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Periodical volume

Full text: Stadtsicht Issue 2015,2

stadtsicht
Ausgabe Dezember 2015

Digitale Welt – Mehrwert fürs Wohnen?
Rückblick: Diskussion im DAZ So digital ist degewo Interview: Jens Hansen und Ulrich Jursch

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Mehr Chance als Risiko – Digitalisierung schafft Mehrwert fürs Wohnen
Die Welt wird zunehmend digitaler. Auch in der Wohnungswirtschaft gewinnt das Thema an Bedeutung. Auf Einladung von degewo diskutierten im November Experten über Nutzen und Risiken.
Chancen nutzen, Risiken ernst nehmen Die Zahl klingt ernüchternd: Einer neuen Umfrage zufolge nutzt gerade einmal ein Prozent der Deutschen zu Hause umfassende „Smart-Home“-Technik. Doch die Gäste auf dem Podium waren sich einig: Die Möglichkeiten werden schnell wachsen, die Nach­ frage deutlich steigen. degewo-Vorstand Kristina Jahn erklärte in ihrem Begrüßungsstatement, dass die zunehmende Digitalisierung nicht nur das Leben und Arbeiten verändert, sondern auch die Erwartungshaltung von Kunden, Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Dem müsse sich auch ein Wohnungsunternehmen wie degewo stellen. „Ich sehe in der Digitalisierung vielfältige Chancen – für einen besseren Kundenservice, für effizientere Prozesse, für innovative Produkte. degewo hat sich entschieden, die Chancen der digitalen Welt zu nutzen und die Risiken ernst zu nehmen.“ Denn neben den technischen Möglichkeiten der neuen digitalen Welt, in der Apps den Alltag bestimmen, mit deren Hilfe Mieterinnen und Mieter die Heizung von unterwegs aus regeln, die Jalousien schließen und der Kühlschrank sich meldet, wenn Milch und Butter fehlen, bleiben auch Risiken: Wer schützt die Daten? Was ist, wenn der Strom ausfällt? Die virtuelle Brille (links) ermöglicht den Blick in eine Wohnung (unten). Das Publikum erhält einen faszinierenden 360°-Rundumblick. Lebhafte Diskussion auf dem Podium (oben) nach dem Impulsvortrag von Zukunfts­ forscher Jens Hansen (unten). Das Leben komfortabler gestalten In seinem Impulsvortrag erklärte der Zukunfts­ orscher Jens Hansen: „Die Digita­ f lisierung wird auch die Wohn- und Immo­ bilien­ irtschaft in Bewegung bringen. w So vernetzen sich im Bereich Wohnen schon jetzt die Dinge. Und im Bereich Bauen und Infrastruktur wird das autonome Auto vielleicht mehr Auswirkungen haben als die Energiewende.“ Hansen führte aus, dass die Erfindung des selbstfahrenden Autos auf Dauer die Standort-Attraktivität einer Immobilie entscheidend beeinflussen könnte. Holt das Auto den Mitfahrer vor der Tür ab und fährt ihn direkt, ohne Parkplatzsuche, an sein Ziel, dann könnten auch Randlagen unserer Städte attraktiver werden. Gerade bei der Mobilität seien in der Zukunft große Sprünge und Veränderungen zu erwarten, die dann auch die Immobilienwirtschaft beeinflussen. Ansonsten bieten vor allem Smart-Home-Anwendungen für Vermieter und Mieter eine Menge Chancen, das Leben komfortabler zu gestalten. An diesem Punkt setzte auch der Voda­ one-Manager und f Vorsitzende des Bitkom-Arbeitskreises Connected Home Stephan Schneider an: „Smart-Home-Technologien sollten den Menschen helfen und nicht den Unternehmen.“

BDA-Bundesgeschäftsführer Dr. Thomas Welter und „plan A“-Gründerin Nadin Heinich bei ihren Statements bzw. Impulsvorträgen.

