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Full text: Ehrenamt in Treptow-Köpenick - viele Gesichter, viele Geschichten / Beerbaum, Stefanie

neunzehn PORTRAITS

Ehrenamt in Treptow-Köpenick. Viele Gesichter, viele Geschichten.
Eine Fotoausstellung, die Freiwillige und Ehrenamtliche an „ihren Orten“ zeigt.
VON | Stefanie Beerbaum

Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamtes Treptow-Köpenick

Vorwort
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“

Danksagung
Ein besonderer Dank gilt den Portraitierten. Sie haben mir ihr Vertrauen geschenkt und ihre Geschichte erzählt. Und sie gestatten mir, diese Geschichte der Öffentlichkeit zu zeigen. Es waren herzliche Begegnungen, die mir dauerhaft in Erinnerung bleiben werden. Danke!

Das Freiwilligenzentrum TreptowKöpenick ist ein Ort der Begegnung: In unserer Einrichtung treffen wir jeden Tag Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen und über verschiedene Wege zu uns kommen. In der Beratung schauen wir auf das Leben der Besucher: Was bewegt ihn oder sie? Warum soll es gerade ein bestimmtes Engagement sein? Was erhofft sich die Person für sich? Die Besucher öffnen sich und geben ihre Lebenswege preis. Das Thema Ehrenamt ist damit ein zutiefst persönliches. Menschen, die ihre Zeit spenden, suchen auch hier Sinnhaftigkeit und Erfüllung. Sie möchten eine Tätigkeit, die sie weiterbringt, die zu ihnen passt, die ihnen Freude bereitet. Dabei sind die Freiwilligen so unterschiedlich wie die Möglichkeiten, sich zu engagieren. Ich widme mich in meiner Ausstellung genau diesen Menschen. Anhand von 19 Portraitfotos sollen vorsichtige Einblicke gewährt werden: Die hier dargestellten Personen bilden einen winzigen Ausschnitt unserer Gesellschaft.

Orchideen, der Hase, die Kunst im Souterrain, das nächtelange Bearbeiten der Familienchronik – das alles sind Elemente der persönlichen Geschichte. Das Engagement ist ein Mosaikstein im Puzzle des jeweiligen Lebensweges. Alle dargestellten Personen wurden von mir an „ihrem Ort“ fotografiert – einem Ort, mit dem sie positive und vor allem persönliche Gedanken verbinden. Gemeinsam ist allen, dass sie überzeugte Treptow-Köpenicker sind. Auch, dass sie überzeugte Ehrenamtler/Freiwillige sind. Wer, so wie ich, Lust hat auf andere Menschen, dürfte seine Freude haben an Einblicken, die über das klassische „Name, Alter, engagiert bei-Raster“ hinausgehen. Niemand muss sich engagieren. Alle können. Vielleicht entdeckt ja der eine oder andere beim Betrachten der Bilder und dazugehörigen Geschichten Ideen, was ihm oder ihr gut tun könnte. Seien Sie gut zu sich. Stefanie Beerbaum

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PORTRAIT 01
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
BRIGITTE OTTO (74), aus Baumschulenweg Ehrenamtliche Chorleiterin der Fröhlichen Herbstlerchen

„Ich bin immer in Bewegung.“
„Seit elf Jahren leite ich meinen Chor. Neben den Proben nimmt die Liedauswahl, die Vor- und Nachbereitung der Proben und die Organisation der Auftritte viel Zeit ein, die ich sehr gerne investiere. Musik bedeutet mir sehr viel und ich glaube an die Kraft vom Musizieren. Ich bin überzeugt, dass ein Chor sehr viel Gutes tut: Für die Chor-Mitglieder ist es mitunter Hilfe zur Selbsthilfe und dem Publikum bringen wir viel Freude. Mein Engagement im Chor hält mich jung. Ich habe sehr viel Spaß, bin immer in Bewegung und halte mich fit. Ohne Chor wäre mein Leben langweiliger. Ich habe zwar einen Mann, einen Hund, Familie und Freunde, aber mir würde ein Leben nur zuhause nicht reichen. Mir würde ohne meinen Chor etwas fehlen.“

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PORTRAIT 02
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
RÜDIGER WOJAHN (67), aus Köpenick Ehrenamtlicher Mitarbeiter im Hundebesuchsdienst

