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II. Die Berliner Sittenpolizei und ihre Erfolge

Full text: Zehn Lebensläufe Berliner Kontrollmädchen / Hammer, Wilhelm

Die Berliner Sittenpolizei und ihre Erfolge.

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aus alle Fälle verwarnt, und falls sie wiederholt aufgegriffen werden, unter sittenpolizeiliche Aussicht gestellt.

Trotz der Kontrolle kommen in Berlin durchschnittlich aus jeden geschlechtsreisen Mann 1,2 Geschlechtskrankheiten. Mit andern Worten: von 100 Burchschnitts-männern erkranken im Lause ihres Lebens 80 an Tripper, 20 an Syphilis, mindestens 20 an weichem Schanker, Krätze und anderen seltenen ansteckenden Geschlechtskrankheiten.

Etwa 150 Spezialärzte für Haut- und Harnkrankheiten haben in Berlin ihren Wohnsitz. Jährlich dürfte mindestens eine halbe Million an Arztgebühren für Be-ratung in Geschlechtskrankheiten allein in Berlin verausgabt werden, trotz der „Sicherung" der Gesundheit durch die Vorschriften der Sittenpolizei, denen kein Kontrollmädchen genau nachkommen kann, wenn es nicht verhungern will. Es hat fast den Anschein, als sollten die Vorschriften dazu dienen, jederzeit gegen eine Dirne einschreiten zu können; sie atmen den Geist der Zeit, der in der gewerbsmäßigen Preisgabe des Frauenkörpers eine an sich schlechte Handlung erblickt. Man benutzt die Dirne einerseits zur Auslösung männlicher Sinnlichkeit, hält sie anderseits unter einer strammen Zucht, die sich bis aus die intimsten Privatverhältnisse erstreckt. Ein Blick einer Dirne kann ins Gefängnis führen. (Fachausdruck: anstößiges Umblicken nach Männern; schon hinreichender Zeuge: ein Kriminalbeamter.)

Im Krankenhause werden die Dirnen von den andern Kranken abgesondert, während aus den Männerabteilungen nicht einmal die früheren Zuchthäusler von den andern getrennt werden. Ich halte diese Maßregel für nicht hinreichend begründet, wenn ich von dem Grunde, man müsse aus die öffentliche Meinung Rücksicht nehmen, absehe. Ist eine Dirne unter andern
        
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