Der Blick durch eine virtuelle Brille zeigt den Komfort des digitalisierten Wohnens, aber auch mögliche Risiken. Während eine Testperson auf der Bühne durch die Brille schaute, konnten die mehr als 200 Zuschauer im Saal auf der großen Leinwand verfolgen, was es durch die Gläser zu sehen gab. Der Film „360° degewo – rundum digital“ beeindruckte das Publikum im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ) und öffnete manchem die Augen, was die Zukunft bringen kann. Genau darum ging es in der 14. Veranstaltung der Reihe „Verantwortung für die Stadt“, zu der degewo Mitte November, einen Tag vor Eröffnung des nationalen IT-Gipfels in Berlin, eingeladen hatte. Experten aus der Wohnungswirtschaft, Architekturszene, Wirtschaft und Politik waren gekommen, um unter der Überschrift „Digitale Welt – Mehrwert fürs Wohnen?“ mehr zu erfahren und zu diskutieren.

Per SMS konnten die Zuschauer abstimmen und das Ergebnis gleich am Bildschirm sehen.

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„Was passiert mit meinen Daten?“ Er erwarte nicht, dass zukünftig ein Unter­ nehmen die Lösung für alle Anwendungen anbietet. Vielmehr werden viele kleinere Start-ups die Innovationen für die Branche entwickeln. Dann werde es darauf ankommen, dass die verschiedenen Technologien miteinander kommunizieren können. „Digitale Transformation bedeutet vernetzt zu denken und vernetzt zu handeln“, sagte Stephan Schneider, der auch Vorstandsvor­ itzender des Businessnetzwerkes s „Digitale Stadt Düsseldorf“ ist. Einen kritischeren Blick auf die Zukunft warf Nadin Heinich. Die Gründerin des „plan A“Büros für Architekturkommunikation erklärte: „Smart Homes sollten nicht nur als Wachstumsmarkt mit viel Luft nach oben verstanden werden. Die Menschen fragen sich: Was ist wirklich neu? Brauche ich das? Kann ich das auch ändern oder abschalten? Und was passiert mit meinen Daten?“ In der lebhaften Diskussion meldete sich auch der Hausherr im DAZ, Dr. Thomas Welter, zu Wort. Der Bundesgeschäftsführer des Bundes Deutscher Architekten (BDA) verwies darauf, dass digitale und analoge Welten in keinem Gegensatz stehen sollten. „Nicht jedes Defizit lässt sich durch Digitalisierung verbessern. Wir brauchen das Beste aus beiden Welten.“ Livestream und SMS-Abstimmung In der südlichen Gropiusstadt verfolgten den ganzen Abend lang einige Mieterinnen und Mieter von degewo die Veranstaltung.

Das Podium in der Zuschauerrolle. Live zugeschaltet, geben Mieterinnen und Mieter ihre Meinung wieder.

Per Livestream wurden sie zugeschaltet und gaben Auskunft darüber, wie viel Digitalisierung sie sich wünschen. Bei einer SMSAbstimmung, an der sich die mehr als 200 Gästen beteiligen konnten, überwog am Ende die Meinung: Die Chancen der Digi­ talisierung seien größer als die möglichen Risiken. Ein Punkt, über den beim anschließenden Get-together noch ausführlich diskutiert wurde. Datensicherheit und -schutz trieben immer noch manche Sorgenfalte auf die Stirn, doch die Fülle an Möglichkeiten ließ die möglichen Nachteile schnell in den Hintergrund

treten. „Die Bedürfnisse unserer Mie­ erinnen t und Mieter sind für uns das Wichtigste. Natürlich betrachten wir es positiv als Herausforderung, die Möglichkeiten der Digitalisierung erlebbar und nutzbar zu machen. Aber wir sehen auch eine große Verantwortung für die Datensicherheit“, schloss degewo-Vorstand Kristina Jahn einen höchst informativen Abend, den Sie, liebe stadtsicht-Leserinnen und -Leser, auch noch einmal nacherleben können. Einen Mitschnitt der kompletten Veranstaltung finden Sie auf der Webseite www.degewo.de/verantwortungfürdiestadt. Hier ist auch der Film „360° degewo – rundum digital“ zu sehen.