„Ich mache das solange ich gesundheitlich kann.“
„Mir geht es sehr gut. Warum soll ich da nicht etwas von meinem Glück an andere abgeben? Meine Hündin Betty, mit der ich immer alles zusammen mache, und ich bringen etwas Abwechslung in das Leben der Heimbewohner. Manchmal ist es schwer zu sehen, wie vereinsamt die Leute sind. Wenn Betty und ich im Kleinen die Lebenssituation etwas verbessern können, tut mir das gut. Über den Hund erreiche ich Menschen, die sich ansonsten sehr in ihre eigene Welt zurückgezogen haben. In den Begegnungen lerne ich spannende Lebensgeschichten kennen und spüre ganz stark die Dankbarkeit der Bewohner. Dabei ist mein Einsatz gar nicht so groß. Mein Leben wäre ohne Ehrenamt nicht langweilig. Aber etwas Zeit kann ich für andere abgeben. Und durch das Engagement, das für mich selbstverständlich ist, spüre ich, wie viel Freude ich schenken kann.“

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PORTRAIT 03
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
PATRICE RÜCKER (42) Ehrenamtlicher im Seniorenheim Müggelschlößchenweg (Garten / Besuchsdienst / Begleitung Spaziergänge)

„Durch mein Engagement gerate ich nicht in den Strudel weiter abwärts.“
„Ich muss mein Gleichgewicht finden. Seit der Diagnose Depression arbeite ich nicht mehr. Auch meine sozialen Kontakte sind dadurch kaum noch vorhanden. In meinem Engagement, das ich seit 2 Jahren ausübe, suche ich Beschäftigung und Kontakte. Den Anstoß habe ich in einer Gruppentherapie bekommen. Dabei ist im Seniorenheim der Vorteil, dass ich die Tätigkeit wechseln kann, wenn mir etwas zu viel wird. Auf Dauer bin ich nämlich kein Gesellschafter-Typ. Lange Gespräche strengen mich doch sehr an. Mein Engagement ist auch so etwas wie Eigentherapie – ich brauche die Regelmäßigkeit und den Zwang dazu. Und es ist schön zu sehen, wie die Leute sich freuen, wenn ich komme. Da ich durch meine Erkrankung sehr verspannt bin, ziehe ich mich immer vormittags eine halbe Stunde zurück und mache progressive Muskelentspannung. Das hilft mir sehr und dadurch wird das Fenster meiner Aufmerksamkeit auch wieder größer.“

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PORTRAIT 04
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
MARIA SEIDEL (68), aus Köpenick Ehrenamtliche im Seniorenheim Müggelschlößchenweg (Kegelgruppe)

„Ich gehe nach Hause und spüre: das war eine gute Stunde.“
„Vor ungefähr 4 Jahren habe ich begonnen, die Kegelgruppe im Seniorenheim Müggelschlößchenweg zusammen mit einer Kollegin ehrenamtlich zu leiten. Damals war mein Berufsleben als Physiotherapeutin und Dozentin zu Ende und es war klar, dass ich mir etwas Passendes suche. Ich bin ganz einfach nicht der Typ, nur zuhause zu sein. Über eine Bekannte habe ich das Heim kennengelernt und sofort begonnen. Kegeln passt zu mir – ich war mein Leben lang in Bewegung, treibe viel Sport und habe daran meine Freude. In der Kegelgruppe kann ich für ein wenig Bewegung und Sportsgeist sorgen und Abwechslung in den Heimalltag bringen. Die Dankbarkeit, die ich dort erfahre, trägt mich. Mein Engagement findet in einem klaren zeitlichen Rahmen statt: alle zwei Wochen für jeweils eine Stunde. Mehr könnte ich im Moment auch gar nicht einbringen, weil ich sehr aktiv bin, viel reise oder mit meinem Mann unsere wundervolle Umgebung hier in Köpenick genieße. Ich bin ein glücklicher Mensch und habe alles, was ich brauche.“

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PORTRAIT 05
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
MECHTHILD HARTUNG (77), aus Altglienicke Ehrenamtliche Leiterin der Sozialkommission Altglienicke

