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X. Besserungsvorschläge

Full text: Zehn Lebensläufe Berliner Kontrollmädchen / Hammer, Wilhelm

Besserungsvorschläge.	101

eine nahezu vollständige Sicherheit dafür, daß Gast und Mädchen erkranken.

Die Abschaffung der polizeilichen Kontrolle würde meiner Überzeugung nach keine noch erheblichere Ausbreitung der Geschlechtskrankheiten zur Folge haben. In welchem Umfange die Kuppelei, wie sie schon jetzt besteht, strafbar bleiben soll, mutz eingehend erwogen werden.

Die Bestrafung des Dirnenverkehrs an Männern und Frauen dürste nicht durchführbar sein. Entsprechende Paragraphen würden wahrscheinlich zu ausgedehnten Erpressungen führen.

Hebung der sozialen Lage der großen Masse mag an sich sehr wünschenswert sein. Eine Verminderung der Geschlechtserkrankungen und des Dirnentmns auf diesem Wege halte ich nicht für wahrscheinlich. 6chon jetzt sollen 25 Prozent der Tripperkranken nach Neißer verheiratet sein. Tripperrentiers der Krankenkassen sah ich mit einer Kiste Zigarren und einer Flasche Wein das Krankenhaus aufsuchen. Kassenmitglieder erwerben nach meinen Erfahrungen ihre Tripper fast stets nach Bezahlung eines Mädchens. Die geldlich besser gestellten Männer erkranken wohl kaum seltener oder häufiger, als die Handarbeiter. Die Dirnen sind nicht durch Brothunger gezwungen, auf den Strich zu gehen.

Es gibt Dirnen, die hungern, und solche, die täglich 50 bis 100 Mark verdienen. Um den bündigen Beweis zu liefern, daß kein Mädchen unter Kontrolle kommt, weil sie nichts zu essen hat, halte ich es für richtig, daß jedes Mädchen schon bei der ersten Verwarnung durch die Sittenpolizei eine Broschüre mit folgendem Inhalt erhält:

1. städtische Arbeitsnachweise;

2. Auszug aus der Armengesetzgebung nebst Adressen
        
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