Digitalisierung trifft Mieter
Während im Deutschen Architektur Zentrum die Veranstaltung lief, verfolgten einige Mieterinnen und Mieter von degewo in der südlichen Gropiusstadt die Diskussion per Livestream.
Wer am Abend des 17. Novembers das Restaurant „Diyar Simit Evi“ in der Einkaufspas­ age Wutzky besuchte, blickte auf eine s ungewöhnliche Kulisse. An zwei Tischen schauten einige Gäste Fernsehen und wurden dabei zumindest zeitweise von einer Kamera gefilmt. Die Zuschauer, Mieter von degewo, verfolgten die Veranstaltung im DAZ live, wurden sogar interviewt und live zugeschaltet. Liane Müller-Knuth blieb am Ende recht skeptisch: „Unter digitaler Welt hat man natürlich eine Vorstellung, aber unter digitalem Wohnen konnte ich mir bisher wenig vorstellen. Die Wohnung, die man durch die virtuelle Brille gesehen hat, macht die Menschen vermutlich krank. Wenn man gar nichts mehr selbst machen muss – in meinen Augen ist das keine Zukunft.“ „Schritt in die richtige Richtung“ Manch einem öffnete die Diskussion des Abends auch die Augen. Sigrid Sürmeli hatte sich bislang über Datensicherheit und Datenschutz noch nicht umfangreich Gedanken gemacht: „Die Hinweise zu Kontrolle und Überwachung, die gegeben worden sind, waren mir noch nicht so weitreichend klar. Außerdem werden doch mit der Digita­isiel rung wahnsinnige Ressourcen verschwendet: Es kostet unheimlich viel Strom, die ganzen Dinge laufen zu lassen, und Ressourcen, die ganzen Geräte zu fertigen, die wahrscheinlich nach wenigen Jahren wieder unmodern sind.“ Die Erwartungen von degewo-Mieter Sali Kurtogu sind dagegen voll und ganz erfüllt worden: „Ich bin positiv gegenüber Digitalisierung und Smart Home eingestellt. Gerade als junger Mensch ist man gegenüber dieser Sache offen und auch als Familienmensch muss man ja alles immer verknüpfen und managen – daher überzeugt mich das.“ Früher habe er gedacht, der technische Fortschritt sei nur in Eigentumswohnungen und Häusern möglich. Aber wie man gesehen habe, ließe sich das auch auf Mehrfamilienhäuser übertragen. „Für mich war das heute ein Schritt in die richtige Richtung.“ Offene Fragen Für Claudia Klemt sind noch nicht alle Fragen beantwortet: „Muss man alle Daten offen­ legen? Was ist, wenn der Strom ausfällt? Und wer zahlt die Stromkosten für diese ganzen Gerätschaften in der Wohnung?“ Doch die degewo-Mieterin sieht auch die Vorteile der Digitalisierung: „Man muss sich nur hinsetzen und das Licht dimmt sich zum Beispiel von allein, das Wasser läuft von allein in die Badewanne – das klingt schon gut. Ich würde gerne mal, wenn es das gäbe, eine Testwohnung ausprobieren. Wahrscheinlich vermisse ich aber dann einfach dieses Menschliche, dies Mit-jemandem-reden-Können.“ Auch bei den per Livestream zugeschalteten Gästen regte die Veranstaltung im Deutschen Architektur Zentrum zu weiteren Diskussionen an.