„In meinem Leben hat sich immer alles günstig entwickelt.“
„Mein Glaube spielt in allem, was ich tue, eine wichtige Rolle. Ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben. Schon früher habe ich mich in meiner Kirchengemeinde engagiert. In der Sozialkommission koordiniere ich meine Gruppe. Diese Leitungsposition bin ich gewohnt – auch beruflich hatte ich als Ingenieurökonomin immer Führungspositionen inne. Als berufstätige Mutter mit drei Kindern habe ich auch früh gelernt, mich zu organisieren. Das hilft mir auch heute noch. Vormittags bin ich durch mein Ehrenamt und verschiedene Termine ausgebucht. Nachmittags gehe ich meinen privaten Verpflichtungen nach. Hier gönne ich mir aber auch die Zeit, für mich zu sein und zur Ruhe zu kommen. Wenn ich zurück schaue auf mein Leben, kann ich sagen: bei mir hat sich immer alles so ergeben, dass es mir nie zu viel wurde. Ich fühle mich wohl und bin dankbar, dass ich über mein Ehrenamt anderen so viel Freude geben kann.“

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PORTRAIT 06
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
DIETER RADKE (63), aus Schöneweide Ehrenamtlicher in der Antoniuskirch-Gemeinde Schöneweide

„Meine Kirche ist meine Heimat.“
„Ich bin überzeugter, praktizierender Christ. Deshalb ist mein Engagement in der Gemeinde selbstverständlich. Seit ich im Ruhestand bin, setze ich mich noch mehr ein. Dadurch kommt auch gar nicht erst Langeweile auf. Vormittags bringe ich mich da ein, wo ich gebraucht werde, nachmittags lasse ich den Tag ausklingen. Gerade die Arbeiten im Pfarrgarten machen mir Spaß. Ich bin als Laubenpieper groß geworden und brauche den Umgang mit Grünpflanzen. Ich bin auch stolz, wenn der Garten gedeiht. Nach dem Tod meiner Frau habe ich ihr Ehrenamt übernommen und koche regelmäßig für den Pfarrer. Dafür habe ich mir das Kochen vor zwei Jahren beigebracht und freue mich, dass ich das heute so gut kann. Meine Kirchengemeinde gehört zu mir – ich werde hier immer verwurzelt sein und bleiben. Auch, weil meine Frau hier begraben ist.“

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PORTRAIT 07
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
Dr. CLAUDIA KÖPKE (61), aus Bohnsdorf Ehrenamtliche Sprecherin Fachgruppe „kommunale Gebühren“ beim Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) e.V.

„Ich will mich mit meiner Kompetenz für etwas einsetzen und Neues anschieben.“
„Ich bin ein sehr analytischer Mensch. Sowohl in meinem früheren Beruf als kaufmännische Leiterin eines MedizinelektronikUnternehmens als auch in meiner Freizeit und im Ehrenamt habe ich mich immer voller Eifer mit Zahlen und Logik beschäftigt. Ich kann stundenlang in die Erstellung unserer Familienchronik versinken, bei der ich Zeitachsen und Verknüpfungen so lange kombiniere, bis ich weitere Details über meine Vorfahren zutage bringe. In meinem Engagement ist es ganz ähnlich: Ich beschäftige mich als Fachfrau mit wirtschaftlichen Belangen, analysiere Gesetze und erstelle Gutachten. Dabei streite ich mich oft und gerne auf der fachlichen Ebene. Das macht Spaß und bringt unmittelbare Erfolgserlebnisse: gewonnene Gerichtsverfahren, Veröffentlichungen und erreichte Meilensteine in der politischen Arbeit sind die Früchte meines Engagements.“

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PORTRAIT 08
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
GABRIELE GRÄBITZ (59), aus Köpenick Ehrenamtliche im Seniorenheim Müggelschlößchenweg (Hasenbesuchsdienst)

