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III. Erziehung jugendlicher Dirnen

Full text: Zehn Lebensläufe Berliner Kontrollmädchen / Hammer, Wilhelm

Erziehung jugendlicher Dirnen.	37

um so sicherer steht bei ihm der Entschluß fest, nach der Entlassung das Leben der gewerbsmäßigen Anzucht wieder aufzunehmen. Je länger die Hast dauert, um so stärker sind die Enthaltsamkeitsstörungen.

Ich konnte unter vielen Dutzend der Anstalts-erziehung überwiesenen Mädchen nicht ein wesentlich gebessertes finden. Unter 25 Fürsorgezöglingen ergaben sich 22 der gleichgeschlechtlichen Liebesbetätigung oder waren dringend verdächtig, Lesbierinnen zu sein. Von den drei übrigen Mädchen wurde noch eine innerhalb zweier Monate als Lesbierin erkannt.

Von etwa 60 Mädchen trieben 56 Selbstbeftiedi-gung. Wer dies nicht tat, wurde ausgelacht. Ein Handwerk hat nicht ein einziges der mir bekannten Fürsorgemädchen gelernt. Hausarbeit und leichtere Handarbeiten waren die einzigen Fertigkeiten, die die Mädchen erworben hatten.

Die bisher üblichen Erziehungsmittel sind:

1. Abschluß von jedem Verkehr mit der Außenwelt oder mit Männern. Selbst die Tätigkeit des Arztes und die des Geistlichen wurde teilweise weiblichen Kräften anvertraut. Ausflüge wurden nicht gemacht, Sehenswürdigkeiten nicht besichtigt. Verwandte wurden nur selten zum Besuche zugelassen.

2. Strengste Einteilung des ganzen Tages. Genaue Vorschriften für jede Stunde. Ordnung im Essen, Arbeiten, Spazierengehen im Garten.

3. Religiöse Einwirkung. Wöchentlich ein bis zwei Stunden Elementarunterricht.

4. Bestrafung mittels Entziehung des Essens, der Unterhaltung; ferner mittels Einzelhaft in dunkler Zelle mit Pritsche bei geringer Bekleidung. Endlich mittels Verlängerung der Erziehungshaft.

Obgleich ich Dutzende von Fürsorgemädchen kennen
        
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