„Verantwortung für die Stadt“
ist eine Veranstaltungsreihe von degewo. Zweimal jährlich diskutiert Berlins führendes Wohnungsbauunternehmen mit Experten über Zukunftsthemen der Stadt. Zu den Teil­ ehmern gehör­ en n t bereits Bestseller-Autor Wladimir Kaminer, der Freiburger Ober­ ürger­ eister a. D. b m Rolf Böhme und die Vize-Bürgermeisterin von Rotterdam, Korrie Louwes. Die Diskussion am 17. November im DAZ war bereits die 14. Ver­ n­ taltung der Reihe. a s Ulrich Jursch, Christoph Beck (beide degewo), Zukunftsforscher Jens Hansen, Kristina Jahn (degewo), Dr. Thomas Welter, Bundesgeschäftsführer des BDA, „plan A“Gründerin Nadin Heinich und Vodafone-Manager Stephan Schneider (von links).

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„Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung“
Zukunftsforscher Jens Hansen und Ulrich Jursch, ab Januar 2016 Geschäftsführer der degewo netzWerk GmbH, über Chancen, Entwicklungstrends und Herausforderungen der Digitalisierung beim Wohnen.
möglich ist. Somit kann man auch im SmartHome-Bereich vom Phänomen des „bring your own device“ sprechen. Wie ist degewo in der „digitalen Welt“ aufgestellt? Jursch: Auch wenn die digitale Welt manchmal eher im Verborgenen blüht – sie ist schon da. Wir setzen bereits seit Jahren auf verschiedenen Ebenen digitale Technik im Unternehmen ein. Dabei sind wir in einigen Bereichen längst über den Status von Pilotprojekten hinaus und wenden digitale Lösungen in Serie an. Die Digitalisierung ist also längst bei degewo angekommen. Klar ist jedoch auch, dass das ein fortlaufender Prozess ist und wir erst am Anfang einer Entwicklung stehen. Können Sie ein Beispiel nennen? Jursch: Unser konzerneigener Messdienst setzt seit Jahren nahezu ausschließlich online auslesbare Messtechnik ein. Dazu werden in den Liegenschaften Funknetze aufgebaut und die Messdaten dann über Gateways aus­ elesen. Oder unser Strom-Pilotprojekt im g Neubau Joachimstraße 8 in Köpenick: Um den Stromverbrauch schnell, exakt und effizient abzu­esen, setzen wir dort sogenannte l Smart Meter, also fernauslesbare Strom­ ähler, z ein. Unsere dortigen Stromkunden können ihren individuellen Verbrauch übers Internet jederzeit nachverfolgen. Und das Energie­ management nutzt Gebäudeleittechnik, um über den Monitor am Arbeitsplatz Heizan­agen überwachen und einstellen l zu können. Weitere Beispiele sind das Notrufsystem unserer Tochter SOPHIA oder das Haustürzugangssystem „KIWI“ . Wie schätzen Sie die technologische Ent­ icklung ein? Welche Trends werden w sich rund ums Wohnen durchsetzen? Hansen: Das Thema Energie wird auf jeden Fall eine große Rolle spielen. Auch gehe ich davon aus, dass sich die Kommunikation mit dem Mieter durch digitale Technologie in Zukunft erheblich verbessern lässt. Dies reicht von Mitteilungen des Vermieters über die Koordination von Handwerkerterminen bis hin zur transparenten Abrechnung. Viele neue Technologien werden zudem vom Mieter selbst mitgebracht, das Smart-TV, die intelligente Waschmaschine, Funkschalter für Licht oder intelligente Heizkörperventile. Smart-Home-Elemente werden in vielen Bereichen so wahrgenommen werden wie Möbel, die mit umziehen. Und da sind der Kreativität der Mieter keine Grenzen gesetzt. Was ist im nächsten Jahr geplant? Jursch: 2016 wollen wir in einem Pilotprojekt die ersten Häuser mit digitalen Hausaushängen ausstatten. Auf einem Flachbild-Monitor, der mit dem Internet verbunden ist, könnten Mieterinnen und Mieter so beispielsweise erfahren, wann sich die Laufgruppe in der Nachbarschaft trifft oder ob der Bus an der nächst­ elegenen Haltestelle pünktlich ist. g Und wir können Mitteilungen an die Mieter am Arbeitsplatz einfach abschicken und sie kommen in Echtzeit an, sind aber auch nicht mehr sichtbar, wenn wir einen Endtermin für die Mitteilung setzen. Digitale Technik ermöglicht eine viel