„Ich horche auf meine Bedürfnisse und achte sehr genau darauf, was mir gut tut und was nicht.“
„Ich engagiere mich direkt vor meiner Haustür, denn ich bin ein bequemer Mensch. Einmal pro Woche gehe ich mit dem Kaninchen Laura Bewohnerinnen und Bewohner des Heimes besuchen und schaffe es, über das Tier Kontakt zu den oft dementen Menschen zu bekommen. Für mich ist diese Tätigkeit ideal: ich kann anderen helfen und bekomme ganz viel zurück und kann meine Tierliebe ausleben. Dabei muss ich mich mit niemandem abstimmen. Ich bin nämlich eher Einzelgängerin und intensive Einzelbegegnungen sind mir viel lieber als Teil einer Gruppe zu sein. Wenn mir das Erlebte zwischendurch zu nahe geht, ziehe ich mich zurück. Mir bringen die Besuche innere Ruhe und Anerkennung. Diese Bestätigung, noch gebraucht zu werden, ist mir wichtig. Auch, weil ich allein lebe und nur noch in Teilzeit arbeiten kann. In meinem Leben habe ich viel erlebt und habe jetzt zu mir gefunden. Ich achte darauf, dass ich mich nicht verbiege und mache alles, was ich tue, sehr bewusst und immer aus freien Stücken.“

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PORTRAIT 09
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
BARBARA GERASCH (47), aus Friedrichshagen Ehrenamtliche im Besuchsdienst und Hospiz der Sozialstiftung Köpenick

„Die Freude, die ich geben kann, macht süchtig. Und genau das macht es auch so gut.“
„Ich bin sehr gerne mit älteren Leuten zusammen. Sie strahlen eine Gelassenheit und Wärme aus, die mir sehr viel gibt. Das gilt für meine künstlerische Arbeit, bei der ich oft alte Menschen portraitiere und für mein Engagement. In unserer auf Kommerz ausgerichteten Welt ist es meiner Meinung nach ganz entscheidend, etwas zu geben, ohne dafür etwas zu verlangen. Und ich bekomme immer viel mehr zurück als ich gebe. Die Freude und Dankbarkeit, die ich durch mein Engagement erfahre, wirkt intensiv auf mich ein. Es sind immer tiefe Begegnungen. Auch meine Einstellung zum Alter hat sich stark geändert: Mir wird durch mein Engagement immer wieder bewusst, wie wichtig Erinnerungen sind. Deshalb schaffe ich mir meine Erinnerungen jetzt.“

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PORTRAIT 10
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
MARGOT WOLFF (70) Ehrenamtliche künstlerische Leiterin Collage e.V.

„Das Schicksal hat es sehr gut mit mir gemeint.“
„Ich bin seit 47 Jahren der Motor meines Vereins. Für mich ist es faszinierend zu sehen, dass hier über die Jahrzehnte eine Gemeinschaft gewachsen ist, die wie eine Festung ist. In dieser Festung entdecken Frauen ihr künstlerisches Potential und es bringt mir sehr viel Freude zu sehen, wie die Frauen beginnen, an sich zu glauben. Wenn ich mit Blinden und Behinderten arbeite, betrachte ich diese nicht als defizitär. Sie haben mir gegenüber andere Vorteile, können zum Beispiel besser fühlen. Künstlerische Betätigung schafft persönliche Erfolgserlebnisse und gibt Kraft und Energie. Ich selbst bin immer ein zufriedener Mensch gewesen und teile gerne. Ich merke, dass ich ständig Freude verbreite. Genau das strahlt auf mich zurück. Meine Energie wächst ja immer nach und ich werde nie alle.“

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PORTRAIT 11
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
OLAF BEILSCHMIDT (78), aus Altglienicke Ehrenamtlicher in der Seniorenbegegnungsstätte Altglienicke („Hausfotograf“)

„Ich habe einzigartige Eindrücke sammeln dürfen, die ich gerne teile.“
„Die Liebe zur Fotografie habe ich schon während meiner Berufstätigkeit als technischer Assistent beim Fernsehen der DDR entdeckt. Seitdem hat mich die Faszination nicht mehr losgelassen und ich habe fotografiert, Dias erstellt und gefilmt. Ich übe seit 2004 auch als Ehrenamtlicher mein Hobby aus. Vor zwei Jahren ist für mich ein Lebenstraum wahr geworden: ich war mit meinem Sohn in San Francisco. Auf dieser Reise habe ich Eindrücke gesammelt, die ich noch nie hatte und vermutlich nie wieder haben werde. Niemals hätte ich gedacht, dass ich so etwas Einzigartiges noch mal erleben darf. Das Glück haben wenige in meiner Generation. Deshalb lasse ich heute andere an meinen Erlebnissen teilhaben, indem ich Vorträge halte. So bleiben auch für mich die Bilder präsent.“

