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10. Klara Rache (Nr. 12 meiner Akten)

Full text: Zehn Lebensläufe Berliner Kontrollmädchen / Hammer, Wilhelm

Klara Rache.

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Nadeln picken, oder solche, die mit Stock und Reitpeitsche schlagen oder mit dem Reitstiefel auf den Rücken treten oder sich treten lassen. Ferner Menschen, die, wissenschaftlich ausgedrückt, Lunnilingus treiben.

Ein Gelehrter aus einer thüringischen Kunststadt besuchte sie öfter. Vor einem halben Jahre beging er Selbstmord, indem er sich vergiftete.

Er kam öfter nach Berlin, mietete ein Zimmer für täglich 10 Mark. Einmal schenkte er ihr 850 Mark.

„Ich habe direkt 'ne Schlachtbank zu Hause. Bin furchtbar sinnlich. Jetzt mutz ich mich selbst befriedigen."

Sie ist auch Lesbierin. Vor dem Verkehre trinkt sie Sekt, badet, besprengt sich mit kölnischem Wasser.

Sie hat die Absicht, den bisherigen Lebenswandel fortzusetzen, vielleicht sich sittesrei zu machen, indem sie eine Zeitlang arbeitet. Die Arbeit denkt sie sich als Hausmädchen oder als Schneiderin bei einer im Westen verheirateten (offenbar lesbischen) Freundin, die früher den gleichen Lebenswandel führte. Die Schrift ist dünn und drucklos.

Zur. Beurteilung: Die lange Enthaltsamkeit aus unserer Station (die beinahe drei Monate anhielt) hat in dem Mädchen die Sinnlichkeit stark gesteigert.

Hier lernen wir einen Beweggrund zur Preisgabe kennen, der eine große Anzahl Mädchen veranlaßt, das Gewerbe der Unzucht nicht wieder auszugeben, die Lust, Männer zu knechten. Es ist für viele der Mädchen ein sinnliches Vergnügen, zu sehen, wie vornehme Herren vor ihnen aus den Knien liegen (vergleiche Zolas Nana).
        
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