schnellere, aktuellere und zielgenauere Information für unsere Kunden. Wenn sich die Lösung bewährt und finanzierbar ist, gehören Hausaushänge aus Papier der Vergangenheit an. degewo startet 2016 mit der neuen Unternehmenstochter „netzWerk“. Was sind die Motive für diesen Schritt? Jursch: Bezahlbare Mieten, Produktinnovationen, Serviceorientierung und Effizienzsteige­ rungen zum Nutzen unserer Kunden – das sind unsere Unternehmensziele. Um eine optimale Leistung zur Erreichung dieser Ziele erbringen zu können, bündeln wir in der degewo netzWerk GmbH unser Know-how auf den Gebieten Energie­ anagement, m Messdienst, Kabel- und Glasfasernetze sowie Energielieferung (Wärme und Strom). Und netzWerk wird sich künftig mit weiteren Themen beim Ausbau der Digitalisierung unserer Immobilien befassen. Sie behaupten, das selbstfahrende Auto könnte größere Auswirkungen auf das Wohnen haben als die Energiewende. Wie meinen Sie das? Hansen: Schaut man in die Forschungslabore der großen Automobilkonzerne, so ist klar, dass in spätestens zehn Jahren autonome Autos zu unserem Straßenbild gehören werden. Das Auto wird sich dann ohne Zutun eines Fahrers bewegen können. Die Abkehr vom privaten Autobesitz wird sich dadurch weiter verstärken und Carsharing zu einem Konzept für alle werden. Nach dem Motto: „Einfach das Auto ordern und dann genau dorthin bringen lassen, wohin man möchte.“ Diese Innovation wird fundamentale Auswirkungen auf den wichtigsten Attraktivitäts­ faktor einer Immobilie haben: die Lage. Keine Abhängigkeit mehr von Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs, keine Parkplatznot, dafür einfacher Zugang zu Infrastruktur wie Einkaufsmöglichkeiten, Schulen oder Freizeiteinrichtungen. Dieses kann insbesondere Lagen im Umland wieder erheblich attraktiver machen. Wie sollten Institutionen oder Unternehmen, beispielsweise in der Wohnungswirtschaft, auf die Entwicklung reagieren und diese für sich nutzen? Hansen: Zuerst ist es natürlich wichtig, sich mit der Digitalisierung, seinen Technologien und Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Zudem sollte sich jeder Akteur der Wohnungswirtschaft bewusst machen, dass die Innovationszyklen bei digitalen Produkten erheblich schneller sind als bei den meisten anderen Investitionen, die üblicherweise getätigt werden. Da gilt es genau abzuwägen, was einen tatsächlichen Mehrwert für die Beteiligten bietet. Zudem ist zu überlegen, wo die Schnittstelle zwischen der Technik des Mieters und der des Vermieters ist. Losgelöst von einzelnen Anwendungsfällen ist bei der Konzeption von neuen Gebäuden oder der Renovierung immer zu überlegen, welche digitale Infrastruktur zwingend vorhanden sein muss und was sich später eher leicht nachrüsten lässt. Letztlich steht die Investition in digitale Technologie immer im Wettbewerb zu anderen Investitionen in die Immobilie und muss sorgsam abgewogen werden. Eins ist aber sicher: Ohne gute Breitband­ anbindung kommt heute keine Wohnung mehr aus. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen? Jursch: Eine große Herausforderung wird für uns als großes Wohnungsbauunternehmen darin bestehen, für eine digitale Infra­ truktur s in der Fläche zu sorgen. Hier gilt es u. a., den Aufbau von Glasfasernetzen weiter voranzutreiben. Auf dem Feld der Energiedienst­ leistungen wird es darauf ankommen, mit der digitalen Technik in die Fläche unseres Bestandes zu gehen. Insgesamt müssen wir genau prüfen, welche digitalen Lösungen sinnvoll sind und auf welche wir lieber verzichten – auch deshalb, weil wir uns dem Schutz der Daten unserer Mieter verpflichtet fühlen. Große Herausforderungen haben wir auch intern: Die neue Welt braucht Experten, die mit solchen Technologien umgehen können – Beschäftigte in der Immobilien­ wirtschaft kommen eher aus der analogen Welt und benötigen für die neue eine „digitale DNA“.