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PORTRAIT 12
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
GISELA TEWS (82), aus Köpenick Ehrenamtliche Redakteurin der Köpenicker Seniorenzeitung

„Meine Welt ist kleiner geworden und ich muss sie intensiver betrachten.“
„Kreuzworträtsel reichen nicht, um sich fit zu halten. Das ist nur Ausfülltätigkeit. Das beste Mittel gegen Alzheimer ist, dass man seinem Gehirn immer wieder neue Eindrücke vermittelt. Das mache ich: Ich interessiere mich für die Welt, verschaffe mir Erfolgserlebnisse und halte den Kontakt zu meiner Umwelt. Das ist der Motor für mein Engagement. Als Journalistin schreibe ich für die Köpenicker Seniorenzeitung. Durch mein Schreiben spüre ich, dass ich noch gebraucht werde. Und die vielen positiven Rückmeldungen von der Redaktion und den Lesern tun mir sehr gut. Ich kann mir mein Leben ohne die Zeitung auch gar nicht vorstellen. In meiner Generation wachen viele morgens auf und es erwartet sie ein ganz langweiliger Tag. Dieses Gefühl kenne ich nicht. Ist eine Zeitung erschienen, befinde ich mich schon in der Recherche für die nächste Ausgabe. Zum Glück.“

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PORTRAIT 13
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
CHRISTINE BADEKOW (62), aus Köpenick Ehrenamtliche Mitarbeiterin im Netzwerk „Leben im Kiez“

„Nur, wenn es mir gut geht, kann ich für andere da sein .“
„Ich habe meinen Mann sehr lange gepflegt und war selbst lange krank. In dieser Zeit habe ich sehr viel Unterstützung und Hilfe von anderen Menschen erfahren. Davon gebe ich jetzt etwas zurück. Wenn ich die älteren Menschen betreue und in Alltagsfragen berate und begleite, spüre ich, dass ich gebraucht werde. Dabei achte ich aber auch darauf, dass es mir nicht zu viel wird. Ich habe mein Leben lang sehr viel gearbeitet. Die Auswirkungen vom enormen Stress spüre ich heute leider gesundheitlich. Deshalb achte ich auf ein ausgewogenes Verhältnis von Zeit für mich und für andere. Um für andere da sein zu können, muss es mir gut gehen. Meine ehrenamtliche Tätigkeit empfinde ich als enorm sinnvoll, denn ich kann mich für ein selbstbestimmtes Leben im Alter einsetzen. Ein selbstbestimmtes Leben möchte ich auch so lange es geht führen können.“

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PORTRAIT 14
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
CHRISTIANE WERMKE (51), aus Köpenick Ehrenamtliches Vorstandsmitglied AWO Treptow-Köpenick

„Mir fiel damals die Decke auf den Kopf.“
„Ich habe mein Leben lang gerne gearbeitet. Plötzlich war ich im Jahr 2000 durch einen akuten Bandscheibenvorfall arbeitsunfähig und von heute auf morgen Hausfrau. Ich hatte viel zu viel Zeit und brauchte eine Aufgabe. Durch mein Engagement bei der AWO habe ich mein geregeltes Leben wiedergefunden. Ich bekomme in meinem Tun die Bestätigung, gebraucht zu werden. Gerade die generationsübergreifende Arbeit bringt mir das Gefühl, eine sinnvolle Tätigkeit zu haben. Bei den vielen Begegnungen mit Senioren bekomme ich viel Wärme und Dankbarkeit zurück. Und das tut gut. Außerdem finde ich, dass man auch eine Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber hat. Ich bin aufgrund meiner Krankheit berentet. So kann ich der Solidargemeinschaft, die für meine Rente aufkommen muss, etwas zurückgeben.“

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PORTRAIT 15
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
IRENE KRUSCHKE (60+), aus Müggelheim Ehrenamtliche Leiterin der Sozialkommission Müggelheim und Vorsitzende des Sozialbündnis Müggelheim e.V.

