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III. Erziehung jugendlicher Dirnen

Full text: Zehn Lebensläufe Berliner Kontrollmädchen / Hammer, Wilhelm

III. Erziehung jugendlicher Dirnen.

Falls ein jugendliches bis zu achtzehn Zähren altes Mädchen wegen Gewerbunzucht vor Gericht stand, wird es der Fürsorgeerziehung überwiesen.

Die Vorkämpfer der Fürsorgeerziehung gehen von dem Gedanken aus, daß die bisherigen Gefängnisse keine Besserungsanstalten seien, sondern daß sie immer neue Kreise zr. einem schlechten Lebenswandel verführten. Wenn wir uns fragen, welche Umstände in den Gefängnissen das Verderben jugendlicher Insassen begünstigen, so müssen wir hauptsächlich das Zusammenleben vieler Gleichgesinnter anschuldigen. Das geordnete Leben, die strenge Zucht, die geregelte Arbeit, die einfache kost der Gefängnisse sind wohl nicht als Verschlimmerungsmittel zu betrachten. In den Fürsorgeerziehungsanstalten ist aber der Hauptgrund zur Verschlechterung, die gegenseitige Verführung, ebenso gegeben, wie in den Gefängnissen; wenn auch ganz alte Dirnen fehlen, so bewirkt doch das Zusammenleben von vielen, oft mehr als hundert Mädchen, die früher der gewerbsmäßigen Unzucht ergeben waren, ein gegenseitiges Einweihen in die dunkelsten Gebiete menschlicher Liebesirrungen. Erfolge der Anstaltserziehung sah ich bisher bei Dirnen überhaupt nicht. Im Gegenteil ließ sich bei den von mir beobachteten Fürsorgemädchen das Gesetz ausstellen: Ie länger ein Mädchen in Erziehungshaft geweilt hatte,
        
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