Jens Hansen ist Gründer und Inhaber der Strategie- und Innovationsberatung Jens Hansen Consulting GmbH. Seit 2013 arbeitet er als selbstständiger Zukunftsforscher.

Ulrich Jursch, bislang Geschäftsführer der degewo Wärme GmbH, führt ab Januar 2016 die neue Unternehmenstochter degewo netzWerk GmbH. Sie bündelt alle Dienstleistungen und Kompetenzen in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Digitalisierung. Ist die Digitalisierung tatsächlich schon in der Wohnung angekommen? Hansen: Im Moment passiert die Digitalisierung oft unsichtbar im Hintergrund, durch die Verwalter oder Eigentümer. So wird beispielsweise die Heizung intelligent gesteuert oder die Ablesung von Zählerständen erfolgt ohne Zutun des Mieters. Die sichtbare Digitalisierung der Wohnung durch Funklichtschalter, zentrales Musikstreaming oder die Regelung einzelner Heizkörperthermostate erfolgt hingegen fast ausschließlich durch einzelne Mieter. Diese haben einfach Spaß an der neuen Technik und probieren aus, was alles

Welche Chancen, aber auch welche Risiken sehen Sie in der aktuellen Entwicklung? Hansen: Die Chancen der neuen Technik sind mehr Wohnkomfort, mehr Sicherheit sowie Ein­ parung von Energie und anderen s Ressourcen. Auf der anderen Seite gilt es auch, den Datenschutz abzuwägen. Ebenso muss die digitale Technik leicht zu bedienen sein und die Sinnhaftigkeit stets abgewogen werden. Die Digitalisierung wirkt aber nicht nur innerhalb des Gebäudes, sondern auch außerhalb tut sich einiges. So sollten auch Themen wie Smart Grid, neue Logistik­ konzepte oder das autonome Auto im Blick behalten werden. Also alles das, was heute zum Thema Smart City im Gespräch ist.

8 | stadtsicht | So digital ist degewo

So digital ist degewo
Die digitale Vernetzung bietet vielfältige Chancen, den Service für die Mieterinnen und Mieter zu verbessern, die Effizienz von Prozessen zu steigern und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Um die Bereiche Energie, Infrastruktur und Digitalisierung neu zu überdenken und zu bündeln, nimmt ab Januar 2016 die neue Unternehmenstochter degewo netzWerk GmbH ihre Arbeit auf.
möglich. degewo hat die Technologie für die Heizkostenabrechnung und den Wasserverbrauch schon lange eingeführt. Bei Stromzählern können die ersten Mieterinnen und Mieter in Köpenick ihren eigenen Energieverbrauch jederzeit selbst im Internet überprüfen. Digitale Hausaushänge Schaukästen und schwarze Bretter könnten bald der Vergangenheit angehören. Digitale Hausaushänge machen schnelle, aktuelle und zielgenaue Information möglich. Auf einem Flachbild-Monitor erfahren Mieterinnen und Mieter beispielsweise in Echtzeit, ob der Müll schon abgeholt wurde oder wann sich die Laufgruppe in der Nachbarschaft trifft. 2016 sollen die ersten Häuser bei degewo mit digitalen Hausaushängen ausgestattet werden. Aufbau und Verpachtung von schnellen Datennetzen Leistungsfähige Datennetze sind eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass digitale Informationstechnologien überhaupt zur Anwendung kommen. Aus diesem Grund treibt degewo den Aufbau von Koaxial­ kabel- und Glasfasernetzen voran. Bereits 2012 wurden in der Berliner Gropiusstadt in einem Pilotprojekt der Unternehmen degewo, Ericsson, QSC und Vattenfall Europe Netcom rund 4.000 Wohnungen an ein Glasfasernetz angeschlossen.