„Ich kann im Engagement von meinem Alltag abschalten.“
„Das Helfen steckte schon immer in mir drin. Und ich konnte mich schon immer freuen, wenn ich anderen Freude bringen konnte. In meinem Tun möchte ich das Zusammengehörigkeitsgefühl in unserem Kiez verbessern, das Miteinander der Generationen festigen und gerade alten, einsamen Menschen zur Seite stehen. In den vielen Begegnungen spüre ich die Dankbarkeit, nicht vergessen zu sein. Das macht mir so viel Freude! Ich bin ein optimistischer Mensch und möchte von meiner Lebensfreude etwas abgeben. Über mein Engagement kann ich auch meine persönliche, oft belastende Situation verdrängen. Mein Mann ist unheilbar krank. Bis vor kurzem habe ich ihn gepflegt, jetzt ist er im Heim. Ich bin kein Mensch, der mit seinem Schicksal hadert. Im Gegenteil: Bei mir ist das Glas immer halbvoll.“

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PORTRAIT 16
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
URSULA SCHÖNING (68), aus Köpenick Ehrenamtliche Wohnungsbaugenossenschaft Wendenschloß eG

„Ich habe ein Herz für alte Menschen.“
„Ich bin ein unruhiger Geist, brauche Abwechslung und Trubel im Leben. Gesellschaft und Kommunikation sind mir sehr wichtig. Deshalb bin ich bei meinem Frühstück für Seniorinnen, das ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen seit sechs Jahren einmal im Monat für alleinstehende Damen organisiere, genau richtig. Es ist schön zu sehen, wie sich die Damen auf diesen Tag und das Miteinander freuen. Ich habe das Glück, eine intakte Familie zu haben, die mich sehr stärkt und mir Rückhalt und Kraft gibt. Das sieht bei vielen Frauen hier im Kiez ganz anders aus. Wir leben hier seit Anfang der 60er Jahre und ich kenne fast alle. Und in dieser Verbundenheit setze ich mich gerne für andere ein und mache auch Lesungen oder zum Beispiel Weihnachtsfeiern für die über 80jährigen. Die Dekoration dafür bastele ich selbst und es steckt immer ganz viele Liebe drin.“

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PORTRAIT 17
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
WOLF BERLIN (58), aus Oberschöneweide Ehrenamtlicher Webseitengestalter AWO Treptow-Köpenick

„Durch mein Engagement überwinde ich meine Isolation.“
„Ich bin von Beruf Informatiker und liebe alles, was mit dem PC zu tun hat. Besonders gerne programmiere ich Internetseiten. Das habe ich immer gemacht und auch als Dozent gearbeitet. Vor fünf Jahren hatte ich einen Gehirntumor und es war ziemlich knapp für mich. Ich bin seit damals schwerbehindert. Aber ich habe mir gesagt „sterben kannst du immer noch, also suchst du dir was sinnvolles.“ Ich erstelle gerade als Ehrenamtlicher der AWO Treptow-Köpenick den neuen Internetauftritt. Dabei lerne ich auch ständig dazu – zum Beispiel ist mir die Struktur eines Verbandes wie der AWO ganz neu. Meine Technikbegeisterung ist stärker denn je und ich freue mich sehr, wenn einzelne Bausteine und Seiten fertig sind. Ich finde es wichtig, anderen zeigen zu können, was ich kann. Dass meine Arbeit dabei auch noch dem guten Zweck dient, ist doppelt schön.“

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PORTRAIT 18
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
URSULA und PETER STREHLOW (64, 68), aus Köpenick Ehrenamtliche Lesepaten beim Bürgernetz Bildung (VBKI)

„Man verliert sonst den Draht zur jüngeren Generation.“
„Wir haben schon immer sehr viel zusammen gemacht und verbringen gerne Zeit miteinander. Wir lesen auch beide viel und gerne. Deshalb passt es sehr gut, dass wir zusammen einmal pro Woche als Lesepaten in einer Schule im Wedding versuchen, Kinder für das Lesen zu begeistern. Das machen wir jetzt schon seit sieben Jahren und es macht nach wie vor Spaß. Die Kinder geben uns ständig Anregungen zu Dingen, die man als Erwachsene gar nicht mehr sieht. Dadurch, dass wir keine Enkelkinder haben, lernen wir durch die Begegnungen sehr viel dazu. Es ist auch schön zu sehen, dass wir den Kindern etwas bedeuten. Wenn wir im Urlaub waren, kommen sie und sagen, dass sie uns vermisst haben. Das tut gut.“

