterling und Schlammpeitzger	(Tab.	2).	Die	beiden	anderen,	Steinbeißer	und	Rapfen, sind aufgrund ihrer positiven Bestandsentwicklung nur noch	auf	der	Vorwarnliste	bzw.	nicht	gefährdet	(Tab.	2).	

Gegenüber	der	letzten	Roten	Liste	(Wolter	et	al.	2003,	2005)	 wurden elf Arten in ihrer Gefährdung zurückgestuft, d.h. deren	Bestände	haben	sich	positiv	entwickelt	und	23	Arten	 blieben unverändert. Für keine einzige Art haben sich die Eingruppierung und damit die Bewertung ihrer Gefährdung verschlechtert.

Tab. 4: Gesamtbilanz

Bilanzierung der Anzahl etablierter Arten Gesamtzahl etablierter Arten Neobiota Indigene und Archaeobiota bewertet nicht bewertet (♦) Bilanzierung der Roten-Liste-Kategorien Bewertete Indigene und Archaeobiota 0 Ausgestorben oder verschollen 1 Vom Aussterben bedroht 2 Stark gefährdet 3 Gefährdet G Gefährdung unbekannten Ausmaßes Bestandsgefährdet Ausgestorben oder bestandsgefährdet R Extrem selten Rote Liste insgesamt V Vorwarnliste *	Ungefährdet D Daten unzureichend

absolut 44 8 36 35 1 absolut 35 7 0 2 4 0 6 13 1 14 4 17 0

prozentual 	100,0% 18,2% 81,8% 79,5% 2,3% prozentual 	100,0% 20,0% 0,0% 5,7% 11,4% 0,0% 17,1% 37,1% 2,9% 40,0% 11,4% 48,6% 0,0%

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Literatur
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Impressum
Herausgeber Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Kommunikation Württembergische	Straße	6 10707 Berlin www.stadtentwicklung.berlin.de Inhalte und Bearbeitung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Fischereiamt Berlin in Zusammenarbeit mit Leibniz-Institut für Gewässerökologie und	Binnenfischerei Müggelseedamm	310,	12587	Berlin Dr.	Christian	Wolter,	 Christian Schomaker www.igb-berlin.de Redaktion Fischereiamt Berlin Dipl. Biol. Susanne Jürgensen Jens Puchmüller Layout Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Titelfotos Luftbild:	Dirk	Laubner Fische:	Andreas	Hartl Druck medialis

Berlin, Dezember 2013

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