Das Mieterportal Um alle Anliegen der Mieterinnen und Mieter möglichst schnell und effizient zu erledigen, hat degewo im Sommer 2014 ein digitales Kundenkontaktmanagement eingeführt. Ob es um Schadensmeldungen, Vertragsdaten, Bescheinigungen oder Anfragen geht: Mit dem personalisierten Zugang zum degewoMieterportal können Mieterinnen und Mieter jederzeit ihr Anliegen melden und den Bearbeitungsstand nachvollziehen. Steht eine Reparatur an, erfährt der Mieter beispielsweise über das Portal den Namen der ausführenden Firma und den Termin, je nach Wunsch auch per E-Mail. Digitale Wohnungsabnahme Alle degewo-Hausmeister sind seit einem Jahr mit einem Tablet ausgestattet, mit dem sie Zugriff auf alle wichtigen Daten haben. So können Kunden die Mitarbeiter vor Ort auf Mängel ansprechen, die diese sofort zur Be­ rbeitung weitergeben. Auch bei der Woha nungsabnahme, wenn Mieter wechseln, hat sich der Service verbessert: Das Übergabe-­­ protokoll wird auf dem Tablet unterschrieben und steht sofort elektronisch zur Verfügung. Digitale Türöffner In der südlichen Gropiusstadt öffnet sich das Türschloss berührungslos und wie von selbst. Ein digitaler Transponder sorgt dafür, dass

Kunden, die beispielsweise mit Einkaufstüten bepackt vor ihrer Hauseingangstür stehen, nicht mehr nach dem Schlüssel suchen müssen. Auch für Hausmeister oder Handwerker vereinfachen digitale Türöffner die tägliche Arbeit. In Zusammenarbeit mit dem Berliner Unternehmen KIWI.KI hat degewo im Frühjahr 2015 digitale Türöffner eingeführt. Nach erfolgreichem Testlauf ist die Technik nun bereits in 250 Häusern in Gropiusstadt und Mariengrün installiert. Auf freiwilliger Basis können die Mieterinnen und Mieter die digitalen Türöffner (KIWI) ausprobieren und dauerhaft nutzen. Ziel von degewo ist es, die digitalen Türöffner in größere Teile des Wohnungsbestands einzubauen. Smart Metering Energieverbräuche schnell, exakt und bequem von zentraler Stelle aus ablesen – mit dem sogenannten Smart Metering ist das

„Die Bedürfnisse unserer Mieterinnen und Mieter sind für uns das Wichtigste. Natürlich betrachten wir es positiv als Herausforderung, die Möglichkeiten der Digitalisierung erlebbar und nutzbar zu machen. Aber wir sehen auch eine große Verantwortung für die Datensicherheit.“
degewo-Vorstand Kristina Jahn

Impressum Herausgeber: degewo, Marketing / Unternehmenskommunikation | Potsdamer Straße 60, 10785 Berlin | www.degewo.de | Redaktion: Lutz Ackermann | Tel.: 030 26485-1502 | Publiplikator | Mail: presse@degewo.de | Redaktionsschluss: 9. Dezember 2015 | Fotos: Cathrin Bach (Titel, Seite 2– 4, 6), Tina Merkau (Seite 5, 8), degewo (Seite 6), Daniel Hofer (Seite 8) | Gestaltung: IM MAI GmbH
        
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