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PORTRAIT 19
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“
BRIGITTE HERRMANN (66), aus Köpenick Ehrenamtliche Datenbankkoordinatorin im Freiwilligenzentrum Treptow-Köpenick

„Und mein Mann ist auch froh, mich untergebracht zu wissen.“
„Ich habe mein Leben lang gearbeitet und wusste, dass ich mir auch im Rentenalter eine Betätigung suchen würde. Den ganzen Tag zusammen mit meinem Mann zuhause zu sein, ist nichts für mich. Dazu bin ich auch viel zu unternehmungslustig. Ich brauche Abwechslung, den Austausch mit anderen und immer neue Eindrücke. In meinem Engagement mache ich das, was mir auch beruflich als Buchhalterin viel Freude gemacht hat. Ich bin verantwortlich für die Datenbank des Freiwilligenzentrums und habe hier genau den richtigen Mix aus PC-Arbeit und inhaltlichen Herausforderungen. Die Arbeit macht mir Spaß und außerdem ist es schön, jede Woche in ein Team zu kommen, das sich auf mich freut.“

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Ehrenamtliche Tätigkeit
„Ehrenamt in Treptow-Köpenick . Viele Gesichter, viele Geschichten.“

Sie möchten sich in Ihrem Kiez, in einer gemeinnützigen Einrichtung oder einem Verein engagieren? Sie möchten neue Menschen kennenlernen, praktische Erfahrungen sammeln und sich ausprobieren? Sie möchten über ein Engagement unsere Gesellschaft aktiv mitgestalten? Dann sind Sie bei den STERNENFISCHERN – dem Freiwilligenzentrum Treptow-Köpenick genau richtig!

Erfahrungsaustausch
Wir möchten Ihnen auch über die Vermittlung Ihres Engagements hinaus zur Seite stehen und dabei ganz besonders die Vernetzung mit anderen Engagierten fördern. Dafür gibt es den STERNEN-Treff. Auch möchten wir Ihnen mit diesem Veranstaltungsformat für Ihre zahlreichen Zeitspenden danken. Der STERNEN-Treff gibt Ihnen die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen, sich auszutauschen und dabei auch Einblicke in andere Bereiche zu erhalten.

Angebote für Freiwillige
Beratung und Vermittlung
Die Möglichkeiten und Formen eines Freiwilligen Engagements sind sehr vielfältig. Welches Einsatzfeld am besten zu Ihnen passt, hängt dabei maßgeblich von Ihren Wünschen ab. Um Ihnen den Weg zum passenden Engagement zu erleichtern, bieten wir Ihnen im Rahmen unserer Beratung: - Allgemeine Informationen zum freiwilligen Engagement - Überblick über die Möglichkeiten eines Engagements in Treptow-Köpenick und ganz Berlin - Vermittlung in passende Einsatzfelder (über 400 Angebote)

STERNENFISCHER Freiwilligenzentrum Treptow-Köpenick Müggelheimer Str. 13, 12555 Berlin Telefon 030/23 36 29 98 Fax	 030/68 07 41 61 E-Mail: info@sternenfischer.org Web: 	 www.sternenfischer.org 	 www.facebook.com/STERNENFISCHER.Freiwilligenzentrum Sprechzeiten Hauptstandort: Dienstag und Donnerstag 10 - 16 Uhr Mittwoch 12 - 16 Uhr sowie nach Vereinbarung. Vor-Ort-Beratung auch in den Ortsteilen Schöneweide, Treptow, Altglienicke und Hessenwinkel. Termine und nähere Informationen finden Sie auf www.sternenfischer.org.

Engagement im Ruhestand - Gruppenberatung
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IMPRESSUM
Herausgeber: STERNENFISCHER Freiwilligenzentrum Treptow-Köpenick Müggelheimer Str. 13 12555 Berlin Verantwortlich für den Inhalt: Stefanie Beerbaum, Projektleiterin Tel. +49 (0)30 23 36 29 98 eMail stefanie.beerbaum@sternenfischer.org Internet: www.sternenfischer.org www.facebook.com/STERNENFISCHER.Freiwilligenzentrum Gestaltung: USE gGmbH | Mediengestaltung 2. Auflage, Berlin Januar 2013 Besonderer Dank gilt den Sponsoren, die die Ausstellung erst möglich gemacht haben:

Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamtes Treptow-Köpenick
        
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