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III. Erziehung jugendlicher Dirnen

Full text: Zehn Lebensläufe Berliner Kontrollmädchen / Hammer, Wilhelm

Erziehung jugendlicher Dirnen.	39

nach Erfordern eingeschritten werden, bei mangelnder Veranlagung durch liebevolle Einzelunterweisung, bei körperlicher Schwäche durch Zuweisung einer leichten Arbeit, bei Faulheit und Bosheit durch geeignete Strafen. Da ich eine kräftige Ernährung für ein Haupterfordernis halte, meine ich, daß Hungerkuren und Einzelhaft besser durch Schläge ersetzt werden. Schläge dürfen nicht zu heftig und, wenn sie wirken sollen, nicht zu sanft sein, letzteres namentlich auch zur Vermeidung von Trieb-verirrungen. Jede Erzieherin müßte demnach eine genaue Dienstvorschrift erhalten, wie weit sie zu gehen berechtigt ist. Vielleicht ließen sich auch Klassen bilden so, daß ein Mädchen bei guter Führung emporsteigen kann. In den Oberklassen könnte die Rute abgeschafft werden. Bei wiederholt schlechter Führung müßte eine Rück-versctzuttg in die Unterklasse möglich sein. Blutige Zer-sleischungen, wie sie früher in Zuchthäusern an der Tagesordnung waren, halte ich in Fürsorgeanstalten für unangebracht Ein fröhlicher Ton sollte während der Arbeit und in der Erholungszeit herrschen. Die Rute müßte mehr gefürchtet, als angewandt werden.

Auf diesem Wege wird man, falls er beschriften werden sollte, das Anstaltsleben erträglicher machen. Manches Mädchen würde den Segen ernster Arbeit kennen und schätzen lernen. Dauernde Erfolge dürften jedoch schwer zu erzielen sein, da der Geschlechtstrieb auch bei angestrengter Arbeit und der zugehörigen guten Ernährung mächtig ist. Solange bei Verhandlungen über das Vergehen der Gewerbunzucht die eine Hälfte der Beteiligten (der männliche Teil) als unbescholtene Belastungszeugen geladen wird, die andere Hälfte (der weibliche Teil) hingegen als armer Sünder auf der Anklagebank Platz zu nehmen hat, wird es schwer halten, einem Mädchen, das sich für den Verkehr mit vielen
        
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