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8. Hulda Schnell (Nr. 91 meiner Akten)

Full text: Zehn Lebensläufe Berliner Kontrollmädchen / Hammer, Wilhelm

84 Großstadt-Dokumente 23b. 23. Berliner Kontrollmädchen.

Bis acht Uhr abends haben wir uns unterhalten. Da kamen mehrere Mädchen und brachten Herren. Die Frau sagte: Holen Sie sich doch auch einen. Da hab ich mir einen geholt. Es war ein besserer Herr mit. Der Herr war auf der Lhausseestratze. Er bot mir eine Tasse Aassee an. Die habe ich nicht an-genommen. Wir sind spazieren gegangen. Karree mm. Ich habe mir nichts dabei gedacht. Ich bin doch sonst eine kalte Natur. Dann sind wir rausgegangen. Kaum waren wir oben, da kam ein Kriminalbeamter. Freche, dreckige Hure hat er mich genannt. Er schaffte mich nach der Polizeiwache. Da haben sie eine geholt, die unter Sitte stand. Die hat gesagt, sie hätte mich mit rausgehen sehen. Fräulein Dokter untersuchte, sagte nichts. Ich kam in die Zelle zurück. Am andern Tage kam ich zu dem Arzte, von da ins Fröb elkrankenh aus."

Hulda hatte im Munde eine Schrunde, die eine entfernte Ähnlichkeit mit Syphilis hatte. Nach zehntägiger Behandlung wurde sie, ohne daß eine Syphiliskur nötig wurde, geheilt entlassen. Sie erhielt in dieser Zeit von ihrem Gatten keine Antwort. Auch holte er sich ihren Wohnungsschlüssel nicht ab.

Die Handschrift ist stark liegend (143°). Ansätze zu plötzlichen Druckpunkten sind vorhanden (Sinnlichkeit). Der Schlußpunkt fehlt (Unvorsichtigkeit).

Zur Beurteilung: Hulda hat einen Bruder, der an einer Bildungshemmung leidet, eine Schwester, die dreimal außerehelich gebar, und blieb selbst wiederholt sitzen. Sie hat also wahrscheinlich schon in ihrer Kindheit keine hinreichende Ausdauer und Tatkraft bewiesen, mag wohl auch mäßig begabt sein. Ihr Gatte steht wahrscheinlich ganz auf dem Boden der zurzeit sich breit machenden
        
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