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I. Über Dirnentum und Dirnenforschung

Full text: Zehn Lebensläufe Berliner Kontrollmädchen / Hammer, Wilhelm

Ilber Dirnentum und Dirnenforschung.	13

Sterbelager, ihn anzuhören, und seinem Munde entquellen Worte tüte:

„Mein Gretchen, sieh, du bist noch jung,

Bist gar noch nicht gescheit genung:

Ich sag dir's im Vertrauen nur:

Du bist doch nun einmal eine Hur;

So sei's auch eben recht!

Ich seh wahrhaftig schon die Zeit,

Daß alle braue Bürgersleut Wie von einer angesteckten Leichen,

Von dir, du Metze, seitab weichen.

Dir soll das Herz im Leib verzagen, Wenn sie dir in die Augen sehn:

In der Kirche nicht mehr am Altar stehn, In einem schönen Spitzenkragen Dich nicht beim Tanze Wohlbehagen!

In eine finstre Iammerecken Unter Bettler und Krüppel dich verstecken Und, wenn dir dann auch Gott verzeiht, Aus Erden sei vermaledeit!"

Während es bisher üblich ist, die Dirne zu verachten, habe ich jede verächtlich machende Äußerung meinen kranken gegenüber vermieden.

Sine ira neque amore, ohne Parteilichkeit, suchte ich das Iugendleben von über hundert Mädchen zu erforschen. Ich suchte das Vertrauen meiner kranken durch gewissenhafte ärztliche Behandlung zu erlangen, so daß die Mädchen mir gern ihre Lebensgeschichte erzählten. Iedem einzelnen Mädchen gegenüber verpflichtete ich mich zu strenger Geheimhaltung ihres Namens. Ich nannte gleichzeitig jedem Mädchen den Zweck meiner Arbeit, wissenschaftlich das Vorleben der preisgegebenen Mädchen zu erforschen und verlangte keine unfreiwilligen Bekennt-
        
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