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4. Dorothea Schwächlich (Nr. 106 meiner Akten)

Full text: Zehn Lebensläufe Berliner Kontrollmädchen / Hammer, Wilhelm

46 Großstadt-Dokumente Bd. 23. Berliner kontrollmädchen.

Krankenhause überwiesen und von dort in ein Fürsorge-stift verbracht.

„Der Vater?" Er will sie nicht mehr sehen. Eine Frau Pfarrer, die sie in das Stift bringen wollte, äußerte: dann wird sie wenigstens auf einige Zeit der Straße entzogen. Im letzten Brief schrieb sie: Herr Doktor Hammer ist verreist. Wenn ihr schreibt, bitte grüßt. .Schickt mir Sachen. Ein Herr war da: sie wird ausgenommen.

Frau Pastor . . . hat, als ich sie bat, das Mädchen behalten zu dürfen, gesagt, das gibt's überhaupt nicht. Sobald sie aus der Straße gewesen, haben die Eltern keine Macht mehr. „Ich habe doch . . sagte ich zu ihr. Ich habe zugeredet, sie soll sie zu Hause lassen. Die Frau Pastor hat gesagt: Sie kommt weg und wenn sie zugrunde geht (wohl ein Mißverständnis der Frau Schwächlich).

Ich riet der Frau nochmals, ihre Tochter zu sich zu nehmen, da durch die Anstalt eine Besserung nicht zu erhoffen sei, und schlug ihr vor, Rücksprache mit der Leiterin des Stifts zu nehmen, verhehlte ihr auch nicht, daß ich bei eingeborenen Gehirnabweichungen auch im Fall sorgfältigster Einzelerziehung Mißerfolge häufiger sah, als Erfolge.

In der Küche traf ich einen jüngeren Bruder Dorotheas, einen 13jährigen Gemeindeschüler, der sich abmühte, eine Feldpslanze nach Lmtte zu bejümmen. Ich hals dem gut begabten, lieben Jungen, und innerhalb weniger Minuten hatte er Klasse, Ordnung und Namen gefunden.

Dann verabschiedete ich mich von der Veamten-familie. Als ich die Straße betrat, war es schon dunkel geworden. Einige Karusselle wirbelten Halberwachsene beider Geschlechter in rascher Drehung, während Leier-
        
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