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1. Anna Schlaff (Nr. 104 meiner Akten)

Full text: Zehn Lebensläufe Berliner Kontrollmädchen / Hammer, Wilhelm

8 GroMadt'Dokumente Vd. 23. Berlmer Kontrollmädchen.

Anna Schlaff Erlaube mir das Ehrenwort des Herrn Doktor zu erbitten, daß dises geschriben nicht in die Öffentlichkeit Kommt, weil da höhere Persönlichkeiten mit beleidigt sind. damit Sie nicht zu erfahren bekommen, in welchem Schicksal ich Hinnein geraten bin."

Soweit Anna, deren Bitte ich durch Unkennllich-machung aller Namen und Orte erfüllt zu haben glaube.

Zur Beurteilung des Falles möchte ich dem Briefe folgendes hinzufügen: Anna war von roter, blühender Gesichtsfarbe, runden Körperformen und freundlichem Benehmen. Sie litt bei der (Anlieferung durch die Polizei an allgemeiner Syphilis, die nur schwer heilte, da eine Quecksilbervergiftung hinzutrat. Sie erbot sich freiwillig, mir ihren Lebenslaus auszuschreiben, als ich andere Mädchen nach ihrer Vergangenheit fragte. Wenn der erste Blick den ärztlich nicht geschulten Beobachter in Rücksicht aus die runden Arme, die stattlichen Körper-formen, den üppigen Busen, die roten Wangen leicht aus gute Arbeitsfähigkeit zu schließen verleitet, hat mir eine größere Beobachtungsreihe gezeigt, wie vorsichtig man mit dem Urteil „Sie kann wohl, aber sie ist zu faul" sein muß. Anna gehörte zu jenen schlaffen Naturen, denen selten eine Arbeit gelingt. Den Gebetsanstrengungen war sie nicht gewachsen, weil ihre Kopsnerven litten, bei Hausarbeit wurde sie magenkrank, bei Beschäftigung im Zimmer litt die Lunge. Sie versuchte bei uns zu arbeiten, wusch und putzte; der Erfolg war ein Ausschlag der zarten Haut ihrer Hände. Als sie ihren Körper preisgab, wurde sie erheblich krank schon nach kurzer Zeit. In dem Lebenslaus fällt zunächst die starke Betonung des Geldes auf. Diese Hervorkehrung des Geldlichen dürste durch mich insofern bewirkt sein, als ich bei Ausnahme
        
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