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5. Elsa Streng (Nr. 96 meiner Akten)

Full text: Zehn Lebensläufe Berliner Kontrollmädchen / Hammer, Wilhelm

62 Großstadt-Dokumente Vd. 23. Berliner Kontrollmädchen.

Die Handschrift ist einfach, mäßig liegend. Sie zeigt Andeutungen von Druckpunkten (Sinnlichkeit), hohe T-Querstriche (Selbstbewußtsein), Fehlen des Schlußpunktes (Leichtsinn, Vertrauen.)

Bei ihrer ersten Einlieferung litt sie an Ausfluß. Zwei Monate nach ihrer Entlassung hatte sie schon einen syphilitischen Ausschlag erworben.

Zur Beurteilung des Falles 5:

Elsa ging bereits auf den Strich, als sie noch nicht bezahlt wurde. Sie ist also nicht durch Not auf den Weg der Unzucht gedrängt.

„Die Erfahrung, daß der Hunger Junge Mädchen aus dem Volke Auf die Bahn oft drängt des Lasters"

konnte ich bei Berliner Sittenmädchen nicht machen. Kein einziges Mädchen wird unter Sittenkontrolle gestellt, ohne vorher Gelegenheit zu haben, sich aus anderem Wege zu ernähren, sei es auch nur durch Vermittlung des Stiftes. Ist ein Mädchen arbeits- und wohnungslos, so stehen ihr die gastlichen Räume des städtischen Obdachs offen. Im Notfälle gibt jedes Polizeirevier für eine Nacht Aufenthalt, bis der Armenpfleger gefragt werden kann. Vielleicht wird die Sittenpolizei meiner Anregung Folge leisten und jedem Mädchen, das zum ersten Male aufgegriffen wird, ein Büchlein überreichen mit kurzen Angaben über städtische Arbeitsnachweise, das städtische Obdach, Armenpflege und Stiftungen.
        
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