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IV. Zur geschlechtlichen Frage

Full text: Zehn Lebensläufe Berliner Kontrollmädchen / Hammer, Wilhelm

IV. Zur geschlechtlichen Frage.

Die geschlechtliche Frage kann durch einseitige Behandlung nicht gelöst werden. Es handelt sich hier vielmehr darum, nach notwendiger Würdigung der sittlichen, gesetzlichen, gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Seite das zu erstrebende Ziel und die geeigneten Wege zu bestimmen. In dieser kurzen Schrift will ich nur einige Punkte andeuten, ohne aus Vollständigkeit irgendwie Anspruch zu erheben.

1. InsittlicherHinsichtist die Frage von Wichtigkeit, ob der geschlechtliche Verkehr auch als Mittel zu einem andern als dem Fortpslanzungszwecke sittlich zulässig oder geboten ist. Wenn es sittlich erlaubt ist, die geschlechtliche Auslösung als Selbstzweck zu erwirken, etwa zur Her-vorrusung der durch die Auslösung erzielbaren Nervenberuhigung, so kann die Empfehlung befruchtungshemmen-der Schutzmittel sittlich erlaubt sein. Ist es sittlich zulässig, daß die Angehörigen des männlichen Geschlechtes ihren Liebestrieb auch außerhalb der Ehe befriedigen, dann mutz es auch für Frauen eine sittlich zulässige außereheliche Art des Verkehrs geben. Mit andern Worten: Wenn Männer mit Dirnen verkehren, ohne dadurch unsittlich zu werden, können auch die Dirnen nicht für unsittlich gehalten werden, weil sie sich dem Männerverkehr hingeben. Es ist denkbar, datz man für Ehefrauen voreheliche Keuschheit verlangt, für Männer nicht. In diesem Falle sind die Dirnen nicht geeignet zur Ehe, dennoch

Grojzstadt-Dokumente Bd. 23.	4
        
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